Der arme Armin

Gemein, wie nun alle auf den gescheiterten Kanzlerkandidaten Laschet einschlagen: Gerade erst haben sie ihn zum Vorsitzenden gewählt, auf daß er die Partei zu neuen Erfolgen trage und als strahlender Held das Kanzleramt beziehe, da versetzen sie ihm im Moment des Scheiterns Tritt um Tritt, ihm, der doch eh schon am Boden liegt. Ich mach da nicht mit, ich beteilige mich nicht am Nachtreten auf einen Gescheiterten – ich war schon vorher gegen ihn.

Ich war schon immer der Ansicht, die Tatsache, daß Armin Laschet Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen geworden ist, muß ein Irrtum der Geschichte sein. Wir erinnern uns: Vor Laschet war Hannelore Kraft (SPD) Ministerpräsidentin, und sie war so beliebt, daß alle Meinungsbilder und Vorhersagen davon ausgingen, sie würde ihr Amt auch für eine zweite Amtsperiode behalten. Selbst in der CDU ging man vermutlich davon aus, weshalb man niemand Wichtigen an die Spitze stellte, um keinen Anwärter mit Charisma und Sachkenntnis zu „verbrennen“, den man zukünftig vielleicht nochmal für eine Kandidatur gebrauchen könnte. Dann passierte das Unerwartete: Hannelore Kraft vermittelte den Eindruck, als habe sie keine Lust mehr, machte einen halbherzigen Wahlkampf und leistete sich ein paar unpopuläre Eigenheiten (z.B. ging sie im Urlaub nicht ans Telefon und war selbst für ihre engsten Mitarbeiter nicht zu sprechen) – und wurde abgewählt. Vermutlich zu seinem eigenen Erstaunen, und auch dem seiner Partei, war Armin Laschet plötzlich Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten Bundeslandes.

Der Philosoph Friedrich Hegel behauptete, die Geschichte sei in ihrem Verlauf trickreich, letzlich strebe sie aber immer zum Richtigen, er sprach von der „List der Vernunft“. Die Geschichte wird so quasi zur Person (Hegel nannte sie „Weltgeist“ oder „Weltseele“), die sich so oder so entscheiden kann, wie sie weiter verlaufen will, was letztlich nur zum Guten führen kann. Wenn das so ist, denke ich mir, dann kann sie sich ja vielleicht auch mal irren. Es gibt Beispiele: Als die Geschichte wollte, daß die CDU/CSU endlich mal wieder verliert, sorgte sie dafür, daß Alexander Dobrindt Verkehrsminister wird, damit jeder Wähler, jede Wählerin erkennt, was da für inkompetente Leute der Partei in obersten Ämtern sitzen. Hat nicht funktioniert, der Plan. Das Wahlvolk zeigte sich verblüffend ungerührt. Gut, euch werde ich es zeigen, dachte sich die Geschichte, setzte noch eins drauf und hob Andreas Scheuer, von dem man nicht weiß, ob er sich überhaupt die Schuhe allein zubinden kann, in das gleiche Amt: Wieder nichts! Zwei mal hat sich die Geschichte geirrt, aus beiden Amtsführungen hat sich gar nichts Gutes und Vernünftiges ergeben.

Und ein solcher geschichtlicher Irrtum ist Armin Laschet auch. Fatalerweise ist es in den Parteien üblich, nicht die Kompetentesten aus den eigenen Reihen für höhere Ämter zu bestimmen, sondern Gewinner, völlig unabhängig von der Ursache des Sieges. Vernünftigerweise hätte Armin Laschet niemals Ministerpräsident werden dürfen, aber da er nunmal gewonnen hatte, schien er für die eigenen Leute prädestiniert zu sein für das Kanzleramt. Man kann nur verwundert den Kopf schütteln, besonders, wenn man bedenkt, daß sein Gegenspieler Olaf Scholz auf die gleiche Art an seine Spietzenkandidatur gekommen ist: Gewonnene Wahlen in Hamburg unter seiner Ägide reichen aus für die Annahme: Super, der kann das, der macht das. Daß er nun nur wegen eines noch schlechter aussehenden Gegenkadidaten zum (mutmaßlichen) Gewinner dieser Wahl wird – Schwamm drüber, the winner takes it all! Wie blöd ist das?!

Oder ist die ganze Angelegenheit vielleicht eine der Listen der Vernunft? Die Geschichte will … hm … sie will … ich komm nicht drauf. Söder als Kanzler, in vier Jahren, weil Scholz es natürlich auch nicht hinkriegt? Das hätte sie doch schon jetzt haben können. Ich glaube, diese Theorie mit dem Weltgeist, der durch listreiche Verwicklungen in der Geschichte alles zum Besten führt, ist Unsinn. Die Geschichte ist nicht klüger oder dümmer als die, die sie machen, und das sind wir. Wenn die Geschichte vernünftig wäre und nach allem, was ich von Herrn Laschet weiß, dann hätte er eine Herren-„Butike“ in Wuppertal oder in Aachen und würde seinen Kunden Schlipse und Socken in der gleichen Farbe verkaufen, und auch eine Papstaudienz wäre nicht ausgeschlossen. Das wäre nicht nur gut für uns, sondern auch für ihn. Leider ist es anders gekommen.

Spaziergänge in Zeiten von Corona (14)

Eine Anticoronamaßnahmenkundgebung auf dem Heumarkt am Sonntag, dem 02. Mai, 15 Uhr. Vorn rechts im Bild singt gerade jemand ein Lied zur Gitarre. Was ist los – sind die Leute vernünftig geworden? Schön wär’s, allein, mir fehlt der Glaube.

Kontakt- und Alkoholverbot, Maskenpflicht – hält sich keiner dran. Die Polizei patroulliert, macht aber nichts. Mal abgesehen davon, daß sie wahrscheinlich nicht wüßte, mit wem sie anfangen sollte, halte ich ihr Verhalten für pragmatisch. Jüngst haben Aerosol-Experten bewiesen, daß man sich im Außenbereich nur selten ansteckt, wenn man nicht zu dicht aufeinanderhängt. Ich vermute, die Polizei schreitet nur ein, wenn irgendwo eine Party stattfindet oder die Ansammlung zu groß wird, und das ist dann ganz richtig so. Gegen diese kleinen Verstöße vorzugehen halte ich auch für Blödsinn.

Ich hab’s auch gern gemütlich, aber eine Zimmerpflanze in den Park schleppen? Gut, jeder, wie er will.

In letzter Zeit sieht man immer öfter Klamotten mit Gerippedarstellungen. Ob das eine Reaktion auf die aktuellen Geschehnisse ist?

Vermutlich nicht. Schon die Hells Angels hatten einen Totenkopf auf der Kutte. Das Motiv erreicht wahrscheinlich erst jetzt den Mainstream, ähnlich anderer subkultureller Codes. Das soll cool sein, und wenn es dann weit verbreitet ist, verschwindet es wieder.

Das unterschreibe ich sofort. Krankenhäuser, die Gewinne einfahren wollen und sollen, können nicht gesundheitsfördernd sein. Selbstverständlich sparen sie an den Leistungen und am Personal, alles andere wäre wirtschaftlich gedacht nicht vertretbar, die Gewinnmaximierung verlangt das einfach.
Und daß die Impfstoffe noch nicht patentfrei sind, ist ein Skandal, was eigentlich jedem klar sein muß, der nach Indien blickt.

Auf frisch geschüttelte (oder gerührte) Cocktails braucht man nicht zu verzichten. Es gibt sogar Erdbeerbowle.

Kaffee und Kuchen gibt es im Belgischen Viertel an jeder Ecke.

Habt ihr den großen Mond gesehen vor zwei Wochen? Hier ist er schon leicht angefressen, aber so abgedunkelt, daß ich ihn gut fotografieren konnte.

Spaziergänge in Zeiten von Corona (13)

Viele Restaurants und Kneipen sind geöffnet, aber nur to go: Man bestellt online oder direkt an der Tür, bekommt Gerichte und Getränke ausgehändigt und muß sich dann irgendwo einen Platz suchen, wo man das verzehrt – bei schönem Wetter hockt man sich halt irgendwo hin. Und was gibt es Leckeres?

Ah ja, lecker. Gibt’s auch was mit Schbienat?

Intimität auf anderthalb Meter? Schwer herzustellen …

… mit einem „Prince“ Abstand.

Das Gerippe als Allegorie des Todes – hier wartet man noch immer auf die Novemberhilfe, das ist bitter. Aber wenn die Hilfe kommt, von November bis jetzt, jeden Monat 75% des Vorjahresmonats, dann müßte man eigentlich gut über die Runden kommen, oder? Außer Miete kaum Ausgaben, kein Strom, kein Wareneinkauf, die Angestellten sind in Kurzarbeit. Und das scheint ja auch im Großen und Ganzen zu funktionieren, sonst wäre der Aufschrei sehr viel größer.

Worüber haben die Nachrichten eigentlich berichtet, bevor es Corona gab? Es macht einen mürbe, man möchte nur noch, daß es endlich vorbei ist. Die Politiker versuchen, eine Position zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und der Stimmung der Bevölkerung zu finden – und erwecken den Eindruck von Kopflosigkeit: Zum 8. März beschlossen die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidentenrunde Lockerungen, entgegen jedem Rat ernstzunehmender Experten: Aus dem „click and collect“, also dem Online-Bestellen und anschließendem Abholen von Waren an der Ladentür, wurde ein „click and meet“, was bedeutet, daß die Kunden nach Online-Anmeldungen in den Läden bummeln konnten. Nur wenn eine Inzidenz über 100 in drei Tagen erreicht sei, sollte eine „Notbremse“ wieder die vorherige Bestimmung einsetzen. In Köln war die Grenze sehr schnell überschritten, es vergingen drei Tage, vier Tage, fünf, sechs, sieben – und es passierte nichts. Solche Bilder konnte man lange in der Fußgängerzone beobachten:

Lange Schlangen, hier brauchten die Leute offenbar unbedingt neue Klamotten von ZARA.

Das „click and meet“ wurde recht eigenwillig ausgelegt: Man konnte sich auch vor Ort anmelden.
Erst zum 29. März, nach ständig steigenden Inzidenzzahlen, wurde die Regelung wieder zurückgenommen.

Kurz darauf, vor Ostern, stiegen die Temperaturen auf über 20 Grad, und man hatte Mühe, die Leute zur Einhaltung der Kontaktbeschränkungen zu bewegen. Ab 18 Uhr, am Wochenende sogar schon ab 15 Uhr, galt hier, an dem besonders für junge Leute beliebten Treffpunkt, Verweilverbot, weil sie sich einfach nicht an die Regeln halten wollten.
Die Inzidenzzahlen stiegen weiter. Seit dem 17. April gibt es in Köln eine Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr, eine Woche vor Einführung der „Bundesnotbremse“, die eine Augangssperre von 22 bis 5 Uhr vorschreibt ab einer Inzidenz von 100. Und anders, als nach dieser Regelung, darf man in Köln nicht allein bis 24 Uhr spazieren gehen, es sei denn, man hat einen Hund dabei. Neulich sah ich um 23 Uhr einen leicht alkoholisierten Mann singend unter meinem Fenster vorbeigehen und dachte: Sieh an, da laufen 250 Euro. So hoch ist das Bußgeld, wenn man erwischt wird.

Das wird vielfach ignoriert, weil es auch wirklich Blödsinn ist, wenn die Leute sich hier weniger in die Quere kommen als in engen Straßen, wo es keine Maskenpflicht gibt. Aber es wird auch kaum kontrolliert, soviel Personal hat die Stadt gar nicht.

In sämtlichen Grünanlagen der Stadt herrschen die Kontaktbeschränkungen – höchstens zwei Personen aus unterschiedlichen Haushalten – und Alkoholverbot. Bei schönem Wetter halten sich viele nicht daran, und es wird auch nicht kontrolliert. Die Inzidenz stieg auf über 250, aber aktuell sinkt der Wert. Ob es mit der nächtlichen Ausgangsbeschränkung zusammenhängt? Die Verwaltung möchte das gern so sehen, tatsächlich weiß das keiner.

Querdenker, aufgepaßt, hier ist ein neues Thema für euch, wenn Corona nichts mehr hergibt: „Wir lassen uns das Naßwerden nicht verbieten! Nieder mit der internationalen Regenschirmindustrie!“ Bill Gates soll Aktien von Knirps besitzen, und Amazon verdient Millionen am Verkauf. Wer im Regen einen Schirm aufspannt, gibt sich zu erkennen als untertäniger Apologet einer weltweiten Verschwörung gegen das Wasser, das vom Himmel fällt – also ein Gegner des Lebens schlechthin! Der Durchnäßte ist ein Widerstandskämpfer, der Schirm dagegen der neue Hitlergruß!

Alaaf …

Heute ist Weiberfastnacht und der Straßenkarneval beginnt – eigentlich. Nix mit Alaaf in diesem Jahr, also gibt es für mich und meine Begleiterin keinen Grund, nach Berlin zu flüchten. Schon seit Wochen werden die Kölner eingestimmt darauf, „brav“ zu sein, also nicht saufend und grölend durch die Straßen und Kneipen zu ziehen.

„Bald“ ist ein Begriff, denn man offenbar sogar auf ein Jahr in die Länge ziehen kann. Ich würde mich nicht wundern, wenn irgendjemand auf die Idee kommt, den Rosenmontag im Sommer nachzuholen.

Ganz selten sieht man jemanden, der verkleidet ist. Aber es ist wohl schwer, ganz mit dem Brauchtum zu brechen: Als ich um 14 Uhr in die Apotheke gehen wollte, war geschlossen, und Montag haben tatsächlich viele Betriebe ihren Angestellten frei gegeben … damit sie zu Hause eine Person aus einem anderen Haushalt treffen können? Und da schunkelt man dann zu zweit vorm Fernsehapparat? Gerade eben habe ich aus Versehen in die „Kölner Mädchensitzung“ im ZDF zur besten Sendezeit hineingezappt: Es gab einen Elferrat, eine Bigband und Karnevalsbelustiger, aber kein Publikum, stattdessen Applaus vom Band. Bizarr.

Auf dem Neumarkt ein paar verkleidete Ewiggestrige, die die Gelegenheit nutzen, gegen die Coronaeinschränkungen zu protestieren. Wochenlang jeden Tag bis zu 1000 Tote in Deutschland? Dat is uns doch ejal, mir wolle fiere! Im Hintergrund stehen mehr Polizisten, als Protestierer da sind, und passen auf.

Aber nur, wenn man es am Tag vorher gekauft hat: Ich beobachtete an der Kasse im Biosupermarkt eine Frau, die eine Flasche Wein kaufen wollte – keine Chance, heute ist wieder mal Alkoholverkaufsverbot in der ganzen Stadt. Man kann es auch übertreiben, oder?
Für Gastronomie und Bands ist der Lockdown zu Karneval besonders bitter, machen sie doch zu dieser Zeit normalerweise einen großen Teil ihres Jahresumsatzes. Wenn die Kneipen, wie versprochen, 75% ihres Umsatzes des Vorjahresmonats bekommen, wird man sich in Berlin vermutlich wundern, wieviel mehr sie an die Karnevalshochburgen überweisen müssen als im Januar.

Spaziergänge in Zeiten von Corona (12)

Die Muckibuden sind geschlossen – man muß sich zu helfen wissen, und kann außerdem seine schicke Fitnessbekleidung einer größeren Öffentlichkeit präsentieren.

Da fehlt ein „S“, aber so stimmt der Spruch auch, jedenfalls ist man bei der Stadtverwaltung der Meinung: Kultur ist nicht alle, denn …

… „Solange es Bücher gibt, ist die Welt in Ordnung“. Mal davon abgesehen, daß auch in normalen Zeiten kaum ein Schriftsteller von seinen Erzeugnissen leben kann: Was ist mit all den freien Kulturschaffenden und den Menschen, die an der Kultur mittelbar beteiligt sind (Roadies, Beleuchter usw.), die kaum finanzielle Unterstützung erfahren? Die könnten den Spruch etwas zynisch finden. Gut, Bücher kann man auch noch lesen, wenn man auf der Straße sitzt.

Hier jedenfalls gibt es Bücher to go: Man ruft an oder bestellt per Internet, am nächsten Tag kann man sich die Bücher an der Tür abholen. Besser gehen allerdings die Geschäfte für Saturn und Mediamarkt, da bilden sich oft lange Schlangen vorm Ausgabeschalter.

Eine Autodemo fuhr an meinem Fenster vorbei, begleitet von einem großen Polizeiaufgebot. Aus dem ersten Wagen, einem Wohnmobil mit Außenlautsprecher, wurde gerade verkündet, die Antifa seien die eigentlichen Faschisten. Und warum? Offensichtlich hatte jemand in der Nacht „Antifa“ auf sein Auto gesprüht, das ansonsten mit Coronaleugner-Sprüchen verziert war. Gut, das macht man nicht, aber ist man deswegen gleich ein Faschist?  Erst denken, dann sprechen – ist nicht gerade die große Stärke von Coronaleugnern.

Das Phänomen ist es allerdings weit verbreitet: Neulich wies NRW-Ministerpräsident und vielleicht zukünftiger Kanzler Armin Laschet in einer Pressekonferenz stolz darauf hin, daß der Chef der Firma BioNTech aus Mainz, die einen der Corona-Impfstoffe produziert, der Sohn eines türkischen Einwanderers sei, der bei Ford in Köln am Band gearbeitet habe. Man höre und staune. Mit anderen Worten: Also – diese Türken! Sind gar nicht so doof, wie wir immer gedacht haben. Neulich habe ich eine Frau in einem Auto gesehen – hinterm Steuer!
Ich befürchte, mit Herrn Laschet werden wir geistig wieder in den 60er Jahren landen.

Aber – da bin ich ganz offenherzig – ich nehme nicht an, daß Herr Laschet ein Rassist ist. Er hat es gut gemeint und nur nicht richtig nachgedacht – ein auch in der Politik häufig anzutreffendes Phänomen.

Schon wieder Kunst mit Schaufensterpuppen? In diesem Fall nicht – das ist ein Hilfeschrei gegen den Lockdown. Der Mittelstand, so wird behauptet, wird durch den Lockdown zugrunde gerichtet. Soviel ich weiß, werden gerade Milliarden an Unterstützung aus Steuergeldern ausgegeben, und auch, wenn die Zahlungen schleppend anlaufen, Insolvenz braucht niemand zu fürchten, wenn der Laden eigentlich auf gesunden Füßen steht. Jammern auf hohem Niveau.

Immerhin wissen wir nun, daß auch Gerippe Schmetterlinge im Bauch haben können, das ist doch ganz schön.

Hochwasser in Köln – eine Attraktion für Spaziergänger. Der Pegel steht ungefähr auf 8,30 Meter …

… das reicht, um die Schifffahrt zu unterbinden, da die Schiffe nicht mehr unter den Brücken durchkommen, und die Promenade auf Altstadthöhe zu überschwemmen. Viel schlimmer wird es nicht werden, selbst, wenn der Pegel noch steigt, der Hochwasserschutz ist inzwischen gut aufgestellt.

Selten ist der Roncalliplatz am Dom so leer wie zu diesen Zeiten – was soll man in der Innenstadt, wenn die Geschäfte geschlossen haben, die Einwohner bevölkern lieber die Parks, und Touristen gibt es kaum.

Der derzeitige Domherr Erzbischof Kardinal Woelki sorgt übrigens gerade für mehr Kirchenaustritte, als es jede vernünftige Aufklärung könnte. 2018 hatte er bei einer Münchener Rechtsanwaltskanzlei eine Studie zum Kindesmißbrauch im Bistum Köln in Auftrag gegeben. Der Kardinal versprach, die Vorgänge „lückenlos“ aufzuklären. Nun liegt ihm die Studie vor – und er verweigert eine Veröffentlichung, wegen angeblicher methodischer Mängel. Da die Kritik nicht lange auf sich warten ließ, wurden ein paar Journalisten eingeladen, um in die Studie Einsicht zu nehmen, aber zu ihrer eigenen Überraschung sollten sie eine Unterlassungserklärung unterschreiben, über das Gelesene zu berichten, was sie natürlich ablehnten. In seiner Weihnachtspredigt entschuldigte sich Woelki öffentlich – allerdings nicht für den jahrhundertelangen Mißbrauch durch den Klerus, auch nicht für seine Weigerung, die Studie zu veröffentlichen, sondern für die Kritik, die man an ihm übt. Wie bitte? Doch doch – der Kardinal glaubt tatsächlich, daß die Gemeindemitglieder mehr darunter leiden, daß er, Woelki, öffentlich kritisiert wird, als unter der bewiesenen Tatsache des Kindesmißbrauchs durch katholische Geistliche. Darauf muß man erstmal kommen.
Der Verdacht liegt nahe, daß Woelki andere Priester, die er kennt, oder auch sich selbst schützen will, denn inzwischen ist durchgesickert, daß auch er in der Vergangenheit mutmaßlich an Vertuschungen beteiligt war. Ein riesiger Sumpf, der da sichtbar wird – und dazu führt, daß viele Leute aus der Kirche austreten. So hat die ganze Angelegenheit wenigstens einen positiven Sinn.

 

Spaziergänge in Zeiten von Corona (11)

Ach nee, was war das schön – und schon ist es wieder vorbei. Glühwein bekommt man an den zahlreichen Fensterverkaufsständen nur noch bis 16 Uhr, und ab Mittwoch ist es auch damit vorbei. Nach meinen Beobachtungen ist es da eigentlich immer recht gesittet zugegangen, allerdings gab es hier und da große Menschentrauben, die von der Polizei aufgelöst werden mußten.

Nun zu etwas völlig anderem: Neulich stand auf dem Roncalliplatz (wie von mir angekündigt) ein weiteres Werk von dem Künstler Dennis Josef Meseg, die Installation heißt „Broken“ (das andere: Hier klicken).

Wieder sind es in Flatterband eingewickelte Schaufensterpuppen, 222 an der Zahl, diesmal – bis auf eine Ausnahme – nur weibliche. Die vorherrschende Farbe ist Orange, und überwiegend sind die Puppen beschriftet mit Wörtern wie „gesperrt“, „bedroht“, „geschlagen“ und andere, in mehreren Sprachen.

Auf einem Info-Zettel gibt es dazu folgende Erklärung: „Es gibt wenige rote Fäden, die sich so zerreißfest durch die gesamte Menschheitsgeschichte ziehen wie die physische und psychische Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Kein Krieg, dessen Sieger nicht die Frauen der Verlierer verschleppt, vergewaltigt und ermordet hätten. Keine Religion, die Frauen nicht als Wurzeln allen Übels einstuft oder zumindest als dem Manne unterlegen. […] Orange […] ist die Farbe der Freiheit, der Freude und Geborgenheit, der emotionalen Wärme. Deshalb hat die alljährlich von UN Women durchgeführte Kampagne ‚Orange the World‘ eben diese Farbe für ihren Feldzug gegen das unausgesetzte, vielfältige Leid der Frauen erwählt.“

Ich weiß nicht recht, was ich davon halten soll, daß für zwei völlig unterschiedliche Aussagen die selben zwei Mittel eingesetzt werden, nämlich Schaufensterpuppen und Flatterband. Das Werk neulich zu Corona leuchtete mir unmittelbar ein. Hier ist vor allem die schiere Menge bemerkenswert, aber auf die Aussage kommt man ohne zusätzliche Information nur schwer. Die Absicht des Künstlers ist ehrenwert, die Umsetzung erscheint mir dagegen wenig originell.

Das Thema ist allerdings ein Skandal, der täglich in den Nachrichten dokumentiert werden sollte: Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem (Ex-)Partner umgebracht, und in der übrigen Welt wird das nicht anders sein, eher schlimmer. In Deutschland gibt es dazu eine sehr merkwürdige und auch skandalöse Rechtsprechung: Wird eine Frau von ihrem Partner getötet, weil sie den Entschluß gefaßt hat, sich von ihm zu trennen, gilt das als strafmildernd und wird als Totschlag gewertet, als wolle man sagen: Er hat es ja nicht so gemeint, es ist halt mit ihm durchgegangen, als das, was doch ihm gehört, also seine Frau, sich selbständig machen wollte.

Kein schönes Adventsthema, aber, angesichts des Lockdowns und der Feiertage, leider aktueller denn je. Nicht die Straßen sind unsicher für Frauen und Kinder, es sind die Wohnungen.

PS: Hier klicken, um eine Petition gegen Femizide zu unterschreiben.

Spaziergänge in Zeiten von Corona (10)

Lange Zeit war nicht klar, ob der Weihnachtsmarkt am Schokoladenmuseum mit einem eigens erstellten Hygienekonzept nicht doch öffnen könnte, aber seit der Verlängerung des kleinen Lockdowns steht fest: In diesem Jahr gar keine Weihnachtsmärkte.

Dennoch braucht man auf weihnachtliche Stimmung nicht zu verzichten: Vereinzelt stehen Buden auf Plätzen, verkaufen Schokofrüchte, Lebkuchenherzen und Mandeln.

Hier gibt es sogar Glühwein.

In einigen Vierteln gibt es Glühweinwanderwege (Quelle Abb.). Der durchs Studentenviertel dauert 20 Minuten, allerdings nur, wenn man nirgendwo stehen bleibt.

Da die Kneipen und Restaurants eigentlich geschlossen sind, machen sie einen sogenannten Fensterverkauf. Hier bei „Oma Kleinmann“ kann man sogar ein Schnitzelbrötchen bestellen.

Der Glühwein ist sehr viel besser als das Billiggesöff, das man normalerweise auf Weihnachtsmärkten bekommt. Hier schmeckt man echte Gewürze heraus. Der Nachteil: Aus Hygienegründen gibt es die Getränke nur in Pappbechern.

Der Kölner Express erklärt derweil mit „Experten“ (aus welchem Bereich, weiß man nicht), wie es weitergeht mit der Pandemie: Die Leute stellen sich auf die Domplatte, dann spritzt der Impfstoff oben aus den Türmen, und zack! – alle sind immun. Hallelujah! Die katholische Kirche verspricht sich davon eine Zunahme der christlichen Sektenmitgliederanzahl … oder wie? Jedenfalls – beim Express trinkt man offensichtlich ganz gern mal ein paar Tetrapacks Glühwein. Wenn man gleich zum Frühstück damit anfängt, hat man am Abend eine Palette davon vernichtet. Irgendwo muß das Zeug ja hin.

Spaziergänge in Zeiten von Corona (9)

Auf dem Neumarkt stand neulich eine Kunstinstallation, die so sinnfällig ist, daß jeder sofort weiß oder ahnt, wie sie zu verstehen ist.

111 in Absperrband eingewickelte Gestalten, alle in gebührendem Abstand zueinander – das trifft wohl zur Zeit das Lebensgefühl vieler.

Die Installation trägt den Titel „It is like it is“ und ist ein Mahnmal zur – man muß es ja kaum extra erwähnen – Coronakrise.

Auf einem Informationszettel steht folgendes: „‚It is like it is‘ zeigt auf berührende Weise den hohen Stellenwert der Kunst. Schon im Alltag wichtig und wertvoll, ist sie gerade jetzt ein kostbares Element im Überlebenskampf der Gesellschaft. Denn sie verbindet, wo keine Verbindung mehr besteht, und sie särkt unsere Zuversicht, weil sie sichtbar macht, was als gesichtsloser, düsterer Spuk durch unsere Gedanken geistert.“ Dem kann ich vorbehaltlos zustimmen.

Der Künstler heißt Dennis Josef Meseg und ist Student (Bildhauerei) an der „Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft“.

Kleiner Tipp für die, die in der Nähe wohnen: Am Sonntag, den 29.11., gibt es eine weitere, noch umfangreichere Installation des Künstlers auf dem Kölner Roncalliplatz (gleich neben dem Dom) zu sehen.

Spaziergänge in Zeiten von Corona (8)

Ein Haufen Fanpost erreicht mich: Was denn nun los gewesen sei in Köln am 11.11. Ich sag’s euch: Nicht viel. Natürlich war ich als rasender Reporter unterwegs, um alles genau zu dokumentieren. Der Rathenauplatz, ein kleiner Park im Studentenviertel, war wie jedes Jahr zu den Karnevalsausschreitungen komplett umzäunt und bewacht, da er sonst gern von den Saufenden als großes Klo benutzt wird.

Allerdings, wie man ein paar Meter weiter sehen kann: Völlig umsonst, kein Wildpinkler zu sehen. Das ist die Hauptstraße des Studentenviertels, einer der Feierhotspots der Stadt. Wenn die Sauferei beginnt, ist es so voll, daß die Straßenbahn ihre Fahrten einstellt, und sein Auto sollte man vorher unbedingt woanders parken. Kneipe neben Kneipe, durchsetzt mit Imbissen – alle geschlossen oder mit Außer-Haus-Verkauf. Alkoholtrinkverbot in der Öffentlichkeit und Alkoholverkaufsverbot für 24 Stunden, selbst im Supermarkt bekam man kein Bier. An der Ecke standen ein paar Ordnungskräfte und warteten … und warteten …
Später habe ich gehört, daß 53 Ordnungswidrigkeiten aufgenommen wurden – gegen Falschparker.

Auf dem Ring, wie in der ganzen Innenstadt, viel Polizei. Ist ihnen doch zu gönnen, daß sie auch mal eine ruhige Kugel schieben können.

Am Zülpicher Platz, dem Eingang zum Studentenviertel, war ein großer LED-Bildschirm mit wechselnden Motiven angebracht, alle mit der Aussage: Heute nicht, kein Singen, Saufen, Herumgrölen, Wildpinkeln, In-Hauseingänge-Kotzen und -Kacken. Och, wie schade. Gut, da stand nur Singen, aber das andere war mitgemeint.

Da! Erwischt, doch ein paar Unermüdliche, allerdings auf Fahrrädern. Als ich da so herumstand, hörte ich mit einem Ohr, wie sich zwei von ihnen mit Passanten unterhielten: Man war sich einig, so ein Quatsch, wegen einer Erkältung den ganzen Karneval abzusagen, gestorben werde immer, das sei doch überhaupt kein Unterschied, und da jetzt so ein Aufhebens wegen eines Schnupfenvirus‘ … usw. Das höre ich öfter: Stirbt doch gar keiner, höchstens ein ganz paar, wenn das nicht Beweis genug ist für finstere Machenschaften im Hintergrund. Können die Leute nicht lesen? Haben sie vielleicht kein Internet, können nicht mit einer Suchmaschine umgehen?

Das ist ein Screenshot von einer Tabelle, die die Anzahl der Gestorbenen in Europa seit 2017 anzeigt. Die schwarze gestrichelte Linie ist der erwartete Verlauf, der sich aus dem Durchschnitt vorhergehender Jahre ergibt, die durchgehende blaue zeigt den tatsächlichen Verlauf. Zwischen der 8. und der 14. Woche 2020 (Mitte Februar bis Ende März/Anfang April) schnellt die Kurve nach oben: Statt der erwarteten 53.600 starben in der 14. Woche 89.000 Menschen. Coronaleugner, was ist da wohl passiert? Plötzliche Flugzeugabstürze? Unfälle? Eine spontane Suizidwelle? Dank der Regierungsmaßnahmen europaweit normalisierte sich die Übersterblichkeit zwischen der 14. und der 23. Woche (Anfang Juni) langsam. In der 36. Woche (Anfang September) ging es wieder los, bis zur 45. Woche (Anfang November) stieg die Todeskurve wieder an, und wenn man nicht darauf reagiert hätte, würde sie wahrscheinlich heute noch steigen. (Quelle: https://www.euromomo.eu/graphs-and-maps)

In den USA sind zwischen März und heute über 250.000 Menschen an und mit Corona gestorben. Aber – ist das ein Argument? In den USA feiert man doch gar keinen Karneval.

Spaziergänge in Zeiten von Corona (7)

Nach meinem Eindruck schwankt die Stimmung in der Stadt in diesem „kleinen“ Lockdown zwischen Gelassenheit und leichter Hysterie, die besonders die öffentlichen Anordnungen betrifft. In dieser Konditorei nimmt man die Situation mit angemessenem Humor und ist hocherfreut über die Aufmerksamkeit, als ich frage, ob ich ein Foto machen darf.

Ich hatte mir angewöhnt, erst nach 22 Uhr einzukaufen, kaum Leute im Supermarkt, da ist man schnell durch, und das Ansteckungsrisiko ist gleich Null. Als ich vor ein paar Tagen eine Flasche Bier zu meinen anderen Einkäufen aufs Band legte, sagte mir der Kassierer, das könne er leider nicht mehr verbuchen, den Grund kenne er auch nicht. Ich machte ein bißchen Rabatz, der Türsteher eilte herbei und gab mir recht: Seit Monaten gab es ein Alkoholverkaufsverbot ab 23 Uhr, es war erst kurz nach zehn, aber was soll man machen, der Filialleiter war nicht mehr da, die Kasse nahm das einfach nicht an, also zog ich verdrossen von dannen. Wie sich später herausstellte, hatte die Stadtverwaltung bereits eine Woche vorher neue Corona-bedingte Einschränkungen in einem Amtsblatt verkündet, ohne das weiter mitzuteilen. Vielleicht stand es im „Kölner Stadtanzeiger“, aber wenn man den nicht mehr liest, blieb man uninformiert. Und in dem Amtsblatt steht, daß Alkohol seit dem 2. November bereits nach 22 Uhr nicht mehr verkauft werden darf. Natürlich ist das kompletter Blödsinn: Die Straßen sind leer, da alle Kneipen, Bars und Restaurants geschlossen sind. Wer unbedingt privat Parties feiern will, für den ist es egal, ob er sich vor 22 oder vor 23 Uhr mit Alkoholika eindeckt. Selbst ich, der nur ein Feierabendbier trinken möchte, weiß jetzt, daß ich früher einkaufen muß – blöderweise mit erhöhtem Risiko, da viel mehr Kunden im Supermarkt sind. Eine kleine und völlig sinnlose Anordnung – glücklicherweise wußte mein Stammkiosk auch noch nichts davon, so daß ich an dem Abend doch noch zu meinem Bier kam.

Alkoholverzehrverbot in der Öffentlichkeit herrscht heute bereits seit 6 Uhr, bis morgen 6 Uhr: Es ist der 11.11., Beginn der Karnevalssession, was normalweise mit tausenden Feiernden, also Saufenden, gefeiert wird. Wie jedes Jahr stellt die Stadt schon mal am Rand des Studentenviertels Absperrungen bereit, die normalerweise dazu dienen, die Straßen vom Autoverkehr abzusperren. In diesem Jahr – die Stadt traut ihren Bürgern nicht – rechnet man trotz des Karnevalsverbots mit unverbesserlich Feierwilligen, die es abzuhalten gilt. Alles hat zu, keine Karnvelsschlager, keine „superjeile Zick“, kein Alkohol – was sollte hier jemand suchen? Gut, wer das Amtsblatt nicht gelesen hat, weiß vielleicht nichts davon. Egal, die Stadt ist gewappnet. Und vielleicht hat sie recht: Es gibt leider viele, denen es völlig egal ist, ob sie jemanden anstecken und eventuell umbringen, solange es nur nicht sie selbst oder die eigene Familie betrifft.

Wer hier ohne Maske eintritt, wird erschossen. Der Laden ist inzwischen dicht, die Drohung geht ins Leere. Aber auch in bestimmten Straßen gilt die Maskenpflicht, und welche das sind – steht in dem Amtsblatt. Am besten macht man sich einen Ausdruck, um kein Bußgeld zu riskieren, oder macht es wie ich, sobald ich die Haustür verlasse, setze ich die Maske auf.

Damit man mich nicht mißversteht: Ich halte die Maske für wichtig und sinnvoll, und ich habe kein Verständnis für die 20.000 Covidioten, die neulich in Leipzig überwiegend maskenlos gegen die Corona-bedingten Einschränkungen demonstrierten. Moment – „Covidioten“ soll man nicht mehr sagen, habe ich kürzlich im Fernsehen gehört, das sei beleidigend und verhindere den Dialog mit Coronamaßnahmenkritikern, die ja zum Teil berechtigte Einwände hätten. Okay.

Im Oktober hat es in Tokyo eine Studie gegeben, in der nachgwiesen wurde, daß schon eine einfache Baumwollmaske bis zu 70% der Viren einer infizierten Person abhält, aber viel weniger, wenn man als Maskenträger einer infizierten Person gegenüber steht. Eine Maske schützt also vor allem die anderen, wenn man – vielleicht ohne Symptome und ohne eigenes Wissen – selbst infiziert ist. Das ist den … Coronamaßnahmenkritikern aber völlig egal.

Zu Anfang der Pandemie empfahl ein geschätzter Blog-Kollege, ich solle mir doch einmal die Videos eines coronakritischen Hals-Nasen-Ohren-Arztes ansehen: Ich war entsetzt über den hetzenden Ton, den Unsachverstand des Arztes – und über die Empfehlung des Blog-Kollegen. Eben diesen Arzt sah ich neulich am Rande einer Demo in eine Fernsehkamera sprechen: Die Coronaschutzmaske sei der neue Hitlergruß. Wie bitte? Laufen neuerdings Neonazis mit einer Maske durch die Gegend und glauben, sich gegenseitig daran erkennen zu können? Dann sollte doch mindestens ein Hakenkreuz darauf gemalt sein, oder? Nein, so ist es natürlich nicht gemeint. Der Arzt behauptet, daß Leute die Maske tragen, damit sie ihre Ruhe haben, obwohl sie überzeugt sind, daß sie keine Wirkung hat – wie damals im Dritten Reich, als viele ihren Arm zum Hitlergruß reckten, um sich bei der Gestapo nicht verdächtig zu machen. Daraus folgt: Wer die Maske nicht trägt, ist ein Widerstandskämpfer.

Mal davon abgesehen, daß der HNO-Arzt durch diese Gleichsetzung die Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime verhöhnt, die ihr Leben einsetzten gegen eine Barbarei, wie sie die Welt selten gesehen hat, gegen Folter und KZ und Genozid der Juden, der Sinti und Roma, gegen die Vernichtung von Behinderten und Andersdenkenden – der Vergleich ist so dumm, da fehlen mir fast die Worte. Ein Maskenverweigerer hat mit einer Verwarnung und – bei Nichtbeachtung – mit einem Bußgeld zu rechnen. Dann kann er nach Hause fahren, sich weiterhin den Blödsinn seines Hals-Nasen-Ohren-Helden auf Youtube anhören und sich auf Twitter mit Beschwerden über – wissenschaftlich fundierte – Einschränkungen seiner Grundrechte aufregen, ohne daß ihm irgendwas passiert. Ja, er kann sogar andere Leute anstecken und unter Umständen umbringen, ohne daß das für ihn irgendwelche Konsequenzen hat. Zur Erinnerung: Den Ausdruck „Covidioten“ sollen wir nicht mehr benutzen. Schwer.

Die Studie über die Wirksamkeit von Masken wird hier in deutscher Sprache erklärt, die Originalstudie in Englisch findet ihr hier.

Wir gehen viel spazieren in diesem wundervollen Herbst …

… und essen selbstgebackenen Schokoladenkuchen mit Vanillesoße. Man muß sich zu helfen wissen.