Neumarkt

Auf dem Neumarkt macht eine große, weiße Halbkugel durch ihr Strahlen auf sich aufmerksam: „Große Freiheit – liebe.lust.leben“ heißt eine interaktive Ausstellung, die in den angrenzenden sechs Containern von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gezeigt wird.

Es geht um Geschlechtskrankheiten und ihre Vermeidung durch die Benutzung von Kondomen. Dabei geht es nicht nur um Aids und HIV, sondern um alle „STI“: Sexual transmitted infections, auf deutsch: Sexuell übertragbare Erkrankungen, deren es einige gibt. Wer weiß zum Beispiel, daß Chlamydien keine Blumen sind, sondern gemeine Bakterien, die über Geschlechtsverkehr übertragen werden und unter anderem eine Ansteckung mit Aids erleichtern?

Die Ausstellung ist hauptsächlich für junge Leute konzipiert: Überall kann man Knöpfe drücken, kleine Filmchen sehen, sich in einer Fotobox aufnehmen lassen usw., damit die Aufmerksamkeit der ritalingedopten Jugendlichen von heute nicht flöten geht. Die Sprache und Angebote sind ein wenig ‚ranschmeißerisch‘: „… an einer Notrufsäule können originelle Sprüche für die Benutzung eines Kondoms abgerufen werden und in einer Greenbox kannst Du einen STI-Rap performen und als Dein persönliches Musikvideo aufnehmen.“ Supercool, man, gimme five!
Na gut, wenn’s hilft …

Heute ist ja mit dem 11.11. die Karnevalssession angebrochen, eine Zeit, in der nicht nur erlaubt ist, sich tagsüber zu besaufen und sich ständig hektisch im 4/4-Takt zu bewegen oder weinerlich-sentimentale Lieder zu singen, sondern in der die wilde Herumvögelei angeblich keine Grenzen kennt, da ist so eine Ausstellung doch genau zur richtigen Zeit an Ort und Stelle. Dachte ich jedenfalls. Nun lese ich, daß sie bereits letzten Samstag geschlossen wurde.

Draußen prahlten ein paar Jugendliche lautstark damit, wieviele Kondome sie „geklaut“ hatten, ein Mädchen hatte eine ganze Handvoll. In einem Container war wohl eine Schale, in der man sich bedienen konnte, gedacht war wahrscheinlich, daß die Besucher sich jeweils eins mitnehmen. Aber gut, wenn man der Jugend das Gefühl gibt, sie gingen ein illegales Abenteuer ein, wenn sie sich mit Kondomen eindecken, ist das Ziel ja erreicht.

0 Antworten zu “Neumarkt

  1. Seh ich auch so. Kondome sollte es eigentlich immer und überall und an jeder Ecke umsonst geben.
    Karnevalsbeginn, ach ja…seufz….jetzt geht es wieder los. Aber immerhin hast du noch ein paar Monate Zeit, dir einen Fluchtweg zu überlegen. 😉
    Das letzte Bild ist ja sehr gemütlich. Da gute Musik hören…

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  2. Als ich das erste Mal Kondome gekauft habe, gab’s die nur in der Apotheke. Huh – war mir das peinlich.
    Ja. Fluchtweg klingt irgendwie doppeltgemoppelt. 😉 Mal schauen, ob es klappt, mein Kollege will dieses Mal auch.

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  3. Servus!

    Seit vielen Jahren habe ich die privaten TV-Programme
    aus meiner SAT-Favoritenliste verbannt. Ich schaue auch so
    gut wie gar nicht mehr „klassisch“ Fernsehen. Trotzdem ist
    mein Kopf knallevoll mit TV-Reklame aus früheren Zeiten.
    Wie z.B. ein TV-Werbespot für einen großen Allerlei-Konzern.
    „TIIIIIINA!!! Was kost’n die KOOOONDOOOME!“, plärrt eine Kassiererin
    ins Mikro. Alle anwesenden Kunden im Supermarkt blicken schockiert,
    wie gelähmt zum Kassenbereich. Inszenierte Blamage.
    Kondome werden nachwievor mehr oder weniger heimlich besorgt.
    Internet-Versand, Automaten – möglichst „unerkannt“. Soll ja niemand
    mitbekommen, dass man sexuell aktiv ist. Ist ja super schlimm das!
    Ausserdem sind Kondome ja Teufelswerk! (Tenor der katholischen Kirche)

    Würdest du mir verraten, ob die von dir zum ersten Mal erworbenen
    Überzieher glatt oder genoppt waren?..;-D

    Noch zu Karneval: In dieser wilden Jahreszeit werden die meisten
    Kuckuckskinder gezeugt. Aber Psssssst!..;-)

    P.S. Hast du die zugesandte Mail vernommen?

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  4. Ich erinnere mich, mit Hella von Sinnen und Ingolf Lück:

    Glatt, die Apothekerin fragte mich, ob ich die mit Gleitcreme haben wolle, was mich völlig überforderte und mich nur den Kopf schütteln ließ. Etwas später fragte mich meine damalige Freundin, wieso ich nicht die mit Gleitcreme genommen hätte …

    Ich glaube ja, das ist nur ein Mythos mit dem wilden Treiben, ich habe jedenfalls zu meiner Enttäuschung nichts davon gemerkt während meiner ersten Jahre in Köln. Vielleicht hätte ich doch wenigstens eine rote Nase aufsetzen sollen … 😉

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  5. Danke für die Aufklärung!..;-)

    Tja. Wie doch der Neuroklumpen gefakte Erinnerungen wiedergibt.
    Hatte wirklich gedacht, dass es „echte“ TV-Reklame war..;-D

    Empfehle für eventuell künftige Karnevalstouren eine rote Nase
    am Schritt zu befestigen. Das sollte Wirkung zeigen…;-))

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