Weyerstr.

Samstag Morgen um 05.30 Uhr – was meinen die jetzt damit? Von Freitag auf Samstag, oder von Samstag auf Sonntag? Und muß man schon so aussehen, wenn man in die Disko „Privilege“ hinein will, oder darf man sich dieses Aussehen auch während der Anwesenheit erarbeiten? Wieviel Chrystal Meth ist dafür nötig? Gibt’s auch genug XTC, damit ich überhaupt so lange wachbleiben und die monotone Musik aushalten kann? Und ist es nicht eine gemeine Geschlechterdiskrimierung, daß Männer zwischen 23.00 und 0.00 Uhr auch Eintritt zahlen müssen, während die Frauen so ‚reinkönnen? Heißt das, daß Frauen eigentlich keine Lust haben, in euren Schuppen zu gehen, weil da nur Idioten herumhängen? Fragen über Fragen – und ich befürchte: Keine Antworten.

Markusplatz

Der Markusplatz in Venedig ist so berühmt, daß sich die ansässigen Cafés alles erlauben können, z.B. kostet ein Espresso unter Umständen 12 Euro (inkl. 6 Euro „Supplemento Musica“ für live spielende Musiker, Stand 2013). Das kann einem auf dem Kölner Markusplatz nicht passieren, da gibt es nämlich gar kein Café, er ist eine Sackgasse mit Wohnhäusern. Kanäle mit Gondeln habe ich leider auch nicht gesehen.

Aber ganz in der Nähe gibt es ein Restaurant mit dem sprechenden Namen „Happy Happi“ – sowas hat nicht jeder! Was es da an Trinki-trinki gibt, weiß ich allerdings nicht, auch nicht, was einem serviert wird, wenn man einen Teller Schmackofatz bestellt.

Ausflug nach Aachen (2)

„Von diesen Stunden eine wird deine letzte sein“ – wie jetzt, heute? Von den zwölf, die da abgebildet sind? Nein, keine Sorge, irgendeine ist gemeint, der Spruch bedeutet: Bedenke, daß du sterblich bist, hau vorher ordentlich auf den Putz, laß die Sau raus, es könnte die letzte sein. Gut, das ist natürlich auch Quatsch, es bedeutet: Bedenke, daß du sterblich bist, und führe also dein Leben in Demut und Bescheidenheit und vor allem ohne (kirchlich definierte) Sünde, denn nach deinem Tod entscheidet sich, ob du in die Hölle kommst, „nur“ ins Fegefeuer (das muß doch ein Sadist gewesen sein, der sich sowas ausdenkt, oder?) oder in den Himmel.

Die „Armen Schwestern vom Heiligen Franziskus“, in deren Klostergarten das Sgraffito zu sehen ist, sind aber ganz munter und gehen – zumindest an diesem Tag der offenen Tür – der Sünde des pekuniären Gewinnstrebens nach: Sie verkaufen Kaffee und Kuchen und betreiben einen Flohmarkt. Ich habe ein bißchen in den Bücherkisten gestöbert und dabei Erstaunliches entdeckt: Neben einem Anti-Jesus-Brevier gab es viele Bücher von Konsalik: „Liebesnächte in der Taiga“, „Die Tochter des Teufels“, „Ein heißer Körper zu vermieten“ – ein interessanter indirekter Blick in die Bestände der Klosterbibliothek.

Der Aachener Rathausplatz – weit und offen, durch die Gastronomie am Rand, aber auch durch die Sitzplätze um den großen Brunnen bevölkert und genutzt:

Eine lebendige Athmosphäre, ein Platz, der trotz seiner Größe funktioniert (ein Negativbeispiel: Der Kölner Neumarkt an einem normalen Tag).

Printen gehören zu Aachen wie der Lebkuchen zu Nürnberg. Ich mag sie nicht besonders gern. Wer will, kann mal reinbeißen, aber ich übernehme keine Verantwortung für Zähne und Bildschirm.

Vielleicht schmecken sie besser, wenn man sie in Kaffee taucht? Wir haben es nicht ausprobiert.

Uns steht der Sinn nach Herzhaftem: In einem kleinen Restaurant am Hühnermarkt kann man gut und günstig essen.

Sehen und gesehen werden …

… wer es ruhiger mag, geht eine Ecke weiter.

Viele Geschäfte sind bereits geschlossen, was uns nicht stört, im Gegenteil, wir fahren ja nicht von Köln nach Aachen, um da einzukaufen. Aber man kann daran den sehr viel beschaulicheren Charakter der 200.000-Einwohner-Stadt erkennen. Der Esoterik-Laden verführt meine Begleiterin, einen Stimmungsring zu kaufen: Er kann die Farbe wechseln, je nach Stimmung des Trägers. Ich habe ihn anprobiert, der Ring behauptet, ich sei ruhig und gelassen. Das stimmt – Zauberei!

Auch das ist Aachen-Altstadt – solche Überraschungen kenne ich aus allen Städten, die im 2. WK zerbombt worden sind. Hier war ca. 65% des Wohnraums zerstört.

Ein paar Meter jenseits des Altstadtrings erkennt man, wieso trotz der vielen Studenten kaum Fahrradfahrer unterwegs sind: Es ist einfach zu hügelig. Manchmal denke ich, ich bin im Harz.

Ein schönes Beispiel klassizistischer Herrschaftsarchitektur, welcher Fürst hat hier gewohnt? Jetzt beherbergt es, einer Demokratie würdig, eine Jugendherberge mit Jugendzentrum für die Stadt … wer hat das geglaubt? Aufzeigen! Was ist mit dem Weihnachtsmann, gibt es den auch? Ja? Ah ja, verstehe. Das Gebäude wird natürlich weiterhin von Herrschaften genutzt, von der Aristokratie heutiger Zeit: Dem Geldadel. Es beherbergt das Casino.

Etwas abseits der touristischen Pfade: Der Willy-Brandt-Platz. Auch lebendig, angenehm unaufgeregt und normal. Das darf natürlich auf keinen Fall so bleiben, deshalb …

… werden alle Häuser abgerissen und ein neuer Konsumtempel errichtet. Müssen Stadtplaner eigentlich auch einen Kurs „Zerstörung von Lebensqualität durch architektonische Verschandelung“ in ihrem Studium besuchen?

Ob der Laden die (rein finanzielle) Umfeldaufwertung überleben wird?

Die leicht pompöse Brunnenskulptur öffnet und schließt übrigens ständig ihre Blätter – ein bißchen unheimlich.

Ein Nachmittag in einer Stadt, da bekommt man nur einen ersten Eindruck, aber der war gut. Vielleicht kommen wir mal wieder, um ein Museum zu besuchen. Bis dann.

Ende.

Ausflug nach Aachen (1)

Neulich, an einem Sonnabendnachmittag, war ich in Aachen. Die Altstadt ist klein und gemütlich, viele kleine Plätze finden sich rund um dem Dom …

… in dessen Oktogon, also einem achteckigen Rundbau, mit freischwebender Kuppel wir hier blicken. Die Kirche galt lange als architektonisches Wunderwerk, selbst heute kann man sich noch nicht zur Gänze erklären, wie die das eigentlich gemacht haben, ohne daß sie zusammenkracht. Es war Karl der Große, der sie um 800 erbauen ließ.

Die eindrucksvollen Mosaike sind allerdings jüngeren Datums (spätes 19. Jahrhundert). Der Ort, auf dem sich die heutige Stadt befindet, war aus einem bestimmten Grund schon immer besiedelt, der Name der Stadt weist selbst darauf hin: Aachen kommt vermutlich vom altgermanischen „ahha“ (wie „acha“ ausgesprochen) und bedeutet „Wasser“: Hier gibt es heiße Quellen, die bis zu 74 °C heiß werden können, was auch einer der Gründe war, wieso Karl der Große, der bis dahin wie seine Vorgänger ein nomadisierender Herrscher war, sich hier ansiedelte (die anderen waren Wälder, die eine gute Jagd versprachen, und – nicht zuletzt – die geostrategische Lage des Ortes).

Die Stadt wuchs und gedieh und wurde zur Krönungsstadt: Alle „deutschen“ Könige wurden hier bis 1531 gekrönt, über 30 Herrscher saßen auf dem Karlsthron, den man noch heute besichtigen kann. Ein Blick in den gotischen Anbau mit seinen gewaltigen Glasfenstern (die höchsten gotischen in ganz Europa): Warum stehen da zwei pompöse Reliquiare? Meine Begleiterin hatte sogleich eine Vermutung: Karl der Große war so groß, daß er in einen Schrein nicht hineinpaßte, weshalb man nun von Karl dem Zerstückelten sprechen müsse. Klingt naheliegend, stimmt aber nicht: Im hinteren Schrein liegen die Gebeine Karls (ab einem bestimmten … äh, Alterungsprozeß läßt sich da ja einiges zusammenschieben), der vordere wird Marienschrein genannt und enthält die sogenannten vier großen Aachener Heiligtümer, als da sind: Ein Kleid der Jesus-Mutter Maria, eine Windel von Jesus, sein Lendentuch, das er am Kreuz getragen hat, und das Enthauptungstuch von Johannes dem Täufer, also das Tuch, in dem der abgeschlagene Kopf des Mannes begraben war. Alle sieben Jahre werden die Heiligtümer während eines Festes, genannt Heiligtumsfahrt, aus dem Schrein geholt und …

… auf dem Katschhof der Allgemeinheit vorgeführt und strahlen dann irgendwie irgendwas ab, was gut für einen sein soll. Im Rahmenprogramm wird eine Jungfrau durchgesägt Kein Scherz, früher wurden trichterförmige Hörner verkauft, mit denen man nur einen Ton erzeugen konnte (eine frühe Form der Vuvuzela), die man entsprechend in die Höhe halten mußte, um von den Strahlen (oder was weiß ich) möglichst viel aufzufangen. Besonders Findige hielten konvexe Spiegel an Stangen hoch, in der Überzeugung, daß es auf sie abstrahlte, wenn sie dann selbst hineinsahen.
Von den Heiligtümern wird nur das Kleid entpackt, die anderen Gegenstände müssen durch eine Verpackung wirken, und damit man weiß, was was ist, sind sie mit verschiedenfarbigen Bändern umwickelt. Die Bänder für die Windel sind sinnigerweise gelb und nicht braun – man kann also aufatmen.
Natürlich hat man inzwischen herausgefunden, daß sämtliche Textilien aus späteren Jahrhunderten stammten, aber auf die Feier von Lug und Betrug mag man trotzdem nicht verzichten, man macht das schon so lange, außerdem kommen die Leute doch trotzdem, bringen viel Geld in die Stadt, und vielleicht weiß es der ein oder andere Depp ja auch nicht und das Brimborium festigt seinen Glauben an die Kirche.
Will noch jemand wissen, was die drei „kleinen“ Heiligtümer sind? Ein Gürtel von Maria, ein Gürtel von Jesus und sein Geißelstrick, ein Schnürsenkel, eine Schnabeltasse – da muß ein cleverer Sammler am Werk gewesen sein, der diese Dinge frühzeitig gehortet hat.

Fortsetzung folgt.

Aprilwetter

Neulich war ich erstmalig versucht, vielleicht doch ein Smartphone anzuschaffen: Frisch gezapftes Bier als App, wie die Tageszeitung verspricht, dazu kann ich einfach nicht nein sagen. Aber es war natürlich wieder mal alles gelogen (wäre ja auch zu schön gewesen): Man kann sich eine Liste der Biergärten in der Umgebung als App herunterladen, oder ansehen, oder was auch immer man damit macht. Braucht kein Mensch …

… jedenfalls nicht, solange das Wetter nicht mitspielt. Schal und Handschuhe haben noch lange nicht ausgedient …

… und immer einen Schirm dabeizuhaben kann auch nicht schaden.

Alte Wallgasse, Blick auf die Ehrenstr.

Da unten, an der Schnittstelle von fünf Straßen, war früher eine Tankstelle, ich konnte die Anlage noch sehen, als ich vor nun genau 30 Jahren nach Köln zog (ich finde einfach kein Foto davon im Netz). Nun ist da ein trendiger Italiener. Aber das wollte ich gar nicht erzählen …

… auch nicht von der gewagten Dachgeschoßkonstruktion (von dekonstruktivistischer Architektur habe ich hier schon mal erzählt) …

… sondern aufmerksam machen auf die Figur des Streetartisten Marc Jenkins, dessen Homepage zu besuchen ich empfehlen kann.

Hier hatten wir schon mal zwei seiner Figuren (2013 habe ich sie schon einmal gezeigt).

Universitätsstr.

Das ist eine Litfaßsäule …

… und das ist keine Litfaßsäule (mehr), fotografiert aus der gleichen Perspektive, ein Tag später …

… und das ist auch keine Litfaßsäule, wiederum ein paar Tage später fotografiert, sondern eine City-Light-Säule, von innen beleuchtet, es soll sogar welche geben, die sich drehen können. Das Problem: Eine solche Werbefläche kann man nur als Ganzes mieten, alternative Kulturträger, aber auch städtische Museen und Theater, die mit den Litfaßsäulen eine bezahlbare Möglichkeit hatten, für sich zu werben, schauen nun in die (beleuchtete) Röhre.
Es heißt, von 671 Litfaßsäulen sollen 600 verschwinden, stattdessen stellt man 300 von den neuen Säulen auf. Das zuständige Fachamt der Kölner Stadtverwaltung hält dagegen: Von den 671 Betonsäulen sollen sogar 500 bestehen bleiben. Was stimmt nun? Vielleicht sollte man mal die Firma Ströer fragen, die hat den neuen Werbenutzungsvertrag mit der Stadt ausgehandelt.
Die neuen Säulen sind häßlich und aufdringlich, haben aber ein Gutes: Bei den Firmen, die hier werben, werde ich in Zukunft garantiert nichts einkaufen.

Neulich gegenüber

Bitteschön! – so arbeitet die Feuerwehr: Umsichtig, trainiert, einsatzbereit. Nur, damit kein Verdacht aufkommt, ich würde die Mitbürger, die für unsere Sicherheit sorgen, in ein schlechtes Licht rücken wollen.
So was Ähnliches ist mir auch schon passiert: Eine Freundin dachte, weil sie mich telefonisch nicht erreichte und ich auf die Türklingel nicht reagierte, ich läge röchelnd oder schon verstorben in meiner Wohnung. Also rief sie einen Polizeibeamten, der nach kurzem Zögern die Feuerwehr alamierte, die mit einem Leiterwagen die Straße absperrte und durch mein offenes Schlafzimmerfenster in meine Wohnung kam. Ich lag derweil fröhlich bei lauter Musik auf meinem Wohnzimmersofa, ein Buch vor der Nase, und staunte nicht schlecht, als plötzlich zwei Feuerwehrleute die Tür öffneten. Es stellte sich heraus, daß das Telefonkabel defekt war. Der Polizist erklärte das Vorgehen damals, daß nicht soviel Schaden entstehen würde, wenn man durch ein (in meinem Fall ja sogar offenes) Fenster einsteigt, als die Haustür aufzubrechen.
Was da bei mir gegenüber passiert ist, weiß ich nicht, aber es wird nichts Schlimmes gewesen sein, keiner der Anwesenden war hektisch, die Sanitäter waren sehr schnell wieder verschwunden, ohne jemanden hinauszutragen, und selbst das Fenster ließ sich von innen offenbar mühelos wieder schließen.

Bahnhofsvorplatz

Als ich als Kind Matchbox-Autos sammelte, ging ich davon aus, daß mein Polizeiauto selbstverständlich das schnellste ist (schneller als der Jaguar meines älteren Bruders, dem ich mich daher ganz gelassen überlegen fühlte): Wenn die Gauner und Kriminellen besser ausgerüstet sind als die Sicherheitsorgane eines Landes, besser aussehen und stärker und körperlich fitter sind – ja, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, daß die keine Angst vor Strafe haben. Das konnte einfach nicht sein.
Tja, älter werden heißt, Illusionen zu verlieren.

Chlodwigplatz

Früher hieß es, Köln sei die nördlichste Stadt Italiens, vermutlich wegen der vielen italienischen Einwanderer (die früher Gastarbeiter genannt wurden). Ob es der importierten mediterranen Lebensweise zu verdanken ist, daß die Kölner nun beim kleinsten Sonnenstrahl Stühle vor die Kneipentür stellen, auch wenn die geringe Breite des Bürgersteigs das kaum zuläßt, ist reine Mutmaßung – vielleicht ist dieser Vorgang auch eine Folge der „Eventisierung“ des Lebensstils: Sobald es das Wetter zuläßt, muß eine partyähnliche Situation geschaffen werden, man kauft also alkoholische Getränke und was zu knabbern ein und trifft sich bis spät in die Nacht auf öffentlichen Plätzen, und wenn einer Musik dabei hat: Um so besser. Einer dieser Plätze ist – oder vielmehr war – das Grundstück im Kreisverkehr am Chlodwigplatz. Im Kreisverkehr, richtig gelesen, viel Autoverkehr ringsherum und mittendurch die Straßenbahn, eigentlich ein Nicht-Ort (Dank an Blogfreund Trithemius, der mich auf die Theorie der Nicht-Orte aufmerksam gemacht hat), aber das stört die Feierwilligen nicht, eine zeitlang stand da sogar ein Sofa. Gern setzten die Leute sich auf einen der fünf Lichtschächte für die neue Ubahn, die mit Panzerglas abgedeckt sind – zu gefährlich, befanden die Kölner Verkehrsbetriebe, sprachen von „Mißbrauch“ und ließen es sich knapp 40.000 Euro kosten, die Schächte mit Zackenplatten zu bedecken. Ob Köln nun bald als Stadt der Fakire bezeichnet wird, bleibt abzuwarten.