Mozartstr.

 

Die Kölner Bäckereikette Schmitz & Nittenwilm hat neulich eine Filiale bei mir um die Ecke aufgemacht. Das ist sehr schön, denn schon seit Längerem kaufe ich da bevorzugt meine Brötchen, nur hatte ich bisher dafür weitere Wege. Den Kuchen kann ich leider nicht empfehlen: Er ist meist nur süß, hat wenig Geschmack und ist dafür viel zu teuer – nicht anders als in den anderen Bäckereiketten. Wie der Kaffee hier schmeckt, weiß ich nicht – den besten Kaffee der Welt gibt es bei mir zu Hause, was soll ich da in einen solchen Laden gehen.

Immerhin ist es löblich, daß Schmitz & Nittenwilm nun auch einen Mehrwegbecher für „Coffee to go“ anbietet. In Deutschland werden stündlich (!) 320.000 Kaffeeeinwegbecher fortgeworfen, in Köln allein 180.000 am Tag, das ist eine immense Ressourcenverschwendung: Da die Pappbecher nicht nur aus Papier bestehen, sondern innen eine Kunststoffbeschichtung haben – klar, sonst würde die Flüssigkeit ja sofort durchsuppen – sind sie für das Recycling so gut wie unbrauchbar und werden verbrannt. Der Köln-Becher ist hübsch-häßlich und kostet hier knapp 10 Euro, das erste Getränk gibt’s gratis dazu, und jedes weitere ist 10 Cent billiger als im Pappbecher.

Bleibt nur noch die Frage, warum man überhaupt Kaffee beim Gehen trinken sollte.

Glück

Man könne Glücksgefühle nicht kaufen, wird da behauptet, aber wenn man eine neue Brille erwerbe, komme man nah heran. Und was machen Leute, die keine Brille brauchen? Nicht verzagen …

… Kaffee trinken. Tja, wer den auch nicht mag, hat Pech gehabt. Oder er geht in den Baumarkt und kauft sich ein paar Dosen Spray-Farbe:

In korrektem Englisch müßte da stehen: „Graffiti make happy. You don’t!“, aber wir wissen, was gemeint ist. Nun, für den Künstler mag das stimmen. Ich bevorzuge allerdings ein Stück schwäbischen Apfelkuchen von Café Braun, oder ein Stück Zartbitterorangenschokolade von Lindt, oder ein gut gekühltes Pils an einem lauen Sommerabend. Glück ist vielleicht die falsche Bezeichnung für das Gefühl, das sich dann einstellt, es ist eher eine tiefe Zufriedenheit. Glück halte ich für völlig überbewertet: Glück erhält seine eigentliche Qualität dadurch, daß es meistens abwesend ist. Und wer sich das bewußt macht, läuft Gefahr, sich für überwiegend unglücklich zu halten, was ja – rein quantitativ gesehen – auch stimmt. Dauerhaftes Glück ist eine Erfindung der Werbeindustrie, damit wir ständig und ohne Unterlaß das versuchen, was dieses Geschäft schon mit seinem Namen verspricht:

Zufriedenheit ist mir lieber. Außerdem habe ich nicht so viel Platz in meinem Kleiderschrank.

Aachener Str.

Sonntagnachmittag, an einem der ersten richtig warmen Frühlingstage sitzen die Hedonisten in den Cafés und Restaurants und ahnen nicht, welch Jahrhundertdrama sich zeitgleich auf der anderen Straßenseite abspielt:

Das Foto kann man schon jetzt als historisch bezeichnen: Es zeigt die letzten Besucher einer Aufführung im Millowitsch-Theater. Gut, eigentlich müßte man sagen: Millowitsch-Theater in der Volksbühne am Rudolfplatz, denn hier finden schon seit längerem auch andere Veranstaltungen statt, Konzerte und Kabarett. Peter, der Sohn von Willy Millowitsch, gibt auf. Immerhin hat er das Theater seit den letzten Lebensjahren seines Vater gewinnbringend weitergeführt, was bestimmt nicht einfach war, besonders nach dem Tod des Alten. Nun hat vor zwei Jahren der WDR die regelmäßige Fernsehübertragung (im dritten Programm) eingestellt, was zu so großen finanziellen Einbußen führte, daß ein weiterer Betrieb nicht mehr wirtschaftlich ist. Die Kölner Zeitungen brechen in ein Wehgeschrei aus, daß man sich wundert, daß nicht auch USA Today oder BBC-Nachrichten darüber berichten: Diese lange kölsche Tradition, Verlust einer Legende, Werte- und Kulturverfall usw. – ganz ehrlich, mir wird nichts fehlen, Volkstheater im 50er-Jahre-Stil, dazu noch in Mundart, das fand ich als 10jähriger lustig, aber heute nicht mehr. Und was macht Peter Millowitsch jetzt? Der Mann ist 69 und könnte sich zur Ruhe setzen. Stattdessen „rächt“ er sich an seiner Heimatstadt auf zweifache Art:

Im Sommer tritt er zum ersten Mal neben der Heidi-Kabel-Tochter Heidi Mahler in einem Stück des Hamburger Ohnsorg-Theaters auf, also ausgerechnet bei der ärgsten Volkstheaterkonkurrenz, und wo findet die Aufführung statt?  In Düsseldorf!! Die Schmach nimmt kein Ende …

Aachener Weiher/Roonstr.


Aus der Reihe „Bibelsprüche, die ich mag“: „Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen“ – und trotzdem geht es ihnen nicht schlecht. Oder gerade deswegen. Familie Schwan beim Abendputz.

Ganz anders dagegen Homo sapiens: Schon früh müssen die Nachkommen das harte Geschäft des Kapitalismus einüben. Wenn es mal nicht so gut läuft, ist es immer gut, Pause zu machen und Proviant dabei zu haben – vorzugsweise Eis und Schokolade.

Picasaweb wird zu „Google Photos“

Foto:

Nicht immer schützt ein großer Umfang vor Entführung. Seit Beginn dieses Fotoblogs habe ich die Fotos immer zuerst zu „Picasaweb“ hochgeladen, einem Internetanbieter, bei dem man bis zu einem bestimmten Umfang digitale Bilder ablegen und bei Bedarf mit allen anderen oder auch nur einem bestimmten Personenkreis teilen konnte. Heute würde man das wahrscheinlich eine „Cloud“ nennen. Mit Hilfe eines Embed-Codes habe ich die Fotos dann in den jeweiligen Blogeintrag integriert – das sparte viel vom nicht sehr umfangreichen Speicherplatz beim Bloganbieter. Picasaweb und das darauf abgestimmte Fotoorganisationsprogramm Picasa (für den PC) waren weltweit sehr beliebt: Schnell installiert, einfach zu handhaben, sinnvolle Funktionen. Es dauerte nicht lange und Google verleibte sich alles ein. Sie schraubten ein bißchen daran herum, soll heißen: Es kamen ein paar überflüssige Funktionen hinzu, aber grundsätzlich blieb alles beim Alten, selbst als Google versuchte, durch die Erfindung von Google+ Facebook das Wasser abzugraben – was, wie wir alle wissen, nicht gelang. Es war dennoch ein bißchen ärgerlich: Penetrant versuchte Google, wenn man Picasaweb  (oder auch Youtube) öffnete, einen zu Google+ hinüberzuziehen, das sei doch soo praktisch, alles an einem Ort, unter einer Oberfläche zu haben. Zweimal habe ich aus Versehen auf entsprechende Bestätigungsbuttons geklickt, nur mit einiger Mühe konnte ich das wieder entknüpfen, da ich an sozialen Netzwerken über das Bloggen hinaus kein Interesse habe.

Heute ist, glaube ich, jeder Google+-Mitglied, der irgendein Google-Programm benutzt, die fragen da nicht mehr groß nach – man nutzt die Netzwerkfunktion einfach nicht, und die Sache hat sich erledigt. Vorerst jedenfalls, denn die Google-Mitarbeiter sind unermüdlich dabei, die Angebote in ihrem Sinne zu optimieren. Nun wurde, trotz weltweiter Proteste, Picasaweb abgeschafft. Alle Fotos liegen nun bei „Google Photos“, und ich kann wahrscheinlich heilfroh sein, daß meine Fotos hier im Blog noch sichtbar sind.

All das, was so gut war bei Picasa, wurde abgeschafft, stattdessen kann man nun auch Fotos von seinem Android-Smartphone hochladen. Auf der Strecke geblieben ist leider auch der Embed-Code – ich vermute, Google hat nicht das geringste Interesse daran, daß ein Foto, das auf ihrem Server liegt, bei einem anderen Anbierter eingebunden werden kann, ohne daß man den Herkunftsort erfährt. Tagelang habe ich nach einer Alternative  zu Picasa gesucht, aber nichts Gutes gefunden, bis ich durch Zufall in einem amerikanischen Forum den Hinweis gefunden habe, wie man Fotos aus Google doch in seinem WordPress-Blog einbinden kann – es ist ganz einfach, man muß es nur wissen:

Man macht das Foto bei Google groß, klickt mit der rechten Maustaste ins Bild, klickt dann auf „Grafik kopieren“, öffnet im WordPress-Blog das Eingabefeld, aber, und das ist ganz wichtig, nicht das HTML-Feld, sondern unbedingt das „Visuell“-Feld, rechte Maustaste, auf „Einfügen“ klicken – voilà! Nun nur noch die Größe anpassen.

„Google-Nutzer sind nicht die Kunden von Google, sondern die Ware.“