Rheinboulevard

So soll er einmal aussehen, der „Rheinboulevard“ auf der der Altstadt gegenüberliegenden Seite im rechtsrheinischen Deutz, ich hatte bereits hier davon anläßlich der Rodung des Baumbestandes an dieser Stelle berichtet.

Nun hat man also angefangen zu buddeln (das ist übrigens die andere Seite der Mauer in meinem vorletzten Beitrag) und – oh Wunder – ist quasi mit dem ersten Spatenstich auf historisch wertvolle Architektur gestoßen: Überreste des römischen Kastells aus dem 4. Jahrhundert, Überreste einer mittelalterlichen Kirche, Mauern eines mittelalterlichen Wehrturms und der Unterbau einer ehemaligen Drehscheibe des Bergisch-Märkischen Bahnhofs aus dem 19. Jahrhundert – insgesamt 1700 Jahre Stadtgeschichte auf einem Fleck. Tja, was macht man nun damit? Entgegen aller Erwartungen sagte das zuständige Grünflächenamt sofort zu, dieses historische Erbe müsse unbedingt erhalten bleiben. Der Kölner reibt sich die Augen: Eine Stadtverwaltung, in der die Kollegen Klüngel und Murks normalerweise das Sagen haben, hat von sich aus eine gute Idee? Kann doch gar nicht sein … und ist auch nicht so! „Erhalten“ nach des Amtes Sprachgebrauch heißt: Ausgraben, alles schön dokumentieren, wieder zuschütten, zubetonieren und hier und da ein paar Hinweisschilder, Markierungen im Pflaster und Sichtfenster in den Boden installieren. Kein Scherz!

Inzwischen gibt es eine Bürgerinitiative („Bürger für die Erhaltung des kulturellen Erbes in Deutz“), die sich dafür einsetzt, diese überraschende und bedeutende „Schatztruhe“ so instand zu setzen, daß das ganze Areal sicht- und erlebbar erhalten bleibt. Ich bin gespannt.

0 Antworten zu “Rheinboulevard

  1. das ist in wien nicht anders. aber wenn städte aus allen nähten platzen, ist das ein logischer tatbestand. was machst du mit dem alten steinerhaufen sonst? ein histor. biergarten oder spielplatz für kinder? mir fällt auch nix gscheites ein.

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  2. interessant! die könnten in der großen kesselstadt auch mal sich besser um ihren neckar kümmern, eine neckarpromenade a la köln …
    aber die haben ja nur diesen dusseligen untergrundhauptbahnhof mehr im koppe 😦
    have a nice we!

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  3. Die beiden Steiße da oben auf dem Plakat im Dialog.
    Er: Schatz, wußtest du, daß hier historisch wertvolles Bauwerk direkt zu unseren Füßen liegt.
    Sie: Ja?! Sollen wir es uns mal ansehen?
    Er: Sischer dat, da gehen wir gleich nachher mal auf die Website der Stadt Köln, da gibt es sicher tolle Farbaufnahmen davon.
    Sie: Ach, ich bin froh, daß wir in modernen Zeiten leben!

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  4. Ja, aber da sollen ja sowieso keine großen Aufbauten hin, sondern nur eine Boulevardgestaltung. Denkbar – und so schwebt es wohl auch der Bürgerinitiative vor – wäre z.B. die offene, begehbare Integration des historischen Materials in die neue Promeniermeile. Da hat man was zu kucken, fährt vielleicht sogar extra deswegen dahin, und als Tourist hat man schöne Fotomotive.
    Aber das kostet natürlich Zeit und Geld. All die schönen Pläne, die man ja schon erstellt hat, waren ja auch nicht billig, da ist Zuschütten die einfachste Lösung. Das eine solch überwiegend häßliche Stadt wie Köln auf etwas verzichtet, was die Stadt attraktiver machen würde und was ihr praktisch in den Schoß fällt, ist schon besonders blöd.

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  5. Genau! Aus dem Grund wurde schon verboten, Festzelte auf dem Neumarkt aufzustellen, die Befestigungshaken, die in den Boden getrieben werden müssen, könnten irgendwas kaputt machen. Wahrscheinlich müßte man keinen Meter graben, um auf Zugnisse aus der Vergangenheit zu stoßen.
    Aufgrund welcher Klüngelei der Zirkus Roncalli aber trotzdem regelmäßig sein Zelt dort aufschlagen darf, weiß ich auch nicht.

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  6. Das ist natürlich noch ausbaufähig: Man könnte doch die alten Bauten als Hologramm inszenieren, die virtuelle Welt also gleich mit der Realität verbinden. Und weil es so schön ist, machen wir das auch mit den anderen alten Gebäuden. Wo der Dom steht, z.B., sind die Bodenpreise am höchsten. Man sollte das Gebäude durch ein Hologramm ersetzen und stattdessen ein 15-stöckiges Parkhaus hinbauen. Unglaublich, welche Möglichkeiten die schöne neue Welt hervorbringt …

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  7. Wie Düsseldorf? Ja, um Himmels willen – ist da eine feindliche Übernahme im Gange? Der Kölner läßt ja viel mit sich machen, aber das … wenn die so weitermachen, haben wir hier bald ägyptische Verhältnisse.

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  8. Genial! Und wenn man noch weiter denkt und ein wenig daran arbeitet, könnte man sogar wunderbare Kulturwochen veranstalten. „Sehen Sie jetzt das Brandenburger Tor in Köln und den Kölner Dom in Berlin!“ Hologramm macht’s möglich.
    Oder für anreisende Japaner: All-in-one: Köln, jetzt mit Mailänder Dom, Atomium, Tower Bridge, Eiffelturm, Brandenburger Tor und der Altstadt von Heidelberg. Wie das spart!
    Außerdem könnte man so den Traum von 90% aller Ossis wieder erfüllen: Die Mauer aufbauen!

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  9. Gute Idee! Die Gefahr ist dabei allerdings, daß die Japaner auf die Idee kommen, das Ganze gleich im eigenen Land zu veranstalten, dann kuckt die Tourismusindustrie hier in die Röhre (bzw. auf für sie völlig unnütze Hologramme). Und wenn die Ossis dann merken, daß die neue Holo-Mauer genau so ein Hirngespinst ist wie der alte „realexistierende“ Sozialismus, geht die Meckerei wieder von vorn los – das will man nicht wirklich hören, oder? :>>

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  10. Damit wären wir schon zu fünft für einen Biergarten, vielleicht sollten wir eine Petiton einreichen. Die Kellner könnten in Tuniken gekleidet Bier in Hörnern ausschenken.
    Kann ich mir vorstellen, Trier ist ja genau so alt wie Köln.

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