Herbstimpressionen

Herbst.
Die Antennen verlieren ihre Blätter …

… Fahrradleichen liegen am Wegesrand und warten auf ihre Entsorgung …

… während die Wildtiere sich ein Winterkleid zulegen müssen, um nicht zu erfrieren.

Aber nicht verzagen: Es gibt auch schöne Herbstbilder. So schön geschmückt sah das Hochhaus noch nie aus.

Und bitteschön: Wenn das nicht romantisch ist …

Freund und Helfer

Ich bin auch immer entsetzt, wenn ich auf Parties Aldi-Bier oder Wein aus dem Karton vorgesetzt bekomme, ganz zu schweigen von dem billigen Schnaps, den die Leute sich in den Kopf knallen: Coffeinierte Brause mit Fuselwodka – uah! Gut, der Leber ist es vermutlich egal, mit welcher Alkoholmarke sie vergiftet wird, ob nun Doppelkorn für 2,98 die Flasche oder „Chivas Regal“ für 195,00 Euro, aber es kommt eben auch auf den Geschmack an – für den sich jetzt die Polizei einsetzt, sehr gut!

Und sonst so, liebe Polizei? Nicht viel zu tun zur Zeit, was? Vielleicht könnt ihr auch noch eine Warnung aussprechen gegen billiges Essen. Die Kantine zum Beispiel, die ich manchmal besuche, was die sich da zusammenrühren, das ist fast schon kriminell. „Polizei empfiehlt frisches Gemüse aus der Region!“ – wenn die Köche das im Express lesen, setzten die das sofort um.

Minoritenstr. / Vogelsanger Str.

Diese geisterhafte Gestalt soll Johann Adam Schall von Bell sein – vielleicht hat der Künstler Werner Stötzer dem Umstand Rechnung getragen, daß er nur seine ersten 15 Lebensjahre in Köln verbracht hat. Dann, im Jahre 1607, schickte ihn seine einflußreiche Familie nach Rom, wo er Mathematik, Astronomie und Theologie studierte und dem Jesuitenorden beitrat. Im Alter von 26 Jahren reiste er mit ein paar Kollegen nach China, um die dortige Einwohnerschaft zu missionieren. In Peking war man gar nicht amüsiert, hatte man doch gerade erst die letzte Truppe von Missionaren des Landes verwiesen. Aber Berufs-Katholen sind hartnäckig, also ließen Schall von Bell und seine Mitreisenden sich in der winzigen protugiesischen Kolonie Macao direkt an der chinesischen Küste nieder und hofften auf bessere Zeiten. Die ließen auf sich warten, stattdessen kamen die Niederländer und wollten die Kolonie für sich haben. Dank der Missionare – sie reparierten vier alte Kanonen und waren auch sonst kämpferisch hilfreich – konnte der Angriff abgewehrt werden, was wiederum die Chinesen neugierig machte. Sie luden die Gruppe ein.

In den folgenden Jahren beeindruckte Schall von Bell seine Gastgeber nicht nur mit seinen mathematischen und astronomischen Kenntnissen, sondern er reformierte auch den chinesischen Kalender und leitete die Produktion von hundert Kanonen. Tja, diese Jesuiten, sehr vielseitig. Sein Ansehen stieg dermaßen, daß er als Lehrer und Berater des Kaisers Shunzhi zum Mandarin 1. Klasse ernannt wurde, d.h. zum einem höchsten Staatsbeamten. Kurze Zeit, nachdem der Kaiser gestorben war, erlitt Schall von Bell, inzwischen 72 Jahre alt, einen Schlaganfall, der ihn zwar nicht umbrachte, aber sein Sprachvermögen stark beeinträchtigte. Seine höfischen Gegner nutzten das aus, intrigierten gegen ihn, und am Ende eines Prozesses wegen Hochverrats fiel das ungerechte und denkbar ungünstigste Urteil: Zerstückelung des Körpers bei vollem Bewußtsein. Das wünscht man seinem ärgsten Feind nicht. Aber dann, wenige Tage vor der Vollstreckung – das Leben ist manchmal unwahrscheinlicher als ein Hollywood-Drehbuch – ereignete sich ein Erdbeben, was die Richter für ein Omen hielten, worauf sie Schall von Bell freisprachen. Anderthalb Jahre später starb er ganz normal an seinem Alter.

Und weil sich alles so schön anhört, diese kölnisch-chinesischen Geschichten von damals, führen Politiker und Funktionäre anläßlich des China-Jahres in Köln und NRW den Namen Schall von Bell gern im Mund.

Worüber sie aber nicht gern reden, sind die Ereignisse um den „Platz des Himmlischen Friedens“ im Jahr 1989, als studentische Demokratisierungsbemühungen ein paar Tausend Menschen das Leben kostete. Und auch im Westen, so findet man, schadet ein immer wieder erneutes Aufwärmen dieser unerfreulichen Dinge den Geschäften: Billigwaren aus China verschaffen auch hiesigen Firmen einen Gewinn, den man nur ungern durch ungemütliche Kritik gefährden will (außerdem sind in demokratischen Ländern die Löhne höher, was die Produkte verteuert, aber pssst!).
Das Graffito ist in diesem Jahr von „Amnesty International“ in Auftrag gegeben worden, ein zweites sieht man hier (letztes Bild).

Spätsommer

Letzte Gelegenheit, sich gegenseitig naß zu machen – nach diesen Tagen wird es nicht mehr warm genug sein.

Es hat was Rührendes, wenn sich jemand zum Gespött macht – die Freunde stehen am Rand und drehen feixend Videos mit dem Handy. Fünf Euro kostet es, für fünf Minuten in dem Ball verbringen zu „dürfen“.

Herrlich, Ende Oktober nochmal so enspannt draußen sitzen zu können.

Während vor dem Café die Besucher noch im T-Shirt sitzen …

… werden im Stadtgarten schon die Weihnachtsmarktbuden aufgebaut.

Uferstr.

Was macht das Zebra auf dem Balkon? Zum Rauchen nach draußen geschickt und dann da vergessen worden? Das sind mir schöne Gastgeber.

Die Galerie 681 in der pinken Villa von 1910 heißt so, weil sie sich genau am Rheinkilometer 681 im Kölner Süden befindet. Der Skulpturengarten öffnet erst um 14 Uhr – schade. Also auf ein anderes Mal.

Sonntag Nachmittag

Sonntag Mittag: Wieso ist es so ruhig? Ein Blick aus dem Fenster zeigt: Köln-Marathon. Die Teilnehmerzahlen sollen von Jahr zu Jahr zurückgehen, habe ich gelesen, das Foto scheint es zu bestätigen.

Gut, an einem Streckenabschnitt ein paar Meter weiter (für mich, die Läufer werden über immense Umwege geschickt) sieht das schon anders aus. Der schnellste Läufer hat sich übrigens 200 Meter vor dem Ziel verlaufen, das nenn ich Pech. Aus Versehen ist er einem Begleitmotorrad hinterher gelaufen, das sich durch ein Seitentor dezent aus der Linie bringen wollte, und hat dadurch wertvolle Sekunden verloren. Gewonnen hat also der zweitschnellste Läufer. Großherzig hat der Veranstalter aber erwogen, jeweils beiden das Preisgeld des Gewinners auszuzahlen.

Was ich an solchen Veranstaltungen schön finde, ist, daß die meisten Straßen abgesperrt sind und keine Autos fahren können. Allerdings ist es auch schwer, mit öffentlichen Verkehrsmitteln wo hinzufahren, die haben ja die gleichen Einschränkungen. Nach einigem hin und her sind wir im Stadteil Müngersdorf gelandet. Hier gibt es einige wenige alte Fachwerkhäuser, …

… sehr viel durchschnittliche, dazwischen aber auch gewagte, humorvolle Architektur.

Eine Stimmung hier wie auf dem Lande. Eine malerische Tür – dahinter ist leider eine riesige Baugrube, ich nehme an, die Mauer muß bald auch dran glauben und Platz machen für einen mutmaßlich abscheulichen Zweckbau.

Weit muß man nicht gehen, und man ist im Grünen. Schön.

Innenstadt

Während man träumt, weiß man ja meistens nicht, daß man es tut. Hinterher, wenn man sich im Wachen daran erinnert, weiß man, woran man es hätte erkennen können: Wenn völlig absurde Sachen passiert sind, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. In manchen Träumen gibt es das Phänomen des falschen Erwachens: Man glaubt, man hätte geträumt, sei aber dann erwacht und nun in der Wirklichkeit. Tatsächlich hat man das aber nur geträumt. In einem solchen Traum befinde ich mich gerade, glaube ich, denn daß jemand Köln ernsthaft als die schönste Stadt Deutschlands bezeichnet und das an jeder Ecke der Stadt plakatiert ist so wahrscheinlich wie die Annahme, die Türme des Doms seien große Bierflaschen. Kann mich jemand aufwecken?

PS:
„Denn Kölle es et Jrößte,
et Jrößte wat et jitt.
Kölle es die schönste
Stadt op unsrer Ääd.
Denn Kölle bliev Kölle,
3 mol Alaaf,
Kölle bliev ovven,
eher kütt d’r Himmel eraf.“
Paveier

*blinzel* was ist los! Bin ich schon wach? Offensichtlich noch nicht …

Händelstr.

Was war das noch, was ich erledigen wollte an diesem Wochenende … ah, ich hab’s:

Der Fußabtreter gehört zu „Hair & make-up studio Mythos“, offenbar ein trendiger Laden, in dem es locker zugeht und Virtuosen der Schere stylische Frisuren …. Moment, was sehe ich da rechts oben bei starker Vergrößerung?

Ist das ein (ehemaliger) Kunde? Was? Der war sowieso schon alt? Ach so.
Grad fällt mir ein, so lang sind meine Haare eigentlich noch gar nicht.

Karolingerring

Skandal! Da geben sich die Kölner Verkehrsbetriebe alle Mühe, die MP3-Player-tauben Jugendlichen mit großen Schildern vor dem Unfalltod zu bewahren, da hat es ein Geschäft offenbar auf die Dezimierung der männlichen Bevölkerung abgesehen. Hallo? Männer sind Augentiere, haltet denen das „richtige“ Motiv in den Blick, dann bemerken die nichts anderes mehr. Was verkauft ihr da – Särge?