Koblenz – Rüdesheim (3)

Rüdesheim ist eigentlich ein ganz schönes kleines Städtchen, allerdings hat der Wahnsinn hier Methode.


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Uff! – schnell einen Rüdesheimer Kaffee, der es in sich hat: Die Weinbrandbrennerei „Asbach“ hat hier ihren Sitz, und weil es versoffen aussieht, schon nachmittags mit dem Cognacschwenker im Biergarten zu sitzen, gießt man den Schnaps eben in den Kaffee.

Wenn man genug davon intus hat, kann man ein sogenanntes Themenrestaurant besuchen. Ob es da stilecht nur Brot und Wasser gibt, wage ich zu bezweifeln, ohne Alkohol macht man sowas nicht, oder?

Aber, wie gesagt, eigentlich ganz schön, wenn man etwas abseits spazieren geht.

Abends geht es mit dem Zug zurück nach Köln. Ein schöner Ausflug, hat Spaß gemacht.

Koblenz – Rüdesheim (2)

Etwa sechs Stunden dauert die Fahrt von Koblenz nach Rüdesheim auf dem Rhein. Angenehm saßen wir bei milden Temperaturen auf dem Deck und ließen die Gegend an uns vorbeistreichen. Einziger Wermutstropfen: Die Musik von der Bordanlage. Permanente Berieselung mit deutschen Schlagern wie z.B. „Holde Maid, hast Du heut für mich Zeit“ ist eine Folter, mit der wir nicht gerechnet hatten.

Hey – den Biergarten kennen wir doch! Wären wir am Abend vorher daran vorbeigefahren, hätten wir uns dort sitzen sehen können. Ich hätte mir zugewunken!

An den Ufern jede Menge Schlösser …

… und Burgen, man könnte sich fast wie im Mittelalter fühlen – wenn Freddy nicht gerade „Junge, komm bald wieder“ singen würde. So einen Hut hätte ich mir übrigens auch besorgen sollen, die Bewölkung war so aufgelockert, daß ich am Abend einen Sonnenbrand im Gesicht hatte.

Je weiter man nach Süden kommt, desto zahlreicher werden die Weinhänge und geben, je nach Perspektive, interessante Muster.

Neulich habe ich zum ersten Mal in meinem Leben den Begriff ‚Fruktarier‘ gehört – als solcher darf man nichts zu sich nehmen, wofür ein Lebewesen sterben muß. Kartoffeln zum Beispiel sind nicht drin. Und Pommes? Auch nicht, Himmel! Aber Wein darf man trinken, wenn ich mich nicht irre, Früchte aller Art, wenn sie nicht, wie gesagt, zum Dahinscheiden der Pflanze führen. Da haben die Veganer noch ein größeres Angebot.

An Bord hatte man ernährungstechnisch gar keine Skrupel, die ausländischen Gäste am Nachbartisch verlangten schon um 10 Uhr traditionelle deutsche Speisen und Getränke.

Insgesamt eine sehr schöne Fahrt, ich kann sie nur empfehlen – rate aber zu Ohrstöpseln oder Kopfhörer mit überdeckendem Sound.

„Anlegen verboten“ stand auf dem Schild an dem Anleger, an dem wir gerade anlegten … hmm, vielleicht ist was anderes damit gemeint? „Auf jemanden anlegen verboten“ vielleicht? Mit anderen Worten: „Schießen Sie nicht auf den Kapitän!“ – oder wer sonst für das Gedudel verantwortlich ist.

Koblenz – Rüdesheim (1)

Wenn man an einem Fluß wohnt, sollte man auf ihm mindestens einmal in seinem Leben eine längere Schiffstour mitmachen, finde ich. Im letzten Sommer war es so weit. Besonders schön soll ja der Rheinabschnitt zwischen Koblenz und Rüdesheim sein. Da das Schiff dort morgens um 10 Uhr ablegt, reisten wir einen Tag vorher an und hatten Zeit genug, uns Koblenz anzusehen, das an der Stelle liegt, wo die Mosel in den Rhein mündet, bekannt auch als „Deutsches Eck“.

Hier steht das Reiterstandbild des Deutschen Kaisers Wilhelm I., kurz nach dessen Tod 1888 im Jahre 1897 errichtet. Es ist riesig: Mit Sockel 37 Meter hoch, sollte es weithin sichtbar Deutschlands Pracht und Herrlichkeit, personifiziert in der gottgewollten Machtfülle des Deutschen Kaisers, repräsentieren. Als Folge der zunehmenden Pervertierung dieses Selbstbildes wurde das Reiterstandbild 1945 durch amerikanischen Artilleriebeschuß zerstört und erst 1993 dank einer privaten Spende rekonstruiert.

Das Pferd macht von nahem betrachtet einen etwas irren Eindruck, aber das paßt ganz gut zur gesamten Anlage.

Die Innenstadt von Koblenz erscheint sehr gemütlich und wohnlich. Gut, die gleichen üblichen Geschäfte wie in allen Fußgängerzonen der Republik, aber die Plätze und Gassen geben eine gute Atmosphäre.

Das Eis muß ganz ausgezeichnet sein – uns stand allerdings der Sinn gerade nach was Herzhaftem, daher haben wir es nicht probiert. Nächstes Mal.

Natürlich gibt es auch häßliche Ecken, aber man bemüht sich – wie hier mit diesem witzigen Arche-Noah-Brunnen.

Im nächsten Jahr richtet Koblenz die Bundesgartenschau aus, deshalb wird an jeder zweiten Ecke gewerkelt und aufgehübscht. Diese Rheinseilbahn wurde eigens dafür gebaut, sie führt zur anderen Rheinseite auf die hochgelegene Festung Ehrenbreitstein, wo ein Schwerpunkt der BuGa liegt. Da die Gegend auf der Liste des UNESCO-Welterbes steht, darf hier eigentlich nicht gebaut werden, weshalb die Seilbahn Ende 2013 wieder abgerissen wird. Verrückt! Der Spaß kostet rund 12 Millionen Euro.

Abends lädt ein Biergarten am Rhein ein – entspannt sitzt man hier, trinkt heimisches „Zischke“ und freut sich auf den nächsten Tag.

Nordsee

Im Winter mit der Bahn zu fahren ist ein Glücksspiel, die Regierung sollte Steuern darauf erheben. Trotz Pannen und einer zweistündigen Verspätung gehöre ich zu den Gewinnern: Ein paar Tage habe ich in meiner alten Heimat Norddeutschland verbracht. Schneestrand, soweit das Auge reicht – im Umkleidehaus hätte man leicht eine Kabine bekommen, aber irgendwo stand ein Schild: Baden auf eigene Gefahr. Der Bademeister trinkt sich wohl gerade selbst mit Glühwein eine rote Nase, anstatt sich um andere zu sorgen.

Ob Ebbe oder Flut ist, weiß man sowieso nicht so genau, alles zugefroren. Wilhelmshaven scheint zum Greifen nah, aber das Wattenmeer ist tückisch, also vorsicht.

Was stimmt nicht an diesem Bild? Kaffee- und Kuchentante im Schnitzelparadies? Das „Heute!“, das ein Heute aus der Vergangenheit sein muß, denn tatsächlich ist geschlossen? Fischbrötchen und -gerichte gibt es natürlich auch nicht, und von Biergarten kann schon mal gar keine Rede sein. Am meisten ‚gelogen‘ ist aber die Bezeichnung „am Leuchtturm“ – es gibt zwar einen, aber der steht ein paar Kilometer weiter mitten im Jadebusen.

Der Wind bläst eisig, aber das kann einen echten Seemann nicht erschüttern. Und um so besser schmeckt der heiße Tee, wenn man wieder in der warmen Stube sitzt.

Urlaub in Polen: Epilog

Eine Geschichte muß ich noch erzählen:

In Breslau wollten wir uns für zwei Tage ein Auto leihen, also gingen wir zur Touristeninformation im Zentrum, um uns nach einer entsprechenden Firma zu erkundigen. Es gab mehrere, und der Herr in der Information bot uns an, er könne sich für uns telefonisch erkundigen, ob noch ein Auto zur Verfügung stehe. Gesagt, getan – ja, umgerechnet 40 Euro pro Tag solle es kosten, und ein Mitarbeiter der Verleihfirma „polandcars.com“ würde es sogar herbringen. Hallo? Ist Polen das Sevice-Paradies? – dachten wir. Nach einer halben Stunde erschien ein junger Mann, schnell waren wir uns einig: Für weitere 10 Euro waren wir vollkaskoversichert, und nach Abbuchung der Sicherheisbetrages in Höhe von 1500 Zloty (=370 Euro) von meinem Konto, einer schnellen Unterschrift unter den Vertrag und der Übergabe der Fahrzeugpapiere wurden wir zum Leihwagen kutschiert. Die Gebühren würden, so der junge Mann, mit dem Sicherheitsbetrag verrechnet und der Rest gleich am Folgetag auf mein Konto zurücküberwiesen.

Nach zwei Tagen gaben wir Schlüssel und Papiere wie verabredet bei der Touristeninfo ab, schickten dem jungen Mitarbeiter von polandcars.com eine SMS und baten um eine Kostenabrechnung. Inzwischen hatte ich nämlich den Vertrag, den ich quasi blind unterschrieben hatte, genauer studiert und dabei festgestellt, daß all diese kleinen Serviceleistungen – das Herkommen, das Zum-Wagen-Bringen, das Arbeiten außerhalb der Bürozeiten (es war ein Samstag), das Arbeiten außerhalb des Büros etc. – extra kosten, auch wenn niemand davon gesprochen hatte, weder der Touristenbüromitarbeiter noch der von der Verleihfirma. Wir schrieben eine SMS, dann noch eine … und noch eine – bekamen aber keine Antwort, der junge Mann reagiert einfach nicht.

Als wir nach drei Wochen wieder zu Hause waren, erschien auf meinem Kontoauszug zwar der abgebuchte Betrag, aber keine Rückbuchung. Also schrieben wir emails an die Firma – keine Reaktion. Im Geiste formulierte ich schon Briefe an die Breslauer Stadtverwaltung und an die dortige Polizei – gar nicht, um das Geld zurückzuerhalten, das hatte ich schon aufgegeben, sondern um diesem schändlichen Treiben Einhalt zu gebieten. Meine Begleiterin machte noch einen letzten Versuch – sie rief direkt bei der Firma an. Ausflüchte – „Sommerzeit, kein Personal“ – aber immerhin, man gab man zu, uns noch etwas zu schulden, bräuchte aber noch die internationalen Banknummern etc.

Es vergingen weitere zwei Wochen, und plötzlich erhielt ich tatsächlich eine Überweisung: 166 Euro von polandcars.com, die Rechnung per email. Zur Erinnerung: Zu Anfang war von 40 x 2 Tage = 80 Euro + 10 Euro Versicherung die Rede, tatsächlich beliefen sich die Kosten nun auf über 200 Euro. Tja. Immerhin sind wir nicht betrogen worden, man hat uns nur kräftig über den Tisch gezogen.

Lange Rede, kurzer Sinn:
1. Leiht nie ein Auto bei polandcars.com.
2. Wenn euch als Tourist in Polen jemand ungefragt eine „Gefälligkeit“ erweist, seid euch darüber im Klaren, daß ihr wahrscheinlich dafür bezahlen müßt.

PS: Wenn es gerechte Götter gibt, werden sie das nicht ungesühnt lassen! Allein – mir fehlt der Glaube. 😉

Urlaub in Polen: Hohe Tatra

„Und das ist ein Sessellift …“ – viel mehr kann dieser Vater auf dem Gipfel des 2000 Meter hohen Berges Kasprowy Wierch seinem Kind nicht erklären, außer vielleicht noch, wie dicht so ein Nebel doch sein kann.

Wenn man schon mal da ist, kann man ja mal Kaffee trinken, dann geht’s mit der Gondel wieder abwärts …

… zur Besichtigung von Häusern im Zakopane-Stil. Er wurde geprägt vom Architekten Stanisław Witkiewicz, von dessen berühmtem Sohn neulich schon mal die Rede war: Witkiewicz verband Elemente der traditionellen Bauweise der Guralen (eines hier ansässigen Volksstammes, der auch den Käse von gestern erfunden hat) mit solchen des Jugendstils. Das Bild oben zeigt das erste, das er gebaut hat.

Die Häuser sind zumeist komplett aus Holz gebaut. Auffällig sind die steilen Dächer …

… die oft durch aufwendige Dachgauben durchbrochen sind.

Jeder Stil wandelt sich mit der Zeit, wenn auch nicht unbedingt zum Besseren …

… die Grundformen jedenfalls begleiten die Einwohner bis zuletzt.

Am nächsten Tag: Strahlendes Wetter. Frohgemut, Proviant und Karte in der Tasche, wollen wir die Hohe Tatra erkunden – aber was ist das? Nach einer Viertelstunde Fußmarsch taucht eine Maut-Station auf – der Besuch der Wälder der Hohen Tatra kostet tatsächlich Eintritt! Überall an den Zugängen zum Wald stehen so kleine Häuschen, in jeder steht ein Mensch und nimmt pro Person umgerechnet ca. 1 Euro ein. Kaum zu glauben, daß sich das lohnt.

Das Gebirge – ist ein Gebirge, sehr schön natürlich: Mal geht es schweißtreibend endlos bergauf, dann wieder endlos bergab, auf daß einem die Knie wackeln, und zwischendurch läuft man zwischen lieblichen Wiesen, verputzt hungrig seinen Proviant und genießt die klare Luft und die schöne Aussicht. Aah – ein Bilderbuchurlaub … der nun aber leider auch schon wieder vorbei ist. Zu schade!

Ende.

Urlaub in Polen: Zakopane

Ausnahmsweise hier mal Bild unseres Appartements in Zakopane, die schönste Unterkunft, die wir bisher hatten, mit Balkon ins Grüne.

In diesem Ort sind wir eher durch Zufall gelandet, erfuhren dann aber, daß er zu den beliebtesten Urlaubsorten der Polen zählt, allerdings besonders im Winter. Zakopane liegt ca. 100 km südlich von Krakau am Rande der „Hohen Tatra“, dem kleinsten Hochgebirge der Welt.

Im Zentrum des kleinen Ortes ist eine ca. 3 km lange Amüsiermeile mit gefühlten 10.000 Verkaufständen, Restaurants und anderen Touristenattraktionen. Weit über die Hälfte der angebotenen Waren sind Spielsachen – den Kindern gefällt’s.

Am Ende der Straße führt eine Zahnradbahn auf einen kleinen Gipfel – aber hier geht der Rummel weiter. Das Kind und das Lamm sind übrigens lebendig, woher der Eisbär kommt, weiß nur der Standbetreiber allein.

Alle fünf Meter steht ein Stand, an dem Käse verkauft wird, eine Spezialität der Gegend namens Oscypek, ein Schafskäse, der ein paar Monate lang geräuchert wird. Schmeckt ganz lecker. Da er nur hier hergestellt werden darf, hoffen die Bauern auf einen kleinen Nebenerwerb …

… andere dagegen versuchen es im großen Stil.

So viele Touristen sind noch gar nicht da (hauptsächlich Schulklassen), aber man ist gewappnet.

Auf riesigen Grills schmoren die Wurst- und Fleischwaren und trocknen im lauwarmem Zustand langsam aus …

… bis sich jemand erbarmt und zum Beispiel ein Schaschlik probiert. Ich glaube, ich habe noch nie etwas Schlechteres gegessen. Gut – wie zu Hause auf dem Rummel, selbst Schuld.

Das habe ich auch mal gegessen: Zapiekanka, ein halbes Baguettebrot, in der Regel mit Champignons und Kräutern belegt, mit Käse überbacken, darauf dann noch Ketchup – sehr günstig, kaum zu schaffen für eine Person und besonders lecker, wenn man großen Hunger hat. Variationen gibt’s auch.

Aber wegen all dieser Angebote sind wir natürlich gar nicht hier, sondern wegen der Natur, der Ruhe, dem endlosen Spazierengehen, bis die Schuhe bersten …

Fortsetzung folgt.

Urlaub in Polen: Kazimierz

Während man in der historischen Altstadt von Krakau den Eindruck haben kann, die Menschenmassen auf der Straße bestehen zu zwei Drittel aus Touristen und der Rest aus Leuten, die die Touristen bedienen, trifft man im Stadtteil Kazimierz auf „echte“ Einwohner.

Ursprünglich war Kasimierz eine eigene Stadt, 1335 gegründet von König Kasimier dem Großen, wahrscheinlich, um die Pilgerscharen aufzufangen, die zu den Königskrönungen und anderen Events anreisten. Etwas abseits vom Gewusel in der Altstadt, ist man zu Fuß doch in 10 Minuten dort.

Zufällig und glücklicherweise ist unsere Unterkunft mitten im Herz dieses Viertels – sollten wir nochmal nach Krakau kommen, werden wir uns wieder hier einquartieren, soviel steht fest.

Viele Menschen auf der Welt haben die Straßenzüge schon einmal gesehen, ohne es zu wissen: Spielbergs „Schindlers Liste“ wurde hier teilweise gedreht. Nach der Vertreibung der Juden aus Krakau im Jahre 1494 siedelten sie sich hier an, und nach der Eingemeindung 1867 sprach man vom jüdischen Viertel Krakaus. Die Nazis dezimierte die Bevölkerung während der deutschen Besetzung drastisch, soll heißen: Sie quartierten die Juden erst um und ermorderten sie dann.

Nach 1945 verkam der Stadtteil völlig, erst seit den 90er Jahren wurde er besonders von jungen Leuten „reanimiert“: Überall gibt es Kneipen, günstige Restaurants und Bars, besonders am Wochenende ‚herrscht reges Treiben auf den Straßen und Plätzen‘ (1 € Strafe für die Verwendung von Allgemeinplätzen – ist bezahlt).

Man kann nur hoffen, daß hier keiner auf die Idee kommt, alle Häuser sauber zu sanieren, die Eigenheit des Viertel wäre dadurch weitgehend zerstört.

Fortsetzung folgt.

Urlaub in Polen: Nationalmuseum Krakau

Heute geht’s ins Museum – angemessen bei der Hitze, die Räume sind klimatisiert. Was für ein Kasten! – jedenfalls von außen. Angefangen mit dem Neubau des Hauptgebäudes des Krakauer Nationalmuseums (es gibt noch neun Filialen) hat man 1934, und bereits 1970, also 36 Jahre später, waren die ersten Räume bezugsfertig. Eile mit Weile, es geht alles seinen realsozialistischen Gang. Für die Fertigstellung des ganzen Gebäudes brauchte man dann noch einmal 20 Jahre.

Innen auch Repräsentationsarchitektur, aber sehr viel charmanter als außen. Auf drei Etagen ist die Kunst verteilt: Polnische Kunst des 20. Jahrunderts, ein Museum für angewandte Kunst und ein Museum für Waffen aller Art sind ständig eingerichtet, daneben gibt es noch Wechselausstellungen.

Eine Plastik aus dem Jahr 1911 sehen wir hier, der Künstler Waclaw Szymanowski war ein Anhänger des Symbolismus. Keine Ahnung, ob das hier nur der Entwurf für eine Monumentalplastik war, wir sehen hier jedenfalls eine Allegorie der Freiheit und des nationalen Selbstbewußtseins des polnischen Volkes. „Prozession zur Wawel“ heißt das Werk: Angeführt von einer weiblichen Lichtgestalt pilgern Bürger und – zum Teil geflügelte – Soldaten zur Wawelburg, dem althergebrachten Königssitz der Polen – und das zu einer Zeit, als es Polen als souveränen Staat gar nicht mehr gab.

Um 1900 war der französische Einfuß auf alle europäischen Künstler groß, auch die polnischen sind da keine Ausnahme. Die „Japanerin“ von Jozef Pankiewicz erinnert nicht nur stark an Matisse, es wurde 1908 auch in Frankreich gemalt, wo der Künstler eine zeitlang lebte.

Kubismus konnte man natürlich auch, dieser Akt von Z. Pronaszko entstand 1917.

Das ganze Haus ist fast menschenleer, es gibt mehr Aufsichtspersonal als Besucher, wobei pro Ausstellungskomplex höchsten zwei Damen aufpassen. Die Flächen sind allerdings so riesig, daß man die meiste Zeit allein ist, verfolgt vermutlich nur durch das allgegenwärtige Auge der Überwachungskameras. Das Kosten-Einnahme-Verhältnis ist also denkbar schlecht, weshalb fast alle Ausstellungsräume dunkel sind, die Stromsparlampen werden jeweils über Bewegungsmelder gesteuert. Wenn man einen neuen Saal betritt, muß man erstmal etwas warten, bis die Lichter ihre volle Leuchtkraft entfaltet haben.

Der berühmte Schriftsteller, Philosoph und Maler Stanisław Ignacy Witkiewicz nannte sich wegen der Namensähnlichkeit mit seinem ebenfalls berühmten Vater „Witkacy“. Seine surrealistischen Bilder sind sehr eigen – man versteht sie etwas besser, wenn man weiß, daß der Künstler gewissenhaft auf jedem Bild die genaue Zusammensetzung der Drogen verzeichnete, die er vorher eingenommen hatte.

Dieses Bild von Tadeusz Kantor entspricht so gar nicht dem sozialistischen Realismus, ist aber überraschender Weise aus dem Jahr 1967 …

… und dieses von S. Rodzinski aus dem Jahr 1973. Die Kunstszene muß relativ liberal gewesen sein.

In der Wechselausstellung „Britische Fotografie“ stellt Tom Hunter Vermeer-Gemälde mit modernem Interieur nach: „Der Geograph“, „Schlafendes Mädchen“ und „Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster“. Sehr reizvoll.

Im Museum für angewandte Kunst stehen Möbel und Hausrat der vergangen Jahrhunderte, sehr liebevoll gemacht – aber alles viel zu viel für einen Besuch. Trotzdem, es macht Spaß, hier durchzuschlendern. Außer mir kein Mensch da, ich stelle mir vor, ich würde hier wohnen und jedes Zimmer wäre chronologisch nach Stilen eingerichtet, und je nach Lust und Laune halte ich mich da auf, wo es mir gerade paßt. Allerdings müßte ich dann auch überall putzen … nee, dann lieber nicht.

Die Waffensammlung – gut, warum nicht, es gibt auch Leute, die Briefmarken sammeln, und solange die Waffen hier an der Wand hängen und in Vitrinen lagern, werden sie wenigstens nicht für andere Dinge benutzt.

Das Highlight der Ausstellung kommt zum Schluß: Zwei gegenüberliegende Schützengräben vor stimmungssteigernder Fototapete, daneben die Aufforderung, man möge sich selbst und seine Kleinsten mit den bereitliegenden Uniformen bekleiden und mit den Gewehrattrappen aufeinander schießen. Pen peng – Du bist tot, schnell noch ein Foto, ach, was wär‘ das doch nochmal lustig im Schützengraben.

Fortsetzung folgt.

Urlaub in Polen: Salzbergwerk Wieliczka

Ca. 30 Bus-Minuten von Krakau entfernt kann man ein schon seit Jahrhunderten bestehendes Salzbergwerk besuchen. Es steht schon auf der allerersten Liste des UNESCO-Welterbes, übrigens ebenso wie die Altstadt Krakaus.
Erstmal geht’s über eine Treppe weit nach unten.

Zig Meter unter der Erdoberfläche durch schmale, zum Teil schummrige Gänge – unsere deutschsprachige Fremdenführerin, die nur für uns da war, beeilte sich zu erwähnen, daß der Aufzug in kürzester Zeit immer zu erreichen und das Belüftungssystem gerade erst erneuert worden ist – puh, dabei wollte ich gerade in Ohnmacht fallen. Früher waren die Gänge zum Teil nur 35 cm hoch – allein die Vorstellung läßt mich schlucken.

Das muß aber ganz früher gewesen sein, denn schon seit dem 17. Jahrhundert hat man Pferde eingesetzt, nicht nur für die Förderaufzüge, sie zogen auch Loren, teilweise sind die Schienen noch zu sehen.

Anders als beim Kohlebergbau stürzten Gruben aufgrund der Beschaffenheit des Steins hier nicht plötzlich ein, sondern die Decken senkten sich langsam und heimtückisch. Also verkeilte man Baumstämme in die Gänge, und wenn die plötzlich der Länge nach zerbarsten, wußte man, daß man was tun muß.

Diese Statue aus Salzstein stellt den König Kasimir den Großen dar, der, was man so hört, ein guter König gewesen sein muß. Salz war damals ein kostbares Gut, sein Ertrag deckte zeitweise ein Drittel des polnischen Staatshaushaltes – und Kasimir erlaubte allen, die hier arbeiteten, so viel Salz mitzunehmen, wie sie tragen konnten, sobald sie das Bergwerk verließen. Versteht sich, daß die Kumpel ihn verehrten.

Wenn man die ganze Zeit durch relativ enge Gänge gelaufen ist, biegt dann um eine Ecke und sieht diesen Saal in 100 Metern Tiefe – dann bleibt einem erstmal der Mund offen stehen. In Polen gibt es eine Unsitte (die ich vereinzelt aber auch schon woanders gesehen habe): Es reicht nicht aus, Eintritt zu bezahlen, irgendwann tritt jemand in Uniform auf dich zu und fragt nach der Fotografieerlaubnis. Hä? Macht ja nix, kann man gleich erwerben, kostet nochmal ein paar Zloty extra, oder man muß die Kamera einpacken. Ich muß sagen, einen besseren Standort als diesen konnte er sich nicht auswählen.

Alles aus Salz hier, selbst die Kronleuchter. Nur der Gedanke, daß vielleicht schon ein paar Millionen andere Touristen auf die gleiche Idee gekommen sind, hält mich davon ab, mal irgendwas abzulecken.

Ringsum Reliefs in den Wänden, die biblische Szenen wiedergeben (so langsam habe ich den Verdacht, daß ganz Polen ein einziges christliches Missionswerk ist). Wer den Künstler der Vorlage erkennt, darf das hier gern in einen Kommentar schreiben ;-).

Und wer ist dieser haarige alte Mann? Je heller das Salz, um so wertvoller. Gandalf? Albus Dumbledore? Na ja, jedenfalls so ähnlich.

Und weiter geht’s: Endlose Gänge, insgesamt 300 Kilometer auf sechs Etagen (wenn ich mich recht erinnere). Auf der fünften Etage gibt es ein Sanatorium für Atemwegserkrankungen, erzählt unsere Führerin. Ob das die Krankenkasse zahlt?

In der nächsten Halle gibt es eine kleine Pause, damit man sich alles genau ansehen kann – zufällig sind da auch ein paar Verkaufsstände.

Da geht es noch ein paar Meter nach unten (im 3. Untergeschoß ist für die Touristen Schluß). Da unten steht ein Nepomuk-Altar, zur Erinnerung: Johannes Nepomuk ist der Schutzpatron von Brücken und bei anderen Wassergefahren. Und weil hier mal bei einem Unglück ein Schiff gekentert und viele Leute ertrunken sind, steht der Altar hier. Wie bitte? Ein Schiff gekentert? Geschichten gibt’s, kaum zu glauben.

Diesen Saal kann man mieten. Mal ganz ehrlich – für meine Hochzeit hätte ich lieber was mit Aussicht.

Bevor es in einem unglaublich engen und klapprigen Aufzug wieder nach oben geht, hat man noch die Chance, Salz in jeglicher Form zu kaufen, z.B. als Halskette oder Brosche. Praktisch. Wenn man irgendwo mal eine fade Suppe serviert bekommt, läßt man einfach die Kette ein bißchen hineinhängen.

Fortsetzung folgt.