Chlodwigplatz

Das, was da so putzig ummantelt ist, wird einmal ein Ubahn-Aus- und Zugang sein, mindestens zehn davon findet man schon im Kölner Straßenbild. Wir erinnern uns: 2004 hat man angefangen, in Köln eine neue Ubahn zu bauen, vom Dom soll ein ca. 4 km langer Tunnel unter der Altstadt in den Kölner Süden führen. Zuerst fiel fast ein Kirchturm um, dann stürzten 2009 das Stadtarchiv und zwei benachbarte Häuser ein, was wundersamerweise „nur“ zwei Menschen das Leben kostete. Die Arbeit am Tunnel kam zum Erliegen, die Eröffnung der neuen Bahn, ursprünglich für 2011 geplant, wurde immer wieder verschoben. Zur Zeit ist 2019 oder 2022 im Gespräch. Nun sind die Abschnitte nördlich und südlich des Unglücksortes schon längst fertig, also hat man beschlossen, den nördlichen Teil schon mal ab Ende 2012 zu betreiben: Vom Dom/Hauptbahnhof kann man dann eine Station bis zum Rathaus fahren, ein Jahr später dann sogar noch eine Station weiter zum Heumarkt. Das kostet zwar ein paar Millionen, aber man muß auch an die Fahrgäste denken, und es ist doch wirklich nicht zumutbar, die 5 Minuten Fußweg bis zum Rathaus, bzw. 10 Minuten bis zum Heumarkt … also … jetzt, äh, zu Fuß … und außerdem: Was ist, wenn es regnet? Bitteschön!

Der südliche Teilbaschnitt, der viel länger ist und dessen Öffnung viel sinnvoller wäre, soll dagegen nicht in Betrieb genommen werden, obwohl alles fertig ist. Die Begründung ist interessant: Der Betrieb einer Bahn an dieser Stelle würde 6,63 Mio. Euro im Jahr kosten. Wenn man den Bau so läßt, wie er ist, also komplett eingerichtet mit Ladenlokalen und Rolltreppen, aber ohne Fahrgäste und Bahnen, kostet er bloß 1,7 Mio. Euro Instandhaltungskosten jährlich. Das macht nach Adam Riese eine Ersparnis von … die Ratsherren und -damen kriegen große Augen.

Also ganz gut, irgendwie jedenfalls, daß das Archiv eingestürzt ist, wieviel Geld uns das spart! Und kann man das nicht weiter denken? Sollte man nicht das ganze Metall, was da in der ungenutzen Röhre verbaut wurde, wieder herausziehen, an den Altmetallhändler verhökern und die Tunnel wieder zuschütten? Dann hätte man sogar die Instandhaltungskosten gespart, 1,7 Mio. Euro im Jahr zum Verprassen!

Wenn die Stadt unbedingt Geld ausgeben muß, so wie für diese Ubahn, die von Anfang an keiner so richtig haben wollte, dann habe ich einen Vorschlag: Sie kauft oder mietet ein großes Feld weit draußen vor der Stadt und beauftragt eine Tiefbaufirma, dort eine große Grube zu graben, aber bitte nicht zu schnell, was aber sowieso kein Problem ist. Alle freuen sich, Arbeitsplätze werden erhalten, der Geldfluß wird aufrechterhalten – super! Sobald man fertig ist, erhält die selbe Firma – oder auch die Konkurrenz, man muß ja wirtschaftlich denken – den Auftrag, die Grube wieder zuzuschütten. Und das macht man dann ewig so weiter, Grube graben, zuschütten, graben, zuschütten. Drumherum können Ausflugslokale entstehen, damit Vati seinen Kindern mal zeigen kann, was so ein Bagger alles draufhat. Und in der Stadt haben wir endlich ein Leben ohne Baustellen, die auch eigentlich niemand braucht.

0 Antworten zu “Chlodwigplatz

  1. Ganz genau! Wer geht denn heute noch zu Fuß? Stattdessen wird der Reisende aus dem Zug in den Untergrund geführt, wo er evt. 15 bis 20 Minuten auf die nächste Bahn warten muß. Dafür ist er dann schon innerhalb von zwei Minuten am Rathaus, an reiner Wegezeit hat er also ca. 3 Minuten gewonnen.

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  2. Wenn nicht zwischendurch wieder irgendwas passiert – in letzter Minute stellt man fest, daß irgendjemand die Weichen geklaut hat, was dann erst untersucht werden muß und nochmal zu 10 Jahren Verzögerung führt. Oder die Rolltreppen funktionieren nicht mehr, und da die Gewährleistung inzwischen natürlich abgelaufen ist, muß alles vorerst (also für immer) stillgelegt werden, und nach weiteren 50 Jahren erinnert sich keiner mehr, daß da mal was war.

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  3. Als den größten Witz an der gesamten Bahnstrecke finde ich ja immer noch, daß die U-Bahn immer noch keine beschlossene Ausfahrt hat. Wozu sollte man denn auch eine Ausfahrt planen, bevor die Tunnelstrecke fertig ist? Und sich dann über das (politische) Hick Hack wundern!

    ABER: Wir, die kleine Nachbarstadt im Osten, gibt sich ja redlich Mühe der Kölner U-Bahn den Rang ab zu laufen.
    Nach langem Hin und Her bekommen wir ja ENDLICH ne neue Pflasterung in unsere Fußgängerzone. Nur der viel genutzte Marktplatz nicht. Offiziell ist der ja nicht so beschädigt daß er ausgetauscht werden müsste. Inoffiziell wird gemunkelt, daß dies schlicht und einfach überhaupt nicht mehr finanzierbar sei.
    Der Architekt fordert unterdessen für die komplette (halb aufgerissene) Innenstadt einen sofortigen Baustopp. Weil ihm die Farbe des Pflasters an einigen Stellen nicht zu sagt.
    Und die Stadtverwaltung hat mal eben ein paar Spielgeräte entsorgen lassen, welche einst von einer gemeinnützigen Organisation gestiftet wurden. Welche diese Stiftung auch ganz gern wieder bekommen hätte, um sie auf zu werten und an anderer Stelle in der Stadt neu installieren zu können.
    *koppschüttel in serie*

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