Museum Ludwig (2)

„We don’t have any feeling about them at all, even when we are doing them. It just keeps us busy. It’s something to pass the time.“ (Andy Warhol zu seinen Werken, zitiert nach ‚Die Zeit‘ Nr. 48, 21.11.13)
Vor ein paar Tagen brachte so ein Zeitvertreib des Popart-Künstlers Andy Warhol auf einer Versteigerung 105 Millionen Dollar ein, allerdings ist das Bild 2,67 Meter hoch und 4 Meter breit. Das dreifache Portrait von Jacqueline Kennedy ist dagegen viel kleiner und wäre wahrscheinlich billiger zu haben, das ist ja beim Metzger auch nicht anders, ein großer Schinken ist teurer als ein kleiner. Aber es steht eh‘ nicht zum Verkauf, und um Warhol geht’s hier auch gar nicht. Sondern um die Frau daneben, die immer im Museum ist, wenn ich auch da bin. Als ich sie zum ersten Mal sah, dachte ich mir nichts dabei, im zweiten Augenblick jagte sie mir ein Schrecken in die Glieder: Sie ist gar nicht echt.

Das heißt, echt ist sie schon, aber nur als Skulptur. Der Bildhauer Duane Hanson ist in seiner Kunst ein sogenannter Hyperrealist. Die „Dame mit der Umhängetasche“ ist schon dreimal hingefallen und hat sich den Arm gebrochen, weil sie im Gedränge nicht ausweichen konnte, zweimal hat sie der Künstler selbst verarztet – und sie dabei gleich altern lassen.

0 Antworten zu “Museum Ludwig (2)

  1. Ah! Ich wollte gerade schreiben: Die Frau neben dem Bild interessiert mich gerade mehr als das Bild selber. Sie sieht so müde und melancholisch aus und ihr scheint nicht bewußt zu sein, daß du sie fotografiert hast.

    Nun und was lese ich? Naja. Ich mag solche Sachen eigentlich recht gerne. Wer war das denn noch, der immer so gemalt hat, daß man glaubte, es seien Fotos. War das nicht jemand aus Düsseldorf? Hatte mal so ne Postkarte. Gerade ist da oben in meiner Festplatte irgendwas abgestürzt. Vielleicht weiß du ja sofort, wen ich meine.

    PS: Im Kopf einiger scheint Andy Warhol immer noch zu leben. (Wer entscheidet, was Kunst ist, gute Frage.)

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  2. Servus!

    Im ersten Augenblick dachte ich, ob jetzt der Katholische Frauenbund
    einen Ausflug ins Museum organisiert hat..;-)
    (Der Phänotypus lässt darauf schließen. So sehen die halt irgendwie aus.)
    Sicher wird auch gern hinter vorgehaltener Hand über die Reiterhosen
    getuschelt. Dieses Missgeschick der Natur wünscht sich ja keine Frau..;-)

    Gruß aus der guten Stube!

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  3. …tatsächlich ist die Frau interessanter, aber das ist keine Kunst, denn Warhol scheint mir sowieso der langweiligste seiner Zunft zu sein…dabei fällt mir auf: War-hohl…es gibt keine Zufälle…

    …doch warum scheint interessant, was alltäglich ist, wenn es lebendig vor uns steht?

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  4. Wir sehen ja alle nicht so aus wie die Stars auf den Laufstegen. Das gefällt mir so an Hanson, daß er die Leute so darstellt, wie viele sind, ohne sie zu diskreditieren. Das überläßt er den Betrachtern. 😉

    Gruß aus dem vorweihnachtlichen Köln (die Glühweinbuden stehen schon).

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  5. Ich kann das schwer erklären, was an den Figuren von Hanson so fasznierend ist, ich war mal in einer Ausstellung, wußte also, was auf mich zukommt, und war dennoch völlig beeindruckt … vielleicht gerade, weil die Inszenierung so alltäglich ist und dennoch künstlerisch-künstlich, wie sehr gute Fotos, nur in 3D.

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  6. Die Duane Hanson Plastiken sind schon „irgendwie irritierend“…
    hier in der Staatsgalerie gibt es ja auch eine: die Putzfrau…
    zu der habe ich schon mal Entschuldigung gesagt, als ich aus Versehen
    an sie hindotzte *hehe*
    Viele Sonntagsgrüße
    vom Lu

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  7. …ich war auch mal in einer Ausstellung und war heftig enttäuscht…ich kann die Werke noch als witzig einordnen, wenn ich sie in ihrer Zeit sehe, aber heute nicht mehr als „Kunstwerke“ betrachten…aber glücklicherweise sind wir ja alle verschieden…

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  8. Estes ist auch faszinierend, aber ein wenig zu kalt, aber das hat natürlich der Fotorealismus sowieso so an sich.
    Dennoch auf jeden Fall sehenswert. Und die Kommentare hier waren diesmal auch sehr interessant zu lesen.

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  9. Für mich ist Warhol als Künstler so etwas wie ein Zeitzeuge – kunstgeschichtlich definitiv relevant. Man darf ihn mögen, muss es aber nicht. Was Duane Hanson angeht, musste ich meinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen und fand einen gut lesbaren Text auf der Seite des Museums Frieder Burda: http://www.museum-frieder-burda.de/Hanson-Crewdson.534.0.html – Schon witzig, dass Hanson auf dem Umweg „Kunsterzieher an amerikanischen Schulen in Deutschland“ zu seinem Material und damit zu seinem Stil gefunden hat. Oben schreibst Du von „grobmotorischen Schülern, die in Klassenstärke von ihren Lehrern ins Museum gezwungen werden“. Mit solchen muss auch Hanson unterwegs gewesen sein, und das mag seinen Blick verändert haben. Weit davon entfernt, z.B. einen Säufer, der noch nie ein Museum betreten hat, ästhetisch zu portraitieren und selbst zu Kunst zu machen, „kopiert“ er seine Modelle – mit dem Ergebnis, dass sie u. U. übersehen, vielleicht sogar über den Haufen gerannt werden (wie die meisten von uns). Und erst wenn das (beinahe) passiert ist, beginnt das Nachdenken, hält dafür aber länger an.

    Wieder-da-Grüße
    von cuenta…….

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  10. Super, das freut mich, daß Du wieder da bist. 🙂

    Für viele zeitgenössischen Künstler war Warhol enorm wichtig, das kann man u.a. sehr schön nachlesen in der Autobiographie von Patti Smith, die zu der Zeit mit dem Fotografen Robert Mapplethorpe liiert war. Heutzutage wird seine Bedeutung durch den Kunstmarkt meiner Meinung nach überbewertet, besonders, wenn man ihn mit solchen Künstlern wie Robert Rauschenberg, oder eben Duane Hanson vergleicht. Und an dem gefällt mir besonders, daß er sich nie lustig macht über die Portraitierten, bei mir stellt sich eher sowas wie Mitgefühl ein.

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