Goldgasse

Wenn die Schwalben tief fliegen, gibt es Gewitter, heißt es. Und was bedeuten hoch hängende Fahrräder? Daß bald Frühling ist? Die Räder werden nervös und wollen endlich wieder los und laufen, und wenn sie ungeduldig an den Ketten reißen und nicht aufpassen, geht es schon mal über die Brüstung. Traurig. Ein Fahrrad macht jedenfalls noch keinen Sommer, das kann ich mit Sicherheit sagen, angesichts des Wetters der letzten Tage.

Die Goldgasse ist ein passender Rahmen für das bedauernswerte Gefährt: Ein kurzer vierspuriger Zubringer zum Hinterhof des Hauptbahnhofs. Links außerhalb des Bildes ist der häßliche provisorische Musical-Dom, auf dessen Abriß ich schon lange hoffe, welcher aber immer wieder verschoben wird. Das Kommerz-Hotel hat einen neuen Anstrich, hilft aber nicht viel: Immer noch ein grauer Stiftzahn in einem maroden Gebiß. Die Vertreter, die von ihren Firmen da einquartiert werden, wissen spätestens jetzt, daß man nicht viel von ihnen hält. Immerhin können sie in schlaflosen Nächten die an- und abfahrenden Züge, Busse und Taxis zählen, für Vehiclespotting ist dieser Ort ideal.
Wie kommt diese Straße bloß zu ihrem Namen? Zwei Erklärungen gibt es: Hier soll mal ein Goldschmied gewerkelt haben – klingt naheliegend. Die andere Erklärung riecht mehr nach Köln: Hier haben früher die von den Kölnern so genannten Goldgräber (oder „Joldjräber“) gewohnt. Und was waren die wohl von Beruf? Genau, Latrinenreiniger.

0 Antworten zu “Goldgasse

  1. Ne, ne, ist das trostlos, das ist Wasser auf die Mühlen des griesgrämigen Wettererlebnisses, bei euch müsste doch der Frohsinn herrschen dank des Karnevals.
    Na, mach was dran, ich verzieh mich wieder in die Miesmöppelschmollecke.
    🙂

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  2. Frohsinn nur abends in den Hallen und Kneipen und nur unter Hilfe von vielen Rauschmitteln. Wenn man dann am nächsten Morgen aus dem Haus muß, sieht es wahrscheinlich überall so öde aus, egal, wo man sich gerade aufhält. Die Stadtplaner und Politiker, die für die Goldgasse veranwortlich sind, müssen ein mächtiges Gelage hinter sich gehabt haben, als sie die Gegend entwarfen. Außerdem wohnen sie natürlich woanders.
    Ich hoffe, Du hast es warm in Deiner Ecke, dann läßt es sich gut schmollen. 😉

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  3. Ups – danke für den Hinweis! Bisher habe ich mein Rad noch herkömmlich angeschlossen und kann wohl nur von Glück sprechen, daß es noch nicht abgeschleppt wurde. In Zukunft also: Hoch hängen! 😉

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