Universitätsstr.

Was steht da auf den kleinen Schild? Muß was wichtiges sein, ein roter Kreis. Wir klettern vom Bürgersteig aus auf das kleine Mäuerchen und gehen ganz dicht dran:

Na toll, herzlichen Dank für die Warnung. Glücklicherweise scheint gerade die Sonne. Wem es bei Gewitter doch die Birne wegpustet – nicht verzagen, ein passender Wegweiser zeigt die rettende Richtung.

Ehrenstr.

„Kauf Dich glücklich“ – sinnigerweise hat man vor den Laden gleich das gestellt, was dabei herauskommt: Müll.

Jahrelang war hier früher eine Puppenklinik, in deren Geschäftsräumen man auch das hier kaufen und ansehen konnte. Jetzt werden hier Schuhe, trendige Taschen und teure Klamotten angeboten – wie in zig anderen Läden, die sich in unmittelbarer Nähe befinden. Die Puppenklinik ist umgezogen in eine Gegend, wo man die Miete noch bezahlen kann. Schade.

Breite Str.

Wo viele Menschen leben, da gibt es natürlich auch viele merkwürdige Leute. Neulich in der Straßenbahn saß hinter mir ein noch ganz junger Mann, der heftig und mit steigender Lautstärke mit jemandem diskutierte, der nicht da war. Inzwischen denke ich meist bei vermeintlich Selbstgespräche führenden Mitbürgern, daß sie telefonieren, war hier aber nicht so. Manchmal läuft einem ein laut schimpfender Mann über den Weg, oder eine furchtbar wütende Frauen schreit den Himmel an, während sie ihre Einkäufe nach Hause trägt, etc.

An das Fußgängerzonenplakat oben hat jemand einen DIN-A4-Zettel mit kryptischen Informationen geklebt. Kann sich jemand einen Reim darauf machen?

Jülicher Str.

Zum Hotel Chelsea und seinem aufsehenerregenden Dachgeschoß habe ich hier schon einmal einen Eintrag gemacht. Normalerweise sind die Fenster nicht so bunt, in der Martin-Kippenberger-Suite fanden Kunstaktionen statt, an denen ich weiter kein Interesse hatte, aber es bestand die Möglichkeit, die Zimmer zu besichtigen.

Gut, besonders groß ist es nicht, aber für ein bis zwei Personen ausreichend.

An der Seite führt eine kleine Treppe nach oben …

… ins Schlafzimmer. Keine Ahnung, ob die Disco-Kugel hier immer hängt. Wie die Suite zu ihrem Namen kam, steht auf der Homepage des Hotels:

„Kippi [Martin Kippenberger] kam während der Fußballweltmeisterschaft 1986 ins Café Central. Er hatte damals sein Atelier um die Ecke in der Lindenstraße, gleich hinter Karlas Kiosk. Er kam und sagte „Patriotismus zahlt sich doch aus! Ich habe heute 500,- DM frei Saufen im Broadway und 500,- DM frei Essen im Chins gewonnen, weil ich auf Deutschland gesetzt habe“. Er fragte, ob ich nicht auch mit ihm wetten wollte auf das nächste Spiel, eine Zeichnung im Wert von 1.000,- DM gegen eine Woche im Doppelzimmer mit Frühstück ans Bett und allem Pipapo. Ich habe diese Wette verloren, und am nächsten Tag stand er mit seinem Köfferchen vor der Tür. Und als die Woche um war, bemerkte er, es sei sehr schön hier bei mir, und da er vorhabe, im Herbst nach Teneriffa zu gehen, könne er eigentlich seine Wohnung aufgeben und hier bei mir gegen Kunst wohnen. So hat die Symbiose zwischen Hotelier und Künstler begonnen, aus der dann die Legende Chelsea Hotel in Köln entstanden ist.“

Die schimmeligen Weingläser sind ganz sicher kein Kunstwerk von „Kippi“, und wer sich hier für 194 bis 247 Euro pro Nacht (je nach Saison) einmieten will, kann wohl sicher sein, daß alle Gläser sauber sind.

Apostelnkloster

Der Kabarettist Jürgen Becker erzählte gern folgende Geschichte: Als der erste Bundeskanzler der BRD Konrad Adenauer einmal in einer Rede vor dem Deutschen Bundestag gönnerhaft sagte: „Auch in der SPD gibt es wertvolle Leute.“, rief der SPD-Abgeordnete Arndt wütend dazwischen: „Das zu beurteilen liegt nicht in Ihrem Ermessen!“ Darauf Adenauer: „Beruhigen Sie sich, Herr Arndt, Sie habe ich doch gar nicht gemeint.“

Die Statue des ehemaligen Oberbürgermeisters von Köln (1917-1933, 1945) ganz in der Nähe des Neumarktes wurde 1995 aufgestellt. 500.000 DMark hat sie gekostet, Geld, das unter der Schirmherrschaft von Helmut Kohl, dem selbsternannten Enkel Adenauers, privat gesammelt wurde. Der Bildhauer Hans Wimmer erhielt den Auftrag, verstarb aber vor Fertigstellung. Der Kopf fehlte noch, er wurde von Gerd Weiland, einem Schüler Wimmers, modeliert.

Hahnenstr.

Och, sei doch nicht traurig. Morgen ist frei, und das Wetter soll auch wieder besser werden.

Gut, wenn man so vergessen hinter Gittern am Rande liegt, kann man sich schon mal ‚out and down‘ fühlen, aber es kommen auch wieder bessere Tage.

Lützowstr.

Wer bei diesem Wetter in der Stadt einen Balkon hat, kann sich glücklich schätzen. Na ja, was man so Balkon nennt – keine Ahnung, was sich die Architekten dabei gedacht haben. Das Kind macht keinen besonders munteren Eindruck. Moment mal … das Kind? – ist genau so eine Simulakrum wie der Balkon.

Elisabeth-Treskow-Platz

Dieses Haus direkt am Rhein hat, zumindest im Erdgeschoß, meterdicke und bombensichere Wände. 1891 wurde es eingeschossig als Bastion gegen mögliche Feinde gebaut, die vorhatten, sich der Stadt über den Fluß in böser Absicht zu nähern. Im Norden der Stadt gab es ein entsprechendes Gebäude. 1937 wollte die Wasserschutzpolizei das Gebäude beziehen und stockte es um zwei Etagen auf. 61 Jahre später ließ sich das Goldschmiedpaar Schlabohm & Mertens auf das Abenteuer ein, das Haus zu bewohnen – auf der einen Seite der Rhein, auf der anderen nur alte ruinöse Lagerhallen, und kein Anschluß an die Kanalisation. Inzwischen ist die Gegend eine der exklusivsten Kölns: Der neu ausgebaute Rheinauhafen mit seinen Luxuswohnungen. All die lauten Bautätigkeiten über Jahre direkt in der Nachbarschaft, das muß furchtbar gewesen sein. Aber nun ist alles gut. Am Wochenende verkauft man Bioeis und guten Kaffee und bessert so das Haushaltsgeld auf.

Und die Polizei läßt sich in alter Verbundenheit auch noch ab und zu blicken, das ist nett.

Peter-Günther-Weg

Verfall der Sitten! Wo ist die Polizei!! Früher brauchte man nur ein Seil 10 cm über dem Boden um ein Areal zu spannen, und den Bürgern war klar: Betreten des Rasens verboten! Und jetzt: Da steht sogar ganz deutlich: Platzsperre, und das schon seit Anfang des Jahres. Und jeden Tag stelle ich fest, daß sich keiner daran hält. Es kommt noch soweit, daß Frauen auf offener Straße rauchen. Der Untergang des Abendlandes ist nicht weit.

Kyffhäuser Str.

Von diesen Autos gibt es nicht mehr viele, zu schade. Wenn ich mir in jungen Jahren ein Auto gekauft hätte, das wäre es gewesen: Ein Renault 4, oder kurz: R4. In den 70ern und 80ern war es neben der Ente von Citroen besonders bei Jüngeren sehr beliebt: Es paßten viele Leute hinein, im Urlaub konnte man darin einigermaßen gemütlich schlafen, wenn man den Rücksitz ausbaute, und seine Umzüge konnte man auch damit erledigen. Auf der Autobahn erreichte man manchmal Geschwindigkeiten von bis zu stolzen 120 km/h, wow! – das ging ab … und reichte völlig aus.

Von 1961 bis 1992 hat man 8 Millionen Stück davon verkauft, dann wurde die Produktion eingestellt.