AfD – och nö!

„Deine Statistik ist im Aufschwung! Du erhälst eine Menge Traffic.“, erzählt mir WordPress. Dabei mach ich doch gar nichts. Ich vermute, Surfer suchten am Wochenende wegen des AfD-Parteitages vemehrt nach Köln und stießen auf mein Blog – um sogleich enttäuscht wieder wegzuklicken, denn hier steht nichts von der Demo, ich war gar nicht da. 600 Delegierte, 4.000 Polizisten und über 30.000 Demonstranten – da bin ich ich lieber zu Hause geblieben, ich bin kein Freund von Karneval. Aber Sonntagnachmittag habe ich ein paar Fotos gemacht. Immer noch war das Maritim-Hotel weiträumig abgeriegelt, die Deutzer Brücke komplett gesperrt, also auch für Fußgänger und Radfahrer …

… und die für die Ost-West-Verbindung so wichtigen Straßenbahnen fuhren auch nicht, völlig sinnlos, hier zu warten.

Ist doch auch ganz schön, wenn man unter Kollegen mal ein bißchen Zeit zum Qatschen hat. Am Vortag sah das noch anders aus. Es gab zwei Aktionsbündnisse, die jeweils zu Demonstrationen aufgerufen hatten, „Köln gegen Rechts“, das sogenannte antifaschistische Aktionsbündnis, das nicht nur zu einer Demo, sondern auch zu Blockaden aufgerufen hatte. Ihre Anhänger standen schon morgens früh vorm Hotel und beschimpften die eintreffenden AfDler lautstark und versuchten, sie zu behindern, soweit es die Polizei zuließ. Nach einer Kundgebung auf dem nahen Heumarkt lief man los, um zu demonstrieren,  und machte Platz für die Kundgebung des anderen Aktionsbündnisses, „Köln stellt sich quer“, zu dem sich nicht nur viele kölsche Künstler zählten, sondern auch die örtlichen bürgerlichen Parteien wie CDU, SPD, FDP, Grüne und was es sonst noch gibt, außerdem die Kirchen, die Gewerkschaft und einige überregionale Politiker wie Cem Özdemir und Hannelore Kraft, die NRW-Ministerpräsidentin. Alle sprachen sich in ihren Reden wortreich für Offenheit und gegen Rassissmus aus, die Kölner Oberbürgermeisterin betonte noch einmal die Position des gesamten Stadtrates, daß es eine besondere Provokation der AfD sei, den Parteitag ausgerechnet in Köln abzuhalten – wo doch jeder weiß, daß diese Stadt ganz besonders offen und „bunt“ ist. Welche Stadt sie für geeigneter hielt, Bonn, Essen, Bremen oder Berlin – vielleicht München? – sagte sie aber nicht.

„Bunt“ ist das Wort des Tages: Die Initiative „Frauen in Bunt“ bildete mit zweihundert Teilnehmerinnen eine Menschenkette um den Tagungsort, während aus der Südstadt ein neues Bündnis den Heumarkt erreichte: „Bunt statt bla“, initiiert von engagierten Südstadt-Kneipiers, die auch dadurch Bekanntheit erreicht hatten, daß sie Bierdeckel drucken ließen mit der Aufschrift „Kein Kölsch für Nazis“ (im TV wurde ein kleines Mädchen gezeigt, das eine Tafel mit der Aufschrifft trug: „Kein Kakao für Nazis!“ – meiner Ansicht nach die härtere Drohung). Alle zusammen gingen nun, um 13 Uhr, den selben Demonstrationsweg, den am Vormittag bereits die konkurrierenden Anhänger von „Köln gegen Rechts“ gegangen waren – es ist nicht überliefert, ob es „Verräter“ gab, die, von der Anonymität der Massen geschützt, auf beiden Demos mitgelaufen sind.

Das war aber noch längst nicht alles: Auf dem etwas entfernter liegenden inneren Grüngürtel hatte das Festkommitee des Kölner Karnevals eine Bühne aufgebaut, um auch den Bürgern eine Möglichkeit des Protestes zu geben, die sich nicht so gern in die Nähe von möglicherweise randalierenden Demonstranten und Polizisten begeben wollten – und natürlich auch, um sich selbst ein wenig als weltoffen zu profilieren. Hier trat alles auf, was Rang und Namen hat in Köln: Black Föös, Brings, Kassala (Musikgruppen mit Texten in Kölner Mundart), Bernd Stelter und noch einige mehr, die hauptsächlich im Karneval ihr Geld verdienen. Alle fanden sich und alle anderen super, solange man nur nicht für die AfD ist, ein breites Bündnis an Weltoffenheit, Antirassismus, Friede, Freundlichkeit und Buntheit wurde nicht nur beschworen, sondern festgestellt, in einer der tollsten Städte der Welt: Köln!

„Kölle, do bes bunt
nimms jede Sproch en der Mund
häs jede Färv op der Fahn
Kölle, do küss aan.“

„Köln, du bist bunt
nimmst jede Sprache in deinen Mund
hast jede Farbe auf deiner Fahne
Köln, du kommst an.“

– singt Brings. Schöön!

Wieviele Wohnungen auf dem freien Wohnungsmarkt heute wohl in Köln an Suchende mit einem arabisch klingenden Namen vermietet wurden? Keine? Alles andere würde mich auch wundern. Heute ist wieder Alltag.

Große Sandkaul

Parallel zu Möbelmesse fand letzte Woche wieder die „Interior Design Week Köln“ statt, kurz genannt „Passagen“. An vielen Orten über die Stadt verteilt konnte man sich die neueste Entwicklungen in Sachen Inneneinrichtung ansehen. Auf der Homepage wird ein Laden so beschrieben, was aber für die ganze Veranstaltung gilt: „Ein Cross-Over aus Messe, Showroom, Museum, Galerie und Shop.“

Design, das ist die Gestaltung eines Produkts, das man möglichst vielen Käufern andrehen will. Und weil die Konkurrenz nicht schläft, versuchen die Designer sich gegenseitig zu überbieten – zwischen künstlerisch Anspruchsvollem, hinter dem die Funktionalität des Objekts zweitrangig zu sein scheint, und (mehr oder weniger pfiffigen) Basteleien findet man alles, was man sich vorstellen kann – oder sich bisher eben nicht vorstellen konnte, dafür sind ja die Designer da.

Da wir in den letzten Jahren (hier und hier) bereits gemerkt haben, daß uns diese schöne neue Welt der Waren eher nicht interessiert, sind wir in diesem Jahr zu keiner Ausstellung gegangen – zu fast keiner, denn wenn wir die Möglichkeit haben, ein Gebäude zu besichtigen, wo wir sonst nicht hineinkommen, nutzen wir die Gelegenheit – und schauen uns dann natürlich auch an, was ausgestellt wird.

In der Kellerbar des Hotels Monte Christo in der Altstadt durfte der „Fachbereich Gestaltung der Hochschule Mainz“ den Raum gestalten.

Ausrangierte Federbälle …

… 250 Stück, arrangiert zu einer Deckenlampe.

Noch eine Lampe – aus Zollstöcken gefertigt. Der runde Tisch ist auch etwas Besonderes: Er besteht aus zwei Tischplatten. Die obere Tischplatte wird gedreht, bis sich ein kleines Fach zeigt, in dem die Smartphones verschwinden sollen, damit man sich in Ruhe unterhalten kann. Mein Einwand, ob man die Smartphones denn nicht einfach ausmachen kann, zeigt nur, wie alt ich schon bin.

Ein Produkt aus der Reihe „k.B.“  (=kompletter Blödsinn): Eine Sitzbank  für Strickende. Was passiert, wenn die Wollknäuel soweit abgestrickt sind, daß sie durch die Löcher fallen? Tja, nichts weiter, die Wolle fällt durch. Fazit: Holz für den Kaminofen kann man auch einfacher kaufen.

Links zwei Hocker aus recycelten und gefalteten LKW-Planen, rechts eine Art Sessel, bei dem ein Stück alter Werbebanner in ein Stahlgerüst gehängt wurde. Ich würde mich allerdings nur ungern die ganze Zeit von meinem Sessel ansehen lassen.

Was gibt’s noch? Deko, also Staubfänger, hergestellt mit ‚digitaler Fertigungstechnologie: Lasercutten, 3-Plotten und CNC-Fräsen‘ und ein 8-achsiger Industrieroboter. Gut, wenn man mal was braucht fürs Bad-taste-Wichteln …

Walraffplatz

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Hier hatte ich berichtet, daß die Stadtverwaltung sich gern in ihrer ganzen Provinzialität zeigt, indem sie ein Verbot von Straßenkünstlern in der von Einwohnern und Touristen meistbesuchten Gegend durchsetzen wollte: Keine Musik, keine Pfalstermaler, auch keine Artisten und Living Dolls mehr in der Domumgebung. Könnte die Stadtverwaltung bestimmen, wie sie wollte (und manchmal hat es den Anschein, daß es so ist), wäre das Verbot bereits Gesetzt. Aber hier hat die demokratische Ordnung mal funktioniert: Der Stadtrat hat fast alles abgelehnt, wahrscheinlich nicht zuletzt aufgrund der vielen Proteste aus der Bürgerschaft. Durchgesetzt hat sich nur das Verbot von Verstärkern bei Musikdarbietungen – was ich ganz vernünftig finde.

Das Foto oben ist enstanden, 2 Sekunden bevor die Statue dem frechen Jungen den Finger abbiß – so sah es jedenfalls fast aus. Der Junge ist nochmal mit einem Schrecken davongekommen.

Neulich im Kaufhaus

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Als sich im 19. Jahrhundert in den großen Städten die Kaufhäuser durchsetzten, wunderten sich die Besucher, was es alles zu kaufen gibt. Das geht mir heute noch so. Ein Kalender ist ein beliebtes Weihnachtsgeschenk für jemanden, der eigentlich nichts braucht, schon gar keinen Kalender. Aber egal, man kann sich bei der Wahl der Motive danach richten, was der Beschenkte ganz besonders gern mag. Dieser Kalender ist also wahrscheinlich für den Hund, postergroß, wie er ist, schmückt er dominierend die ganze Hundehütte. Das ist natürlich Quatsch: Angesprochen wird hier der Mann im Manne, der sich hier für eine seiner letzten Domänen inspirieren lassen kann, den Grill.

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Ein Geschenk für Mutti: Das Haarteil soll man sich hinten auf den Kopf stecken, man kann wählen zwischen den Variationen „Laughter“, „Spirit“, „Delight“, „Sparkle“ und „Happy“ – spontan erscheint mir „Laughter“ die beste Idee zu sein, da ist der Erfolg garantiert.

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Für die Kleinen ein Quartett. Dieses Bischofs-Quartett habe ich vor ein paar Jahren schon mal vorgestellt, an Tebartz van Elst kann man erkennen, daß es bereits veraltet ist. Dafür gibt es nun etwas Neues:

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Wie spielt man das? Die Karte mit den meisten Toten gewinnt? Vielleicht sollte man einfach beide Quartette zusammenmischen. Der Schwarze Peter muß dann jemand sein, der mit diesen Leuten nichts zu tun hat – vielleicht ein Foto von dem Hund, als Trost, weil er den Kalender ja nun doch nicht bekommt.

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Uff – da müssen selbst die Engel erstmal eine rauchen.

Halloween

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Halloween kommt von „all hallow’s eve“, übersetzt: Der Abend vor Allerheiligen. Die Leute laufen verkleidet durch die Straßen und feiern in Kneipen und privat bei lauter Musik und gehen allen anderen damit auf die Nerven. Die Kostümmotive speisen sich hauptsächlich aus dem Horrorbereich, blutige Fratzen, Zombies, Vampire. Zu unrühmlicher Bekanntheit hat es der Horrorclown gebracht, ihr habt ja bestimmt davon gehört: Leute in einem Clownskostüm und zähnefletschender Clownsmaske erschrecken ahnunglose Passanten und gehen scheinbar – aber manchmal auch wirklich – mit Baseballschlägern oder Hämmern auf sie los. Es hat schon Verletzte und Tote gegeben – kaum zu fassen, was es für Idioten gibt!

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Eine Kölner Boulevardzeitung macht auch mit – es ist aber nicht ganz sicher, ob die Macher den Horroranteil ihrer Werbung absichtlich eingebracht haben.

Was soll das eigentlich mit dem Horror? Die Psychologen sprechen von Angstlust: Man setzt sich in einem kontrollierbaren Rahmen seinen Ängsten aus, um besser mit ihnen umgehen zu können, und das erzeugt Befriedigung und macht Spaß. Das ist auch der Grund, weshalb Leute in Horrorfilme gehen, oder – ein paar Stufen tiefer – Krimis oder Märchen lesen. Eigentlich ist nichts dagegen zu sagen, wenn die Leute das wollen, meinetwegen – was ich allerdings zum Kotzen finde, daß das ein weiterer Termin ist, an dem die Feiernden glauben, sie könnten die ganze Nacht so viel Krach machen wie sie wollen, und wer das anders sieht, ist ein elender Spießer.

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Da sind mir diese Gespenster lieber – auch unheimlich, sie hausen sie in einer Unterführung und sind so leise, daß ich fast achtlos an ihnen vorbei gegangen wäre.

Domumgebung

Es ist noch nicht lange her, da sagte die relativ neue Oberbürgermeisterin Reker über die Stadtverwaltung: Es gebe Mitarbeiter, bei denen denke sie, „die kommen nur, um hier Schmerzensgeld zu bekommen“ – soll heißen: Die tun nichts, sind nur da, und das mit schmerzverzerrtem Gesicht, weil sie nicht zu Hause bleiben dürfen. Ich vermute, das ist gut angekommen bei den 17.000 Mitarbeitern der Verwaltung. Ganz besonders motivierend waren diese Worte offensichtlich für die Kollegen des Ordnungsamtes.

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In einigen großen Städten gibt es zentrale Orte, wo sich immer viele Leute aufhalten, Einheimische und Touristen, die ihrerseits Kleinkünstler anlocken, die darauf hoffen, für ihre Darbietungen ein wenig Kleingeld zu bekommen: Jongleure und andere Artisten, Living Dolls, Pflastermaler, die mit Kreide 2×3-Meter große Gemälde aufs Pflaster malen, Musiker aller Art: Streichquartette, Flötisten, Gitarristen, gemischte Ensembles, sogar einen Flügel habe ich schon gesehen und gehört. All das macht die Plätze quirlig und lebendig (wobei man sich natürlich immer vor Taschendieben hüten sollte) und verschafft der ganzen Stadt ein gutes Image.

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Auch Köln hat so einen Platz, oder besser, so eine Gegend: Es ist die Domumgebung, also die große Freitreppe, die zum Bahnhof führt, der Domvorplatz mit dem angrenzenden Walraffplatz, der Roncalliplatz im Süden und im Osten der Durchgang vorbei am Museum Ludwig hin zum Heinrich-Böll-Platz. Wenige Tage, nachdem das Ordnungsamt mit einem Auftrittsverbot der Seifenblasenkünstler auf sich aufmerksam gemacht hat, landen seine Mitarbeiter nun einen neuen Coup:

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(Google Earth)

Auf genau diesen Plätzen, die ich aufgezählt habe (rot eingekreist), soll jegliche Aktivität von Künstlern ganzjährig und komplett verboten werden, damit Gottesdienste und Kirchenveranstaltungen nicht gestört werden. 10.000 Menschen besuchen täglich den Kölner Dom – gern gesehene Gäste, besonders wenn sie ein wenig Geld dalassen, für eine Kerze oder im Opferstock. Die sind natürlich alle immer mucksmäuschenstill, man könnte eine Stecknadel fallen hören – wenn da nicht die lauten Klickgeräusche der Touristenkameras wären, die auf dem Vorplatz ein Living Doll fotografieren, oder der Geiger, der auf dem Walraffplatz einen Walzer fidelt, und da die Kirchenwände aus Pappe sind … während des Gottesdienstes dröhnt die Orgel, oder alle singen lauthals, oder der Mann im Kleid vorn an der Kanzel schwingt Reden über die Lautsprecheranlage, so daß man ihn sogar hört, wenn man draußen steht, aber das soll natürlich nicht verboten werden.

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Von dem Verbot auch ausgeschlossen sind selbstverständlich der Weihnachtsmarkt und andere kulturelle Großereignisse am Dom – solche Veranstaltungen spülen Millionen in die Stadtkasse.
Vielleicht, liebe Frau Oberbürgermeisterin, sollten wir wieder zurückkehren zu der jahrzehntelangen Übung, den Verwaltungsmitarbeitern ein Schmerzensgeld fürs bloße Dasein zu zahlen? Dann denken sie sich wenigsten nicht einen solchen Schwachsinn aus.

Rheinpromenade

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In Köln ist Umweltverschmutzung  ab sofort verboten, vom Ordnungsamt. In der Stadt dürfen nur noch Elektroautos fahren, alle Hausbesitzer sind verpflichtet, auf erneuerbare Energien umzusteigen, die unfallanfällige chemische Fabrik in Leverkusen wird geschlossen und südlich von Köln, in Wesseling, wird die große Erdölraffinerie, die durch marode Leitungen einen riesigen unterirdischen Ölsee erzeugt hat, zur Verantwortung gezogen, die Fabrik wird abgebaut.

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Und außerdem werden natürlich die Seifenblasenkünstler verboten, also das, was sie machen, bei Zuwiderhandlung droht eine Buße von 510 Euro – daß die benutzte Seifenlauge biologisch abbaubar ist, spielt keine Rolle.

Was glaubt ihr, welche von den Aussagen ist geflunkert, und welche ist wahr?

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Nicht nur die Kinder, alle Zuschauer sind wütend über das Spektakel, man sieht es in ihren Gesichtern, und Pegida überlegt, ein deutschlandweites Seifenblasenverbot in ihren Forderungskatalog aufzunehmen. Ein Glück, daß das Amt endlich für Recht und Ordnung sorgt! Köln – eine Stadtverwaltung ist Avantgarde!