Klosterstr.

Wer hier wem ein Licht aufstecken will, ist nicht bekannt. Aber ich schau gern mal rein, kann ja sein, daß ich auch gemeint bin …

Ah – wer denkt da nicht an Urlaub, ein Bild von August Macke von seiner Tunisreise.

Ein Stuhl auf Rasen zum Ausruhen, Pflanzen – ist doch ganz gemütlich hier. Wenn man lange genug wartet, kann man sogar Zucchini oder Kapuzinerkresse ernten. Nur kalt sein sollte es nicht …

… denn Vandalen haben in ihrer Orientierungslosigkeit reflexartig sämtliche Fenster zerstört in dieser fürs Telefonieren schon lange nicht mehr nutzbaren Telefonzelle. Die Verwaltung bezeichnet solche Zellen als Stadtgerümpel, die vom Eigentümer entsorgt werden müssen, aber die Telekom hat besseres zu tun, Geld zählen und solche Sachen.
2011 gab es in Köln noch ca. 1100 (intakte) Telefonzellen, 2013 waren es noch 540, und inzwischen – zählt wahrscheinlich keiner mehr, ich vermute, es gibt nur noch sehr wenige. Und wenn die alle so freundlich umgestaltet werden wie die oben: Mich würde es freuen.

Edit 13.06.: Inzwischen habe ich gehört, daß die Telekom das Schmuckstück letzte Woche abgeräumt hat. Sehr schade: Erst kümmern sie sich jahrelang nicht darum, und sobald jemand etwas Sinnvolles damit anstellt, zerstören sie es.

Clarenbachstr., Sachsenring

Wer mit starrem Blick zu jeder freien Minute aufs Smartphone schaut, was die „Freunde“ bei Facebook gerade machen, wundert sich vielleicht eines Tages, daß er gar keine lebendigen Menschen mehr kennt. Kein Problem, auch dafür gibt es Abhilfe: Man stellt sich einfach ein paar Pappkameraden auf den Balkon, die sind sehr sparsam beim Sonntagskuchenessen und widersprechen nicht, wenn man ihnen was erzählt.

Und wenn man mal jemanden zum Grillen braucht, gibt’s die Gesellschaft auch in der wetterfesten Version.

Die Klagen über die Anonymität der Großstadt, die immer mal wieder laut werden, wenn man einen Verstorbenen in seiner Wohnung gefunden hat aufgrund des Geruchs vier Wochen nach dem Ableben, halte ich für überzogen: Ich sehe die Anonymität eher als Gnade. Die Kleinstadt, in der ich aufgewachsen bin, kam mir – zumindest als Jugendlicher – eher vor wie ein Übrwachungsstaat. Natürlich ist in der Großstadt der Anschluß an andere nicht so automatisch gegeben wie auf einem Dorf, dafür kann man sich die Leute, mit denen man zusammensein will, selbst aussuchen: Wer Kontakte braucht, geht in einen Verein oder bemüht sich (wie übrigens 30% der Deutschen) um ehrenamtliche Tätigkeit, und wenn einem die Leute da nicht passen, geht man halt woanders hin. Seine Dorfmitbewohner kann man nicht so leicht wechseln.

Universitätsstr.

Das ist eine Litfaßsäule …

… und das ist keine Litfaßsäule (mehr), fotografiert aus der gleichen Perspektive, ein Tag später …

… und das ist auch keine Litfaßsäule, wiederum ein paar Tage später fotografiert, sondern eine City-Light-Säule, von innen beleuchtet, es soll sogar welche geben, die sich drehen können. Das Problem: Eine solche Werbefläche kann man nur als Ganzes mieten, alternative Kulturträger, aber auch städtische Museen und Theater, die mit den Litfaßsäulen eine bezahlbare Möglichkeit hatten, für sich zu werben, schauen nun in die (beleuchtete) Röhre.
Es heißt, von 671 Litfaßsäulen sollen 600 verschwinden, stattdessen stellt man 300 von den neuen Säulen auf. Das zuständige Fachamt der Kölner Stadtverwaltung hält dagegen: Von den 671 Betonsäulen sollen sogar 500 bestehen bleiben. Was stimmt nun? Vielleicht sollte man mal die Firma Ströer fragen, die hat den neuen Werbenutzungsvertrag mit der Stadt ausgehandelt.
Die neuen Säulen sind häßlich und aufdringlich, haben aber ein Gutes: Bei den Firmen, die hier werben, werde ich in Zukunft garantiert nichts einkaufen.

Frühling

Nicht nur die Narzissen sprießen …

… auch die Menschen blühen auf. Die Kioske und Biergärten freuen sich auf hohen Umsatz und die Pfandflaschensammler rüsten sich für die neue Saison. „Süße, wohlbekannte Düfte / Streifen ahnungsvoll das Land“ – die ersten Grillrauchschwaden schweben sanft über den Parkwiesen.

Universitätsstr.

Oh wie schön! Eine Wiese, mitten in der Stadt …

… gepflanzt auf dem Grünstreifen zwischen den sechs Spuren der Universitätsstr. Das ist ja die reinste Anarchie, da haben doch wieder bestimmt ein paar wildgewordene Ökofreaks … nein nein, das hat alles seine Richtigkeit: Das Kölner Amt für Grünstreifenbepflanzung (oder wie das heißt) hat dieses Jahr einen Test gemacht, den sie sich wahrscheinlich in anderen Städten abgekuckt haben: Wie sieht das eigentlich aus, wenn wir Feld-, Wald- und Wiesenblumen anpflanzen? Ich würde sagen: Sehr schön, bravo, weitermachen. Aber, wie gesagt, das war erstmal ein Test, es kann gut sein, daß sich im nächsten Jahr wieder die Fraktion der analen Charaktere (das ist übrigens keine Beleidigung, sondern ein wissenschaftlicher Begriff) durchsetzt und auf Stiefmütterchen in Reih und Glied besteht. Dann muß man wohl wieder Bomben werfen:

Saatbomben (bei dieser Gelegenheit schöne Grüße an die Mitarbeiter der NSA und ähnlicher Behörden). Ich könnte mir aber vorstellen, daß das in unserem Land illegal ist, deshalb, liebe Leute: Nur auf eigenem Grund und Boden.

Moment, was steht da an dem Automaten … ich les mal gerade vor:
„Einfach Saatbomben ziehen und dahin werfen, wo es bunt werden soll. Die Saatbomben enthalten unter anderem Samen von gefährdeten Pflanzen wie Kornblume, Frauenspiegel, Schafgarbe, Rittersporn, Beifuß sowie Wildkräuter. Saatbomben haben ihren Ursprung im Guerilla Gardening. Diese Bewegung stammt aus den 70er Jahren von dem Londoner Richard Reynolds und hat sich über New York allmählich auch nach Europa ausgeweitet.“

Auf Melaten

Abends ist es extrem dunkel auf dem Friedhof, und normalerweise würde ich mich da um diese Zeit auch nicht aufhalten. Aber ein Freund hat mir erzählt, daß an Allerheiligen viele Leute rote Lichter auf die Gräber ihrer Angehörigen stellen, und da der Melatenfriedhof 55 Tausend Gräber hat, kann das ein schönes Schauspiel sein. Tatsächlich waren es dann doch nicht so viele, wie ich erwartet hatte, was wohl am Wetter lag: Nachmittags stürmischer Regen, da sind vermutlich einige Leute zu Hause geblieben. Am Vortag, dem Reformationstag, war schönstes Wetter, strahlender Sonnenschein … was schließen wir daraus? Der christliche Gott ist evangelisch.