Chlodwigplatz

Früher hieß es, Köln sei die nördlichste Stadt Italiens, vermutlich wegen der vielen italienischen Einwanderer (die früher Gastarbeiter genannt wurden). Ob es der importierten mediterranen Lebensweise zu verdanken ist, daß die Kölner nun beim kleinsten Sonnenstrahl Stühle vor die Kneipentür stellen, auch wenn die geringe Breite des Bürgersteigs das kaum zuläßt, ist reine Mutmaßung – vielleicht ist dieser Vorgang auch eine Folge der „Eventisierung“ des Lebensstils: Sobald es das Wetter zuläßt, muß eine partyähnliche Situation geschaffen werden, man kauft also alkoholische Getränke und was zu knabbern ein und trifft sich bis spät in die Nacht auf öffentlichen Plätzen, und wenn einer Musik dabei hat: Um so besser. Einer dieser Plätze ist – oder vielmehr war – das Grundstück im Kreisverkehr am Chlodwigplatz. Im Kreisverkehr, richtig gelesen, viel Autoverkehr ringsherum und mittendurch die Straßenbahn, eigentlich ein Nicht-Ort (Dank an Blogfreund Trithemius, der mich auf die Theorie der Nicht-Orte aufmerksam gemacht hat), aber das stört die Feierwilligen nicht, eine zeitlang stand da sogar ein Sofa. Gern setzten die Leute sich auf einen der fünf Lichtschächte für die neue Ubahn, die mit Panzerglas abgedeckt sind – zu gefährlich, befanden die Kölner Verkehrsbetriebe, sprachen von „Mißbrauch“ und ließen es sich knapp 40.000 Euro kosten, die Schächte mit Zackenplatten zu bedecken. Ob Köln nun bald als Stadt der Fakire bezeichnet wird, bleibt abzuwarten.

0 Antworten zu “Chlodwigplatz

  1. Es geht doch nichts über eine mütterlich besorgte Stadtverwaltung. Ich bewundere in Berlin ja schon lange, wie man sich so unbequeme Sitzgelegenheiten auf Bahnsteigen ausdenken kann (und klar ist auch, warum), aber diese „Nagelbretter“ sind noch mal einen Zahn schärfer. Bei der Summe, die Du andeutest, fragt man sich ja, ob nicht tragfähige Panzerglasabdeckungen vielleicht sogar billiger gewesen wären. So was sehe ich doch sogar auf Fußwegen.

    Was die Sitzgelegenheiten vor den Lokalen angeht, ist mein Eindruck hier in der Hauptstadt, dass nicht ihr Vorhandensein die Jahreszeit verkündet, sondern nur der Umstand, ob diese billigen Mikrofaserdecken auf den Stühlen liegen oder nicht.

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  2. Sieht irgendwie unheimlich aus.
    Kann man da Atommüll lagern? 😉

    Für was alles Geld ausgeben wird,
    und für welche Dinge es eben keins
    gibt. :no: Bei uns in Frankfurt ist
    so eine unselige Pollerietis und
    Kandelaberitis zu beobachten. Wer
    denkt sich bloß diese bescheuerten
    Stadtmöblierungen aus? 🙄

    Metallschrott und Steine, die nutz-
    los und störend in der Gegend stehen
    und dazu auch noch potthässlich sind.

    So einen Partytreff gibt es hier auch:
    der Friedberger Platz. Und natürlich
    die Beschwerden wegen Krach und
    Wildpinklern – ja das kenne ich. :))

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  3. Hi Videbitis,

    so sein mega Schwachfug!!! Ehrlich…warum den Menschen denn immer die Plätze nehmen?!
    Immer dieses „Einengen“ wollen, diese „Das macht man nicht“-Mentalität… :>
    Ich finde, da kann Köln sich mal von anderen Städten ne Scheibe abschneiden.
    In anderen wird das zusammen sein gefördert und nicht mit allen Mitteln versucht zu unterbinden… :crazy:

    Sorry, aber so ein Scheiss… entschuldige bitte meine Wortwahl… :no:

    LG mosi

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  4. Sie haben sogar Panzerglasabdeckungen installiert (jetzt unter der neuen Abdeckung), auf denen man allerdings wunderbar sitzen und die Füße baumeln lassen kann, und angeblich ist es nicht sicher, ob sie auch halten, wenn zu Karneval zwölf Leute samt Verkleidung daruf herumhopsen.

    Ja, verrückt, das gibt es hier auch, besonders bei Gaststätten in der Altstadt, deren Bestuhlung das ganze Jahr über draußen steht.

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  5. Das Blöde ist oft: Gibt es keine Poller, parken die Autos, wo sie wollen.

    Das gibt es hier an mehreren Plätzen, besonders schlimm am Brüsseler Platz, im Sommer halten sich da Tausende Menschen auf, mitten im Wohngebiet, die Anwohner haben das Nachsehen.

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  6. Ich verstehe, was Du meinst: Wenn die Leute sich Plätze suchen, wo man sich trifft und quatschen und kennelernen kann, ist das doch gut, die Stadt ist für die Menschen da, nicht umgekehrt.
    Die Kehrseite: Viele Leute sind laut und rücksichtslos, lassen ihren Dreck fallen und liegen, wo sie gerade stehen, und urinieren in Hauseingänge und Hochbeete, wie es seit Jahren am Brüsseler Platz passiert. Für die Anwohner, die die Beete freiwillig und auf eigene Kosten pflegen, ist das nicht angenehm, vom allnächtlichen Lärm mal ganz zu schweigen.
    Was mich noch stutzig macht: Welche Aufenthaltsqualität hat das Innere eines Kreisvekehrs? Ich weiß nicht, ob du den Chlodwiplatz so genau kennst, da ist echt viel Vekehr drumherum, und dann noch die Straßenbahnen, die alle 10 Minuten den Platz kreuzen …

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  7. Eine ähnliche Installation soll es vor nicht allzu langer Zeit an einem mir mittlerweile wieder unbekannten Ort gegeben haben, um Obdachlose davon abzuhalten, sich unter Brücken oder Vordächern (ähnlich dem fliegenden Teppich von neulich :yes:) zum Schlafen niederzulegen. Nach allgemeiner öffentlicher Aufregung und einem Aufschrei des Protests wurden die Pieker wieder entfernt, aber sehr wahrscheinlich in Köln recyclet, wie mir scheint.

    Gemein haben beide Beispiele, dass man es den Menschen wohl schwer machen will, sich niederzulassen, egal in welcher Hinsicht. Meiner Meinung nach zäumt man das Pferd damit eindeutig vom falschen Ende her auf. Wäre es nicht sinnvoller, das Wohnzimmer unter freiem Himmel zu fördern? Dann setzt sich auch keiner mehr auf die Oberlichter. Kostet bestimmt auch nicht mehr als die Piekdinger; wahrscheinlich sogar weniger. Kann man ja ähnlich wieder Urban Gardening der Bäume auch in die Hände der Anrainer legen?

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  8. sorry, wenn ich mich in eure unterhaltung mische. meiner meinung soll damit verhindert werden, dass spontaner protest entstehen kann, wenn menschen sich in großen gruppen treffen. der staat sieht seine bürger lieber abends in den vier wänden vor dem fernseher sitzen, wenns geht mit flasche bier und chips.

    deswegen lässt sich der staat auch die scheinbare sicherheit einen millionenbetrag kosten.

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  9. Ja, genau. Das ärgert mich einfach manchmal.

    Stimmt, da hast Du auch wieder recht.
    Doch, doch, ich weiß wo er ist und was drum herum los ist.
    Aber vllt. ist genau DAS der Reiz?!
    Ich weiss es nicht…

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  10. Plätze zum Feiern, herumsitzen, abhängen gibt es ehrlicherweise genug in Köln. Aber grundsätzlich hast Du Recht, die Stadtbenutzung ist in einem ständigen Wandel, die Verwaltung registriert das auch, macht aber nichts. So stellt man schon seit ein paar Jahren fest, daß immer mehr Leute mit dem Rad fahren – man ist schneller als mit dem Auto, es ist billiger und gesünder, außerdem ist das Auto nicht mehr so ein Statussymbol wie früher; selbst wenn junge Leute aus praktischen Gründen ein Auto haben, benutzen sie es oft nicht. Alle, die das wissen, sind der Meinung, daß man die Stadt entsprechend umbauen müßte, wie es in Holland vielerorts bereits passiert ist: Z.B. könnte man von vierspurigen Straßen zwei für Fahradfahrer reservieren, großflächige Radzonen vor Ampeln installieren usw. Stattdessen nimmt man in Kauf, daß die Unfallzahlen überproportional steigen, an denen Rafdfahrer beteiligt sind.

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  11. Kein Problem.

    Von Protest kann hier allerdings nicht die Rede sein, die Leute wollen nur feiern und abhängen. Ich könnte mir eher vorstellen, daß man Angst hat, daß hier irgendjemand angetrunken mal unter die Räder kommt, und dann heißt es: Wer ist Schuld? Wer hat toleriert, daß die da abhängen? Und wer trägt die Kosten?

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  12. Ah – sieht ganz ähnlich aus, aber die Kölner Zacken sind aus Metall. Die Aktion mit den Hartgummimatten erscheint mir etwas hilfslos, ob sich Kabeldiebe wirklich davon abschrecken lassen? Prorail sollte sich mal bei der KVB erkundigen.

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