Afri-Cola ist eine Cola-Marke, die bereits 1931 in Köln entwickelt und produziert wurde. Der damalige Inhaber versuchte das Produkt gegen den übermächtigen Konkurrenten aus Amerika durchzusetzen, indem er ihn als „jüdisch“ diffamierte. In den 60er Jahren sanken die Umsätze so stark, daß man versuchte, sich der Jugend durch popartige Werbung anzudienen: „Sexy-mini-super-flower-pop-op-cola alles ist in Afri-Cola
“. Wer weiß, wie überwiegend verschnarcht damals das deutsche Fernsehprogramm war, wird sich an das Außergewöhnliche des Werbespots von Charles Wilp erinnern.
Angeblich kann man Afri-Cola noch immer kaufen, ich habe sie aber schon lange nicht mehr gesehen. Allerdings trinke ich so ein ungesundes Zuckerzeug auch nicht, auch nicht die Konkurrenzprodukte.
Marzellenstr.
Dieser Aushang an einem indischen Restaurant ist eine gute Werbung, diese Grundsätze sollten sich auch Mitarbeiter anderer Gaststätten zu Herzen nehmen. Besonders in Kölner Brauhäusern hat man garantiert noch nie etwas davon gehört und würde es auch als Affront empfinden, daß man als Gast Freundlichkeit erwartet. Daß allerdings Mahatma Gandhi auch mal Gestronom war, ist mir neu.
Gerade, als wir die Speisekarte des „Jaipur“ studierten und uns entschlossen hatten, hier mal einzukehren, kam der Restaurantbetreiber vor die Tür, um einen Zettel aufzuhängen, auf dem mitgeteilt wurde, daß das Restaurant schließt, da der Hausbesitzer nach 20 Jahren den Mietvertrag nicht verlängert hatte. Man kann nicht immer Glück haben.
Wir kamen ins Gespräch und wurden eingeladen, noch einen letzten Blick ins Restaurant zu werfen. Die Angestellten waren bereits dabei, die Dekoration abzubauen. Der Betreiber erzählte uns, daß er plante, ein neues Lokal ein paar Häuser weiter in der selben Straße zu eröffnen, allerdings mit viel weniger Plätzen. Wir werden das beobachten.
Frohes neues Jahr
Auch dieses Jahr hat wieder mit einer umfassenden Stadtverschmutzung begonnen, das ist hier inzwischen eine beliebte Tradition. 83 Müllmänner machen sich schon in der Silvesternacht an die Arbeit, damit wenigstens die Brücken und die Hauptstraßen von den Hinterlassenschaften der knallenden, durchgeknallten Bürger frei sind. Besonders schön: Kartongroße Feuerwerksbatterien und 1 Meter lange abgebrannte Wunderkerzen, die per Hand aufgelesen werden müssen, da die Kehrmaschinen sie nicht packen können.
Die Verschmutzung der übrigen Straßen wird nun noch wochenlangen so liegenbleiben – die Kölner scheinen das zu mögen. Außerdem: Das lohnt sich doch nicht, das alles aufzufegen, in sechs Wochen ist doch schon wieder Karneval! Da kann man hinterher in einem Aufwasch … gut, dann kommt der Frühling, die Leute halten sich vermehrt draußen auf, grillen, saufen usw. Ach was! Wir lassen das alles liegen, basta, der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und dann fällt es in einem Jahr auch nicht so auf, wenn wieder jede Menge Unrat dazukommt.
Apostelnkloster
Und was ist das? Ein Wunder! Ein Platz in der Innenstadt, auf dem kein Weihnachtsmarkt veranstaltet wird! Hoffentlich greift niemand diese Entdeckung als Idee auf – der Kölner Stadtanzeiger scheint mein Blog mitzulesen, wie dieser ‚investigative‘ Bericht vom 28.11.2014 zeigt. Ich hatte bereits am 21.05.2014 davon erzählt.
Wenn jemand seine Weihnachtsgans vermißt – die hat sich über die Tage eine Wohnung in Köln gemietet. Unvorsichtigerweise sieht sie aus dem Fenster, aber ich verrate nicht, wo.
Ich wünsche euch allen angenehme freie Tage und einen guten Rutsch! Bis nächstes Jahr.
Roncalli-Platz
Wer die Weihnachtsmarktkultur satt hat, braucht deswegen auf Kultur nicht zu verzichten: Im „Römisch-germanischen Museum“ läuft eine interessante Ausstellung, in der ich zwar noch nicht war, die ich aber bestimmt besuchen werden. Die „Archäologie der Moderne“, das sind Begriffe, die nicht zusammengehörig scheinen, Archäologie, darunter stellt man sich richtig alte Dinge vor, z.B. Grabungen nach Behausungen der Neandertaler, um zu erfahren, wie sie gelebt haben (böse Zungen behaupten, dafür würde ein Spaziergang durch Düsseldorf ausreichen). Aber auch in jüngerer Zeit ist viel verschüttet worden.
Beim Bau einer Berliner Ubahn hat man vorm Roten Rathaus ein im 2. WK verschüttetes Kellergewölbe entdeckt. Dort hatten die Nazis Skulpturen der klassischen Moderne (also ca. vom ersten Drittel des 20. Jahrhunderts) deponiert, die sie als entartet klassifiziert und aus den Museen entfernt hatten. Seitdem galten sie als verschollen, nun sind sie wunderbarerweise wieder da und bis April in Köln zu besichtigen. Ergänzt wird die Ausstellung durch Funde aus Köln, denn auch hier macht man immer wieder Entdeckungen: „… ein erst kürzlich entdecktes Depot von Kölner Karnevalsorden, berichten eher auf humorvolle Weise von ihren ehemaligen Besitzern.“, heißt es auf der Seite des Museums. Ah ja … gut, ich freu mich auf die Kunstwerke aus Berlin.
PS: Der traurige Pferdekopf erinnert mich spontan an zwei unschöne Szenen aus zwei Filmen – wer weiß, welche ich meine?
In der Philharmonie
Neulich war ich mal wieder in der Philharmonie, immer wieder ein Ereignis. Wo meistens große Orchester Meisterwerke der klassischen Musik spielen, gab es an diesem Abend ein Konzert …
… der dänischen Sängerin und Pianistin Agnes Obel, die von einer Geige und einem Baß unterstützt wurde. Eine so kleine Besetzung und auch die Art der Musik sind an diesem Ort oft nicht unproblematisch: Ich habe hier mal ein Konzert der Jazzsängerin Cassandra Wilson und Band gesehen, der Saal und die Musik paßten überhaupt nicht zusammen, da hätte ich mir das Konzert in einer Kneipe oder einem kleinen Saal gewünscht, in dem man mit einem Bier in der Hand herumlaufen kann. Anders bei Agnes Obel: Ihre angenehme Stimme und die leicht melancholischen, schönen Lieder füllen den Raum, es macht gar nichts, daß man an seinen Stuhl gefesselt ist, die Musik zieht einen in ihren Bann.
Hier ein Beispiel von der CD „Aventine“, die ich jedem empfehle, der noch nach einem Weihnachtsgeschenk sucht (sich selbst kann man ja auch beschenken, ich mache das andauernd).
Ehrenstr.
Nun habe ich doch neulich von memento-mori-Motiven erzählt, da läuft mir dieses über den Weg, riesig groß in einem Schaufenster. Hier werden Jeans und Birkenstock-Sandalen verkauft. Hm, was wollen sie uns damit sagen? „Bedenke, daß du sterblich bist, unsere Jeans erinnern dich daran“ – aber auf welche Weise? Kneifen die im Schritt? Dann kaufe ich lieber woanders. „Mit Birkenstock-Sandalen ins Jenseits“ – also ich weiß nicht, viele Leute finden die ja tothäßlich, aber ich finde sie sehr bequem, ans Sterben habe ich nie gedacht, wenn ich sie getragen habe.
Das Modelabel heißt „MTWTFSS“, das wtf in der Mitte ist die Abkürzung für „what the fuck“, frei übersetzt: Was soll der Scheiß! Ja, liebe Leute, das fragen wir uns auch, aber wenn ihr es nicht mal wisst … ah ja, Wikipedia klärt auf: Die Buchstaben sind die Anfangsbuchstaben der englischen Wochentage. Schön, wieder was, was man schnell vergessen kann.
Bahnhofsvorplatz
Der Weihnachtsmann enttarnt! In Wirklichkeit ein junger Typ, hätte ich nicht gedacht. Wie aus der Verwaltung der weihnachtlichen Werkstätten zu erfahren ist, haben die Rentiere sich mit den Auslieferungsfahrern der Paketzustelldienste solidarisiert und sind auf unbestimmte Zeit in den Streik getreten. Alle Geschenke müssen nun mit der Rikscha ausgeliefert werden, und ob das bis zum 24. zu schaffen ist, steht in den Sternen. Wundert euch also nicht, wenn in diesem Jahr nichts unterm Weihnachtsbaum liegt. Macht nichts, denn – mal ehrlich – wir haben alle sowieso zu viel Kram.
Alle Jahre wieder …
… des Wahnsinns fette Beute: Verkaufsoffener Sonntagnachmittag.
30 Weihnachtsmänner, die auf ihren Rollern kreuz und quer durch die Stadt knattern.
Ein Weihnachtsmarktstand, der Haarakrobatik anbietet. Ich weiß nicht genau, was das ist, frage mich aber, ober der Standinhaber Opfer seiner Kunst geworden ist.
Da will der ungebremste Konsument Weihnachtsgeschenkekäufer mal schön schoppen gehen, da sitzen diese nichtsnutzigen Elemente ausgerechnet vor dem schönen Weihnachtsbaum und verderben die glühweinselige Stimmung! Polizei!!
Zum Ausklang stille Weihnachtsmusik mit gefühlvollen Bildern aus der Hand des Meisterregisseurs Videbitis (keine Angst, es sind nur 44 Sekunden).
Im Schnütgen-Museum (2)
Das Mysterium des Todes ist eine der Hauptantriebsfedern für Religion. In der christlichen Religion ist das „memento mori“ eine Warnung an die Lebenden: Bedenke, daß du sterblich bist, soll heißen: Lebe bescheiden und in Demut, denn der leibliche Tod ist der Beginn des eigentlichen Daseins, und je nachdem, wie du gelebt hast, kommst du entweder in den Himmel oder ins Fegefeuer. Und da der Mensch, das „krumme Holz“ (Kant), das alles gerne mal vergißt und den lieben Gott einen guten Mann sein läßt, hat man so kleine Memento-mori-Figuren gebaut, wie diese drastische Darstellung eines verwesenden Körpers, kunstvoll ca. 1520 aus Elfenbein geschnitzt. Die konnte man sich dann anschauen, wenn man der Meinung war, daß es einem eigentlich ganz gut geht, das holte einen dann auf den Boden der sterblichen Tatsachen zurück. Nee, diese Christen, was die sich so einfallen lassen …
Nett auch diese Paternosterkette aus Mexiko (ca. 1580), die ähnlich funktioniert wie ein Rosenkranz: Bei jedem Totenkopf betet man ein Vaterunser (=Paternoster), und wenn einem nach biblischem Trost zumute ist, klappt man einfach den Schädel auf …
… und kann sich Szenen aus dem Leben Jesu ansehen, der ja angeblich für uns gestorben ist, auch wenn ihn keiner darum gebeten hat und was sich darüber hinaus der Logik verschließt, aber darum geht’s ja nicht, es ist einfach schön, wenn man jemandem dankbar sein darf.
Psychologisch betrachtet haben die Figuren aber auch entlastenden Charakter: Seitdem die Menschen das Bewußtsein ihrer Sterblichkeit haben, haben sie Angst davor. Der Tod ist eine Erfahrung, die man nur einmal macht, das aber mit Gewissheit und nur ganz zum Schluß, bis dahin haben wir nur eine ungefähre angsterfüllte Ahnung davon. Dann kommt noch das Horrorszenario der christlichen Kirche hinzu, das sie uns verspricht, wenn wir nicht nach ihren Regeln leben – da kann es hilfreich sein, wenn wir den Tod in ein Bild, in eine kleine Skulptur bannen können.
Übrigens: Daß das heute häufig zu „memento mori“ erwähnte „carpe diem“ (frei übersetzt: Wenn du schon sterben mußt, genieße um so mehr den Augenblick) nicht christlichen Ursprungs ist, versteht sich fast von selbst, oder?
Das Schnütgen-Museum (für mittelalterliche Sakralkunst) ist sehr schön in der säkularisierten Kirche St. Cäcilien untergebracht. Im Chor fand an dem Abend ein kleines Konzert mit mittelalterlicher Musik statt – es ist mir ein Rätsel, wieso man nur knapp 30 Stühle aufgestellt hatte, was zu unschönen Szenen zwischen älteren Herrschaften führte, die sich um die Plätze stritten.