Stammstr.

Das Café und Restaurant Goldmund im Stadtteil Ehrenfeld könnte man fast mit einer Buchhandlung verwechseln: Ca. 3000 hauptsächlich fremdsprachige Bücher stehen hier in Regalen und können gelesen und/oder gekauft werden. Daneben gibt es einen Schwerpunkt Reiseliteratur, aber auch Kinderbücher.

Hier könnte man gut seine Nachmittage verbringen …

… wenn man denn einen Platz bekommt: Das Essen hier ist so ausgezeichnet und günstig, der Laden ist so gut wie immer voll, es gehört Glück dazu, einen freien Tisch zu erwischen.

Marx2

Der Inhalt von „Das Kapital“ sah früher anders aus – Bücher fälschen ist ja kein aristokratisches Privileg. Aber dieser Fall ist wirklich harmlos.

Antwerpener Str.

Es gibt in Köln spezielle Geschäfte für Pristerwäsche, Talare etc., aber das Geschäft, für das dieser Herr Werbung macht, ist es nicht. Es ist auch kein Laden für die Gothic-Szene, da besteht ja eine gewisse Verwandtschaft. Es ist ein ganz normales Bekleidungsgeschäft, wenn man sich so umkuckt … tja, ich bin ratlos. Das ist wahrscheinlich das wahre Alter: Nicht die Jahre, die man zählt, sondern das Unverständnis gegenüber Erscheinungen, die ganz normal zu sein scheinen, offenbaren die Zeit, die man bereits hinter sich gelassen hat.

Goldgasse

Wenn die Schwalben tief fliegen, gibt es Gewitter, heißt es. Und was bedeuten hoch hängende Fahrräder? Daß bald Frühling ist? Die Räder werden nervös und wollen endlich wieder los und laufen, und wenn sie ungeduldig an den Ketten reißen und nicht aufpassen, geht es schon mal über die Brüstung. Traurig. Ein Fahrrad macht jedenfalls noch keinen Sommer, das kann ich mit Sicherheit sagen, angesichts des Wetters der letzten Tage.

Die Goldgasse ist ein passender Rahmen für das bedauernswerte Gefährt: Ein kurzer vierspuriger Zubringer zum Hinterhof des Hauptbahnhofs. Links außerhalb des Bildes ist der häßliche provisorische Musical-Dom, auf dessen Abriß ich schon lange hoffe, welcher aber immer wieder verschoben wird. Das Kommerz-Hotel hat einen neuen Anstrich, hilft aber nicht viel: Immer noch ein grauer Stiftzahn in einem maroden Gebiß. Die Vertreter, die von ihren Firmen da einquartiert werden, wissen spätestens jetzt, daß man nicht viel von ihnen hält. Immerhin können sie in schlaflosen Nächten die an- und abfahrenden Züge, Busse und Taxis zählen, für Vehiclespotting ist dieser Ort ideal.
Wie kommt diese Straße bloß zu ihrem Namen? Zwei Erklärungen gibt es: Hier soll mal ein Goldschmied gewerkelt haben – klingt naheliegend. Die andere Erklärung riecht mehr nach Köln: Hier haben früher die von den Kölnern so genannten Goldgräber (oder „Joldjräber“) gewohnt. Und was waren die wohl von Beruf? Genau, Latrinenreiniger.

Rheinboulevard

So soll er einmal aussehen, der „Rheinboulevard“ auf der der Altstadt gegenüberliegenden Seite im rechtsrheinischen Deutz, ich hatte bereits hier davon anläßlich der Rodung des Baumbestandes an dieser Stelle berichtet.

Nun hat man also angefangen zu buddeln (das ist übrigens die andere Seite der Mauer in meinem vorletzten Beitrag) und – oh Wunder – ist quasi mit dem ersten Spatenstich auf historisch wertvolle Architektur gestoßen: Überreste des römischen Kastells aus dem 4. Jahrhundert, Überreste einer mittelalterlichen Kirche, Mauern eines mittelalterlichen Wehrturms und der Unterbau einer ehemaligen Drehscheibe des Bergisch-Märkischen Bahnhofs aus dem 19. Jahrhundert – insgesamt 1700 Jahre Stadtgeschichte auf einem Fleck. Tja, was macht man nun damit? Entgegen aller Erwartungen sagte das zuständige Grünflächenamt sofort zu, dieses historische Erbe müsse unbedingt erhalten bleiben. Der Kölner reibt sich die Augen: Eine Stadtverwaltung, in der die Kollegen Klüngel und Murks normalerweise das Sagen haben, hat von sich aus eine gute Idee? Kann doch gar nicht sein … und ist auch nicht so! „Erhalten“ nach des Amtes Sprachgebrauch heißt: Ausgraben, alles schön dokumentieren, wieder zuschütten, zubetonieren und hier und da ein paar Hinweisschilder, Markierungen im Pflaster und Sichtfenster in den Boden installieren. Kein Scherz!

Inzwischen gibt es eine Bürgerinitiative („Bürger für die Erhaltung des kulturellen Erbes in Deutz“), die sich dafür einsetzt, diese überraschende und bedeutende „Schatztruhe“ so instand zu setzen, daß das ganze Areal sicht- und erlebbar erhalten bleibt. Ich bin gespannt.

Breite Str.

100 freie Minuten für nur 19,95 „motl.“, und ein Handy gibt es als Zugabe? Ist ja Wahnsinn! Allerdings gibt es woanders viel mehr freie Zeit ganz umsonst, und von technischen Geräten bleibt man auch weitgehend verschont. Aber da steht ja: „Nur hier“, wenn man einfach nicht hingeht, besteht keine Gefahr.

„Also, Kevin“, hat der Chef vom Handygeschäft gesagt, „du bist jetzt im 3. Lehrjahr, wird Zeit, daß Du das Werbeplakat für diese Woche gestaltest.“ Und Kevin hat ganze Arbeit geleistet, von seinem Plakat werden sogar Fotos veröffentlicht!

Altstadtkneipe am Rhein

Ein Touristenrestaurant / -kneipe am Altstadtufer des Rheins, in dem es kaum einen Platz an der Wand gibt, wo kein Politikerfoto hängt, mag dem einen oder anderen – besonders Jüngeren – merkwürdig vorkommen. Und dann dieser Name: „Ständige Vertretung“ …

Das kam so: Anfang der 70er Jahre bemühten sich die Politiker der beiden deutschen Staaten DDR und BRD um eine entspanntere Beziehung und fanden es gut, Botschaften in den jeweiligen Hauptstädten einzurichten, also in Bonn und in Berlin (Ost). Eine Botschaft darf aber nur in einem souveränen Staat installiert werden, die DDR war in den Augen der BRD-Politiker und nach den Buchstaben des Grundgesetzes alles andere als souverän. Was tun? Ganz einfach: Man nennt die Einrichtung einfach um, die Botschaft heißt nicht mehr Botschaft, sondern „Ständige Vertretung“. Nach 1990 brauchte man die natürlich nicht mehr, die „Ständigen Vertretungen“ in Berlin (Ost) und Bonn waren überflüssig geworden, und der größte Teil der Bundesregierung samt anhängender Behörden zog um nach Berlin (West). Das paßte den Bonnern gar nicht, allein die Kaufkraft, die da wegzieht, vom Bedeutungsverlust und der Staatsknete mal ganz zu schweigen, aber es half alles nichts. Einer der Kämpfer gegen den Umzug machte aus der Not eine Tugend: Wenn nun die vielen verbeamteten Rheinländer nach Berlin ziehen, so dachte er, wollen die doch bestimmt nicht auf die einzigartigen rheinischen Spezialitäten („Blootworsch, Kölsch un lecker Mädsche“) verzichten, und machte dort im Regierungsviertel eine Kneipe auf, die er sinnigerweise „Ständige Vertretung“ nannte – eine Botschaft rheinischer Lebensweise im preußisch-protestantischem Berlin. Das hatte und hat so viel Erfolg, daß inzwischen quasi eine Kette (mit Lizenznehmern) daraus geworden ist: Es gibt nun auch eine „Ständige Vertretung“ in Hamburg, Hannover, Bremen – und in Köln. Das ist natürlich ein wenig merkwürdig, eine Botschaft für die rheinische Lebensart in der größten Stadt des Rheinlandes zu eröffnen, aber egal, hauptsache, der Rubel rollt.
Außerhalb der Hochsaison kann man da ganz gemütlich sitzen, das Essen ist das Übliche, wie in allen anderen Gaststätten der Altstadt – erträglich und zu teuer. Daran ändert auch ein Gebet zum Heiligen Joschka nichts.

Schattenreiter

Wilhelm Friedrich Ludwig alias Wilhelm I., erster Deutscher Kaiser – nicht Kaiser von Deutschland, worunter er gelitten haben soll. Och jee. Es gab bis 1918 über 1000 Kaiser-Wilhelm-Denkmäler – das mit dem Schattenpferd gibt es nur unter optimalen Bedingungen.