Ausflug nach Düsseldorf

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„Das heitere Düsseldorf gefällt doppelt, wenn man aus dem finsteren Cöln herkommt“, sagte um 1800 der Schriftsteller Karl Julius Weber, und auch heute hört man immer wieder Leute, die behaupten, Düsseldorf sei eine schöne Stadt. Das wollten wir letzten Samstag genauer untersuchen. Mein letzter Eindruck der Stadt, bereits ein paar Jahre her: Die Stadt ist eine einzige Baustelle. Das scheint sich auf den ersten Blick auf dem Weg vom Bahnhof zur Altstadt kaum geändert zu haben. Überhaupt: Wenn man wie wir diesen Weg zu Fuß macht, ergibt sich ein denkbar schlechtes Entree: Ewig lang läuft man durch ein unwirtliches Viertel, das durch vielspurige Straßen zerschnitten ist.

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Die historische Altstadt, also der Ort, wo sie einst war, denn auch Düsseldorf ist im 2. WK zu 90% zerstört oder beschädigt worden, wird gern und liebevoll gemeint als „längste Theke der Welt“ bezeichnet: Nicht nur in einer Straße reihen sich hunderte Restaurants und Kneipen nahezu lückenlos aneinander, nein, das erstreckt sich übers ganze Viertel. Es sind zugleich Tausende Leute hier, um zu essen und zu trinken.

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Die Stadtführerin, die wir gebucht haben, meinte, wir sollten nicht etwa denken, es sei voll, richtig voll werde es erst gegend Abend. Da es noch früher Nachmittag ist, geht es noch einigermaßen gesittet zu, selbst bei den Junggesellenabschiedsgruppen.

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Auf extra festgemachten Rheinschiffen findet das Oktoberfest statt, was man auf den ersten Blick aber kaum erkennt, und das ist auch völlig egal, es gibt Bier, Helene Fischer singt laut und atemlos vom Band, und wahrscheinlich gibt es Brez’n und Weißwurscht.

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Hier ist es nett, aber leider alles besetzt. Hinten links sieht man übrigens die Radschläger.

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Woher die radschlagenden Jungs kommen, weiß man nicht mehr genau, aber es gibt natürlich einige Mythen. Eine Legende hängt direkt mit der Gründungsgeschichte Düsseldorfs zusammen: Als die Düsseldorfer siegreich von der Schlacht bei Worringen zurückkamen, freuten sich die Knaben so sehr über die Rückkehr ihrer Väter, daß sie vor Freude radschlugen. Heute findet man die Figuren auf Souvenierartikeln wie Tassen oder T-Shirts, aber auch auf Gullideckeln.

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In dieser Skulptur (Ausschnitt) wird sie thematisiert, die Schlacht von Worringen (heute ein Stadtteil von Köln) im Jahr 2188 (hier habe ich bereits davon erzählt) – 1.800 Tote in nur sechs Stunden, weil Adlige und Klerus ihre Herrschaftsansprüche nicht aufgeben wollten, das muß ein übles Gemetzel gewesen sein. Im Anschluß, wie gesagt, erhielt Düsseldorf die Stadtrechte, und der Kölner Erzbischof verlor auf ewig seine beherrschende Stellung.

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Eine Büchermeile am Rhein, sehr schön, mehrere hundert Meter Bücherstände mit gebrauchten günstigen Büchern – aber wir sind platt und müssen erstmal was essen. Wir landen im „Primo Lopez Opazo Restaurant El Rancho“ in der hochfrequentierten Bolkerster., da dort noch Tische frei sind. Ein Fehler, wie sich herausstellt: Die Speisen sind teuer, vom Geschmack her aber schlechter Durchschnitt. Als ich die Rechnung begleichen will, liest der Kellner eine – wie sich herausstellt – Fantasiezahl von seinem tragbaren Elektrogerät ab und ich bezahle, ohne mir etwas dabei zu denken. Erst später überschlage ich die Preise und merke, daß man uns um ca. 5 Euro betrogen hat, und die Tatsache, daß die Gäste weder Kassenbon noch Quittung erhalten, läßt darauf schließen, daß das Ganze auch noch am Fiskus vorbeigeschleust wird. Das hatte ich auch schon lange nicht mehr, so dreist in einem Restaurant abgezockt zu werden. Leider muß ich sagen, daß das zu der Atmosphäre im ganzen Viertel paßt.

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Tanz auf der Litfaßsäule.

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Noch ein Kunstwerk – also jetzt nicht das Foto an sich (obwohl ich es ganz schön finde), sondern an dem Gebäude: Das Ofenrohr an der Fassade der Kunsthalle ist von Josef Beuys, im Jahr 1981 im Rahmen der Ausstellung „SCHWARZ“ dort angebracht. Es durchbricht die Wand und erscheint auf der Innenseite als schwarzes Loch, und genau so heißt das Kunstwerk auch: „Schwarzes Loch“. Beuys hat es der Stadt geschenkt.

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Da gibt es Joghurteis – das muß gut sein, so lang, wie die Schlange ist.

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Ah – endlich etwas Luft. Düsseldorf hat eine lange Rheinpromenade, auf der man sehr schön spazieren kann, hin zum …

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… neu bebauten Hafen. Hier gibt es so viel zu sehen – wir beschließen, nochmal wieder zu kommen.

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Bei einem leckeren Altbier in der Abendsonne ziehen wir ein Resumee: Wer Rummel mag, gern säuft und mit minderwertigem Essen zufrieden ist, der ist in Düsseldorf ohne jede weitere Zusatzinformation bestens aufgehoben. Wer das nicht will, sollte die Stadt entweder meiden oder sich vorher genau informieren – schließlich ist sie auch verschrien für ihre mondänen Läden. Wir jedenfalls werden die Altstadt zukünftig meiden. Der Hafen macht einen wirklich interessanten Eindruck, und was hier natürlich immer besuchenswert ist, sind die ausgezeichneten Museen und Ausstellungen.

Demonstration gegen TTip und CETA

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Die Demo letzten Samstag gegen TTIP und CETA war friedlich und bunt. Es sollte eigentlich um 12 Uhr losgehen, aber …

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… die Polzei wollte sie nicht starten lassen, bevor diese Greenpeace-Aktivisten ihre Aktion beendet und das Transparent wieder entfernt hatten. Die dachten gar nicht daran, und so gab die Polizei (meine Begleiterin ermahnte mich, ich solle nicht andauernd „Bullen“ sagen) nach anderthalb Stunden auf.

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40.000 bis 55.000 Menschen sollen sich beteiligt haben, je nachdem, wen man fragt, die Polizei oder die Veranstalter.

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Von ganz Jungen (die natürlich von ihren Eltern mitgenommen wurden) bis zu Leuten im Rentenalter waren alle Generationen vertreten.

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Hauptsächlich waren Gruppierungen vertreten, die eher dem linken Spektrum zuzuordnen sind – sogar von den Grünen habe ich eine Flagge gesehen (da kann man sich ja nicht mehr so sicher sein). Von der SPD war sichtbar niemand da, was einen nicht verwundern muß, ersten ist SPD-Chef Gabriel für CETA, zweitens hat sich die Partei schon lange von ihren ursprünglich sozial ausgerichteten Inhalten und Programmen verabschiedet.

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Dabei sind alle die, die hier demonstrieren – deutschlandweit 320.000 – potentielle SPD-Wähler: Früher war die SPD das kleinere Übel, das war der Grund, weshalb sie nach Willy Brand überhaupt nochmal einen Kanzler stellen konnte. Damit ist es nun vorbei.

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Ab und zu gab es Musik am Wegesrand …

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… oder von einer Sambatruppe.

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„Bürger, laßt das Shoppen sein, kommt herüber, reiht euch ein!“, skandierten tatsächlich einige. Nerviger waren die Demonstranten, die glaubten, ihre Meinung mit Lautstärke vertreten zu müssen: Trillerpfeifen oder andere schrille Blasinstrumente, die einem fast das Trommelfell platzen lassen. Gut, überall gibt es Idioten.

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Gerade lese ich, Gabriel hat seine Genossen auf dem kleinen Parteitag auf Spur gebracht, die SPD ist nun insgesamt für CETA. Ich bin gespannt auf die nächsten Wahlen.

Sonnabend, 17.09.16, 12 Uhr, Deutzer Werft

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Manchmal gerät man in Köln unversehens in einen Demonstrationszug und wird zum Teilnehmer, obwohl man eigentlich nur durch die Stadt schlendern wollte. In diesem Fall war das in Ordnung – die Forderung kann ich gut unterschreiben.

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Oft kommt eine Demo nicht allein: Da gibt es Gegendemos gegen eine Gegendemo, die wiederum gegen eine ganz andere Demo demonstriert. Auf dem Bahnhofsvorplatz standen sich Neonazis (oben) und linke Organisationen (durchmischt mit ahnungslosen Reisenden, unten) gegenüber, getrennt durch eng an eng gestellte Polizeifahrzeuge – glücklicherweise ist nichts passiert.

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Gemeinsam (wenn auch aus völlig unterschiedlichen Gründen) demonstrierte man gegen diese Demo (am 31.07.): Ca. 40.000 Türken und türkischstämmige Mitbürger waren einem Aufruf gefolgt und feierten nicht nur die Zerschlagung des Staatsstreiches, sondern auch die Demokratie in der Türkei und ihren Präsidenten Erdogan. Das sind allerdings drei – wie soll ich sagen – Anlässe oder Bereiche, die nicht so recht zusammenpassen, bzw. der Wirklichkeit entsprechen: Der Staatsstreich wurde nicht zerschlagen, sondern von Erdogan übernommen und weitergeführt in eine Diktatur: Justiz, Parlament und Regierung (inkl. Militär und Polizei) werden gleichgeschaltet, kritische Presse verboten und geahndet, Intellektuelle werden verfolgt, eingesperrt und gefoltert, was aber auch jedem Bürger passieren kann, der nur in den Verdacht gerät, Sympathisant einer Bewegung zu sein, die von Erdogan und seinen Anhängern ohne Beweise beschuldigt wird, den Militärputsch veranlaßt zu haben. Diese Demonstration auf der Deutzer Werft war, unabhängig davon, ob alle Beteiligten davon wissen, eine reine Propagandaveranstaltung.

Aber das Demonstrationsrecht ist ein hohes Gut, zeigt eine Demonstration doch, ob Versammlungs- und Meinungsfreiheit in einem Land noch gegeben sind. Im Moment ist es wohl kaum ratsam, in Istanbul eine Demo gegen die diktatorische Politik Erdogans zu veranstalten. Darüber hinaus haben Demos kaum Erfolg, soweit es ihre jeweils konkreten Ziele betrifft, sie geben nur Stimmungen wieder, was mir in den letzten Jahren zu wenig war, deswegen habe ich an kaum einer teilgenommen.

Morgen mache ich mal wieder eine Ausnahme, um meinem Ärger über die Dummheit wenigstens etwas Raum zu geben: In sieben deutschen Großstädten (Köln, Berlin, Frankfurt/M., Hamburg, Leipzig, München und Stuttgart) finden Demonstrationen gegen die Freihandelsabkommen TTIP und CETA statt. Vizekanzler und Wirtschaftsminister Gabriel erklärte ja unlängst, TTIP, also das Abkommen mit den USA, sei so gut wie „gestorben“ (die Kanzlerin und andere Politiker dementierten beinahe augenblicklich), aber CETA, das Abkommen mit Kanada, sei doch eine tolle Sache, man solle das erstmal beschließen und könne ja hinterher noch nachbessern. Warum sollten die Konzerne in Kanada und den USA (die einfach eine Dependance in Kanada eröffnen  können, schon sind sie im Spiel) die Rechte, die ihnen  bereits vertraglich zugesichert wurden, wieder aufgeben? Man weiß nicht genau, ob Gabriel ein übler Zyniker ist oder einfach nur dumm, aber das Resultat ist leider das selbe.

Der Mond

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Der Mond,
meine Damen und Herren, und das möchte ich hier in aller Offenheit sagen,
ist aufgegangen!
Und niemand von Ihnen, liebe Freunde, meine Damen und Herren, wird mich daran hindern, hier in aller Entschlossenheit festzustellen:
Die goldnen Sternlein prangen
und wenn Sie mich fragen, meine Freunde, wo, dann sage ich es Ihnen:
am Himmel!
Und zwar, und das sei hier in aller Eindeutigkeit gesagt, so, wie meine Freunde und ich uns immer zu allen Problemen geäußert haben:
hell und klar.
Und ich scheue mich auch nicht, hier an dieser Stelle ganz konkret zu behaupten:
Der Wald steht schwarz und …
lassen sie mich das hinzufügen
und schweiget.
Und hier sind wir doch alle aufgerufen – gemeinsam -, die uns alle tiefbewegende Frage an uns gemeinsam zu richten: Wie geht es denn weiter? Und ich habe den Mut und die tiefe Bereitschaft und die Entschlossenheit, hier in allem Freimut und aller Entschiedenheit zu bekennen, dass ich es weiss!
Nämlich:
Und aus den Wiesen steiget
das, was meine Reden immer ausgezeichnet hat:
der weiße Nebel wunderbar.

©Dieter Hildebrandt, Matthias Claudius

Rudolfplatz

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Nur Cognac aus der Stadt Cognac darf sich so nennen, alle anderen Getränke dieser Art sind Weinbrand. Ähnlich verhält es sich mit Bordeaux-Weinen und Champagner. Sowas haben wir nun auch: Nur Blutwurst aus Köln darf sich Flönz nennen (mit kurzem „ö“ ausgesprochen). Flönz nannte man früher Wurstzipfel – Wegwerfware, die arme Leute beim Metzger für wenig Geld kaufen konnten. Als die Wurstzipfel überwiegend aus der besonders billigen Blutwurst bestanden, ging die Bezeichnung auf die ganze Wurst über, und nun ist sie eine von der Europäischen Union geschützte Herkunftsangabe. Flönz ist eine gekochte oder leicht geräucherte Blutwurst, die sich besonders durch die kleinen weißen Speckstückchen auszeichnet. Ungefähr zeitgleich hat die EU eine Aachener Spezialität durch den Herkunftsschutz geadelt: Öcher Puttes, eine gekochte oder leicht geräucherte Blutwurst, die sich besonders durch die kleinen weißen Speckstückchen auszeichnet. Hm – da kommt man ins grübeln … manchmal wäre es vielleicht ganz schön, ein Franzose zu sein.

Flönz ist Bestandteil eines Gerichts, das die Hiesigen „Kölscher Kaviar“ nennen: Die Blutwurst liegt zusammen mit Zwiebelringen auf einem Röggelchen, das ist ein mit Zuckercouleur dunkel gefärbtes Auszugsmehlbrötchen mit Roggenanteil. Soviel zur Kölner Eßkultur.