Hahnenstr.

Keine kleine Leuchte. Aber wo stell ich die hin, ohne mich beobachtet zu fühlen? In die Wohnung? Auf keinen Fall, meine Wohnung ist für mich allein gerade groß genug, außerdem ist mir meine Privatheit heilig. Vor die Haustür? Ist doch Quatsch, was soll ich da mit so viel Licht, wenn ich doch die meiste Zeit in der Wohnung bin? Ich glaube, liebes Lampengeschäft, daraus wird nichts, ihr müßt die Lampendame behalten. Da in der Ecke steht sie doch auch ganz gut.

Chlodwigplatz

„Nää – wat es dat dann!!“, wird sich so mancher Eingeborene fragen, wenn er aus dem Tunnel der neuen U-Bahnstation am Chlodwiplatz nach oben geht: Ganz neu und schon so vollgesaut, wie haben die das denn geschafft? Ich bin ein Freund von Graffiti-Kunst, wie ihr wißt, aber hier war mein erster unwillkürlicher Gedanke: Narrenhände beschmieren Tisch und Wände.

Tatsächlich ist das hochoffizielle, gut bezahlte Kunst, die die Künstlerin Katharina Grosse hier im Auftrag der Kölner Verkehrsbetriebe angebracht hat. Die Künstlerin, eine Professorin für Malerei, ist hochangesehen, ihre Werke sind international in vielen Museen zu … bestaunen (aus welchem Grund auch immer: Weil man sie bewundert, oder weil man sich wundert). Schön bunt, immerhin. Schade, daß sie nicht den ganzen U-Bahnhof anmalen durfte, das wäre mal radikal gewesen. Vielleicht lassen sich ja noch ein paar freie Streetartisten finden, die das freiwillig und unbezahlt übernehmen.

Die neue Linie 17 fährt nun übrigens südlich der Einsturzstelle des Historischen Archivs vier neue und drei alte (oberirdische) Haltestellen an, die letzteren parallel zu noch einer anderen Linie. Außer morgens und abends pendeln die Bahnen so gut wie leer immer hin und her, hin und her, hin und her …
Eine schöne Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für U-Bahnführer.

Hohenzollernring, Cäcilienstr.

Voraussetzung für Lust ist eine Begierde, die, wenn sie befriedigt wird, Lustgefühle auslöst. Wenn wir die Begierde nicht befriedigen können, droht Lustverlust, also Frustration, die unbedingt zu vermeiden ist, denn sie schlägt unangenehm aufs Gemüt. Und darum gibt es Fritten und Currywurst, das haben die Betreiber dieses Imbisses ganz gut erkannt. Man kann aber auch irgendwas anderes kaufen, das funktioniert meist auch.

In diesem Imbiß wird man bedient, man muß nur sagen, was man will. Das ist gut, daß man endlich selbst aussuchen kann, und das dann auch bekommt.

Neulich saß ich mit Kollegen in einem italienischen Restaurant. Ich hatte den Fehler gemacht, einen jener nichtssagenden italienischen Salate als Vorspeise zu bestellen. Mein Kollege neben mir aß Carpaccio und versuchte vergeblich, den Kellner darauf aufmerksam zu machen, daß er noch Pfeffer haben wollte. Kurze Zeit später, der Kollege war gerade mit einem anderen im Gespräch, ging der Kellner wieder vorbei, und ich schaffte es, ihm zu sagen: „Können wir bitte noch Pfeffer haben?“ Nach einer Minute schwebte eine riesige Pfeffermühle von der Decke herab, so schien es jedenfalls, stoppte über meinem Salat und – ratsch ratsch ratsch – pfefferte ihn. Eine Stimme hinter mir fragte: „Noch jemand?“ Ich war so perplex, daß ich keinen Ton herausbrachte. Machte aber nichts, so hatte der Salat wenigstens etwas Geschmack.

Severinstr.

Es geht dem Winter entgegen, da kann man nicht früh genug dafür sorgen, daß man immer schön warme Füße hat.

Diesem jungen Mann wird allerdings zu große Wärme zum Verhängnis. Immerhin ist es unwahrscheinlich, daß er eine Erkältung bekommt. Von einem niesenden Ikarus hat man ja auch noch nie was gehört.

Kunststation St. Peter

Flirrende bunte Flecken …

… aus Plastik, die an Fäden hängen und …

… sich am Ende zu einem Ball formen, …

… von einer sehr hohen Decke …

… in einer Kirche.

Was kann das bedeuten? Die Künstlerin Claire Morgan sagt auf ihrer Homepage, die Titel ihrer Werke seien ein Teil von ihnen und deshalb sehr wichtig: Dieses Kunstwerk heißt „Act of God“. Wer erst ein bißchen darüber sinnieren will: Unter dem nächsten Foto erkläre ich, was es damit auf sich hat.

Das ganze Gebilde stellt einen Meteoriten mit Schweif dar, der mit rasender Geschwindigkeit Richtung Erde fällt und kurz vorm Einschlag ist. Die Plastikteilchen sind aus gebrauchten Plastiktüten hergestellt. Der Titel „Act of God“ ist doppeldeutig: Einerseits kann man ihn mit „Handlung Gottes“ übersetzen, andererseits ist er ein englisches Idiom und hat die Bedeutung des versicherungstechnischen Begriffes „Höhere Gewalt“, den die Versicherungen immer dann benutzen, wenn sie nach Naturkatastrophen nicht zahlen wollen. Werk und Titel zusammen betrachtet machen klar, daß der Titel ironisch gemeint ist: Nicht Gott oder eine höhere Gewalt ist für die Katastrophen verantwortlich, die durch eine zunehmende Umweltverschmutzung auf uns zukommen, sondern der Mensch selbst. Da sich im Fall einer Katastrophe aber niemand finden läßt – oder besser – finden lassen will, der die kostspielige Verantwortung übernimmt, wird man wieder Gott und höhere Gewalt bemühen.

Jedes Jahr landen ca. 9 Mio. Tonnen Plastikmüll in den Ozeanen (Zahl von 2010, inzwischen ist es vermutlich noch mehr), das sind 9 Milliarden Kilogramm – jeder von uns kann sich ungefähr vorstellen, wieviele Plastiktüten man braucht, um 1 Kilo auf der Waage angezeigt zu bekommen. Viele Tiere halten kleine Plastikstücke für kleine Fische, füllen sich damit ihren Magen, sind satt – und verhungern. Mikroplastikstücke werden wie Plankton von vielen Fischen gegessen, lagern sich in ihren Körpern ab, die dann auf unseren Tellern landen – guten Appetit.

Die schier unglaubliche Masse des Plastikmülls steht in diesem Kunstwerk natürlich nur exemplarisch für die vom Menschen verursachte Umweltzerstörung – die uns wahrscheinlich eines Tages auslöschen wird, so wie ein richtiger Meteorit die Dinosaurier für immer vernichtet hat. Es ist zum verzweifeln.

Das darf natürlich nicht sein, Verzweiflung in einer Kirche, deswegen wird in einer Pressemitteilung beschwichtigt: Die Künstlerin wolle gar nicht Kritik üben, sondern sie sehe ihr Werk „… als Appell, einmal eingeschlagene Wege rückgängig zu machen und Dinge zum Guten wenden zu können.“ Hallo? Das Ding hängt zweieinhalb Meter über dem Boden! Der Kölner Stadtanzeiger titelt daraufhin in einem kurzen Bericht: „Meteorit der Hoffnung“. Kaum zu fassen! – dümmer geht es nicht.