Urlaub, Heidelberg (3)

„Niemals mehr als 10 bis 12 Fotos pro Eintrag, mehr interessiert kein Schwein“, rät mir meine innere Stimme, und normalerweise halte ich mich daran. Heute werden es ausnahmsweise ein paar mehr.

Es ist verwunderlich, wie wenig die Heidelberger aus ihrer Flußlage machen, diese paar Tische bilden den einzige Biergarten am Neckar, den ich hier gesehen habe, mit willkürlichen Öffnungszeiten.

Stattdessen eine vielbefahrene Fernstraße, die den Fluß von der historischen Altstadt trennt. Es gab mal Pläne, die Straße zu untertunneln und oben eine Promenade einzurichten, aber wer soll die Millionen dafür aufbringen? Die Stadt hat kein Geld, wie überall.

Auf der anderen Neckarseite gibt es ein paar Wiesen direkt am Wasser, die im Sommer von Studenten und Schülern genutzt werden. Kioske gibt es nicht, also werden die Getränke und alles andere vom Supermarkt mitgebracht, die Reste läßt man praktischerweise einfach liegen, wie zu Hause auch, wo es allerdings eine Angestellte mit dem Namen „Mama“ gibt, die alles wieder aufräumt und damit einer sozialen Inkompetenz Vorschub leistet, die leider überall in der Öffentlichkeit zu beobachten ist.

Auf dem Weg zum Schloß überrascht uns ein Regenschauer – eine hochwillkommene Abkühlung. Auf ein paar hundert Meter hat man die Fußgängerzone um über die Hälfte abgesperrt, in den ersten Tagen ist nicht ersichtlich, warum, und wir haben die anliegenden Geschäfte in Verdacht, die Passanten näher an die Schaufenster drücken zu wollen. Aber dann haben wir doch noch zwei Arbeiter gesehen mit kreischenden Geräten. Wahrscheinlich hatten sie eine lange Anfahrt aus Schilda.

Ein weitläufiger Schloßpark, sehr schön. Und wohin schauen die Leute?

Nach da, Richtung Stadt. Der Regen hat die Sicht etwas diesig gemacht. Moment – steht da einer?!

Ja, tatsächlich. Auch eine Ruine muß geputzt werden. Später haben wir gesehen, daß er gesichert ist.

In einem Springbrunnen liegt – na, wer wohl? Bacchus, der Gott des Weines und des Rausches? Nee – das soll Vater Rhein sein. Ha! Das finde ich ja fast ein bißchen unverschämt, als Kölner, aber dann denke ich an Karneval und muß zugeben: Eine schmeichelhafte Allegorie.

In der „taz“ habe ich mal ein Foto von einem Fenster mit einem Schild daneben gesehen, auf dem Schild stand: „Hier kotzte Goethe.“ Daß nicht jeder Schritt, den Goethe gegangen ist, mit einer würdigenden Tafel bedacht wird, grenzt an ein Wunder. In Heidelberg war er acht Mal, daß reicht für eine Büste. Man weiß genau, wo er jeweils geschlafen hat.

Das Schloß sieht irgendwie nicht bewohnt aus …

… und ist es auch nicht. Ludwig XIV., der Sonnenkönig aus Frankreich, hat es kaputt gemacht, dann wurde es nur teilweise wieder hergerichtet, damit man die Besucher aussaugen kann: Allein, um auf den Hof zu kommen, muß man 6 € zahlen, eine Besichtigung der Räume kostet nochmal 4 € extra.

Im Gemäuer ist auch ein Apothekenmuseum untergebracht – warum jetzt, weiß man nicht, aber egal.

Kann man es erkennen? Das ist das „Heidelberger Fass“, 219.000 Liter passen da hinein. Das Riesenfass ist das vierte seiner Art, die drei Vorgänger leckten, und als dieses sich auch als undicht erwies, benutzte man es nicht mehr. Es diente eh nur der Angeberei, um zu zeigen, was für ein toller Hecht der Kurfürst war, obendrauf konnte man tanzen, sowas hatte nicht jeder.

Ah – sehr erfrischend und wirklich lecker, das alkoholfreie Weizen von „Heidelberger“, und das Glas ist auch schön, am liebsten würde ich mir eins klauen.

Irgendwann hat hier mal ein kinderloser Schloßherr gewohnt, der auf der Suche nach einem Nachfolger auf eine hirnrissige Idee gekommen ist: Wer es schaffe, diesen Ring am Haupttor durchzubeißen, solle sein Erbe sein. Natürlich haben sich viele Leute daran die Zähne ausgebissen, aber eine Hexe hätte es fast geschafft – die Kerbe im Türring zeugt davon.

Direkt neben dem Schloß kann man mit der ältesten Standseilbahn Deutschlands den Königstuhl (so heißt der Berg) hinauffahren (schon wieder 7 € *grummel*) – ganz ehrlich? Muß man nicht unbedingt.

Und noch ein Superlativ: Die größte Pferdeskulptur der Welt, das „S-Printing Horse“ von Jürgen Görtz. Es symbolisiert angeblich verschiedene Prozesse in einer Druckerei – wieso hat es aber nur drei Beine? Wegen der oft holprigen Berichterstattung in der Presselandschaft?

Zum Schluß noch ein Gastrotipp: Solltet ihr jemals in Heidelberg sein, besucht unbedingt das „Red“ in der Poststr.: Es ist ein vegetarisches Restaurant. Man bedient sich an einem reichhaltigen Buffet und bezahlt nach Gewicht, was man auf dem Teller hat.

So unglaublich lecker – ich wünschte, wir hätten in Köln so einen Laden, ich würde nur noch da essen.

Das letzt Foto auf der Speicherkarte. Im Hintergrund sieht man den Neckar blinken. In dieser Kneipe hat mir die Kellnerin übrigens ein Heidelberger-Bierglas geschenkt. Toll!

Ende.

Urlaub, Ausflug nach Mannheim

Wer weiß, warum Mannheim auch „Quadratestadt“ genannt wird? Weil da jemand in der Schule nicht aufgepaßt hat, das sind nämlich gar keine Quadrate, sondern Rechtecke. Die Anlage der Stadt im Schachbrettmuster stammt bereits aus dem 17. Jahrhundert. Wenn Feinde in die Stadt eindringen wollten, hatte man für die Kanonen eine schön lange Schußbahn, aber wahrscheinlich hat es auch noch andere Gründe gegeben, z.B. eine leichtere Beherrschbarkeit für die Feudalherren.

Die Straßennnamen muten allerdings merkwürdig an.
Mehr Bilder aus dem Innenstadtbereich zeige ich jetzt nicht. Wahrscheinlich gibt es auch hier schöne Ecken, wenn man aber als Besucher aus dem Bahnhof kommt und durch die Stadt schlendert, sieht man sie nicht. Aber macht nichts, deswegen sind wir auch gar nicht hier, sondern deswegen:

Hallo? Können Sie nochmal zurückkommen, bitte?

Sorchgif

Mist, er will nicht. Macht nichts, im Luisenpark gibt es so viele Störche, such ich mir eben ein neues Modell. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie ein Storch einer Besucherin aus der Hand fraß – dabei ist das strengstens verboten! Aber die Störche können wohl nicht lesen.

„Eine der schönsten Parkanlagen Europas“, das sagte nicht etwa Goethe, Heine oder Mark Twain, sonder eine WDR-Reporterin anläßlich der Bundesgartenschau im Jahr 1975, die Stadt wirbt heute noch damit. Keine Ahnung, ob sie recht hat, aber sehr schön ist der Park wirklich.

Ende des 19. Jahrhunderts hat man ihn dank einer Privatspende angelegt und nach Luise benannt, der damaligen Großherzogin von Baden, einer Tochter von Kaiser Wilhelm I.

Anläßlich der Bundesgartenschau von 1975 wurde der obere Teil des Parks ausgebaut, das Pflanzenschauhaus wurde erweitert, ein Weiher angelegt, eine Seebühne installiert etc. – und das Gebiet wurde eingezäunt, schließlich wollte man Eintritt nehmen. Und aufgrund einer Abstimmung unter der Bevölkerung zahlt man den auch heute noch, 6 € pro Nase und Tag. Tja, diese Bevölkerung verstehe, wer will.

Dafür bekommt man aber auch viel geboten, einen Skulpturenpfad …

… viele Möglichkeiten, sich mal richtig zu entspannen, mitten auf der Wiese …

… oder unter uralten Bäumen.

Immer mal wieder gibt es kleine Büdchen auf den insgesamt 10 km langen Wegen …

… und aus Automaten kann man den „Triumph des guten Geschmacks“ in Dosen kaufen. Da geben die Leute ein Heidengeld für Haute Küsiene aus, dabei bekommt man ihn hier für 2 Euro.

Wem das Herumsitzen zu langweilig ist, der kann auch in einem Terrarium Monster besichtigen …

… oder sich in einer sogenannten Gondoletta durchs Wasser ziehen lassen.

Den Stand, wo man schnell mal eben heiraten kann, habe ich allerdings nicht gefunden.

Aah – endliche Regen! Wir sitzen glücklicherweise gerade gemütlich unter einem Schirm und warten auf einen ausgezeichneten Flammkuchen.

Ein herrlicher Tag! Wenn es euch mal nach Mannheim verschlägt – nicht verzagen, geht in den Luisenpark. Von Heidelberg erreicht man ihn in einer halben Stunde mit der Straßenbahn.

Fortsetzung folgt.

Urlaub, Heidelberg (2)

Es fällt auf, daß es in Heidelberg sehr viele Antiquariate und Delikatessengeschäfte gibt. Die Waren, die da jeweils angeboten werden, sind ja sehr unterschiedlich, aber vermutlich ist da doch einen Zusammenhang: In kaum einer deutschen Stadt gibt es mehr Professoren (gemessen an der Gesamtbevölkerung) als hier. Was man an den Büchern spart, kann man doch ausgezeichnet für französiche und italienische Spezereien ausgeben.

Und wer es noch billiger haben will, bedient sich hier an diesem vielbesuchten und immer wieder gutbestücktem Bücherregal.

„Semper apertus“ – was sich anhört wie ein Zauberspruch bei Harry Potter, ist das lateinische Motto der Universität und heißt: Immer offen. Die Ruprecht-Karls-Universität ist 1386 gegründet worden, zwei Jahre vor der Kölner, und ist damit die älteste Hochschule im Gebiet des heutigen Deutschlands.

„Immer offen“, das galt und gilt natürlich nicht für den Karzer, dem Studentengefängnis. Damals, also vor 1914, wären die Insassen vermutlich abgehauen, heute dagegen zahlt man sogar Eintritt, damit man ihn besichtigen kann.

Der pädagogische Wert des Karzers war nicht besonders hoch, weshalb man diese Institution auch abgeschafft hat: „Da sich die Studenten im Karzer in der Regel selbst verpflegen mussten und auch Besuch empfangen durften, war es ein Leichtes, die „Strafe“ zu einem gesellschaftlichen Ereignis mit exzessivem Alkoholkonsum werden zu lassen, was in Quellen des 19. Jahrhunderts immer wieder berichtet wird.“ (Wikipedia)

Mark Twain hat Heidelberg auf seinem „Bummel durch Europa“ auch besucht und erzählt:

„Der Student kann offenbar gegen eine ganze Anzahl staatlicher Gesetze verstoßen, ohne sich dafür vor den staatlichen Behörden verantworten zu müssen. Sein Fall kommt zur Verhandlung und Aburteilung vor die Universität. Falls ein Polizist ihn bei einer gesetzwidrigen Handlung ertappt und ihn festnehmen will, erklärt der Missetäter, daß er Student sei und zeigt vielleicht seinen Immatrikulationsausweis vor, woraufhin der Schutzmann sich die Adresse geben läßt und dann seiner Wege geht und den Vorgang auf der Wache meldet. Handelt es sich bei dem Vergehen um eines, das nicht unter die Gerichtsbarkeit der Stadt fällt, meldet die Behörde den Fall auf dem Amtswege der Universität und kümmert sich nicht weiter darum. Das Universitätsgericht läßt den Studenten kommen, hört sich die Aussagen an und verkündet das Urteil. Die üblicherweise verhängte Strafe lautet auf Haft im Universitätsgefängnis, dem sogenannten Karzer. Soviel ich gehört habe, wird oft gegen einen Studenten verhandelt, ohne daß dieser überhaupt anwesend ist. Dann trägt sich ungefähr folgendes zu: Ein Pedell in Diensten der Universität begibt sich in die Wohnung des besagten Studenten, klopft an, wird zum Eintreten aufgefordert, tritt ein und sagt höflich:

„Wenn Sie gestatten, ich bin gekommen, um Sie in den Karzer zu bringen.“
„Ach“, sagt der Student. „Damit habe ich nicht gerechnet. Was habe ich getan?“
„Vor zwei Wochen hatte die öffentliche Ruhe die Ehre, von ihnen gestört zu werden.“
„Das ist wahr; ich hatte es vergessen. Nun schön, man hat mich angezeigt, vor Gericht gebracht und für schuldig befunden – ja?“
„Genau. Sie sind zu zwei Tagen Einzelhaft im Karzer der Universität verurteilt worden, und man hat mich geschickt, um Sie zu holen.“
Student: „Oh, aber heute kann ich nicht.“
Pedell: „Und warum nicht, wenn Sie gestatten?“
Student: „Ich habe eine Verabredung?“
Pedell: „Dann vielleicht morgen?“
Student: „Nein, morgen gehe ich in die Oper.“
Pedell: „Könnten Sie Freitag kommen?“
Student (überlegt): „Warten Sie – Freitag – Freitag. Freitag scheint nichts anzuliegen.“
Pedell: „Wenn Sie gestatten, werde ich Sie also Freitag erwarten.“
Student: „Gut, ich komme Freitag vorbei.“
Pedell: „Danke schön. Guten Tag, mein Herr.“
Student: „Guten Tag.“
Und so geht der Student am Freitag aus eigenem Antrieb ins Gefängnis und wird eingelassen.
Es ist fraglich, ob die Weltgeschichte des Verbrechens einen seltsameren Brauch aufzuweisen hat als diesen. […]“

Mark Twain: Bummel durch Europa. Gesammelte Werke Bd. 4. Frankfurt/Main: Insel-Verl., 1985

Der alte Hörsaal. Auch hier muß man als Tourist Eintritt zahlen, elende Geldschneiderei. Dafür kommen wir ungeplant in den Genuß eines Vortrags: Über die Jahrhunderte hatte die Universität ihre Bedeutung verloren, Professuren wurden innerhalb der Familien weitervererbt, was die Qualität der Forschung nicht besonders beförderte (waren Professoren nicht schon immer mit den Privilegien von Feudalherren ausgestattet? Und sie sind es noch, jedenfalls in Deutschland …). Um ihr neuen Auftrieb zu geben, verpflichtete man gegen Mitte des 19. Jahrhunderts einen anerkannten Wissenschaftler, der die Hochschule reformieren und ihren Ruf verbessern sollte, und dessen Name heute immer noch fast jedes Kind, das einmal Chemieunterricht hatte, kennt:

Robert Wilhelm Bunsenbrenner. Mit viel Geld und Unterstützung rekrutierte er noch andere bedeutende Wissenschaftler der damaligen Zeit. Neue Gebäude wurden errichtet, die Fakultäten mit dem besten Equipment ausgestattet, das es gab. Und weil sich nach ein paar Jahren alle darüber freuten, daß das klappte, gönnte man sich den prachtvollen und kostspieligen Hörsaal.

Die Studenten gingen vermutlich trotzdem lieber in die Kneipen, tranken literweise Bier und ritzten den Namen der Angebeten in den Tisch.

Wenn die nicht hören wollte, konnte man ersatzweise zu einem „Heidelberger Studentenkuß“ greifen, einem Batzen Schokolade mit Schokoladenüberzug. Wer’s mag …

Die neue Ruprecht-Karls-Universität (Ruprecht hat sie begründet, irgendein Karlheinz hat im 19. Jh. für die Reform gesorgt; der Kenner sprich übrigens von der „Ruperto Carola“) ist auf einem riesigen, unübersichtlichen Gelände auf der anderen Neckarseite untergebracht. Über 20% der Stadtbevölkerung sind Studenten (zum Vergleich: Köln ca. 7%).
„Dem lebendigen Geist“ war 2009 der Titel einer Bettelkampagne zur dringend notwendigen Sanierung und Modernisierung: Wenn die Universitätsverwaltung es schaffte, 8 Millionen Euro von privaten Spendern einzuholen, war das Land bereit, 3 Millionen dazuzugeben. Hat funktioniert. Schirmherr der Kampagne war übrigens jemand, der sich bestens auskennt mit der diskreten Beschaffung von Geldern, aus welchen Quellen auch immer: Altbundeskanzler Helmut Kohl.

Und es hat sich gelohnt, die Hasen am Physikalischen Institut vollbringen wahre Wunder.

Und was machen die Studenten? Wie überall, sie arbeiten in der Gastronomie, und weil die Japaner das erwarten, auch kostümiert. Merkt ja keiner, wenn sie aus Hamburg kommt.

Fortsetzung folgt.

Urlaub, Heidelberg (1)

Ein schönes, typisches Mitbringsel für die Daheimgebliebenen zu Hause in Tokio, Miami oder Rio, damit sie eine ungefähre Vorstellung davon bekommen, wie die Deutschen aussehen und ticken.

Und eine Flasche Schnaps für den Vorgesetzten.

Nach unserer Wanderung sind wir noch eine Woche in Heidelberg, das die längste Fußgängerzone hat, die ich je gesehen habe. Neben den üblichen Ketten gibt es viele Eisläden, Schokolaterien und andere, in denen der Tourist gerne einkauft.

Heidelberg ist größer als all die kleinen Städtchen, die wir auf unserer Wanderung durchquert haben, aber nicht so groß, daß man sich nicht schnell verziehen kann, wenn einem der Rummel zu viel wird. Angenehm.

Vom Kirchturm aus verschaffen wir uns erstmal einen Überblick – ah ja, da geht’s gleich lang …

… zur Alten Brücke aus dem Jahr 1788.

Neben dem Tor hält ein Affe den Besuchern einen Spiegel entgegen. Auf einem Schild steht:

„Was thustu mich hie angaffen?
Hastu nicht gesehen den alten Affen
Zu Heydelberg / sich dich hin unnd her /
Da findestu wol meines gleichen mehr.“

Wenn man will, kann man sich hier tatsächlich zum Affen machen und seinen Kopf in die Skulptur (von Gernot Rumpf, 1979) stecken, aber die Japaner gehen vorbei und wundern sich … wahrscheinlich schon lange über gar nichts mehr, höchstens darüber, wieso die Hobbits nicht endlich aus ihren Häusern kommen.

Schlösser

Auf der Brücke hat man einen gute Aussicht auf verschiedene Schlösser.

Auf der anderen Neckarseite kraxelt man dann zum Philosophenweg hoch und hat einen schönen Blick auf Ruine und Altstadt.

Fortsetzung folgt.

Urlaub, Wanderung Panoramaweg Taubertal, 5. Etappe

Da will man locker die letzten 26 Kilometer angehen, und dann sowas: Tauberbischofsheim läßt einen nicht hinaus, die ganz Straße ist unpassierbar.

Aber wir sind ja inzwischen schon geübt im Umwege gehen. Davorn rechts müssen wir lang – puuh! – ich weiß gar nicht, ob ich es schon erwähnt habe, aber es ist unerträglich heiß in der prallen Sonne, mehrere Kilometer den Hügel hinauf ist die Hölle. Im Ernst, man fängt an, die Aufstiege zu hassen.

Unterwegs eine malerische Burg. Allein, um auf den Innenhof zu gelangen, sollen wir je drei Euro zahlen. Ohne uns.

Unten im Dorf gibt eine eine Kirche zu besichtigen, ganz umsonst, sogar mit einem weitern Riemenschneider-Altar, der zwar nicht ganz die Qualität des Altars in Creglingen hat, aber immerhin. Man beachte besonders die feingliedrigen Hände der gar nicht so heilig wirkenden Engel …

… den Faltenwurf des Kleides der Marienfigur …

… und den kühnen Schwung der Flügel.

Hurra – geschafft! Wertheim, 110 Kilometer vom Ausgangspunkt entfernt. Man muß nicht nach Santiago de Compostela pilgern, um sich nach einer Wanderung zufrieden, stolz und auch erleichtert zu fühlen.

Wertheim ist auch ein schönes Städtchen, viel lebendiger als Tauberbischofsheim.

Am Malerwinkel kann man gut sitzen und sehr gut essen.

Hier fließt die Tauber in den Main. Wenn ich in Rothenburg eine Flaschenpost losgeschickt hätte, könnte ich jetzt vielleicht lesen, was ich geschrieben habe.

Die Ureinwohner scheinen ein reinliches Volk zu sein. Mir ist nicht ganz klar, ob man sich säubern soll, bevor man den Strand betritt, oder wenn man ihn verläßt? Wahrscheinlich letzteres, oder? Sand hat außerhalb des Strandes nichts zu suchen, saubere Straßen für saubere Bürger!

Den Amerikanern ist das ganz egal, die wollen eh nicht im Sand spielen, sondern mit anderen Spielzeugen. Ich weiß nicht genau, ob die Herren zu dem viel bestaunten Auto gehören, farblich paßt es jedenfalls. (Man soll ein Blasorchester sabotieren können, wenn man in Sichtweite der Musiker eine Zitrone ißt, habe ich mal gehört. Ja, wer macht denn sowas?)

Eine sehr schöne Wandertour war das, allerdings nicht so sehr in einem heißen Sommer, was auch in unserem Wanderführer steht, ich kann es nur bestätigen: Eher was für Frühling oder Herbst. Aber wenn man wie ich in lieber und lustiger Begleitung ist, ist alles nicht soo schlimm. Nächstes Mal suchen wir uns eine waldreichere Strecke aus.

Fortsetzung folgt.

Urlaub, Wanderung Panoramaweg Taubertal, 4. Etappe

30 Kilometer sollen wir heute wandern – an einem Tag! Da schauen wir doch erstmal, was im Wanderbriefkasten ist: Ein kleines Büchlein, wo man alles mögliche reinschreiben kann, wie weh einem die Füße tun, wie schön der Weg trotzdem ist und andere wichtige Sachen. Einer schrieb: „Das Bier ist billig.“ Ah ja.

Hier haben sie sich wirklich Mühe gegeben, die Wanderrichtung eindeutig zu kennzeichnen. Je nachdem, von wo man kommt, sollte man in die entgegengesetzte Richtung weitergehen, das muß man natürlich schon wissen.

Sonnenblumen, soweit das Auge reicht. Schön!

Das ist ein geschichtsträchtiger Ort: Hier fand eine der großen Schlachten des Bauernkrieges 1525 statt, die die Bauern leider verloren, zu groß war die gut ausgerüstete adelig-klerikale Übermacht. Ein paar Jahre später kam Napoleon hier durch – ob er selbst, weiß man in Wirklichkeit gar nicht, aber seine Truppen. „Napoleon“ – allein der Name macht natürlich mehr her als irgendwelche französischen Soldaten.

„Wenn du Wert auf deine Finger legst, faß hier besser nichts an“, scheint dieser Blumenständer zu sagen.

Schwuppdiwupp – sind wir in Tauberbischofsheim, so schnell geht das. Um ehrlich zu sein: Die letzten 10 Kilometer sind wir mit der Bahn gefahren. Es ist unerträglich heiß, dann haben wir uns auch noch verlaufen und sind einen großen überflüssigen Bogen entlanggewandert, und dann taucht da dieser Bahnhof auf …

Tauberbischofsheim – der Name ist mir ein Begriff, obwohl ich noch nie hier war – hat es geschafft, drei Viertel seines Marktplatzes als Parkplatz zu bestimmen, was nutzt das schmucke Aussehen, wenn man nicht weiß, wo man die Karren lassen soll, wenn man im Rathaus zur Arbeit geht.

Und tatsächlich scheint das das Vernünftigste zu sein: Toter als tot geht ja nicht. Hier ist wirklich gar nichts los, vielleicht liegt es am Samstagnachmittag.

In einem Nebenaltar einer Kirche eine kleine Sensation: Ein Bild von Matthias Grünewald, dem Schöpfer des unvergleichlichen Isenheimer Altars. Das hier ist nur eine Kopie, das ursprünglich hier hängende Original hat sich die Kunsthalle Karlsruhe unter den Nagel gerissen.

Unser Wirt möchte anscheinend die Lethargie des Ortes durch seine Mitteilungsbereitschaft wieder wettmachen: Diese seine Katze ist die einzige überlebende eines wildlebenden Clans, der einem Mähdrescher zum Opfer gefallen ist. Auf meine Frage, ob sie sterilisiert sei, antwortet er, die Katze sei das einzige deutsche Exemplar, das schon in Venedig gewesen ist … ich sollte solch intimen Fragen nicht stellen, aber ich war noch nie gut in Smalltalk. Wie auch immer: Bald fährt sie mit nach Tirol, wo nur 11 Leute leben, und da … etc.

Aha! Jetzt wissen wir, wo die ganzen Leute sind: Zu Hause und bereiten sich auf den großen Abend im Schatten der Burg vor. Der Rotary-Club veranstaltet ein Kino-Open-Air, „Life of Pi“ wird gegeben, der Eintritt ist für einen guten Zweck. Allerdings fängt der Film erst bei Einbruch der Dunkelheit an und geht dann über zwei Stunden, da liegen wir schon längst im Bett.

Wir gehen lieber noch ein Bier trinken. Herbsthäuser heißt die hiesige Marke, echt sehr lecker, das alkoholfreie Weizen schmeckt fast wie richtiges Bier.

Fortsetzung folgt.

Urlaub, Wanderung Panoramaweg Taubertal, 3. Etappe

Aah – welch Farbenpracht am Wegesrand!

Ansonsten: Wie gehabt, viel Gegend, außer uns kein Mensch weit und breit, im Buch steht: „Nach dem Strommast nach links“, die Wegzeichen schicken uns aber nach rechts (seufz!). Inzwischen sind wir geübte Pfadfinder und richten uns ungefähr nach dem Kompaß.

Zwischendurch gibt es immer mal wieder Strecken im Wald – was für eine Wohltat.

Nach nur 14 Kilometern sind wir schon in Bad Mergentheim, einer Kleinstadt mit vielen Sanatorien und einem riesigen Kurpark, den zu betreten nur denen erlaubt ist, die eine Kurkarte haben oder bereit sind, 2,50 Euro Eintritt zu bezahlen (daß die Benutzung öffentlicher, von Steuergeldern unterhaltener Einrichtungen zusätzlich Geld kostet, kotzt mich zunehmend an, möchte ich hier mal bemerken).

Die Altstadt von Bad Mergentheim ist schön und lebendig, die Menschen sind freundlich, und das Hotelzimmer hat sogar eine Badewanne, toll. Als wir der jungen Frau im Info-Center unser Leid klagen, druckt sie uns detaillierte Karten des Wanderwegs aus für die letzten beiden Etappen, die wir noch gehen wollen. Puh – endlich mal jemand, der was von seinem Job versteht.

Der Hochmeister des „Deutschen Ordens“ hatte hier seinen Hauptsitz. Der „Deutsche Orden“ war in den letzten 800 Jahren ein einflußreicher Ritterorden mit machtpolitischen Ansprüchen, ist nun aber nur noch kirchlich orientiert.

In einem Esoterikladen in der Fußgängerzone gibt es neben vielen bunten Steinen und Kristallen auch Sandrosen in verschiedenen Größen. Besonders beeindruckt hat mich, daß sie das Bindegewebe stärken sollen, durch reine Ausstrahlung! Eine ehemalige Philosophielehrerin von mir trug während der Klausuren immer einen Bergkristall in einem kleinen Ledersäckchen bei sich, weil sie sich eine positive Wirkung auf die Schüler davon versprach. Das war zumindest nett gemeint, und vielleicht hat es ja denen, die dann eine gute Note bekamen, auch geholfen. Kann jemand das Gegenteil beweisen?! Also bitte.

Daß da Mutter und Kind auf Rosenwolken schwebend zum Heil der Menschheit auf uns herabblicken, … äh … jetzt habe ich den Faden verloren. Jedenfalls: Auch daran glauben Leute.

Ich glaube ja daran, daß mir irgendjemand mal so ein Auto schenkt (aber bitte unbedingt auch mit Wackeldackel!). Ob es da auch einen Stein gibt, der das unterstützt? Den würde ich mir sofort kaufen. Mit meinem Bindegewebe bin ich nämlich ganz zufrieden.