Domvorplatz/Wallraffplatz

An dem kurzen Verbindungsstück zwischen Domvorplatz und Wallrafplatz hat man vor ein paar Monaten diese Steine hingestellt, Überbleibsel aus der Dombauhütte. Das ist kein Schmuck, sondern dient einem anderen Zweck: Falls ein Terrorist mit einem Lastwagen einen Anschlag durchführen will, sollen sie ihn, bzw. das Fahrzeug aufhalten – nicht auszudenken, wie viele Opfer eine Amokfahrt auf dem Domvorplatz oder dem Roncalliplatz südlich des Doms kosten würde, hier laufen sowieso schon jeden Tag Tausende von Leuten lang, und jetzt zur Weihnachtszeit erhöht sich die Anzahl noch.

Und wieso steht der Polizeiwagen da?

Es ist klar, daß diese Steine viel zu leicht sind, um einem heranrasenden LKW zu behindern. Der Polizeiwagen ist ein weiteres Hindernis.

Und wieso nimmt man dann die Steine nicht wieder weg, wenn sie gar keinen Sinn haben? Schließlich behindern sie so vor allem die Fußgänger.

Das ist doch klar: Die Polizei ist wegen der Steine da; wenn man die wieder wegnimmt, sieht auch die Polizei keinen Grund mehr, sich hier aufzuhalten – und wir sind komplett ohne Schutz vor wahnsinnigen Terroristen. Also muß alles so bleiben wie es ist – ein sorgsam austariertes Sicherheitskonzept!

Stadtverwaltung und Polizei arbeiten hier in Schilda Köln Hand in Hand,  alle verbrauchen – ohne besonders viel zu tun, also außer zu atmen und ähnliches – gut bezahlte Arbeitszeit, und das ist ja zumindest für die Beteiligten nicht ganz sinnlos.

Innenstadt

Ausverkauf! Wer jetzt nicht heiratet, wird später draufzahlen.

„Folge deiner Natur“ – will uns die Konsumgüterindustrie weismachen: Geiz ist geil! Gut, ich gebe zu, wenn Butter im Angebot ist, kaufe ich auch ein paar Päckchen mehr. Aber „Kerrygold“ ist sonst auch sehr teuer.

„Up to 50%“ bietet uns diese Werbung – wie jetzt, nur die Hälfte der Ware? Wer will halb angefressene Äpfel, selbst wenn er nur den halben Preis bezahlen muß? Ein schlechtes Geschäft, das weiß selbst ich, der von allen Preisen nur den Butterpreis kennt.

Alte Wallgasse

Barbara-Schock-Werner, Kunsthistorikerin und ehemalige Dombaumeisterin, hat kein Blog, sondern in der hiesigen Tageszeitung eine unregelmäßig erscheinende  Serie: Mit Sachverstand und offenen Augen beschreibt sie Dinge und Umstände, die ihr in der Stadt auffallen. Ich bin nicht immer ihrer Meinung, aber erfreulich ist, daß sie überhaupt eine hat, die sie wortreich und resolut begründen kann – erfrischend anders, als das Blabla, was man sonst so oft hört. In ihrem letzten Beitrag nimmt sie sich der Sgraffiti an (nicht zu verwechseln mit Graffiti-Kunst): Putzschichten verschiedener Farben werden übereinander gelegt, und solange sie noch feucht sind, stellenweise wieder abgeschabt, sodaß ein Bild entsteht. Diese Kunsttechnik gibt es schon sehr lange, besonders in der Renaissance war sie beliebt. Typisch sind sie in Deutschland auch für den Fassadenschmuck der 50er-Jahre-Bauten, als man von Historismus-Ornamenten nichts mehr hören wollte (man hielt sie durch die Nazivergangenheit für zu stark belastet). Durch die zunehmende Modernisierung, so Schock-Werner, seien die Sgraffiti-Kunstwerke nun immer mehr in Gefahr: Aus Energiepargründen erhalten viele Häuser eine neue Wärmedämmung, die Kunstwerke verschwinden dann einfach hinter Styropor. Oder das Haus wird neu angestrichen, und weil man keinen zusätzlichen Ärger haben will, werden die Sgraffiti einfach zugeputzt. Der Denkmalschutz könne da gar nichts machen, so Schock-Werner weiter: Wenn das Haus nicht unter Denkmalschutz steht – und welches normale Wohnhaus aus den 50ern tut das schon – dann auch nicht eine einzelne Wand.

Also hat sie eine kleine Aktion ins Leben gerufen: „Rettet die Sgraffiti!“ Die Leser der Tageszeitung sollen ihr Fotos von ihnen bekannten Sgraffiti schicken, mit Angabe der Adresse, vielleicht entsteht so zumindest eine Dokumentation dieser Kunstwerke, wenn nicht sogar ein Bildband. Ich mach mit, ein Sgraffito habe ich schon.

Das Bild oben ist es nicht – das kennt sie schon und gibt interessantes Hintergrundwissen preis: Es stellt ein Kölner Original dar, den Maler Heinrich Peter Bock (1822 bis 1878), von dem aber nie jemand jemals ein Bild gesehen hat – der Zeichenblock unter seinem Arm war ihm Ausweis genug. Wenn jemand in Köln groß Gebutstag feierte, konnte man sicher sein, daß er auftauchte und Blumen mitbrachte, die er vorher in öffentlichen Rabatten gepflückt hatte – er wußte nicht nur, was sich gehört, sondern war immer zuvorkommend und konnte sich gewählt ausdrücken, weshalb man ihn nicht abwies. Tja, auch eine Art, angenehm durch’s Leben zu kommen.

Musik in der Altstadt

Das liest man ja immer wieder: Wilde Tiere wie Wildschweine und Bären passen sich dem Lebensraum der Menschen an, um davon zu profitieren. Dieses Exemplar ist modisch noch nicht ganz sicher, aber auf gutem Wege.

Straßenmusik macht Spaß – solange man weitergehen kann, wenn man genug hat. Daß Anwohner manchmal wütend werden, kann ich durchaus verstehen.

Adenauer und Datendiebstahl

Konrad Adenauer ist gestorben, deshalb liegen die Kränze und Blumen an seinem Denkmal. Ja, aber … ist das nicht schon eine ganze Weile her? Das ist es ja gerade: Genau 50 Jahre, ein Jubiläum – na, wenn das kein Grund zum Jubeln ist! Im Fernsehen laufen Sondersendungen, Reden werden gehalten, nicht nur von Bundeskanzleramtschef Altmeier, nein, sogar von seiner Chefin selbst: „Wir verneigen uns in großer Dankbarkeit …“ und so weiter, immer nach dem Motto: Über Tote soll man nichts Schlechtes sagen. Adolf Hitler, auch tot, war ein Maler. Daß man über Tote nichts Schlechtes sagen soll, rührt her von dem ins Lateinische übertragenen Spruch „de mortuis nihil nisi bene“ des griechischen Gelehrten Chilon von Sparta, der meist  falsch so übersetzt wird: „Von Toten sage nichts als Gutes“. Richtig übersetzt heißt es: „Von Toten nichts als auf gute Weise“, was bedeutet, daß man sich über Verstorbene nicht beleidigend oder verleumderisch äußern soll, da sie sich nicht mehr wehren können. Nach dieser Bedeutung darf man von Adenauer aber sehr wohl sagen, daß er ein restauratives Nachkriegsdeutschland geschaffen hat, in dem noch lange Zeit die alten Nazis an wichtigen Schalthebeln saßen. Wie auch immer: Wieso man ein Jubelfest veranstaltet anläßlich eines „runden“ Todestages, erschließt sich mir nicht ganz – vermutlich ist das nur eine dumme Angewohnheit, irgendjemand hat mal damit angefangen, und da sich irgendwelche Nachgeborenen zu diesem Anlaß wichtig tun können und die Tageszeitung mit einer wochenlangen Serie zum Verstorbenen ihre Seiten  füllen kann, macht man das immer weiter. Wenn ich 20 oder 50 Jahre tot bin – laßt das bitte mit dem Feiern, ja?

Aber das wollte ich eigentlich alles gar nicht erzählen. Der Anlaß für das Foto ist die halbkaputte Absperrbake, die da einsam und allein völlig sinnlos auf dem Apostelnplatz steht. Ab und zu, wenn Saure-Gurken-Zeit ist (oder was weiß ich, warum), läuft ein Tageszeitungsreporter (oder auch ein Stadtprominenter in Begleitung eines solchen) durch die Stadt, macht von unmöglichen, dreckigen, verwahrlosten Orten Fotos und hat schön schnell einen Zeitungsbericht zusammen über die Häßlichkeit der Stadt, wahlweise über die Verantwortungslosigkeit der Bürger, die Weltfremdheit des Rates oder die Funktionsuntüchtigkeit der Stadtverwaltung – oder alles zusammen. Die erwartbare Leserbriefflut füllt zusätzliche Seiten, und das über Wochen. In der Stadtverwaltung hat man sich daraufhin was Schönes ausgedacht: Man entwickelte die App „Sag’s uns“: Vorausgesetzt, man hat ein Smartphone, kann man immer dann, wenn einem irgendetwas auffällt, wie z.B. diese verwaiste Absperrbake, die Stadtverwaltung darüber informieren, die sogleich für Abhilfe sorgt und den Mißstand beseitigt.

Seit ein paar Tagen nun gibt es eine neue Version der App, viel besser als die alte: Nicht nur, daß man mit ihr weiterhin Mängel melden kann, nein, es werden auch alle auf dem Smartphone gespeicherten Kalenderdaten, Fotos und andere Medien sowie andere Dateien auf den städtischen Server gezogen. Selbstverständlich können die Nutzer das auch ablehnen – dann funktioniert allerdings die ganz App nicht mehr. Auf die Frage, was das solle, antwortet man, die neue App erfordere das halt. Tja, da kann man nichts machen, bei einer solchen stichhaltigen Begründung – das muß man so hinnehmen und einsehen. Als Datendiebstahl kann man das nicht bezeichnen, das ist alles ganz legal. Und es hat auch Vorteile, daß die Stadtverwaltung ihre Bürger ausspioniert: Wenn ich an meinem Todestag im Kalender notiere, datiert auf 50 Jahre später: „Heute für mich keine Jubelfeier!“ – dann weiß man das in der Verwaltung schon und muß keine Anstrengungen unternehmen.

AfD – och nö!

„Deine Statistik ist im Aufschwung! Du erhälst eine Menge Traffic.“, erzählt mir WordPress. Dabei mach ich doch gar nichts. Ich vermute, Surfer suchten am Wochenende wegen des AfD-Parteitages vemehrt nach Köln und stießen auf mein Blog – um sogleich enttäuscht wieder wegzuklicken, denn hier steht nichts von der Demo, ich war gar nicht da. 600 Delegierte, 4.000 Polizisten und über 30.000 Demonstranten – da bin ich ich lieber zu Hause geblieben, ich bin kein Freund von Karneval. Aber Sonntagnachmittag habe ich ein paar Fotos gemacht. Immer noch war das Maritim-Hotel weiträumig abgeriegelt, die Deutzer Brücke komplett gesperrt, also auch für Fußgänger und Radfahrer …

… und die für die Ost-West-Verbindung so wichtigen Straßenbahnen fuhren auch nicht, völlig sinnlos, hier zu warten.

Ist doch auch ganz schön, wenn man unter Kollegen mal ein bißchen Zeit zum Qatschen hat. Am Vortag sah das noch anders aus. Es gab zwei Aktionsbündnisse, die jeweils zu Demonstrationen aufgerufen hatten, „Köln gegen Rechts“, das sogenannte antifaschistische Aktionsbündnis, das nicht nur zu einer Demo, sondern auch zu Blockaden aufgerufen hatte. Ihre Anhänger standen schon morgens früh vorm Hotel und beschimpften die eintreffenden AfDler lautstark und versuchten, sie zu behindern, soweit es die Polizei zuließ. Nach einer Kundgebung auf dem nahen Heumarkt lief man los, um zu demonstrieren,  und machte Platz für die Kundgebung des anderen Aktionsbündnisses, „Köln stellt sich quer“, zu dem sich nicht nur viele kölsche Künstler zählten, sondern auch die örtlichen bürgerlichen Parteien wie CDU, SPD, FDP, Grüne und was es sonst noch gibt, außerdem die Kirchen, die Gewerkschaft und einige überregionale Politiker wie Cem Özdemir und Hannelore Kraft, die NRW-Ministerpräsidentin. Alle sprachen sich in ihren Reden wortreich für Offenheit und gegen Rassissmus aus, die Kölner Oberbürgermeisterin betonte noch einmal die Position des gesamten Stadtrates, daß es eine besondere Provokation der AfD sei, den Parteitag ausgerechnet in Köln abzuhalten – wo doch jeder weiß, daß diese Stadt ganz besonders offen und „bunt“ ist. Welche Stadt sie für geeigneter hielt, Bonn, Essen, Bremen oder Berlin – vielleicht München? – sagte sie aber nicht.

„Bunt“ ist das Wort des Tages: Die Initiative „Frauen in Bunt“ bildete mit zweihundert Teilnehmerinnen eine Menschenkette um den Tagungsort, während aus der Südstadt ein neues Bündnis den Heumarkt erreichte: „Bunt statt bla“, initiiert von engagierten Südstadt-Kneipiers, die auch dadurch Bekanntheit erreicht hatten, daß sie Bierdeckel drucken ließen mit der Aufschrift „Kein Kölsch für Nazis“ (im TV wurde ein kleines Mädchen gezeigt, das eine Tafel mit der Aufschrifft trug: „Kein Kakao für Nazis!“ – meiner Ansicht nach die härtere Drohung). Alle zusammen gingen nun, um 13 Uhr, den selben Demonstrationsweg, den am Vormittag bereits die konkurrierenden Anhänger von „Köln gegen Rechts“ gegangen waren – es ist nicht überliefert, ob es „Verräter“ gab, die, von der Anonymität der Massen geschützt, auf beiden Demos mitgelaufen sind.

Das war aber noch längst nicht alles: Auf dem etwas entfernter liegenden inneren Grüngürtel hatte das Festkommitee des Kölner Karnevals eine Bühne aufgebaut, um auch den Bürgern eine Möglichkeit des Protestes zu geben, die sich nicht so gern in die Nähe von möglicherweise randalierenden Demonstranten und Polizisten begeben wollten – und natürlich auch, um sich selbst ein wenig als weltoffen zu profilieren. Hier trat alles auf, was Rang und Namen hat in Köln: Black Föös, Brings, Kassala (Musikgruppen mit Texten in Kölner Mundart), Bernd Stelter und noch einige mehr, die hauptsächlich im Karneval ihr Geld verdienen. Alle fanden sich und alle anderen super, solange man nur nicht für die AfD ist, ein breites Bündnis an Weltoffenheit, Antirassismus, Friede, Freundlichkeit und Buntheit wurde nicht nur beschworen, sondern festgestellt, in einer der tollsten Städte der Welt: Köln!

„Kölle, do bes bunt
nimms jede Sproch en der Mund
häs jede Färv op der Fahn
Kölle, do küss aan.“

„Köln, du bist bunt
nimmst jede Sprache in deinen Mund
hast jede Farbe auf deiner Fahne
Köln, du kommst an.“

– singt Brings. Schöön!

Wieviele Wohnungen auf dem freien Wohnungsmarkt heute wohl in Köln an Suchende mit einem arabisch klingenden Namen vermietet wurden? Keine? Alles andere würde mich auch wundern. Heute ist wieder Alltag.

Große Sandkaul

Parallel zu Möbelmesse fand letzte Woche wieder die „Interior Design Week Köln“ statt, kurz genannt „Passagen“. An vielen Orten über die Stadt verteilt konnte man sich die neueste Entwicklungen in Sachen Inneneinrichtung ansehen. Auf der Homepage wird ein Laden so beschrieben, was aber für die ganze Veranstaltung gilt: „Ein Cross-Over aus Messe, Showroom, Museum, Galerie und Shop.“

Design, das ist die Gestaltung eines Produkts, das man möglichst vielen Käufern andrehen will. Und weil die Konkurrenz nicht schläft, versuchen die Designer sich gegenseitig zu überbieten – zwischen künstlerisch Anspruchsvollem, hinter dem die Funktionalität des Objekts zweitrangig zu sein scheint, und (mehr oder weniger pfiffigen) Basteleien findet man alles, was man sich vorstellen kann – oder sich bisher eben nicht vorstellen konnte, dafür sind ja die Designer da.

Da wir in den letzten Jahren (hier und hier) bereits gemerkt haben, daß uns diese schöne neue Welt der Waren eher nicht interessiert, sind wir in diesem Jahr zu keiner Ausstellung gegangen – zu fast keiner, denn wenn wir die Möglichkeit haben, ein Gebäude zu besichtigen, wo wir sonst nicht hineinkommen, nutzen wir die Gelegenheit – und schauen uns dann natürlich auch an, was ausgestellt wird.

In der Kellerbar des Hotels Monte Christo in der Altstadt durfte der „Fachbereich Gestaltung der Hochschule Mainz“ den Raum gestalten.

Ausrangierte Federbälle …

… 250 Stück, arrangiert zu einer Deckenlampe.

Noch eine Lampe – aus Zollstöcken gefertigt. Der runde Tisch ist auch etwas Besonderes: Er besteht aus zwei Tischplatten. Die obere Tischplatte wird gedreht, bis sich ein kleines Fach zeigt, in dem die Smartphones verschwinden sollen, damit man sich in Ruhe unterhalten kann. Mein Einwand, ob man die Smartphones denn nicht einfach ausmachen kann, zeigt nur, wie alt ich schon bin.

Ein Produkt aus der Reihe „k.B.“  (=kompletter Blödsinn): Eine Sitzbank  für Strickende. Was passiert, wenn die Wollknäuel soweit abgestrickt sind, daß sie durch die Löcher fallen? Tja, nichts weiter, die Wolle fällt durch. Fazit: Holz für den Kaminofen kann man auch einfacher kaufen.

Links zwei Hocker aus recycelten und gefalteten LKW-Planen, rechts eine Art Sessel, bei dem ein Stück alter Werbebanner in ein Stahlgerüst gehängt wurde. Ich würde mich allerdings nur ungern die ganze Zeit von meinem Sessel ansehen lassen.

Was gibt’s noch? Deko, also Staubfänger, hergestellt mit ‚digitaler Fertigungstechnologie: Lasercutten, 3-Plotten und CNC-Fräsen‘ und ein 8-achsiger Industrieroboter. Gut, wenn man mal was braucht fürs Bad-taste-Wichteln …