Urlaub in Polen: Salzbergwerk Wieliczka

Ca. 30 Bus-Minuten von Krakau entfernt kann man ein schon seit Jahrhunderten bestehendes Salzbergwerk besuchen. Es steht schon auf der allerersten Liste des UNESCO-Welterbes, übrigens ebenso wie die Altstadt Krakaus.
Erstmal geht’s über eine Treppe weit nach unten.

Zig Meter unter der Erdoberfläche durch schmale, zum Teil schummrige Gänge – unsere deutschsprachige Fremdenführerin, die nur für uns da war, beeilte sich zu erwähnen, daß der Aufzug in kürzester Zeit immer zu erreichen und das Belüftungssystem gerade erst erneuert worden ist – puh, dabei wollte ich gerade in Ohnmacht fallen. Früher waren die Gänge zum Teil nur 35 cm hoch – allein die Vorstellung läßt mich schlucken.

Das muß aber ganz früher gewesen sein, denn schon seit dem 17. Jahrhundert hat man Pferde eingesetzt, nicht nur für die Förderaufzüge, sie zogen auch Loren, teilweise sind die Schienen noch zu sehen.

Anders als beim Kohlebergbau stürzten Gruben aufgrund der Beschaffenheit des Steins hier nicht plötzlich ein, sondern die Decken senkten sich langsam und heimtückisch. Also verkeilte man Baumstämme in die Gänge, und wenn die plötzlich der Länge nach zerbarsten, wußte man, daß man was tun muß.

Diese Statue aus Salzstein stellt den König Kasimir den Großen dar, der, was man so hört, ein guter König gewesen sein muß. Salz war damals ein kostbares Gut, sein Ertrag deckte zeitweise ein Drittel des polnischen Staatshaushaltes – und Kasimir erlaubte allen, die hier arbeiteten, so viel Salz mitzunehmen, wie sie tragen konnten, sobald sie das Bergwerk verließen. Versteht sich, daß die Kumpel ihn verehrten.

Wenn man die ganze Zeit durch relativ enge Gänge gelaufen ist, biegt dann um eine Ecke und sieht diesen Saal in 100 Metern Tiefe – dann bleibt einem erstmal der Mund offen stehen. In Polen gibt es eine Unsitte (die ich vereinzelt aber auch schon woanders gesehen habe): Es reicht nicht aus, Eintritt zu bezahlen, irgendwann tritt jemand in Uniform auf dich zu und fragt nach der Fotografieerlaubnis. Hä? Macht ja nix, kann man gleich erwerben, kostet nochmal ein paar Zloty extra, oder man muß die Kamera einpacken. Ich muß sagen, einen besseren Standort als diesen konnte er sich nicht auswählen.

Alles aus Salz hier, selbst die Kronleuchter. Nur der Gedanke, daß vielleicht schon ein paar Millionen andere Touristen auf die gleiche Idee gekommen sind, hält mich davon ab, mal irgendwas abzulecken.

Ringsum Reliefs in den Wänden, die biblische Szenen wiedergeben (so langsam habe ich den Verdacht, daß ganz Polen ein einziges christliches Missionswerk ist). Wer den Künstler der Vorlage erkennt, darf das hier gern in einen Kommentar schreiben ;-).

Und wer ist dieser haarige alte Mann? Je heller das Salz, um so wertvoller. Gandalf? Albus Dumbledore? Na ja, jedenfalls so ähnlich.

Und weiter geht’s: Endlose Gänge, insgesamt 300 Kilometer auf sechs Etagen (wenn ich mich recht erinnere). Auf der fünften Etage gibt es ein Sanatorium für Atemwegserkrankungen, erzählt unsere Führerin. Ob das die Krankenkasse zahlt?

In der nächsten Halle gibt es eine kleine Pause, damit man sich alles genau ansehen kann – zufällig sind da auch ein paar Verkaufsstände.

Da geht es noch ein paar Meter nach unten (im 3. Untergeschoß ist für die Touristen Schluß). Da unten steht ein Nepomuk-Altar, zur Erinnerung: Johannes Nepomuk ist der Schutzpatron von Brücken und bei anderen Wassergefahren. Und weil hier mal bei einem Unglück ein Schiff gekentert und viele Leute ertrunken sind, steht der Altar hier. Wie bitte? Ein Schiff gekentert? Geschichten gibt’s, kaum zu glauben.

Diesen Saal kann man mieten. Mal ganz ehrlich – für meine Hochzeit hätte ich lieber was mit Aussicht.

Bevor es in einem unglaublich engen und klapprigen Aufzug wieder nach oben geht, hat man noch die Chance, Salz in jeglicher Form zu kaufen, z.B. als Halskette oder Brosche. Praktisch. Wenn man irgendwo mal eine fade Suppe serviert bekommt, läßt man einfach die Kette ein bißchen hineinhängen.

Fortsetzung folgt.

0 Antworten zu “Urlaub in Polen: Salzbergwerk Wieliczka

  1. Das ist wohl auch passiert, aber erst durch die Ausdünstungen der vielen Besucher, habe ich gelesen. Deshalb haben sie schnell eine neue Belüftungsanlage gebaut, seitdem hält es sich wieder.

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  2. Eben. Und soviel war’s auch gar nicht.
    In einer Kirche hat mich fast mal einer der Uniformierten rausgeschmissen, weil ich die Abzocke nicht mitgemacht, aber dann trotzdem mal auf den kleinen Knopf gedrückt habe – meine gespielte Ahnungslosigkeit hat er mir wohl nicht so ganz abgenommen. 😉

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  3. Das hätte ich ja gern erlebt.
    Ich hab mich letztes Jahr in Dresden geärgert.
    Besichtigung der Frauenkirche hat Eintritt gekostet, dafür durfte man nicht mal fotografieren, und die Turmbesteigung wäre noch mal extra gekommen.
    Ich hab´s mir dann geschenkt!

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  4. Nanu – als ich jetzt da war, kostete es keinen Eintritt. Fotografieren war zwar verboten, aber da sich niemand daran hielt, ist auch keiner eingeschritten – es waren einfach zu viele knipsende Leute da. Inzwischen hat ja jeder, der ein Handy bei sich trägt, auch eine Kamera.

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