Bei mir zu Hause

Das ist ein Feuermelder. Eigentlich meldet er kein Feuer, sondern Rauch, und das ist auch besser so, denn bevor man verbrennt, ist man erstickt. Er hängt in meinem Flur, ein per Funk verbundener Zwilling in meinem Schlafzimmer. Vor ca. einem Jahr habe ich die angeschafft, als in den Medien immer mal wieder von Hausbränden die Rede war.

Vorletzte Nacht um halb eins gaben sie Alarm. Es roch leicht angekokelt, ich dachte sofort an irgendein durchgeschmortes Kabel, aber mein erster Reflex war, diese Sirenen zum Stillstand zu bringen. Das ist gar nicht so einfach, man muß eine Trittleiter holen, die Melder abnehmen und aufschrauben und dann die Batterien entfernen, denn einen Aus-Knof haben die nicht. In der Zwischenzeit versammelte sich die Nachbarschaft vor meiner Tür, ich befürchtete: Um mir wegen des Lärms den Hals umzudrehen.

Das Gegenteil war der Fall, denn als ich die Haustür öffnete, schlug mir ein übler Brandgeruch entgegen. Einer meiner Nachbarn war schon auf dem Weg nacht unten – ich wohne im dritten Stock – um herauszufinden, woher er kam. Wie sich herausstellte, war ein Mitbewohner aus dem Erdgeschoß betrunken mit brennender Zigarette in seinem Bett eingeschlafen und hatte so die Matratze in Brand gesetzt, war dann glücklicherweise wieder aufgewacht, konnte den Schwelbrand aber nicht löschen und hatte die Matratze deswegen auf den Hinterhof geschleppt. Inzwischen war die von meiner Nachbarin gerufene Feuerwehr mit fünf Löschfahrzeugen eingetroffen, zog aber nach zehn Minuten wieder ab. Ohne die beiden Rauchmelder hätte niemand etwas bemerkt. Die beiden Kleinfamilien aus dem ersten Stock waren erstaunt, als wir ihnen am nächsten Tag erzählten, was in der Nacht passiert war, sie waren nichtmal aufgewacht.

Liebe Leute: Kauft Feuer-/Rauchmelder!

Venloer Str.

Heute geht es wieder los, die Vorweihnachtszeit beginnt quasi mit öffentlich-rechtlicher Erlaubnis: Die neun Kölner Weihnachtsmärkte öffnen ihr Pforten. In keiner anderen deutschen Stadt ist der Besucherandrang so groß, auch in diesem Jahr rechnet man wieder mit 5 bis 10 Millionen Gästen, die kräftig Geld in die Kassen der Schausteller, aber auch in die der Stadt spülen. Ich kann nur raten, in den ersten beiden Wochen zu gehen, wenn man es nicht lassen kann, da ist es noch einigermaßen auszuhalten. Natürlich werde auch ich wieder wie jedes Jahr opferbereit prüfen, ob der Glühwein immer noch zu süß und der Flammlachs schon wieder teurer geworden ist, was tut man nicht alles für seine Blogfreunde.

Museum Ludwig (2)

„We don’t have any feeling about them at all, even when we are doing them. It just keeps us busy. It’s something to pass the time.“ (Andy Warhol zu seinen Werken, zitiert nach ‚Die Zeit‘ Nr. 48, 21.11.13)
Vor ein paar Tagen brachte so ein Zeitvertreib des Popart-Künstlers Andy Warhol auf einer Versteigerung 105 Millionen Dollar ein, allerdings ist das Bild 2,67 Meter hoch und 4 Meter breit. Das dreifache Portrait von Jacqueline Kennedy ist dagegen viel kleiner und wäre wahrscheinlich billiger zu haben, das ist ja beim Metzger auch nicht anders, ein großer Schinken ist teurer als ein kleiner. Aber es steht eh‘ nicht zum Verkauf, und um Warhol geht’s hier auch gar nicht. Sondern um die Frau daneben, die immer im Museum ist, wenn ich auch da bin. Als ich sie zum ersten Mal sah, dachte ich mir nichts dabei, im zweiten Augenblick jagte sie mir ein Schrecken in die Glieder: Sie ist gar nicht echt.

Das heißt, echt ist sie schon, aber nur als Skulptur. Der Bildhauer Duane Hanson ist in seiner Kunst ein sogenannter Hyperrealist. Die „Dame mit der Umhängetasche“ ist schon dreimal hingefallen und hat sich den Arm gebrochen, weil sie im Gedränge nicht ausweichen konnte, zweimal hat sie der Künstler selbst verarztet – und sie dabei gleich altern lassen.

Rheinaue

Im Kölner Norden, zwischen den Stadtteilen Worringen und Merkenich, gibt es eine schmale Rheinauenlandschaft, in und an der man sehr schön spazieren gehen kann. Pferde, Felder, Streuobstwiesen – alles was das ländliche Herz begehrt.

An der Fähre bei Langel, die den Rhein nach Leverkusen überquert, kann man neben traditioneller deutscher Küche wie Pizza, Spaghetti und Pommes auch Kuchen verzehren, der ganz annehmbar ist …

… oder man jagt kleine Stoffpüppchen – jeder nach seinem Geschmack.

Frittenbude, Südkai

Da ist sie wieder, die berühmte Frittenbude, die immer im Kölner Tatort auftaucht, auf der anderen Rheinseite, damit man den Dom schön im Hintergrund zeigen kann, während die Kommissare Currywurst und Fritten verputzen. Nachdem man den Imbiß aus ästhetischen Gründen gegen ein gemauertes Häuschen in der Nähe des Schokoladenmuseums ausgetauscht hat, ist er nun am anderen Ende des Rheinauhafens wieder aufgetaucht: Man geht einfach Richtung Süden am Rhein entlang, läßt die schicken Schickimickiwohnungen rechts liegen, und steht schließlich vor der Wahl, ob man sich wirklich so was Fettiges antun will.

Im Museum Ludwig

Im Depot eines eines Museums sind oft mehr Werke vorhanden, als die Ausstellungsräumen zeigen (können). Als der neue Direktor des Museum Ludwig Philipp Kaiser (sein Vorgänger hieß Kasper König, kein Scherz) die Bestände sichtete, kam ihm die Idee, einen Teil des Besitzes endlich mal zu zeigen, die Ausstellung trägt den Titel „Not yet titled“. Die wenig subtile, aber dennoch eindrucksvolle begehbare Installation von Barbara Kruger ist hier zum ersten Mal zu sehen.

Zum Kunstwerk gehören noch Lautsprecher, aus denen ein ständiges Gewisper zu hören ist – Hetz- und Hasstiraden, habe ich gelesen. Man versteht nicht viel, aber der Tonfall macht es deutlich.

Spontan fällt mir eine auflagenstarke deutsche Tageszeitung dazu ein – obwohl, der Begriff Zeitung ist eigentlich ein Euphemismus, Drecksblatt wäre viel treffender.

Alfred-Schütte-Allee

Herbstzeit – Drachenzeit.

Lange Zeit habe ich im rechtrheinischen Deutz gewohnt, hatte keinen Garten und Balkon, aber direkt den Fluß vor der Nase, ein paar Schritte, und schon konnte ich über die ausgedehnten Wiesen, wenn sie nicht wie hier überflutet waren, kilometerweit bis in die südlichste Spitze von Köln spazierengehen. Ein bißchen vermisse ich das.

Aber schön zu sehen, daß man sich auch hier brav an mein Dekret hält.

Neumarkt

Auf dem Neumarkt macht eine große, weiße Halbkugel durch ihr Strahlen auf sich aufmerksam: „Große Freiheit – liebe.lust.leben“ heißt eine interaktive Ausstellung, die in den angrenzenden sechs Containern von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gezeigt wird.

Es geht um Geschlechtskrankheiten und ihre Vermeidung durch die Benutzung von Kondomen. Dabei geht es nicht nur um Aids und HIV, sondern um alle „STI“: Sexual transmitted infections, auf deutsch: Sexuell übertragbare Erkrankungen, deren es einige gibt. Wer weiß zum Beispiel, daß Chlamydien keine Blumen sind, sondern gemeine Bakterien, die über Geschlechtsverkehr übertragen werden und unter anderem eine Ansteckung mit Aids erleichtern?

Die Ausstellung ist hauptsächlich für junge Leute konzipiert: Überall kann man Knöpfe drücken, kleine Filmchen sehen, sich in einer Fotobox aufnehmen lassen usw., damit die Aufmerksamkeit der ritalingedopten Jugendlichen von heute nicht flöten geht. Die Sprache und Angebote sind ein wenig ‚ranschmeißerisch‘: „… an einer Notrufsäule können originelle Sprüche für die Benutzung eines Kondoms abgerufen werden und in einer Greenbox kannst Du einen STI-Rap performen und als Dein persönliches Musikvideo aufnehmen.“ Supercool, man, gimme five!
Na gut, wenn’s hilft …

Heute ist ja mit dem 11.11. die Karnevalssession angebrochen, eine Zeit, in der nicht nur erlaubt ist, sich tagsüber zu besaufen und sich ständig hektisch im 4/4-Takt zu bewegen oder weinerlich-sentimentale Lieder zu singen, sondern in der die wilde Herumvögelei angeblich keine Grenzen kennt, da ist so eine Ausstellung doch genau zur richtigen Zeit an Ort und Stelle. Dachte ich jedenfalls. Nun lese ich, daß sie bereits letzten Samstag geschlossen wurde.

Draußen prahlten ein paar Jugendliche lautstark damit, wieviele Kondome sie „geklaut“ hatten, ein Mädchen hatte eine ganze Handvoll. In einem Container war wohl eine Schale, in der man sich bedienen konnte, gedacht war wahrscheinlich, daß die Besucher sich jeweils eins mitnehmen. Aber gut, wenn man der Jugend das Gefühl gibt, sie gingen ein illegales Abenteuer ein, wenn sie sich mit Kondomen eindecken, ist das Ziel ja erreicht.

Domplatte

Vielleicht sollte man noch ein paar mehr Warnhütchen aufstellen, und Warnschilder mit der Aufschrift: Vorsicht, Propaganda!
Das Kölner Erzbistum feiert sich, 1700 Jahre, so alt ist kein anderer Verein. Aber es gibt kein Kölsch und kein Kabänes, sondern Selbstlobhudeleien auf der Domplatte. Wer das tatsächlich lesen will, was da kleingedruckt steht, muß sich weit nach unten beugen oder in die Knie gehen – und ist damit genau da, wo die katholische Kirche die Menschen schon immer haben wollte: Gebeugt und auf den Knien.

Überwachung

„Spuckies“ nennt man diese kleinen Sticker, die in jeder großen Stadt in Massen zu finden sind, weil es welche gibt, die man erst anlecken muß, damit sie kleben. Daß Überwachung nun auch die Freiheit unserer Bundeskanzlerin gefährdet, ist grundsätzlich zu begrüßen, denn besonders gut wird man für ein Problem sensibilisiert, wenn man es am eigenen Leib erfährt. Zu befürchten ist allerdings, daß sie keine Lehren daraus zieht: Ihr eigenes Handy wird sie abhörsicher machen, gleichzeitig aber es weiterhin tolerieren, daß alle anderen Bürger bespitzelt werden.

Die URL auf dem Spucki führt übrigens zu einer interessanten Seite, „digitalcourage“ heißt ein Verein, der sich schon seit 1987 für Bügerrechte und Datenschutz engagiert und alljährlich den „BigBrotherAward“ vergibt, ein Preis für besonders gelungene Bespitzelung. Preisträger in diesem Jahr sind Google, die Deutsche Post, die Bundespolizei (für die Kontrolle aufgrund ethnischer Merkmale) etc.: Schaut selbst.