Urlaub in Polen: Nationalmuseum Krakau

Heute geht’s ins Museum – angemessen bei der Hitze, die Räume sind klimatisiert. Was für ein Kasten! – jedenfalls von außen. Angefangen mit dem Neubau des Hauptgebäudes des Krakauer Nationalmuseums (es gibt noch neun Filialen) hat man 1934, und bereits 1970, also 36 Jahre später, waren die ersten Räume bezugsfertig. Eile mit Weile, es geht alles seinen realsozialistischen Gang. Für die Fertigstellung des ganzen Gebäudes brauchte man dann noch einmal 20 Jahre.

Innen auch Repräsentationsarchitektur, aber sehr viel charmanter als außen. Auf drei Etagen ist die Kunst verteilt: Polnische Kunst des 20. Jahrunderts, ein Museum für angewandte Kunst und ein Museum für Waffen aller Art sind ständig eingerichtet, daneben gibt es noch Wechselausstellungen.

Eine Plastik aus dem Jahr 1911 sehen wir hier, der Künstler Waclaw Szymanowski war ein Anhänger des Symbolismus. Keine Ahnung, ob das hier nur der Entwurf für eine Monumentalplastik war, wir sehen hier jedenfalls eine Allegorie der Freiheit und des nationalen Selbstbewußtseins des polnischen Volkes. „Prozession zur Wawel“ heißt das Werk: Angeführt von einer weiblichen Lichtgestalt pilgern Bürger und – zum Teil geflügelte – Soldaten zur Wawelburg, dem althergebrachten Königssitz der Polen – und das zu einer Zeit, als es Polen als souveränen Staat gar nicht mehr gab.

Um 1900 war der französische Einfuß auf alle europäischen Künstler groß, auch die polnischen sind da keine Ausnahme. Die „Japanerin“ von Jozef Pankiewicz erinnert nicht nur stark an Matisse, es wurde 1908 auch in Frankreich gemalt, wo der Künstler eine zeitlang lebte.

Kubismus konnte man natürlich auch, dieser Akt von Z. Pronaszko entstand 1917.

Das ganze Haus ist fast menschenleer, es gibt mehr Aufsichtspersonal als Besucher, wobei pro Ausstellungskomplex höchsten zwei Damen aufpassen. Die Flächen sind allerdings so riesig, daß man die meiste Zeit allein ist, verfolgt vermutlich nur durch das allgegenwärtige Auge der Überwachungskameras. Das Kosten-Einnahme-Verhältnis ist also denkbar schlecht, weshalb fast alle Ausstellungsräume dunkel sind, die Stromsparlampen werden jeweils über Bewegungsmelder gesteuert. Wenn man einen neuen Saal betritt, muß man erstmal etwas warten, bis die Lichter ihre volle Leuchtkraft entfaltet haben.

Der berühmte Schriftsteller, Philosoph und Maler Stanisław Ignacy Witkiewicz nannte sich wegen der Namensähnlichkeit mit seinem ebenfalls berühmten Vater „Witkacy“. Seine surrealistischen Bilder sind sehr eigen – man versteht sie etwas besser, wenn man weiß, daß der Künstler gewissenhaft auf jedem Bild die genaue Zusammensetzung der Drogen verzeichnete, die er vorher eingenommen hatte.

Dieses Bild von Tadeusz Kantor entspricht so gar nicht dem sozialistischen Realismus, ist aber überraschender Weise aus dem Jahr 1967 …

… und dieses von S. Rodzinski aus dem Jahr 1973. Die Kunstszene muß relativ liberal gewesen sein.

In der Wechselausstellung „Britische Fotografie“ stellt Tom Hunter Vermeer-Gemälde mit modernem Interieur nach: „Der Geograph“, „Schlafendes Mädchen“ und „Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster“. Sehr reizvoll.

Im Museum für angewandte Kunst stehen Möbel und Hausrat der vergangen Jahrhunderte, sehr liebevoll gemacht – aber alles viel zu viel für einen Besuch. Trotzdem, es macht Spaß, hier durchzuschlendern. Außer mir kein Mensch da, ich stelle mir vor, ich würde hier wohnen und jedes Zimmer wäre chronologisch nach Stilen eingerichtet, und je nach Lust und Laune halte ich mich da auf, wo es mir gerade paßt. Allerdings müßte ich dann auch überall putzen … nee, dann lieber nicht.

Die Waffensammlung – gut, warum nicht, es gibt auch Leute, die Briefmarken sammeln, und solange die Waffen hier an der Wand hängen und in Vitrinen lagern, werden sie wenigstens nicht für andere Dinge benutzt.

Das Highlight der Ausstellung kommt zum Schluß: Zwei gegenüberliegende Schützengräben vor stimmungssteigernder Fototapete, daneben die Aufforderung, man möge sich selbst und seine Kleinsten mit den bereitliegenden Uniformen bekleiden und mit den Gewehrattrappen aufeinander schießen. Pen peng – Du bist tot, schnell noch ein Foto, ach, was wär‘ das doch nochmal lustig im Schützengraben.

Fortsetzung folgt.

Urlaub in Polen: Salzbergwerk Wieliczka

Ca. 30 Bus-Minuten von Krakau entfernt kann man ein schon seit Jahrhunderten bestehendes Salzbergwerk besuchen. Es steht schon auf der allerersten Liste des UNESCO-Welterbes, übrigens ebenso wie die Altstadt Krakaus.
Erstmal geht’s über eine Treppe weit nach unten.

Zig Meter unter der Erdoberfläche durch schmale, zum Teil schummrige Gänge – unsere deutschsprachige Fremdenführerin, die nur für uns da war, beeilte sich zu erwähnen, daß der Aufzug in kürzester Zeit immer zu erreichen und das Belüftungssystem gerade erst erneuert worden ist – puh, dabei wollte ich gerade in Ohnmacht fallen. Früher waren die Gänge zum Teil nur 35 cm hoch – allein die Vorstellung läßt mich schlucken.

Das muß aber ganz früher gewesen sein, denn schon seit dem 17. Jahrhundert hat man Pferde eingesetzt, nicht nur für die Förderaufzüge, sie zogen auch Loren, teilweise sind die Schienen noch zu sehen.

Anders als beim Kohlebergbau stürzten Gruben aufgrund der Beschaffenheit des Steins hier nicht plötzlich ein, sondern die Decken senkten sich langsam und heimtückisch. Also verkeilte man Baumstämme in die Gänge, und wenn die plötzlich der Länge nach zerbarsten, wußte man, daß man was tun muß.

Diese Statue aus Salzstein stellt den König Kasimir den Großen dar, der, was man so hört, ein guter König gewesen sein muß. Salz war damals ein kostbares Gut, sein Ertrag deckte zeitweise ein Drittel des polnischen Staatshaushaltes – und Kasimir erlaubte allen, die hier arbeiteten, so viel Salz mitzunehmen, wie sie tragen konnten, sobald sie das Bergwerk verließen. Versteht sich, daß die Kumpel ihn verehrten.

Wenn man die ganze Zeit durch relativ enge Gänge gelaufen ist, biegt dann um eine Ecke und sieht diesen Saal in 100 Metern Tiefe – dann bleibt einem erstmal der Mund offen stehen. In Polen gibt es eine Unsitte (die ich vereinzelt aber auch schon woanders gesehen habe): Es reicht nicht aus, Eintritt zu bezahlen, irgendwann tritt jemand in Uniform auf dich zu und fragt nach der Fotografieerlaubnis. Hä? Macht ja nix, kann man gleich erwerben, kostet nochmal ein paar Zloty extra, oder man muß die Kamera einpacken. Ich muß sagen, einen besseren Standort als diesen konnte er sich nicht auswählen.

Alles aus Salz hier, selbst die Kronleuchter. Nur der Gedanke, daß vielleicht schon ein paar Millionen andere Touristen auf die gleiche Idee gekommen sind, hält mich davon ab, mal irgendwas abzulecken.

Ringsum Reliefs in den Wänden, die biblische Szenen wiedergeben (so langsam habe ich den Verdacht, daß ganz Polen ein einziges christliches Missionswerk ist). Wer den Künstler der Vorlage erkennt, darf das hier gern in einen Kommentar schreiben ;-).

Und wer ist dieser haarige alte Mann? Je heller das Salz, um so wertvoller. Gandalf? Albus Dumbledore? Na ja, jedenfalls so ähnlich.

Und weiter geht’s: Endlose Gänge, insgesamt 300 Kilometer auf sechs Etagen (wenn ich mich recht erinnere). Auf der fünften Etage gibt es ein Sanatorium für Atemwegserkrankungen, erzählt unsere Führerin. Ob das die Krankenkasse zahlt?

In der nächsten Halle gibt es eine kleine Pause, damit man sich alles genau ansehen kann – zufällig sind da auch ein paar Verkaufsstände.

Da geht es noch ein paar Meter nach unten (im 3. Untergeschoß ist für die Touristen Schluß). Da unten steht ein Nepomuk-Altar, zur Erinnerung: Johannes Nepomuk ist der Schutzpatron von Brücken und bei anderen Wassergefahren. Und weil hier mal bei einem Unglück ein Schiff gekentert und viele Leute ertrunken sind, steht der Altar hier. Wie bitte? Ein Schiff gekentert? Geschichten gibt’s, kaum zu glauben.

Diesen Saal kann man mieten. Mal ganz ehrlich – für meine Hochzeit hätte ich lieber was mit Aussicht.

Bevor es in einem unglaublich engen und klapprigen Aufzug wieder nach oben geht, hat man noch die Chance, Salz in jeglicher Form zu kaufen, z.B. als Halskette oder Brosche. Praktisch. Wenn man irgendwo mal eine fade Suppe serviert bekommt, läßt man einfach die Kette ein bißchen hineinhängen.

Fortsetzung folgt.

Urlaub in Polen: Krakow (Krakau), Altstadt und ‚Parky‘

Über der Krakauer Altstadt thront das Wawelschloß auf einem Hügel, früher residierten hier die polnischen Könige. Romanik, Gotik, Renaissance, Barock, Klassizismus – das Gebäude ist eine einmalige Zusammenstellung aufeinander folgender Stilepochen.

Senkt man den Blick, bietet sich einem dieses Bild: Alle Schüler Polens machen zu unserer Urlaubszeit ihre jährlichen Schulausflüge und folgen uns auf Schritt und Tritt. Das ist sicherlich nett gemeint, vielen Dank für das Vertrauen, aber es wird doch langsam etwas viel.

Wir könnten uns schnell etwas Proviant an einem der typischen Sesamkringelstände kaufen und mit der Kutsche flüchten – aber wo die uns hinbringen wird, wartet der Igel wahrscheinlich bereits wieder auf die Hasen, die wir sind.

Wir schlagen einen Haken und kehren ein in den Hof des Cafés „U Literatow“. Kein Schüler zu sehen.

Dafür aber auch keine Literaturnobelpreisträgerin. Aber was sollte ich mit der auch schon bereden, bisher hatte ich ja auch gar keine Ahnung von ihr: Laut unseres Reiseführers sitzt hier regelmäßig die Dichterin Wislawa Szymborska (Gedicht gefällig?), die den Preis 1996 erhiehlt, und ißt hier einen bestimmten Kuchen.

Einen Schokoladenkuchen ohne Mehl und Zucker, stattdessen mit einem Eierschaumteig – keine Ahnung, wie das funktioniert, aber er schmeckt ganz gut.

Wir warten noch ein bißchen, bis die letzte Schülerin vorbei ist – wir können es wagen, auf in den …

… Grüngürtel, der die ganze Altstadt wie ein Ring umschließt. Das ist wirklich einmalig, eine so geschlossene Grünfläche mitten in einer Großstadt habe ich noch nirgends gesehen. Der Gürtel entstand, als man Anfang des 19. Jahrhunderts die alte Stadtmauer abriß, an ihrer Stelle wurde der Park angelegt.

Ausfallstraßen gibt es natürlich, die ihn durchschneiden, aber nur ganz wenig Bebauung …

… wie z.B. dieses Café in der Nähe der Universität. Die Bedienung war sehr dösig, aber gut, vielleicht hatte sie einen harten Tag, wenn sie eine von den 150.000 StudentInnen ist und nun bei 30 Grad kellnern gehen muß. Man sitzt da jedenfalls sehr schön.

Nebenstraßen sind nicht so übervölkert.

Jazz-Musik ist ja auch eher nichts für die Massen. In dieser ihm gehörenden Kellerkneipe spielt der international bekannte Saxophonist Janusz Muniak mit seinem Trio.

Zu geringem Eintrittspreis Modern Jazz vom Feinsten – leider kam im Laufe des Abends eine immer größer werdende Anzahl von Amerikanern ins Lokal, die sich schreiend ihre Tageserlebnisse erzählen mußten. Alles Gezische der anderen Zuhörer und das Winken der Musiker half nichts – US rules the world, was so viel heißt wie: Die Welt gehört ihnen. Nervig!

Bedrohlich überwacht das Schloß das Geschehen (Kafka läßt grüßen), dabei gehen wir doch bloß in unser Appartement. Unten brennen Gedenkkerzen für den verunglückten Staatspräsidenten und sein Gefolge.

Fortsetzung folgt.

Urlaub in Polen: Krakow (Krakau), Ring und Altstadt

In Krakau, der zweitgrößten Stadt Polens und von vielen als die eigentliche Hauptstadt bezeichnet, findet demnächst ein Fest statt, auf das die Flügel, die an mehreren Stellen der Stadt stehen, hinweisen: Am 22.2. vor 200 Jahren wurde der Komponist und Pianist Frédéric Chopin geboren.

Durch das Florianstor geht’s auf die …

… Florianska, die teuerste Straße Polens (was die Mieten betrifft), die am zentralen Plaz endet.

Krakau ist endlich mal eine Großstadt, die nicht in Folge der Nazi-Barbarei verwüstet wurde, so daß das historische Bild der Altstadt gut erhalten ist. Der in der Mitte von den sogenannten Tuchhallen bebaute zentrale Platz, der größte Europas, mißt 200 mal 200 Meter und ist von unten kaum zu erfassen. Ein Besuch des Rathausturms gibt einen ungefähren Überblick.

Die gotische Marienkirche ist das Wahrzeichen der Stadt. Ihre unterschiedlichen Türme sollen der Legende nach von zwei Brüdern gebaut worden sein. Als der Ältere mit seinem Turm schon fertig war, war der Bruder noch am werkeln, und weil er Angst hatte, daß der Jüngere einen höheren Turm bauen könnte, erstach er ihn. Tze.

Seit dem 14. Jahrhundert spielt rund um die Uhr zu jeder vollen Stunde ein Trompeter eine kurze Melodie, die mitten im Ton abbricht – wirklich kein Automat, sondern ein Mensch, den man am Fenster stehen sieht, wenn man sich anstrengt. Er erinnert an den Mongolenangriff im 13. Jahrhundert, der den damaligen Trompeter mitten im Lied das Leben kostete. Das hört sich übrigens so an:

http://www.blog.de/srv/media/dewplayer.swf?son=http://data6.blog.de/media/981/4779981_164725ebc8_a.mp3

Auch Live-Musik machen diese beiden Musiker in traditioneller Bekleidung, allerdings erst, nachdem man sie bezahlt hat. Straßenmusik gegen Vorkasse, sozusagen.

Wem die bildenden Künste lieber sind als die darstellenden: Hier gibt es keine Stilrichtung, die nicht vorhanden ist.

Uff – nach soviel Kultur in der Sommerhitze brauchen wir erstmal eine Stärkung. Auch hier in einem der zahllosen Restaurants: Preiswert und gut.

Und wenn man Glück hat, laufen gerade zufällig ein paar historisch gekleidete Menschen vorbei – Karneval ist irgendwie überall und zu jeder Zeit.

Fortsetzung folgt.

Urlaub in Polen: Wroclaw (Breslau), öffentliche Kunst

Überall stehen in Breslau diese kleinen Männchen herum. Wir haben gefragt, und die die Antwort ist naheliegend: Es ist das deutsche Gartenzwergerbe, das sich hier vermutlich erhalten hat, vielleicht sind es sogr Verwandte der Kölner Heinzelmännchen.

Moderner ist diese ca. drei Meter hohe Plastik, wem sogleich die Doppelhelix einfällt, hat ganz recht: „DNA“ heißt es und ist von Miroslaw Struzik.

Auch modern, aber figürlich: Auf dem Campus-Gelände steht dieser Engel, etwas verdreht, aber schön mit dem polierten Flügel.

Ein Denkmal für die sogenannten Nutztiere. Wir saßen eine zeitlang daneben in einem Biergarten und konnten beobachten, daß es besonders auf kleine Kinder eine hohe Anziehungskraft hat.

Lebensgroß steht diese Gruppe an einer großen Kreuzung …

… verschwindet langsam im Untergrund …

… und taucht auf der anderen Seite wieder auf. Sehr eindrucks- und geheimnisvoll. Aber das Rätsel ist schnell gelöst: Die Skulpturengruppe erinnert an die Ausrufung des Kriegszustandes zur Eindämmung innerer Unruhen 1981 – die Gewerkschaft Solidarnosc war den Mächtigen zu einflußreich geworden. Dem eigenen Volk wurde also der Krieg erklärt, die Gewerkschaft verboten und ihre Führer ins Gefängnis gesteckt. Die Gewerkschaft arbeitete aus dem Untergrund weiter, 1989 wurde sie wieder zugelassen und einer ihrer Führer, Lech Walensa, wurde 1990 sogar zum Staatspräsidenten gewählt.

Die neue Freiheit ist allerdings nicht unproblematisch: Wer sich hier seine High Heels bricht, hat selbst Schuld.

Fortsetzung folgt.

Urlaub in Polen: Schlesien

Wir haben uns ein Auto geliehen und sind ein bißchen übers Land gefahren.

An dieser Stelle gab es schon immer eine Oder-Brücke, aber sie hat dem Ort Scinawa (Steinau) kein Glück gebracht, da eine Brücke zu Kriegszeiten auch immer strategisch wichtig ist. Schon im 14. Jahrhundert wurde die Stadt von den Polen niedergebrannt. Während des 30jährigen Krieges im 17. Jahrhundert kampierte Wallenstein ganz in der Nähe. 1945, der Krieg war so gut wie vorbei, mußten auf den sinnlosen Befehl der Generäle 3000 Soldaten sterben, die die Furt verteidigen, und nochmal 3000 Soldaten, die die Furt erobern sollten.

Zum Gedenken steht hier immer noch ein russischer Panzer auf dem Sockel, der aber unfreiwillig einen recht trostlosen Eindruck in einer trostlosen Gegend macht.

Frisch geputzte fröhlich bunte Häuser – sowas kann man sich nur in den touristischen Zentren leisten …

… die malerischen Dächer sind es nicht mit Absicht.

Die Gegend ist schön: Eine sanft gewellte Landschaft, in der noch viel Landwirtschaft betrieben wird. Der Verkehr hat sich allerdings dem westlichen Aufkommen angepaßt – im Gegensatz zu den Straßen und der Fahrweise: In geschlossenen Ortschaft darf man 40 km/h fahren, aber alle rasen wie die Irren. Zebrastreifen zeigen an, wo Fußgänger die Straße überqueren dürfen, aber nur, wenn gerade kein Auto kommt.

In Gorzyn (Guhren) verfällt das Schloß – das aber wohl schon immer eher eine Villa war, nur Schloß genannt wurde. Kein Geld vermutlich, und wozu auch – wohnen will da eh keiner, und Touristen verirren sich nur selten hierher.

In Trzebnica (Trebnitz) gibt es eine riesige Klosteranlage, das erste Frauenkloster in Polen, gestiftet von der Schutzpatronin von Schlesien, der Heiligen Hedwig, die auch hier begraben liegt.

Die gotische Kirche ist mit einer Pracht barockisiert ausgestaltet, wie ich es selten gesehen habe.

Das so beliebte Kerzenspenden ist sehr pfiffig automatisiert – gut, wenn Christbäume elektrische Lichter tragen, warum dann nicht auch die Fürbittkerzen elektrifizieren?

Auch im Klostergarten hat man Sinn für unfreiwilligen Humor, der Gärtner ist ein Freund von überdimensionierten Zierfiguren. Der Gartenzwerg mit dem deutschen Bierfaß ist bestimmt ein Meter groß.

Mitten im Wald steht diese kleine Kapelle – es ist Sonntag und der Andrang riesig. Die Gläubigen sitzen draußen und machen wie von unsichtbarer Hand geführt alle Bewegungsabläufe der Liturgie mit.

Wirklich nicht sehr geräumig innen …

… aber bei der Hitze stehen alle Fenster und Türen offen, so daß die Predigt nach draußen dringen konnte.

Oberhalb der Kapelle stehen Nischen mit Heiligen, vor denen man beten kann (oder was weiß ich). Die Eltern (links außerhalb des Bildes) locken allerdings mit süßem Obst, das ist im Moment wichtiger.

Fortsetzung folgt.

Urlaub in Polen: Wroclaw (Breslau), Universität und Dominsel

Gleich im Anschluß an den Ring erstreckt sich das Studentenviertel mit vielen kleinen Kneipen und Bars in engen Gassen bis hin zur an der Oder gelegenen Universität Breslau.

Auch die Universität hat eine riesige Kirche, hier sieht man eine der wenigen originalgetreuen Duplikate der Pietà von Michelangelo.

Berühmter ist allerding die „Aula Leopoldina“, einer der größten Barocksäle Europas. Er wurde nach dem Stifter der Universität benannt, dem Habsburger Kaiser Leopold I. Stellt sich die Frage: Was hat ein Österreicher mit der polnischen Universität zu tun?

Das hängt natürlich mit der wechselvollen Geschichte Schlesiens und seiner Hauptstadt Breslau zusammen: Seit ca. dem Jahr 1000 wird das Land von Polen regiert, dann 1335 bis 1525 untersteht es Böhmen und Ungarn, ab 1526 bis 1741 übernehmen die Habsburger die Macht. In diese Zeit fällt die Gründung der Universität, genauer gesagt: 1702. 1741 erobern die Preußen das Gebiet, bis 1945 entwickelt sich Breslau zu einer der größten Städte Deutschlands. Nach dem 2. Weltkrieg gehört Schlesien wieder zu Polen (wer Genaueres erfahren möchte, lese bitte bei Wikipedia nach).

Diese Figur verkörpert die Dummheit – zu schade, daß man die Dummen nicht tatsächlich an langen Ohren erkennen kann, viele TV-Sendungen könnte man sonst wahrscheinlich für reine Eselställe halten.

Allein das Treppenhaus ist schon imposant, es führt zu anderen beeindruckenden Sälen …

… ob die allerdings exemplarisch sind für die aktuellen Studienbedingungen, darf wohl bezweifelt werden …

… dieses Gebäude z.B. steht gleich nebenan.

Genug – auf geht’s zur Dominsel.

Das ist jetzt noch nicht der Dom, sondern bloß die Markthalle, hat aber auch was Sakrales, oder?

Zur Dominsel überquert man zwei kleine Brücken …

… und auch hier hat man schon von den Liebesschlössern gehört. Komisch, wie sich sowas herumspricht.

Gotisch, wie man sieht, 1244 bis 1341 erbaut, 98 Meter hoch. Der Kölner Dom ist ca. 50 Meter höher, hat dafür aber auch 650 Jahre länger gebraucht … gut, dafür ist er auch sonst größer. Und wir sind ja hier nicht in einem Wettbewerb.

Schön kühl ist es hier.

Die Kanzel wird grade restauriert. Das stört die Besucher aber nicht beim Beten.

Am Fuß der Kirche liegt ein großer botanischer Garten, sehr schön: Ruhe.

Fortsetzung folgt.

Urlaub in Polen: Wroclaw (Breslau)

Der zentrale Platz in Breslau – nach dem in Krakau der zweitgrößte Europas – wird „Ring“ genannt, da seine Mitte mit Rathaus und einem durch Passagen durchbrochenen Häuserblock bebaut ist.

Das gotische Rathaus hat den Kampf um Breslau im 2. WK unbeschadet überstanden, was man vom Rest allerdings nicht sagen kann.

Aber ganz offensichtlich hat man sich viel Mühe gegeben, das alte Gesicht des Platzes wieder herzustellen, auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, daß die Häuser früher auch so bunt angemalt waren.

Als wir da waren, wurde gerade irgendetwas gefeiert – auf der Bühne gab es ein ambitioniertes Jazz-Musik-Programm, überall standen Bierbuden mit Biersorten aus ganz Europa (puuh – kaum zu schaffen), tagsüber wurden auch regionaler Käse und andere Spezialitäten angeboten.

Auf großen Tafeln wurde dokumentiert, wie sehr Breslau sich in den letzten 20 Jahren verändert hat – vielleicht wurde ja die neue Freiheit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs gefeiert?

Dieser bedeutende Herr mit einer Schreibfeder in der Hand trägt jedenfalls eine Schmetterlings-Fliege, die ein Emblem für irgendetwas ist, denn man sieht das Zeichen überall – was es nur sein kann?

Ringsherum befindet sich eine Gaststätte neben der anderen – alle relativ gut besucht, die meisten glücklicherweise mit dreisprachigen Speisekarten. Deutsch wird hier noch viel gesprochen. Man kann man sich ruhig das teuerste Lokal aussuchen, denn Polen ist für deutsche Urlauber recht günstig.

Wo die Konkurrenz groß ist, muß man zu auffälligen Mitteln greifen, um auf sich aufmerksam zu machen. Mir tut nur der gute Mann leid, der bei knapp 30 Grad in diesem Kostüm herumlaufen muß.

Abends gibt’s Live-Musik von kleinen mobilen Kapellen, die von Terrasse zu Terrasse gehen, um ein paar Stücke zu spielen, und auch Feuerschlucker versuchen ihr Glück.

Eine riesige Brunnenanlage aus Glas, Stein und Stahl ziert den Platz – abends sieht es ganz hübsch aus.

Fortsetzung folgt.

Auf dem Weg nach Polen: Dresden

Dresden, wie es jeder kennt – jedenfall, wer in Dresden wohnt.

Wenn man erstmal durch das großstädtische Einerlei marschiert ist (hier halt östlich geprägt durch die Plattenbauten) …

… landet man da, wodurch Dresden überregional bekannt ist: Jede Menge Barockbauten.

Wirklich sehr eindrucksvoll, besonders, wenn man bedenkt, daß die Innenstadt in einem Umkreis von 15 qkm nach 1945 total zerstört war.

Bekanntlich hatten es die DDR-Bonzen ja nicht so mit dem Tourismus, was sich aber nach der Wende stark geändert hat, weshalb es auch Geld gibt, um immer noch weiter zu bauen an dem alten Stadtbild.

Und es lohnt sich: Obwohl wir in der Vorsaison hier sind, ist jede Menge Volk zu Besuch …

… das natürlich ausgerechnet Wurstwaren aus einem anderen Bundesland verdrücken muß – typisch!

Nicht weit von der Innenstadt gibt es einen riesigen Park …

… dessen Kentauren intime Einblicke gewähren.

Hauptattraktion der Stadt scheint jedoch im Moment die Frauenkirche zu sein, die – im 2. WK fast komplett zerstört – erst nach der Wende wiederaufgebaut wurde, was zu fast zwei Drittel durch Spenden finanziert wurde.

Und als hätte sie das übermütig gemacht, haben die Dresdener mit dem Elbtal ihren tourismusfördernden Status als Weltkulturerbe dem Straßenverkehr geopfert.

Dresden im Spannungsbogen zwischen Ostsandmännchen und Andrew-Lloyd-Webber-Musical – das Bild leuchtet mir sofort ein.

Ein Tag ist natürlich viel zu kurz, aber wenn ich mal wieder in der Nähe bin, schau ich nochmal rein. Adieu!

Fortsetzung folgt.