Schönhauser Str.

Die Fotos, die hier hängen, hätten wahrscheinlich nie das Licht eines Ausstellungsraums gesehen, wären sie nicht von einem bekannten und geehrten Schriftsteller und seiner Frau gemacht worden: Arno und Alice Schmidt, die seit 1950 ihr Leben und ihre Umgebung fotografierten: Anfangs Schnappschüsse in schwarz/weiß mit einer Rollfilmkamera, später bunte, schön komponierte Natur- und Landschaftsfotos.

Daß sie ausgestellt werden, ist aber auch dem „Forum für Fotografie“ zu verdanken, das ganz bewußt die großen Shootigstars der Fotografie-Szene meidet und kleineren Sammlungen und jüngeren Künstlern eine Chance geben will. Hinten links ist noch ein kleiner Raum, dahinter ein winziges Café – sehr sympathisch. Eintritt 2 Euro.

Folgendes Bild ist aus der Sammlung, die Rechte liegen bei der Arno-Schmidt-Stiftung.

Gustav-Heinemann-Ufer

Wie ich einem städtischen Wohnungsbauprogramm aus dem Jahre 2005 entnehme, war der Büroleerstand zu der Zeit so hoch wie nie, man überlegte, Büros in Wohnungen umzuwandeln. Ich habe leider keine neueren Zahlen, aber man kann vermuten, daß der Leerstand immer noch sehr hoch ist (insgesamt hat er im 2. Halbjahr 2008 in den großen Städten aufgrund der sich anbahnenden Finanzkrise stark zugenommen), aber trotzdem werden immer noch neue gebaut, hier direkt an der attraktiven Rheinuferstr. (allerdings die selbe, die bald nicht mehr so attraktiv sein wird, da man die Bäume für zwei neue Fahrspuren fällen will, ich berichtete). Provisionsfrei kann man hier Büros zwischen 250 und 50.000 Quadratmeter kaufen oder mieten, aber da das vermutlich so weitergeht mit der Krise, schlage ich vor, die Räume gleich als Wohnungen zu planen, billiger Wohnraum wird immer gebraucht, und ich würde mich ganz bescheiden mit der kleinsten Größe von 250 Quadratmetern zufriedengeben.

Rheinuferstraße

Das Plakat hat folgenden Hintergrund: Ich hatte ja schon mal erzählt, daß in Köln (meiner Ansicht nach) überflüssigerweise eine neue U-Bahnstrecke gebaut wird, immerhin 10/15 Minuten kann man da an Zeit sparen als Resultat einer Investition von bereits über einer Milliarde Euro …
Jedenfalls, bevor die neue Bahn auf die alten Gleise am südlichen Rheinufer trifft, muß sie an die Oberfläche kommen, nach dem Plan blöderweise vor der vierspurigen, stark befahrenen Rheinuferstraße. Kein Problem: Ampelanlage, fertig – dachte man. Da die Bahnen aber im 5-Minutentakt fahren sollen, also Rotlicht für die Straße alle zweieinhalb Minuten, befürchtet man Staus, die sich bis auf die anderen Hauptverkehrsadern der Stadt ausweiten. Eine Untertunnelung der Straße ist zu teuer, also scheint es nur eine Lösung zu geben: Der Stauraum muß erweitert werden, mit anderen Worten: Aus der vierspurigen Rheinuferstraße soll eine sechsspurige werden, die Autos stehen dann zwar genauso lange vor den Schranken, aber weiter hinten kann er wenigstens noch fließen. Zwei Spuren mehr auf einer Strecke von über einem Kilometer, das braucht Platz, der leider von diesen unpraktischen Bäumen besetzt ist, bis zu 180 Stück müssen also der Kettensäge zum Opfer fallen, der Ratsbeschluß (CDU und SPD) ist schon gefällt.
Die Anwohner finden das gar nicht witzig, haben eine Bürgerinitiative gebildet und kämpfen mit Unterstützung diverser Umweltschutzgruppen für eine Untertunnelung. Die Grünen sind übrigens der Meinung, man solle erst einmal die Verkehrsentwicklung abwarten und weder Untertunnelung noch Straßenausbau angehen, womit die Anwohner aber auch nicht einverstanden sind: Sie befürchten, daß die Autofahrer dann nach Schleichwegen durch ihr Viertel suchen.
Der Oberbürgermeister (CDU) hat inzwischen den Vorschlag gemacht, man könne vielleicht das Geld aus dem Bundeskonjunkturpaket für eine Untertunnelung einsetzen, davon will sein Gegenspieler von der SPD aber nichts wissen – jedenfalls nicht jetzt, zur Wahlkampfzeit. Die Bäume sollten schon mal die Sägen schärfen …

Auch diese schöne Fußgängerallee soll weichen. Hier noch ein paar Bilder vom Baumbestand, den es bald vielleicht nicht mehr geben wird.

Wohnpark Bayenthal

Es gab ja mal eine Zeit, man kann es kaum glauben angesichts der großen Not, in der sie sich momentan selbstverschuldet befinden, da hatten die Banken und Versicherungen so viel Geld, daß sie nicht wußten, wohin damit, also erwarben sie Land, bauten fix und billig große Häuser mit Wohnungen darauf, die sie teuer vermieten und verkaufen konnten – um in der Folge noch mehr Geld zu haben. Verzweifelt vor die Wahl gestellt, es einfach zu verbrennen oder es in Computern als Zahlen hin und her zu schieben, entschied man sich für letzteres: Da wurde gekauft und wieder verkauft, alles nur im Computer übers Internet nach Amerika und zurück, das störte niemanden und die Zahlen wurden immer größer – wie das auf Dauer funktionieren sollte, hat keiner gewußt, aber auch keinen interessiert, und nun haben sie viel mehr Geld verbrannt, als wenn sie für die Entsorgung durch die Müllverbrennung oder (Schreck laß nach!)durch konkrete, sozial motivierte Investitionen gesorgt hätten. Bravo!

Die Firma Allianz baute in den 70er Jahren auf ca. 490 Tsd. qm eine riesige Anlage mit 700 Wohnungen auf dem Gelände einer abgerissenen Maschinenfabrik, die Platz für ein paar Tausend Menschen bietet. Die beiden Türme sind 61 Meter hoch und haben jeweils 21 Etagen.

Stollwerck-Haus, Stollwerck-Villa

LillY fagte kürzlich nach der Villa der Schokoladenfabrikanten Stollwerck sowie nach ihrem Bürogebäude in der Hohe Str./Ecke Wallraf-Platz.

Das Büro- und Geschäftsgebäude „Stollwerck-Haus“, 1907 vom Architekten Carl Moritz fertiggestellt, sah früher so aus:

Stollwerck-Haus am Wallraffplatz, Wallrafplatz, 50667 Köln

Wie nicht anders zu erwarten, hat das Gebäude genau wie 90 % der anderen Bebauung der Innenstadt die Bombadierung des 2. WK nicht überstanden. Der Neubau macht nicht einen ganz so prächtigen Eindruck, aber immerhin, wie man an den Nachbargebäuden sehen kann, hätte man es auch schlechter machen können:

Die Stollwerck-Passage, die gern wegen des Klangs und als Schutz gegen die Kälte von Straßenmusikern genutzt wird, wurde an die selbe Stelle gesetzt, wo sie vorher auch war.




Die Stollwerck-Villa wurde auch um die Jahrhundertwende gebaut, an den Rand eines neu erschlossenen Gebiets, wo die Unternehmer und Fabrikanten unter sich blieben: Marienburg ist selbst heute noch eine äußerst exklusive Wohngegend. Gewerbe und Berufsausübung war für dieses Viertel verboten, selbst Rechtsanwälte und Ärzte durften hier bis nach dem 2. WK keine Praxen eröffnen.

Bismarck-Denkmal an der Villa Stollwerck, Gustav-Heinemann-Ufer, 50968 Köln

Die Villa gibt es nicht mehr – im Gegensatz zur potthäßlichen Bismarck-Säule links im Bild, deren Bau 1902 hauptsächlich von Carl Stollwerck finanziert wurde.

Die Säule ist ca. 30 Meter hoch und kann theoretisch über eine innere Treppe bestiegen werden, ganz oben kann in einer Schale ein Gasfeuer entzündet werden, um den zweifelhaften Ruhm Bismarcks weithin sichtbar zu machen. Die Renovierung war der Stadt im Jahr 2001 130000 Euro wert – meine Herren! Da steht man automatisch stramm.

PS: Die beiden Postkarten durfte ich mit freundlicher Genehmigung von BilderbuchKöln verlinken (ganz vielen Dank!) – eine tolle Seite übrigens, die viele sehenswerte Fotos der Stadt versammelt.

Kap am Südkai

Was gibt es schöneres als an einem milden Herbsttag im Sonnenschein am Rhein spazieren zu gehen? Genau, zwischendurch einkehren. Das relativ neue Café Kap liegt auf dem Weg, draußen sitzen mit Blick auf den Fluß ist auch nett … aber dann: Kuchen ist aus – Sonntag nachmittag um 16 Uhr!! Nicht einmal einen popeligen Keks gibt es zu den heißen Getränken (überall sonst Mindeststandard), der Kakao ist mit heißem Wasser aufgegossener Zucker mit Milchpulver und leichtem Schokoladengeschmack, das Sahnehäubchen ist keins, sondern aufgeschäumte Milch – Freunde, nein, Leute, hier habt ihr mich zum letzen Mal gesehen!

Rheinufer

Nanu, was ist denn das für ein Lärm? Laute, blecherne Rock’n-Roll-Musik, unterbrochen von irgendwelchen Ansagen, wabert über das Wasser. Bald lüftet sich das Geheimnis: „Seid ihr gut drauf?“ ruft der dicke Mann in rot. „Jaaa!“ schallt es verhalten zurück. „ICH HÖR EUCH NICHT“, brüllt der Mann, „JAAAAAA“, brüllt es zurück. Nach drei Minuten ist das Grauen außer Hörweite.