Ehrenstr.

„Kauf Dich glücklich“ – sinnigerweise hat man vor den Laden gleich das gestellt, was dabei herauskommt: Müll.

Jahrelang war hier früher eine Puppenklinik, in deren Geschäftsräumen man auch das hier kaufen und ansehen konnte. Jetzt werden hier Schuhe, trendige Taschen und teure Klamotten angeboten – wie in zig anderen Läden, die sich in unmittelbarer Nähe befinden. Die Puppenklinik ist umgezogen in eine Gegend, wo man die Miete noch bezahlen kann. Schade.

0 Antworten zu “Ehrenstr.

  1. Wie überall in der Republik, scheint auch in Köln langsam aber sicher das auszusterben, was eine Stadt liebens- und lebenswert macht. In München beklagt man das seit Jahren schon, dass man statt uriger Wirtshäuser (wo auch Familien mit mehr als einem Kind einmal einkehren können) fast überall nur noch das „goldene M“, Pizza-Hut und andere Ketten sieht. Schade.

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  2. …aber immerhin, es gibt noch eine Puppenklinik in Köln, das ist ja toll.

    Ich erinnere mich an Zeiten, wo man seine Schuhe noch zum Schuster brachte, den Wecker zum Uhrmacher und wo man Strümpfe oder Pullover zum Kunststopfen geben konnte…und irgendwie schien es mir gemütlicher gewesen zu sein…

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  3. Ja, es ist verrückt, daß zugelassen wird, daß Geld und die Gier danach unsere Städte kaputtmachen … nein, wir sind verrückt und naiv, wenn wir glauben, daß ein solches Wirtschaftssystem sich auch nur die geringste Chance entgehen läßt, neues Kapital zu hecken, koste es, was es wolle.

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  4. In Köln gibt es allerdings viele kleine Änderungs-Schneidereien, die natürlich auch reparieren, seine Socken würde da aber niemand mehr hinbringen. Ab und zu findet man auch noch einen Schuster, der nicht zugleich einen Schlüsseldienst betreibt und das Handwerk noch richtig gelernt hat. Vor zwei Jahren habe ich mir durchgelatschte Schuhe neu besohlen lassen, anderthalb Jahre haben sie dann noch gehalten. Als ich neulich meine Armbanduhr reparieren lassen wollte, hat der Uhrmacher nicht mehr lange daran herumgeschraubt, sondern einfach ein neues Uhrwerk ins Gehäuse gesetzt, fertig.
    Die nächste Rezession kommt bestimmt, ich könnte mir vorstellen, daß Handwerk noch mal sehr gefragt sein wird, ganz einfach, weil die Leute immer weniger Geld haben werden, um sich neues Zeug zu kaufen.

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  5. …ich weiß nicht, die Welt scheint mir übervoll mit Dingen, die durch ihre ungeheure Menge an Wert verloren haben…auch wenn die Leute weniger Geld haben, hier bekomme ich auf dem Flohmarkt die besten Sachen für 50 Cent…mit etwas Suchen…Wer wird da noch etwas reparieren lassen?

    ich hab‘ zunehmend das Gefühl, wir gehen einem Kollaps entgegen und nur die Erneuerung unserer Werte wird uns retten. Nämlich die Wertschätzung einer Sache, eines Paar Schuhes beispielsweise, auch dann, wenn man anderes billiger haben kann…

    Aber es bewegt sich ja schon. Hier geht der Trend dahin, wieder Gärten anzulegen, überall, sich Hühner zu halten, Socken selber zu stricken usw. und zwar nicht aus finanziellen Gründen, sondern weil die Leute Freude daran haben, selber etwas herzustellen, mit ihren Händen etwas ganz Individuelles zu schaffen, auch wenn es nicht so perfekt aussieht, wie ein industriell hergestellter Gegenstand.
    Das gitb Hoffnung…finde ich.

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  6. Kann durchaus sein, daß es das hier auch gibt, in der Großstadt fällt es vielleicht nur nicht so auf.

    Hier erscheint mir jeder Tag als Großkauf-Kampftag, für mich unglaublich ermüdend. Daß Leute daran Vergnügen haben können …
    Oft ist es wahrscheinlich das Kaufen selbst, was zu einem kurzen Glücksmoment führt, hinterher verlieren die Sachen sofort an ideellem Wert. Insofern ist die Ladenbezeichnung oben von verblüffender Ehrlichkeit: Kauf!! – und du wirst glücklich. Man sollte die Drogenbehörde einschalten.

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  7. wie vielleicht schon öfters bekundet, habe ich eigentlich nichts gegen witziges marketing, aber die inflationäre platte dienstbarmachung der begriffe glück und liebe im zusammenhang mit kaufen finde ich fantasielos und doof, auch wenn es vielleicht ironisch oder metaironisch gemeint ist!

    ja, puppenklinik wäre viel schöner, und barbarpappa —

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  8. Ich glaube gar nicht, daß das ironisch gemeint ist. Am Kaufhof war mal ein Imbiß, der hieß „Iss!“, da war es schon fast ein Akt des Widerstands, wenn man daran vorbei ging, ohne was zu kaufen. Und hier ist das ähnlich: Jede Frau ist ihres Glückes Schmied, aber nur, wenn sie hier einkauft.

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  9. Ra-ru-rick, Barbatrick! Schade, daß es in echt nicht geht, sonst wäre wupp das Geschäft mit der Puppenklinik heute noch an Ort und Stelle.

    „Kauf dich glücklich!“ Irgendwann wird auch noch der Letzte kapieren, daß das nicht geht.

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  10. Ich habe manchmal das Gefühl, ich sollte besser nur noch Dinge kaufen, die sich verbrauchen. Leider kollidiert das sehr mit meiner Leidenschaft für Bücher. Nach wie vor würde ich gerne eine Bibliothek besitzen. Aber man stelle sich vor, damit umziehen zu müssen!

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  11. Das frage ich mich oft bei so kleinen Läden, wie das funktioniert. Kann natürlich sein, daß hier die Frau irgendeines Millionärs ihrer Langeweile entfliehen will. Mals sehen, wie lang das Geschäft sich hält.

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