Herbrandstr.

Ins „Herbrand’s“ im Stadtteil Ehrenfeld kann man sehr gut in einer großen Gruppe gehen, sollte aber nicht zu spät da sein, denn dann ist alles besetzt …

… und bei gutem Wetter wird es selbst in dem riesigen Biergarten eng (ich vermute, es ist einer der größten Kölns). Das Essen hier ist gut und bezahlbar, die KellnerInnen verlieren allerdings manchmal den Überblick. Das ist aber nachvollziehbar, der Gast muß halt mitdenken, sich erst bemerkbar machen mit wild rudernden Armen, und wenn die Kellnerin dann ratlos mit einem vollen Tablett in der Menge steht, ist es gut sich zu erinnern, was man bestellt hat, damit wenigstens einer weiß, für wen das ist.

Es gibt in dem Gebäude auch noch einen kleinen Konzertsaal für 200 bis 300 Gäste. Gespielt haben die „Singing Loins“, eine englische Folkband, echt nett, ich habe mich zwanzig Jahre zurückversetzt gefühlt.

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Galerie-Woche CityLeaks

Neulich habe ich einen Eintrag von mir betitelt mit „Graffiti-Festival CitiyLeaks„. Wie konnte ich nur! Inzwischen habe ich einen Artikel im „Kölner Stadtanzeiger“ (02.09.11) gelesen, ich zitiere:

„Allzu oft wird Streetart noch mit Graffiti verwechselt. Weshalb es Cityleaks-Mitveranstalter Georg Barringhaus wichtig ist, zu betonen: ‚Cityleaks ist kein Graffiti-Festival, sondern ein Festival für urbane Kunst.‘ Schließlich hat das, was in den drei Wochen des Festivals präsentiert wird, nicht unbedingt etwas mit illegalen Schmierereien an Hauswänden zu tun – sondern ist eine zeitgenössische Kunstform, die mittlerweile in Museen dieser Welt seinen Platz gefunden hat.“

Ach was. Diese Uminterpretation ist völlig an mir vorbeigegangen. Die Abgrenzungsbemühungen zur illegalen Graffiti-Szene ist merkwürdig und auch ein wenig abstoßend, da scheint jemand die Wurzeln dieser Kunst zu vergessen.

Vielleicht hängt es damit zusammen: Illegale Streetart (Graffiti, Urban Art) läßt sich vom Künstler selbst schwerlich vermarkten, die Kunst entzieht sich weitgehend dem Kunstmarkt. Also muß man raus aus der Illegalität und in Galerien ausstellen. Daß die Kunst dabei ihren subkulturellen Charakter verliert und zum Mainstream wird, darüber wird lieber nicht geredet, man zehrt einerseits noch von der antibürgerlichen Abenteuerer-Vergangenheit, distanziert sich andererseits aber schon mal von „illegalen Graffiti-Schmiereien“. Da muß man sich die Frage gefallen lassen, wie weit die Heuchelei in der Szene schon gediehen ist.

Seit dem Wochenende stellen die Künstler nun also an 14 verschiedenen Orten tragbare Werke aus, es darf gekauft werden. Nochmal ein Zitat aus dem „Stadtanzeiger:

„‚Kritische Denkanstöße geben‘, wie Mitveranstalter John Iven betont. ‚Wir präsentieren die Philosophie des Nichtschweigens.'“

Wow! Aha. Das ist allerdings nicht immer glücklich, so manches Wort hätte einen Mund besser nicht verlassen … die „Philosophie des Nichtschweigens“, soso. Aber egal: Das Maria-Bild oben ist für 12.900 Euro zu haben, das Kruzifix kostet 10.500 Euro und das Foto einer präparierten Schweinshaxe ist ein wahres Schnäppchen, 2.000 Euro.

Wenn man sich von den Preisen trennt und einfach nur durch die Ausstellungen schlendert, ist es natürlich trotzdem interessant, wie hier z.B. im alten Hochbunker in der Körnerstr. Ob die Figuren wirklich mal als Streetart konzipiert worden waren?

Hmm – ja, sowas kennt man …

Wer in der Nähe wohnt, sollte auf jeden Fall die ein oder andere Galerie besuchen, die Ausstellungen dauern mindestens noch bis zum 25.09., die Adressen findet man in dem Folder, den man sich herunterladen kann.

Graffiti-Festival CityLeaks

In Köln findet zur Zeit bis zum 25.09. das Graffiti-Festival „City-Leaks“ statt.

Großartige Werke entstehen besonders im Stadtteil Ehrenfeld und einigen wenigen anderen Orten der Stadt. Ich gebe hier nur ein paar Beispiele, Detailaufnahmen und weitere Werke dokumentiere ich nach und nach in meinem Blog „Kunstgeschichten„.

Die Wände wurden von Privatpersonen, aber auch von einer Wohnungsgenossenschaft zur Verfügung gestellt – ob auf Dauer, ist ungewiß. Zumindest in einem Fall wird eine Wand aufgrund von Nachbarprotesten wieder übertüncht.

Wann immer ich Zeit habe, radle ich durch Ehrenfeld, die Chancen stehen gut, einen Künstler bei der Arbeit zu sehen. Immer mache ich dabei die Erfahrung, daß alle Leute, Zuschauer, Passanten mit offenem Mund vor den Werken stehen und begeistert sind.
Auf der Citiyleaks-Homepage kann man sich einen „Programme Folder“ herunterladen, in dem ein kleiner Plan abedruckt ist, wo man welche Bilder findet, allerdings rate ich dringend, auch einen normalen Stadtplan mitzunehmen und den Ort an der angegebenen Adresse zu überprüfen – der Plan im Folder ist manchmal falsch und leitet in die Irre.

Venloer Str.

Manchmal sind die Schulden so groß, da kommt es dann auch nicht mehr darauf an. Als ich einmal ein paar Tausend Euro Miese auf meinem Konto hatte, habe ich meine Freundin zu meinem Geburtstag trotzdem groß ausgeführt, der Hunderter machte den Kohl auch nicht mehr fett. Und so verhält sich die Stadtverwaltung auch, allerdings ins millionenfache gesteigert, und eigentlich ohne daß es was zu feiern gibt.

Seit ungefähr anderthalb Jahren baut man nun schon an der Venloer Str. herum, einer der großen Ausfallstraßen Kölns, jedenfalls an dem Teil, der die Hauptgeschäftsstraße des Stadtteils Ehrenfeld bildet. 63 ausgewachsene Platanen hat man gefällt mit der Begründung, daß ihr Wurzelwerk den Straßenbelag nach oben drücken würde und die Straße nicht mehr eben sei. Bei der Gelegenheit wurde der Fahrradweg vom Bürgersteig zurück auf die Straße verlegt. Für beide Varianten gibt es natürlich Gutachten, in denen man nachlesen kann, weshalb die jeweilige Version die bessere ist, hier hat man sich nun für die zweite entschieden. Nach meinen Erfahrungen als Fahradfahrer ist es fast egal: Ist der Fahrradweg ein abgestzter Teil des Fußweges, kommen einem unaufmerksame Fußgänger ins Gehege, ist er dagegen Teil der Fahrbahn, wird er trotz Markierung von den Autos als zusätzlicher Parkplatz (2. Reihe) genutzt.

Neue Parktaschen wurden angelegt und 63 neue Bäume gepflanzt, immerhin, auch wenn es jetzt wieder 30 Jahre dauern wird, bis sie die Größe der vorherigen erreichen. Außerdem hat man besonders in den Kreuzungsbereichen den Asphalt mit Steinen aufgepflastert (s.o.), damit die Straße nicht so eben ist, was die Autofahrer ja nur zum Rasen verführt … moment, da war doch schon mal was mit „unebener Straße“? Über 1,7 Milionen Euro hat man es sich kosten lassen, einen Zustand künstlich herbeizuführen, der vorher natürlicherweise da war, stolze Leistung. Aber es geht natürlich noch besser:

In einem Kreuzungsbereich wurde ein Zebrastreifen aufgemalt. Man stellte allerdings fest, daß der von den stadtauswärts fahrenden Autofahrern wegen der Aufpflasterung gar nicht gesehen werden konnte. Da standen und stehen zwar die großen blauweißen Zebrastreifenschilder am Straßenrand, aber daß die im Zweifelsfall für Autofahrer keine Bedeutung haben, kennt man ja von der Autobahn: Die Schilder sagen z.B. eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h an, aber da die meisten sich nicht daran zu halten scheinen, muß das wohl ein Irrtum sein. In der Verwaltung legte man den Kopf in Denkerpose, und siehe da, eine Lösung nahte: Die frisch verlegte Aufpflasterung muß weg, stattdessen soll der gute alte Asphalt her, auf dem man den Zebrastreifen ja eh besser sieht. Allgemeines Schulterklopfen, freudige und erleichterte Gesichter: „Wieso sind wir nicht gleich darauf gekommen – wo ist der Schampus?!“

Wer eigentlich nichts zu feiern hat, muß den Grund eben selbst erfinden. Die zusätzlichen 10.000 Euro, die das kostet – egal, wer wird denn an der Sicherheit der Bürger sparen wollen! Prosit allerseits!

Odonien

… heißt das Land, in dem Dinosaurier ihr Unwesen treiben …

… kleine Trolle einen frech angrinsen …

… und riesige Strichmännchen auf einen herabschauen.

Odonien ist ein Künstlerstaat, ein „… Ort, an dem unabhängiger Künstler, Kulturarbeiter Medienaktivisten, Konzepter, Techniker u. Wissenschaftler Raum für Kunst, Kultur und Forschung bietet. Dies ist eine Reaktion auf die desolate Köllner kulturpolitische Situation und dem mangelnden Raum der Künstler für ihre Arbeiten.“, heißt es auf der Homepage. Begründet wurde er von dem Künstler Odo Rumpf (von dem neulich hier schon mal die Rede war).

Odonien ist aber nicht nur ein Skulpturenpark und Atelier, sondern auch Veranstaltungsort für Parties, Theater und Konzerte (hier singt zur verregneten Eröffnung der Biergartensaison gerade die Sängerin Alice Rose), und wer einen Ort für private Feiern braucht, kann sich hier einmieten.

Die Wegbeschreibung für die Gäste sollte aber genau sein, es könnte sonst zu peinlichen Verwechslungen kommen: Diese beiden Häuser in der direkten Nachbarschaft sind Bordelle. Das Geschäft muß sich lohnen, ich hatte keine Ahnung, daß das so große Gebäude sind. „Geld-zurück-Garantie“ – das macht mich jetzt doch neugierig: Für welchen Fall? „Irgendwie war das doch eher eine seelenlose, unangenehme Angelegenheit“, sagt der Kunde hinterher. „Ach herrje“, erwidert der Zuhälter, „das tut uns Leid, hier haben Sie Ihr Geld zurück.“

Aber nochmal zurück nach Odonien: Eine Fahrradblume.

Eine weibliche Mumie, ein Troll und im Hintergrund … ich würde sagen, eine Eule, oder?

Am Ausgang winkt noch einmal ein Dino ein freundliches „Auf Wiedersehen“ – bestimmt, auch wenn der Kaffee grauenhaft war, nächstes Mal trinke ich eben etwas anderes.

PS: Vielen Dank an die Blogfreundin und hervorragende Fotografin April Showers, die mir den Tipp gegeben hat.

Ehrenfeldgürtel

Wenn es hier blitzt, sind sicher so einige Autofahrer verschnupft, haben sie doch versäumt, darauf zu achten, worauf das Schild freundlich hinweist: Aufs Tempo. Wer dann bittere Tränen vergießt, wenn er ein paar Tage später ein Foto mit einem dümmlichen Ausdruck des eigenen Gesichts erhält, zusammen mit einer happigen Zahlungsaufforderung, dem empfehle ich ein Papiertaschentuch – und zukünftig eine gemäßigtere Fahrweise.

Insgesamt 25 sogenannte Starenkästen (stationäre Anlagen zur Geschwindigkeitskontrolle) gibt es in Köln, meinetwegen könnten es ruhig mehr sein. Nur elf von ihnen sind abwechselnd mit Kameras bestückt, aber man weiß nie, welche.

Stammstr.

Das Café und Restaurant Goldmund im Stadtteil Ehrenfeld könnte man fast mit einer Buchhandlung verwechseln: Ca. 3000 hauptsächlich fremdsprachige Bücher stehen hier in Regalen und können gelesen und/oder gekauft werden. Daneben gibt es einen Schwerpunkt Reiseliteratur, aber auch Kinderbücher.

Hier könnte man gut seine Nachmittage verbringen …

… wenn man denn einen Platz bekommt: Das Essen hier ist so ausgezeichnet und günstig, der Laden ist so gut wie immer voll, es gehört Glück dazu, einen freien Tisch zu erwischen.

Marx2

Der Inhalt von „Das Kapital“ sah früher anders aus – Bücher fälschen ist ja kein aristokratisches Privileg. Aber dieser Fall ist wirklich harmlos.

Graeffstr.

Das Herkuleshaus ist nicht etwa die 13. Arbeit eines starken Mannes, sondern heißt so, weil es in der Nähe der Herkulesstr. liegt. 1973 wurde es fertiggestellt, und das sieht man ihm auch an: Eine solche Farbgestaltung würde heute kein Architekt mehr durchsetzen können. Auf den 31 Stockwerken sind immer mal wieder Wohnungen frei, auf den schnellen Blick via Google aber hauptsächlich 1-Zimmerwohnungen von 34 m² für 450 Euro. Dafür gibt es einen 24-Stunden-Pförtner, einen Kiosk, Schwimmbad- und Sauna-Benutzung. In was für einem Zustand das alles ist, weiß ich allerdings nicht.

Ehrenfeldgürtel

Das Café Franck gibt es schon seit 1938, seit 2004 mit neuen Pächtern, die die alte Tradition mit kleinen Neuerungen aber weiterführen, zum Beipiel gibt es manchmal Lesungen oder Kleinkunst.

Die Möbel sind aus den 50ern und 70ern – jedenfalls sehen sie so aus. Aus dem alten Automaten kann man für 2 Euro Kreide, Knetgummi oder Plastiktiere ziehen.

Sehr gemütlich hier. Warme Küche gibt es nicht, aber Kuchen, der lecker aussieht (es war zu spät, ihn zu probieren). Wenn er so gut ist wie Kakao und Kaffee, lohnt ein Besuch unbedingt. Wochentags schließt das Café bereits um 19 Uhr, freitags und samstags allerdings wandelt es sich dann zu einer Lounge: Die Fenster werden abgedunkelt, das Licht gedimmt, die Diskokugel streut atmosphärische Lichtflecken, und es dudelt Lounge-Musik. Wer will, kann Cocktails bestellen. Das stört alles nicht weiter, aber wir sind dann doch lieber nach Hause gegangen. Aber wir kommen wieder – bestimmt.

Alter Güterbahnhof, Vogelsanger Str.

Auf mich machen städtische Brachen immer einen trostlosen Eindruck, aber es gibt viele, die diese Renaturierung auf Zeit mögen. Der alte Güterbahnhof in Köln-Ehrenfeld ist umgeben von Stadt, aber man fühlt sich wie auf dem platten Land. Ab und zu rattert ein Zug vorbei, sonst hört man nichts außer die eigenen Schritte. Natürlich ist das Gelände schon längst verplant: Bürgerinitiativen haben sozialen und humanen Wohnungsbau im Auge, eine lebendige Erweiterung des Viertels mit Kunst, kleinen Läden, Handwerk, Kindergärten und Grünflächen. Die Politiker, besonders die Stadtteilpolitiker, sind natürlich alle unbedingt dafür – allein, es fehlt die Macht und das Geld. Unterdessen hat die Bahn das Gelände an eine Versicherung (soviel ich weiß) verkauft, und Versicherungskonzerne sind ja bekanntermaßen ganz besondere Freunde alternativer Lebens- und Wohnvorstellungen. Wenn ich mich recht erinnere, war von einem Rieseneinkaufszentrum die Rede. Aber nichts genaues weiß man bis jetzt, und im Moment werden die alten Bahngebäude noch für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Und für Müll, den man vielleicht noch mal gebrauchen kann, zummindest gibt er schöne Muster.