Sonntag Nachmittag

Sonntag Mittag: Wieso ist es so ruhig? Ein Blick aus dem Fenster zeigt: Köln-Marathon. Die Teilnehmerzahlen sollen von Jahr zu Jahr zurückgehen, habe ich gelesen, das Foto scheint es zu bestätigen.

Gut, an einem Streckenabschnitt ein paar Meter weiter (für mich, die Läufer werden über immense Umwege geschickt) sieht das schon anders aus. Der schnellste Läufer hat sich übrigens 200 Meter vor dem Ziel verlaufen, das nenn ich Pech. Aus Versehen ist er einem Begleitmotorrad hinterher gelaufen, das sich durch ein Seitentor dezent aus der Linie bringen wollte, und hat dadurch wertvolle Sekunden verloren. Gewonnen hat also der zweitschnellste Läufer. Großherzig hat der Veranstalter aber erwogen, jeweils beiden das Preisgeld des Gewinners auszuzahlen.

Was ich an solchen Veranstaltungen schön finde, ist, daß die meisten Straßen abgesperrt sind und keine Autos fahren können. Allerdings ist es auch schwer, mit öffentlichen Verkehrsmitteln wo hinzufahren, die haben ja die gleichen Einschränkungen. Nach einigem hin und her sind wir im Stadteil Müngersdorf gelandet. Hier gibt es einige wenige alte Fachwerkhäuser, …

… sehr viel durchschnittliche, dazwischen aber auch gewagte, humorvolle Architektur.

Eine Stimmung hier wie auf dem Lande. Eine malerische Tür – dahinter ist leider eine riesige Baugrube, ich nehme an, die Mauer muß bald auch dran glauben und Platz machen für einen mutmaßlich abscheulichen Zweckbau.

Weit muß man nicht gehen, und man ist im Grünen. Schön.

Händelstr.

Was war das noch, was ich erledigen wollte an diesem Wochenende … ah, ich hab’s:

Der Fußabtreter gehört zu „Hair & make-up studio Mythos“, offenbar ein trendiger Laden, in dem es locker zugeht und Virtuosen der Schere stylische Frisuren …. Moment, was sehe ich da rechts oben bei starker Vergrößerung?

Ist das ein (ehemaliger) Kunde? Was? Der war sowieso schon alt? Ach so.
Grad fällt mir ein, so lang sind meine Haare eigentlich noch gar nicht.

Karolingerring

Skandal! Da geben sich die Kölner Verkehrsbetriebe alle Mühe, die MP3-Player-tauben Jugendlichen mit großen Schildern vor dem Unfalltod zu bewahren, da hat es ein Geschäft offenbar auf die Dezimierung der männlichen Bevölkerung abgesehen. Hallo? Männer sind Augentiere, haltet denen das „richtige“ Motiv in den Blick, dann bemerken die nichts anderes mehr. Was verkauft ihr da – Särge?

Chlodwigplatz

Das, was da so putzig ummantelt ist, wird einmal ein Ubahn-Aus- und Zugang sein, mindestens zehn davon findet man schon im Kölner Straßenbild. Wir erinnern uns: 2004 hat man angefangen, in Köln eine neue Ubahn zu bauen, vom Dom soll ein ca. 4 km langer Tunnel unter der Altstadt in den Kölner Süden führen. Zuerst fiel fast ein Kirchturm um, dann stürzten 2009 das Stadtarchiv und zwei benachbarte Häuser ein, was wundersamerweise „nur“ zwei Menschen das Leben kostete. Die Arbeit am Tunnel kam zum Erliegen, die Eröffnung der neuen Bahn, ursprünglich für 2011 geplant, wurde immer wieder verschoben. Zur Zeit ist 2019 oder 2022 im Gespräch. Nun sind die Abschnitte nördlich und südlich des Unglücksortes schon längst fertig, also hat man beschlossen, den nördlichen Teil schon mal ab Ende 2012 zu betreiben: Vom Dom/Hauptbahnhof kann man dann eine Station bis zum Rathaus fahren, ein Jahr später dann sogar noch eine Station weiter zum Heumarkt. Das kostet zwar ein paar Millionen, aber man muß auch an die Fahrgäste denken, und es ist doch wirklich nicht zumutbar, die 5 Minuten Fußweg bis zum Rathaus, bzw. 10 Minuten bis zum Heumarkt … also … jetzt, äh, zu Fuß … und außerdem: Was ist, wenn es regnet? Bitteschön!

Der südliche Teilbaschnitt, der viel länger ist und dessen Öffnung viel sinnvoller wäre, soll dagegen nicht in Betrieb genommen werden, obwohl alles fertig ist. Die Begründung ist interessant: Der Betrieb einer Bahn an dieser Stelle würde 6,63 Mio. Euro im Jahr kosten. Wenn man den Bau so läßt, wie er ist, also komplett eingerichtet mit Ladenlokalen und Rolltreppen, aber ohne Fahrgäste und Bahnen, kostet er bloß 1,7 Mio. Euro Instandhaltungskosten jährlich. Das macht nach Adam Riese eine Ersparnis von … die Ratsherren und -damen kriegen große Augen.

Also ganz gut, irgendwie jedenfalls, daß das Archiv eingestürzt ist, wieviel Geld uns das spart! Und kann man das nicht weiter denken? Sollte man nicht das ganze Metall, was da in der ungenutzen Röhre verbaut wurde, wieder herausziehen, an den Altmetallhändler verhökern und die Tunnel wieder zuschütten? Dann hätte man sogar die Instandhaltungskosten gespart, 1,7 Mio. Euro im Jahr zum Verprassen!

Wenn die Stadt unbedingt Geld ausgeben muß, so wie für diese Ubahn, die von Anfang an keiner so richtig haben wollte, dann habe ich einen Vorschlag: Sie kauft oder mietet ein großes Feld weit draußen vor der Stadt und beauftragt eine Tiefbaufirma, dort eine große Grube zu graben, aber bitte nicht zu schnell, was aber sowieso kein Problem ist. Alle freuen sich, Arbeitsplätze werden erhalten, der Geldfluß wird aufrechterhalten – super! Sobald man fertig ist, erhält die selbe Firma – oder auch die Konkurrenz, man muß ja wirtschaftlich denken – den Auftrag, die Grube wieder zuzuschütten. Und das macht man dann ewig so weiter, Grube graben, zuschütten, graben, zuschütten. Drumherum können Ausflugslokale entstehen, damit Vati seinen Kindern mal zeigen kann, was so ein Bagger alles draufhat. Und in der Stadt haben wir endlich ein Leben ohne Baustellen, die auch eigentlich niemand braucht.

Agrippinaufer

Nachdem ich immer so kritisch vom Stadtrat und der Stadtverwaltung berichte, hier mal etwas, was sie gut gemacht haben: Jahrelang sind Skateboardfahrer und Inlineskater direkt am Dom über den Roncalliplatz geheizt. Das war zwar immer nett anzusehen, wenn die da ihre waghalsigen Kunststücke machten, aber als einfacher Passant mußte man damit rechnen, so ein Skateboard auch mal in den Rücken zu kriegen, oder daß einem ein Inliner haarscharf an den Zehen vorbei fährt. Nun ist es nicht nur bei Strafe verboten, dort zu fahren, sondern man hat den Sportkünstlern parallel zwei andere attraktive Areale angeboten, die diese gern angenommen haben. Schön, daß auch mal was klappt.

An der Südbrücke

Fern-sehen mal anders – wollte hier offensichtlich jemand, aber deswegen auf seine Couchgarnitur nicht verzichten. Aber wie kommt man da nur hin?

Hier gibt es zwar nur ein Programm, aber das ist recht abwechslungsreich: Schiffe gleiten vorbei … und Schiffe gleiten vorbei … und Schiffe gleiten … – das hebt die Kontemplation, und wenn dann noch jemand Kaffee und Kuchen bringt …
So eine Flußkreuzfahrt von Köln nach Basel und zurück in 10 Tagen kostete pro Person übrigens zwischen 1339 Euro auf den billigen Plätzen (neben den Motorräumen?) und 2539 Euro auf den etwas angenehmeren. Mensch, ist ja unglaublich, wieviel Geld wir da wieder gespart haben!

Im Park

Als ich neulich spazieren ging, hingen überall diese Zettel an den Laternenpfählen. Was man darauf sieht, ist ein sogenannter QR-Code, Bahnfahrer, die ihre Tickets online ausdrucken, kennen das: Man braucht eine spezielle Software dafür, um die Codes zu entschlüsseln. „Vorsicht! Lebensgefahr!!“, steht da vielleicht, und wer kein Smartphone mit einer entsprechenden „App“ hat, tja, Pech gehabt, das nennt man natürliche Auslese.

Nach der Decodierung öffnet sich eine Internetseite: Offensichtlich ein Spiel, bei dem man sich schon vorher für „Wahrheit“ oder „Pflicht“ entscheiden muß, um dann die entsprechende Frage zu beantworten, bzw. die Aufgabe zu erledigen. „Wahrheit“ ist dabei immer eine Frage, deren Beantwortung man an ein bestimmtes Facebook-Konto schicken muß, und wenn man gar nicht bei Facebook ist, dann … dann … wird man vom Blitz erschlagen. Nee, quatsch, dann kann man weiter spazieren gehen (alter Langweiler!). Puh, nochmal Glück gehabt.