Spaziergänge in Zeiten von Corona (9)

Auf dem Neumarkt stand neulich eine Kunstinstallation, die so sinnfällig ist, daß jeder sofort weiß oder ahnt, wie sie zu verstehen ist.

111 in Absperrband eingewickelte Gestalten, alle in gebührendem Abstand zueinander – das trifft wohl zur Zeit das Lebensgefühl vieler.

Die Installation trägt den Titel „It is like it is“ und ist ein Mahnmal zur – man muß es ja kaum extra erwähnen – Coronakrise.

Auf einem Informationszettel steht folgendes: „‚It is like it is‘ zeigt auf berührende Weise den hohen Stellenwert der Kunst. Schon im Alltag wichtig und wertvoll, ist sie gerade jetzt ein kostbares Element im Überlebenskampf der Gesellschaft. Denn sie verbindet, wo keine Verbindung mehr besteht, und sie särkt unsere Zuversicht, weil sie sichtbar macht, was als gesichtsloser, düsterer Spuk durch unsere Gedanken geistert.“ Dem kann ich vorbehaltlos zustimmen.

Der Künstler heißt Dennis Josef Meseg und ist Student (Bildhauerei) an der „Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft“.

Kleiner Tipp für die, die in der Nähe wohnen: Am Sonntag, den 29.11., gibt es eine weitere, noch umfangreichere Installation des Künstlers auf dem Kölner Roncalliplatz (gleich neben dem Dom) zu sehen.

29 Antworten zu “Spaziergänge in Zeiten von Corona (9)

  1. …finde ich gut, erst einmal…vielleicht sollte man wirklich eine Aktion daraus machen und die Betrachter auffordern, die Statuen auszuwickeln…und ihnen wieder eine Persönlichkeit zu geben, vielleicht in dem man sie bemalt…

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    • Ja, die Szene habe ich direkt vor meinem geistigen Auge, das wäre bestimmt ein großer Spaß und hätte eine gute Aussage. Ich vermute allerdings, der Künstler wäre beleidigt – stell Dir vor, Du würdest mit Kindern vor einem Kandinsky-Bild stehen, die Klebstoff und bunte Papierstückchen bereit halten, um auf dem Gemälde eigene Farbakzente zu setzen.;-)

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  2. Ich bin geteilt. Einerseits: Idee und Aussage: gut.
    Andererseits ich persönlich bräuchte jetzt gerade eher was Künstlerisches, das mal von dem Dauerthema C-19 wegführt.
    Und: Mir ist das zu viel Plaste. Je nach Standort hätte auch die Hälfte der Figuren gereicht.

    Alanus Hochschule= anthroposophisch oder?

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    • Das versteh ich, daß man irgendwann genug hat von dem Thema. Aber mir ist es wirklich so gegangen, wie es in dem Text beschrieben wird: Man läuft fast tänzelnd durch die Stadt, deren schmale Bürgersteige gar nichts anderes zulassen, Gefahr kann von jedem ausgehen, es ist ein diffus bedrückendes Gefühl – und dann steht man in dieser Installation, die genau das bildlich ausdrückt. Auf mich hatte es eine entlastende Wirkung, ich war selbst überrascht. Und ich glaube, wären es viel weniger Figuren gewesen, hätte es diese Wirkung nicht gehabt.

      Ja, anthroposophisch, privat, aber staatlich anerkannt. Man kann sogar einen Bachelor oder Master in Eurythmie machen.

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      • Verstehe, manche Wirkungen muß man eben wirklich erLEBEN, sonst versteht man die Absicht nicht vollständig.

        Bachelor in Eurythmie. Ich höre ein sehr langes Okeeeeehhhh…

        PS: Mein Kind, happy wie nie mit ihrem gewählten Studienfach und Studium überhaupt.

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        • Ich gestehe: Als ich las, Bachelor in Eurythmie, Master sogar, zog sich automatisch eine Augenbraue nach oben. Aber das ist die Reaktion eines Ahnungslosen. Immer wieder hört man ja von drittklassigen Comedians den Joke, daß Waldorfschüler ihren Namen tanzen müssen oder können, zum Gähnen, es ist klar, daß die nicht die geringste Ahnung davon haben, worüber sie sprechen.

          Prima, das freut mich, daß es S. gut geht an der Uni. Es gibt sehr viele, die sich erstmal verloren vorkommen, sobald sie die ersten Erfahrungen in den Seminaren und Vorlesungen gemacht haben. Ich erlebe das immer wieder.

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          • Vielleicht auch noch interessant für dich: https://www.flickr.com/photos/39453974@N04/50693940623/in/contacts/

            Bachelor in Eurhythmie: ob es wohl auch anthroposophische Pornos gibt? das fragte ich mich neulich. Immerhin Dr. Steiner als Barbiepuppe ginge, denn der Snape hat doch arge Ähnilchkeit.

            Erstsemester online, da war ich echt skeptisch. Aber S. gefällt das besser als normale Vorlesung. (Hat viele Vorteile)

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            • Ah, danke, die haben neulich auch in Köln gestanden, ich werde noch davon erzählen.

              Hm – wie soll das gehen? Poppen nach einer bestimmten Choreographie, Bewegungskombinationen und Gebärden folgen einem strengen Ablauf, und zwischendurch werden christlich anmutende Lieder gesungen? Stell ich mir nicht sehr prickelnd vor.;-)

              Bei Online-Vorlesungen hat man auf jeden Fall den Vorteil, daß man nicht so viel herumrennen muß. Der Nachteil ist, daß man kaum Leute kennenlernt. Aber als Erstsemester vermißt man vielleicht nicht, was man noch gar nicht kennt. Ich gebe ja auch Online-Tutorien, und es ist interessant, wie ungeniert sich die Studierenden inzwischen verhalten: Während meines Vortrags wird gegessen, getrunken, unverhohlen gegähnt, sie stehen auf, verschwinden aus dem Bild, schalten die Kamera aus und klappern mit irgendwelchen Gerätschaften, sodaß ich sie auffordern muß, doch bitte das Mikro auszustellen. Mich stört das alles nicht besonders, aber ich werde froh sein, wenn ich die Kurse wieder analog geben kann, das ist persönlicher.

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              • Noch ein Nachtrag zum Thema Anthroposophie, dies fand ich heute im Newsletter des Rudolf Steiner Verlags (Schweiz):

                Wer Rudolf Steiners Gedankengang in seiner anthroposophischen Philosophiegeschichte Schritt für Schritt folgt, erzeugt in sich einen Impfstoff gegen den pandemischen Irrsinn und zugleich eine Voraussetzung für die Schaffung einer Zivilisation, in der Ich und Welt, Erde und Kosmos fruchtbar kooperieren

                Ich lasse das mal unkommentiert.

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                  • Also bisher war anthr. Gedankengut eigentlich immernoch halbwegs mit meinen Lebensansichten im Einklang, aber DAS:

                    erzeugt in sich einen Impfstoff gegen den pandemischen Irrsinn und zugleich eine Voraussetzung für die Schaffung einer Zivilisation

                    halte ich für schon arg arg bedenklich.

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                    • Ich habe auch erst gestutzt: Wenn sie tatsächlich einen Impfstoff gegen die Pandemie meinen, wäre das ein medizinische Wunder – und kompletter Blödsinn. Aber pandemischer Irrsinn kann natürlich auch was anderes sein als Corona selbst.

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  3. auf mich übt die eingewickelte gesellschaft einen gar gespentischen eindruck aus.
    wir dürfen uns nicht nähern, jede und jeder könnte einen infizieren und und und.
    deine gefühle kann ich gut verstehen, denn die verpackten zeigen auch einen gewissen humor.
    have a nice and healthy weekend! 😉

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  4. Umso weniger versteht man, warum die Kunst während der Seuche von den Politikern so wenig wertgeschätzt wird. Möbel- oder Baumärkte sind da wichtiger, als dieses verbindende Element, seien es nun Theater, Musik oder Filmkunst. Dies scheinen die Herren Platzhirsche im Wahlkampf-Modus nicht begriffen zu haben, denn wahrscheinlich gehen sie weder ins Theater noch ins Museum, geschweige denn in den Jazzkeller um die Ecke. Armes Deutschland… 😦

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    • Also – ob der Jazzkeller um die Ecke jetzt der richtige Ort ist, möchte ich aber auch bezweifeln. Auch die vielen Kneipen und Restaurants, wo man von zunehmenden Alkoholkonsum enthemmt die Abstands- und Maskenregeln vergißt, sollten geschlossen bleiben. Was Möbel- und Baumärkte betrifft, stimme ich Dir vollkommen zu, allerdings in dem Sinn, daß man die auch geschlossen halten sollte. Die Leute müssen zu Hause bleiben und auch zu Weihnachten das Feiern in größeren Gruppen unterlassen, alles andere ist halbherzig und kostet weitere Opfer. Die Aufstockung von fünf auf zehn Personen, die sich zwischen Weihnachten und Neujahr treffen dürfen, ist kompletter Blödsinn – als ob das Virus sich nach traditionellen Gebräuchen richten würden. Die Rücksichtnahme auf das Bedürfnis der Leute nach einem „normalen“ Weihnachtsfest wird vermutlich teuer bezahlt.

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      • Das sehe ich genauso, vor allem ärgert ,mich das Prozedere an Sylvester. Im kleinen Kreis böllern, da lach ich doch. Nur ein totales Verbot hätte etwas gebracht, inclusive völliges Alkoholverbot am 31.12 – nur so hätte die Polizei eine Handhabe.

        Den Jazzkeller hatte ich nur erwähnt, weil die ja schon seit März zu haben. Die durften nicht mal während der Lockerung öffnen. Sollte der Frankfurter Jazzkeller nach 68 Jahren schließen, wäre das eine echte Katastrophe. Der streamt jetzt immer live – aber ob da genug Spenden rein kommen, wage ich zu bezweifeln. Für die privaten Kulturschaffenden ist der Lock-Down oft das Ende. Das wird noch ganz bitter… 😦

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    • Das stimmt. Aber noch ist die Gefahr (der Karneval) nicht gebannt, die Karnevalsgesellschaften hoffen noch auf ein Wunder oder auf einen möglichst raschen Einsatz des Impfstoffs, jedenfalls sind die Umzugswagenbauer fleißig, habe ich gehört. Wenn wir Pech haben, finden Rosenmontagsumzüge doch statt. Gut, wenn das dann hieße, daß die Coronagefahr vorbei ist, wäre ich gnädig gestimmt, aber ich befürchte, daß man wieder solch halbherzige Kompromisse schließt wie jetzt zu Weihnachten. Das wäre fatal.

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      • In Berlin ist man ja strenger als in den anderen Bundesländern. Die verschärften Bestimmungen gelten schon seit heute, und die Beschränkung auf 5 Personen aus max. zwei Haushalten soll auch über die Feiertage gelten. Da muss ich unseren Regierenden loben. Trotzdem beschleicht mich eine Beklommenheit, als rücke die Gefahr immer näher heran. Jetzt ist unsere zweite Ampel auf rot. Über 25% der Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt. Meine Große muss sich nächste Woche innerhalb kurzer Zeit zum zweiten Mal testen lassen. Vor einer Woche, weil sie selbst leichte Erkältungssymptome hatte (zum Glück nix mit Corona), Anfang dieser Woche, weil eine Kollegin positiv getestet wurde.
        Bleib gesund!

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        • Die Einschläge rücken näher, das habe ich auch schon gedacht: Zwei gute Bekannte sind erkrankt, sieben KollegInnen waren in Quarantäne, und auch bei meiner Begleiterin hat es im Betrieb bereits mehrere Fälle gegeben. Hoffen wir das Beste.
          Das wünsche ich Dir auch!

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  5. Pingback: Spaziergänge in Zeiten von Corona (9) — Eine Stadt – viele Seiten – Revolver Boots

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