Sachsenring

Die sonnenbadende Diana vor springender Antilope und einem Betrachter – manchmal kucken aber auch ein paar hundert:

Der Bildhauer Fritz Behn (1878 – 1970), bekannt besonders als Tierbildhauer, war ein unbelehrbarer und lebenslanger Anhänger der Kolonialpolitik des Deutschen Kaiserreichs in Afrika, ein Befürworter der Apartheid und der Vorherrschaft der weißen Herrenrasse. Er portraitierte Mussolini, verherrlichte in Schriften den italienischen Faschismus und war auch den Nationalsozialisten und ihrem Verständnis von „wahrer“ Kunst zugeneigt. Die Figurengruppe oben ist ca. 1919 entstanden.

Autumn in Cologne

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Herbst. Wir sind zwar nicht in New York, aber das Billie Holidays Lied ist das beste (und einzige) Herbstlied, das ich kenne.

Die Sonne scheint, aber die Luft ist trotzdem kühl. Aber wer weiß, wie lang es noch so schön ist, deshalb ist halb Köln am Wochenende auf den Beinen.

Die Hose hängt auf Halbmast, das hat jedoch mit der Jahreszeit nichts zu tun, auch nicht mit den alkoholischen Getränken.

Wenn man zuviel davon zu sich genommen hat, macht man sich für seine Bekannten zum Affen. Wie gesagt, es ist wirklich kühl, und das Wasser ist noch kälter.

Es macht mehr Spaß, den blinkenden Blättern zuzusehen, die die Kinder in die Luft werfen.

Oder man sucht sich einen Platz etwas abseits, läßt sich von der Sonne wärmen und liest ein gutes Buch, im Kopf läuft Billie Holiday … „Autumn in Cologne, what does it seem so inviting“ *summ summ*.

Engelbertstr.

Bitteschön, hier ist der Beweis: Das Gerücht, ich würde mich ausschließlich von Kuchen ernähren, ist hiermit eindeutig widerlegt. Was man sehen kann, ist ein Crèpe, allerdings anders, als man ihn auf dem Rummel bekommt. Dieser ist dick mit Blattspinat und Knoblauch, Hackfleischsoße, Creme Fraiche und Käse gefüllt, und es gibt noch eine große Anzahl an Variationen, auch Vegetarier kommen auf ihre Kosten. Eine volle, sehr leckere Mahlzeit für 7,50.

Ins „Engelbät“ gehe ich schon seit über 25 Jahren, also seitdem ich in Köln wohne. Natürlich ist es sehr beliebt, deshalb hat man Mühe, abends einen freien Tisch zu bekommen, aber vor ein paar Jahren haben sie den Ladenraum in der Nachbarschaft angemietet und die Wand durchbrochen, der Raum ist nun doppelt so groß. Und weil das Geschäftsmodell so gut läuft, hat man im Stadtteil Ehrenfeld eine großräumige Filiale eröffnet, das „Lizbät“, wo man fast immer einen Platz bekommt.

So, damit habe ich mir ja wohl einen Freicrèpe verdient … schön wär’s, wenn die eins nicht nötig haben, dann ist es zusätzliche Werbung.

Brüsseler Platz / Bahnhofsplatz

Sonntag nachmittag im belgischen Viertel – nanu, was ist denn hier los? Ein politischer Agitator ruft die Massen auf, die Straßen zu besetzen, weg mit der menschenfeindlichen Umweltverschmutzung durch Verbrennungsmotoren – die ersten Wagemutigen fangen schon mal an, die Fahrbahn zu blockieren …
Weit gefehlt. Der Wirt hat zu Feier des Tages einen Flachbildschirm nach draußen gestellt, zu sehen gibt es – Fußball. 1. FC Köln gegen Hoffenheim.

Nach dem Spiel kann man einen der Spieler telefonierend auf dem Bahnhofsplatz entdecken. „Mer han jewonn, Mam!“, erzählt er begeistert seiner Mutter.

Da ist noch ein Spieler … moment … kommen die alle aus einer Familie? Oder ist das der Name des Vereins, „1. FC Podolski Köln“? Daß alle Spieler die Nummer 10 tragen, ist natürlich tricky, da blickt selbst der cleverste Schiedsrichter nicht mehr durch.

Ich mausere mich übrigens zum Fußball-Spezialisten: Ich weiß z.B. auch, daß der Trainer von Hoffenheim früher der von St. Pauli war! Tja. Da staunt ihr.

Rudolfplatz

Neulich hatte ich die Gelegenheit, vom Dach dieses Gebäudes fotografieren zu können, blöderweise hat es geregnet. Im Mittelgrund sieht man das Hahnentor, ein Überbleibsel der mittelalterlichen Stadtmauer, recht verloren zwischen charakterlosen Häusern stehen. Zweierlei sieht man auf diesem Foto: 1. Köln ist zum überwiegenden Teil nicht älter als 60 Jahre, und 2. Köln kann schön sein, aber in der kalten Jahreshälfte ist es häßlich und uselig. Ich glaube, es wird Zeit, in mein Landgut umzuziehen, um da zu überwintern.

Im Volksgarten

Das Foto oben zeigt ein relativ neues Phänomen, das, wie so oft, aus Amerika kommt und sich langsam weltweit verbreitet … aber was? Alle Parkwege sind jetzt krumm? Hand-in-Hand-gehen erlebt eine Renaissance? Alle Bäume sind jetzt dauerhaft grün?
Alles Quatsch, schaut genauer hin: Es sind die Schuhe, die am oberen Bildrand im Baum hängen. Über die Bedeutung gibt es mehrere Mythen: Drogenhändler sollen so ihren Verkaufsort markieren – und damit das jeder potentielle Kunde weiß, setzen sie eine Annonce in die Zeitung, oder wie? Eine andere Geschichte besagt, daß der Brauch auf ein jung verheiratetes Paar zurück geht, das sich in der Hochzeitsnacht gestritten hat. Er warf schließlich ihre Schuhe in einen Baum, damit sie nicht abhauen konnte. Darauf vertrugen sie sich wieder und zeugten ein Kind. Wieso habe ich das Gefühl, daß die Basis dieser Beziehung nicht sehr tragfähig ist? Jedenfalls: Hochgeworfene Schuhe sind ein Glückssymbol, denn ob sie es bereut hat, daß sie nicht barfuß gegangen ist, weiß man ja nicht.
Eine dritte Lesart: Schuhe, die an Bäumen und Hochleitungen oder Laternen hängen, sind Kunst, eine Art von Streetart. Und angelehnt an den Begriff Graffiti gibt es auch schon eine Bezeichnung dafür: „Shoefiti“ (kein Scherz).

Am Weiher

Der Aachener Weiher liegt gleich bei mir um die Ecke, wenn ich also mal kurz spazieren gehen will, umrunde ich ihn ein paar mal, und schau, ob jemand im Biergarten sitzt, den ich kenne, damit ich ihm Gesellschaft leisten kann. Leider passiert das so gut wie nie, ohne Verabredung trifft man sich nicht in der großen Stadt, außer, man hat gerade keine Zeit. Dafür entdecke ich manchmal seltene Tiere, wie diesen Horusaugenvogel aus der Gattung der Kugelvögel. Ich weiß gar nicht, ob der fliegen kann, jedenfalls ist es ein ungeheuers Glück, einem solchen Vogel in die Augen sehen zu dürfen, denn dann ist man in der nächsten Zeit geschützt vor bösen Blicken seiner Mitmenschen, kann ja nicht schaden. Der Horusaugenvogel ist ein wahrhaft magisches Tier, denn als er sich umdreht, verwandelt er sich plötzlich in einen Graureiher, der gerade einen Fisch gefangen hat. Phänomenal!

Jülicher Str.

Zum Hotel Chelsea und seinem aufsehenerregenden Dachgeschoß habe ich hier schon einmal einen Eintrag gemacht. Normalerweise sind die Fenster nicht so bunt, in der Martin-Kippenberger-Suite fanden Kunstaktionen statt, an denen ich weiter kein Interesse hatte, aber es bestand die Möglichkeit, die Zimmer zu besichtigen.

Gut, besonders groß ist es nicht, aber für ein bis zwei Personen ausreichend.

An der Seite führt eine kleine Treppe nach oben …

… ins Schlafzimmer. Keine Ahnung, ob die Disco-Kugel hier immer hängt. Wie die Suite zu ihrem Namen kam, steht auf der Homepage des Hotels:

„Kippi [Martin Kippenberger] kam während der Fußballweltmeisterschaft 1986 ins Café Central. Er hatte damals sein Atelier um die Ecke in der Lindenstraße, gleich hinter Karlas Kiosk. Er kam und sagte „Patriotismus zahlt sich doch aus! Ich habe heute 500,- DM frei Saufen im Broadway und 500,- DM frei Essen im Chins gewonnen, weil ich auf Deutschland gesetzt habe“. Er fragte, ob ich nicht auch mit ihm wetten wollte auf das nächste Spiel, eine Zeichnung im Wert von 1.000,- DM gegen eine Woche im Doppelzimmer mit Frühstück ans Bett und allem Pipapo. Ich habe diese Wette verloren, und am nächsten Tag stand er mit seinem Köfferchen vor der Tür. Und als die Woche um war, bemerkte er, es sei sehr schön hier bei mir, und da er vorhabe, im Herbst nach Teneriffa zu gehen, könne er eigentlich seine Wohnung aufgeben und hier bei mir gegen Kunst wohnen. So hat die Symbiose zwischen Hotelier und Künstler begonnen, aus der dann die Legende Chelsea Hotel in Köln entstanden ist.“

Die schimmeligen Weingläser sind ganz sicher kein Kunstwerk von „Kippi“, und wer sich hier für 194 bis 247 Euro pro Nacht (je nach Saison) einmieten will, kann wohl sicher sein, daß alle Gläser sauber sind.

Elisabeth-Treskow-Platz

Dieses Haus direkt am Rhein hat, zumindest im Erdgeschoß, meterdicke und bombensichere Wände. 1891 wurde es eingeschossig als Bastion gegen mögliche Feinde gebaut, die vorhatten, sich der Stadt über den Fluß in böser Absicht zu nähern. Im Norden der Stadt gab es ein entsprechendes Gebäude. 1937 wollte die Wasserschutzpolizei das Gebäude beziehen und stockte es um zwei Etagen auf. 61 Jahre später ließ sich das Goldschmiedpaar Schlabohm & Mertens auf das Abenteuer ein, das Haus zu bewohnen – auf der einen Seite der Rhein, auf der anderen nur alte ruinöse Lagerhallen, und kein Anschluß an die Kanalisation. Inzwischen ist die Gegend eine der exklusivsten Kölns: Der neu ausgebaute Rheinauhafen mit seinen Luxuswohnungen. All die lauten Bautätigkeiten über Jahre direkt in der Nachbarschaft, das muß furchtbar gewesen sein. Aber nun ist alles gut. Am Wochenende verkauft man Bioeis und guten Kaffee und bessert so das Haushaltsgeld auf.

Und die Polizei läßt sich in alter Verbundenheit auch noch ab und zu blicken, das ist nett.