Stadt am Strand

 

Niedrigwasser, aber ein paar Schiffe fahren noch, wenn auch nur mit vermindeter Last. Trotzdem sollte man nicht Schwimmen gehen, die Flüsse in Deutschland sind sehr tückisch, an keinem Ort ertrinken mehr Leute.
 

Wer klug ist, setzt sich in den Schatten, wer schön sein will, läßt sich von der Sonne bräunen und bekommt dafür eines Tages den Ehrentitel „Alter Lederstrumpf“ – wenn man nicht vorher von Hautkrebs dahingerafft wird.

Ich weiß nicht, ob das ein Geheimtipp ist, aber man findet fast immer einen schattigen Platz auf den öffentlichen Terrassen der Vereinshäuser an der Alfred-Schütte-Allee, die rechtsrheinisch parallel zum Fluß verläuft.

Meine Begleiterin nennt mich manchmal Kaffeetante – Frechheit! Nur, weil ich auch bei über 30 Grad im Schatten auf meinen Sonntagnachmittagskaffee und -kuchen ungern verzichten würde. Leider macht Café Braun gerade Sommerferien (falls es euch interessiert).

Ausflug nach Basel (6)

Das Museum Tinguely wurde 1996 eröffnet. Es ist ein Geschenk der Pharmafirma Roche zu ihrem eigenen 100-jährigen Jubiläum an die Stadt – und natürlich auch ein Unterbringungsort für die Kunstwerke, die die Firma bis dahin gesammelt hatte. Das kennen wir ja auch schon von anderen Mäzenen: Die Damen und Herren Multimillionäre und -milliardäre finden Kurzweil im Sammeln von Kunst, und da für sie kein Preis zu hoch ist, schaffen sie sich eine meist sehenswerte Bilder- und Skulpturenkollektion an, für deren Unterbringung und Ausstellung dann die Öffentliche Hand aufkommen muß. Letzteres hier nicht: Auch der Betrieb des Museums wird komplett von Roche finanziert. Vielleicht hängt es damit zusammen, daß Roche ein paar Etagen unter dem Museum, also tief in der Erde, eine Wasseraufbereitungsanlage erbaut hat, wo das Wasser gereinigt wird, das die Firma dem Rhein für eigene Produktionszwecke entnimmt.

Zum Zeitpunkt der Eröffnung war der Schweizer Künstler Jean Tinguely (1925-1991) schon fünf Jahre tot, aber er hatte es noch miterlebt, daß man ihm und seiner Kunst zu Ehren dieses Haus errichten wollte. Das war durchaus keine Selbstverständlichkeit: In seinen frühen Künstlertagen war Tinguely das, was man einen Bürgerschreck nannte (ich weiß gar nicht, ob der Ausdruck heute noch gebräuchlich ist).

So hat er z.B. vorm Mailänder Dom eine große verhüllte Skulptur errichten lassen, die sich nach der Enthüllung als erigierter Penis samt Hoden zu erkennen gab (Foto links; die Testikel sind mit vergoldeten Plastikfrüchten behängt – Details können ja manchmal wichtig sein). Als ob das nicht schon reichte, ließ der Künstler die Skulptur noch während der Veranstaltung von innen abbrennen (Foto rechts), ohne vorher die Feuerwehr oder andere offiziellen Stellen darüber informiert zu haben. Der ganze Spaß kostete 12.000 Dollar (damals noch um einiges mehr wert als heute), die aus der eigenen Tasche und von Sponsoren und Freunden aufgebracht wurden.
Die Phase der sich selbst vernichtenden Werke nahm um 1960 allerdings nur eine kurze Spanne im Leben des Künstlers ein – diese (von Ad Petersen dokumentierte) Aktion von 1970 mit dem Titel „La Vittoria“ (Der Sieg) war im späteren Werk eher eine Ausnahme.

Zusammen mit anderen Künstlern gründete Tinguely 1960 die Gruppe „Nouveau Réalisme“ (Neuer Realismus), sozusagen als Gegenbewegung zum den Kunstmarkt beherrschenden „Abstrakten Expressionismus“. Sie wollten wieder Gegenständliches schaffen, aber nicht in der Art traditioneller Bildhauerei. Sie sahen sich eher als Erneuerer und Fortführer der Kunst von Marcel Duchamp mit seinen „ready mades“ und der Dadaisten in den 10er und 20er Jahren. Der Künstler César z.B. presste Autowracks zu neuen Skulpturen zusammen, Arman goß den Inhalt von Abfalltonnen und Papierkörben in gläserne Rahmen, Daniel Spoerri klebte alle Gegenstände, die nach einer Feier oder einem Essen auf dem Tisch verblieben waren (also sämtliches Geschirr, aber auch Flaschen, Brotreste, Servietten und Zigarettenstummel), fest und hängte die Tischplatten an die Wand (=Fallenbilder).
Man verfaßte Manifeste und organisierte gemeinsame Ausstellungen.

Tinguely sammelte Schrott, schweißte und schraubte die Teile zusammen und brachte sie mit kleinen Elektromotoren in Bewegung. So ist im Museum fast jedes Werk mit einem Trittknopf versehen, wenn man ihn aktiviert, bewegt sich was – sehr hübsch, ein großer Spaß, nicht nur für Kinder. Allerdings muß man etwas Geduld mitbringen: Die Kunstwerke sind natürlich sehr verschleiß- und daher wartungsanfällig. Um ihre Funktionsfähigkeit (bis zur nächsten Wartung) zu erhalten, müssen nach einer jeweiligen Aktivierung durch die Besucher erst sieben Minuten vergehen, bevor der Mechanismus erneut in Gang gesetzt werden kann.

Bei den Beispielen oben und unten werden sogar automatisch gezeichnete Kunstwerke erzeugt.

Spätestens in den 70ern war Tinguely nicht nur weltweit, sondern sogar in der etwas gemächlichen Schweiz anerkannt als der bedeutendste Schöpfer kinetischer Kunst, und so wurde er auch auf der Baseler Kunstmesse gehandelt. Ein Galerist erzählte später, daß es manchmal sehr nervig gewesen sei, wenn man einem Kunden feinsinnig von der Qualität eines impressionistischen Gemäldes überzeugen wollte und dann plötzlich am übernächsten Stand eine von Tinguelys Maschinen loslärmte.

In einem dunklen Raum mit unheimlichen Schattenwürfen rattern einige Werke mit Teilen von Tierskleletten bedrückend vor sich hin. Diese Ansammlung von Maschinen heißt „Mengele-Totentanz“. In Tinguelys Nachbarschaft war in einer gewaltigen Feuersbrunst ein Bauernhof komplett abgebrannt, auch die Tiere waren nicht mehr zu retten. Mit Erlaubnis des Besitzers durfte Tinguely sich ein paar Tage später auf dem Grundstück umsehen. Es stank noch immer nach verbranntem Fleisch (wie er später erzählte), während er die Überbleibsel der Maschinen und Tiere einsammelte. Unter anderem fand er eine Herstellungsplakette der Firma Mengele: Der Vater und die Brüder des berüchtigten KZ-Arztes Josef Mengele hatten Landmaschinen produziert. Totentanz erinnert an eine aus Basel bekannte mittelalterliche Darstellungsform des Todes: Skelette scheinen die zu Tode Bestimmten anzutanzen (hier sieht man eine Kopie).

Die größte, sogar begehbare Maschine (ihr werdet gleich im Film noch mehr davon sehen). Tinguely hatte sie für eine spezielle Ausstellung gebaut und geplant, daß die Besucher über sie in das nächste Stockwerk gelangen, aber das wurde aus Sicherheitsgründen nicht gestattet.

Genug geredet: Man muß die Bewegungen sehen und hören, deswegen habe ich einen kleinen Film für euch zusammengestellt. Die ersten Szenen sind vom Fasnachtsbrunnen mitten in der Stadt (die Figuren stammen von Schrottresten des abgerissenen Theaters, das an der Stelle vorher stand), die anderen aus dem Museum. Viel Spaß!

Ende.

 

Ausflug nach Basel (5)

Ich war nicht schon wieder in Basel, sondern es fehlen noch zwei Einträge vom letzten Urlaub, die ich gern nachtragen möchte, bevor ich von unserer diesjährigen Wanderung erzähle. Der Anschluß an die vorherigen Baseleinträge ist hier.

Im Museum Tinguely hatte der belgische Künstler Wim Delvoye (*1965) eine große Ausstellung. Man kann ihn als raffinierten Ironiker bezeichnen, der die Erscheinungen der Konsumgesellschaft und des Kunstmarktes in seinen Werken kritisch und provokativ thematisiert – oder auch als Witzbold und albernen Spaßmacher, falsch liegt man weder in dem einen noch in dem anderen Fall. Weil die Ausstellung eine Retrospektive seines bisherigen Schaffens ist, fängt er folgerichtig mit seinen Kinderbildern an.

Der Architekt und Architekturkritiker Adolf Loos (1870-1933) hat 1908 einen Text vorgetragen: „Ornament und Verbrechen“ (hier nachzulesen), in dem gesagt wird, daß das Ornamentieren, also das Ausschmücken, von Gegenständen ein Verbrechen ist. Der Text ist schwülstig und pamphletartig, läuft aber letztlich nur darauf hinaus, daß es besser ist, daß Hersteller von Gebrauchsgegenständen und Architekten gute Materialien verwenden und sich nach den Wünschen der späteren Benutzer und Bewohner richten sollen, als zu versuchen, sich in der Formgebung selbst zu verwirklichen. Mit Bezug auf diesen Text dreht Delvoye den Spieß nun um und ornamentiert drauflos: Propangasflaschen erhalten eine Bemalung wie Delfter Porzellan, Bügelbretter werden zu Wappenträgern.

Kunstvoll bemalte Porzellanfüße stützen Industrierohre.

Truck-Reifen, durch Schnitzungen reichhaltig verziert.

Eine Doppelhelix, ornamentiert mit dem Schmerzensmann.

Eine schöne Holzarbeit für den Bau …

… dazu passend eine Betonmischmaschine.

Die gibt es auch im Look gotischer Architektur …

… und als solche auch in Groß.

Der zweite große Themenkomplex des Künstlers ist die menschliche Verdauung. Er baut riesige Verdauungsmaschinen, von ihm als menschliche Porträts bezeichnet,  die …

… unter Zugabe entsprechender Chemikalien genau das produzieren …

… was beim Menschen hinten rauskommt. Man kann sich das für Geld in Folie einschlagen lassen und als Kunstwerk mit nach Hause nehmen, habe ich gelesen.

Der Künstler nennt diese Maschinen „Cloaca“ – hier eine Kofferversion für Unterwegs.

Im Shop kann man dann eine Mini-Cloaca samt Action-Figuren für die Kleinen zu Hause kaufen (man achte auf die Schriftgestaltung).

Man kennt das: Eins führt zum anderen – von der Verdauung ist es nicht weit zum Analen …

Wer diesen Figuren (je eine für jede Himmelsrichtung) hinten hineinschaut, blickt durch ein Fernrohr.

Zum Schluß noch ein Werk mit der Materialbezeichnung „Lippenstift auf Hotelbriefpapier“: „Anal Kiss B41“. Tja – das hängt man sich wohl eher auch nicht an die Wand.

Fortsetzung folgt.

 

Neumarkt

Ach herrje! – ich bin kein Autofan, aber um dieses Gefährt tut es mir leid. Mit dieser Ente kann man nicht mehr zu zweit durch Frankreich gondeln, mit offenem Verdeck und Simon & Garfunkel im Kassettenrecorder. Die Rückbank hatten wir ausgebaut, so daß wir trotz meiner 1,90 gut darin schlafen konnten – oder besser: Darin schlafen konnten, das „gut“ ist vermutlich der verklärenden Wirkung der Erinnerung geschuldet, gut 25 Jahre ist das her.

Apropos Urlaub: Die nächsten Wochen sind wir wieder unterwegs, erst ein paar Tage in Leipzig, dann wandern in der sächsischen Schweiz. Wünscht mir gutes Wetter (trocken, aber nicht zu heiß, bitte), macht’s gut, bis bald.

 

Breite Str.

Zu keiner Zeit sieht man die deutsche Nationalflagge so oft wie zur Zeit einer Fußballweltmeisterschaft. Ich habe schon Autos gesehen, die waren dermaßen damit verziert, mit sechs Wimpeln an den Scheiben und an den Außenspiegeln und den Stoßstangen mit entsprechenden Überziehern geschmückt, daß ich erwartete, daß nun mindestens der Bundepräsident im Fond des Wagens sitzt und huldvoll winkt. Ich schlage also vor, daß man die Flagge in „Fußballnationalflagge“ umbenennt. Der Bundespräsident muß sich dann natürlich entsprechend anpassen und sich Fußballpräsident nennen, das käme bestimmt sehr vielen Leuten entgegen. Steinmeier – ein ehrenwerter Mann – ist dann freilich nicht mehr die richtige Personalie. Ich schlage Toni Schumacher vor: Nein, nicht, weil er aus Köln kommt, sondern weil er immer genau das sagt, was er gerade denkt, das spricht doch wirklich für ihn, vom Inhalt mal ganz abgesehen. Die Fußballnation mag das, weshalb er zur Zeit oft in Talkshows auftritt und viel beklatscht wird. Was ein Bundespräsident sonst so von sich gibt, ist sowieso ohne Belang. Und der Toni würde sich garantiert über Pfeffer- und Salzstreuer in den Bundesfarben freuen, auch wenn das bedeutet, daß er sich sein Essen aus sechs verschiedenen Mühlen würzen muß – jedenfalls, wenn gerade Weltmeisterschaft ist und alle Leute zugucken. Sonst natürlich nicht, so blöd ist der nun auch wieder nicht.

Was macht eigentlich der allseits beliebte Jogi Löw nach dem frühen Ausscheiden der Nationalmannschaft, heute Abend? Die Pfeffer- und Salzmühlen sind nicht personengebunden … gut, man weiß nicht genau, wo der gerade wieder seine Hände gehabt hat.

Als ich einmal fast keinen Platz mehr im Biergarten bekam

Neulich war der Tag der Ausländerschwemme, oder wie das heißt … nein, „Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung“, so heißt es richtig, und zur Feier des Tages sendete mein Lieblingssender RTL gerade spannende Bilder aus dem Mittelmeer, Gummiboote, ertrinkende Leute, Kriegsschiffe usw. – da hämmerte plötzlich jemand gegen meine Haustür. Als ich öffnete, stand da ein Paar mit einem kleinen Kind. Ich sag‘ es gleich: Einen guten Eindruck machten die nicht. Ob er mal telefonieren dürfe, sie seien Nachbarn und sein Haus würde brennen.

Nachbarn? Ich muß wohl laut gedacht haben, denn er zeigte in eine Richtung, und tatsächlich, ein paar Häuser weiter sah ich eine Rauchsäule in den Himmel steigen. Also, was sich so alles Nachbar nennt … aber ich bin ja kein Unmensch. „Selbstverständlich“, sagte ich, „kostet aber 23 Cent.“ Er habe gerade kein Geld dabei. Ich bin Christ, und bei meinen Bekannten und Nachbarn (also den echten Nachbarn jetzt) gelte ich als freundlich und hilfsbereit, aber das bedeutet doch nicht, daß ich Geld zu verschenken habe. Andererseits war hier Gefahr im Verzuge, das sah ich ein – ich sagte ihm großzügig, er könne es mir ja später geben. Gerade noch rechtzeitig fiel mir ein Bericht ein, den ich kürzlich bei meinem Lieblingssender gesehen hatte.

„Darf ich mal Ihren Ausweis sehen?“ Auf keinen Fall wollte ich auf eine geschickte Abzocke hereinfallen, nachher wohnte der gar nicht da, wo er behauptet, und ich habe das Nachsehen. Und siehe da – ach nee! – den habe er „natürlich“ nicht dabei, sie seien aus einem brennenden Haus gestürzt, da denke man doch nicht an sowas. Ich wußte sofort Bescheid. Das ist doch wohl das erste, an das man denkt: Auf jeden Fall immer die Papiere mitnehmen! Wer bitte soll einem irgendwas glauben? Wie soll man z.B. ohne Führerschein noch irgendwo hinkommen? Ich bin Christ, aber keiner, der sich verarschen läßt: Allein die Tatsache, daß er seine Papiere nicht dabei hat, obwohl doch jeder weiß, wie wichtig die sind, zeigt grundsätzlich schon die Unglaubwürdigkeit dieser Person. Woher soll ich wissen, woher der wirklich kommt! Und nun will er sich Zutritt in mein Haus verschaffen und und und … sich ein Telefongespräch erschleichen? Ohne mich, mein Herr! „Tja dann …“, sagte ich, und wollte langsam die Tür schließen.

Da hustete das Kind. Es war in einem elenden Zustand, die Bekleidung dreckig, das Gesicht verußt, und man sah, daß es geweint hatte. Also ehrlich: Eltern, die ein Kind so verwahrlosen lassen und es in eine solche Situation bringen, denen gehört die Erziehungsgewalt entzogen. Da bin ich gnadenlos. Ob ich wenigstens einen Schluck Wasser für das Kind hätte, fragte der Mann. Na – da habe ich gerade drauf gewartet: Erst versuchen sie, einen über den Tisch zu ziehen, und wenn das nicht fruchtet, schieben sie ihre ach-so-armen Kinder nach vorn, um auf die Tränendrüse zu drücken.

Außerdem: Wenn jeder, dessen Haus grad brennt, angeblich oder tatsächlich, bei mir einen Schluck Wasser trinken will – dann komme ich den ganzen Tag nicht mehr in mein Badezimmer, und die Nacht wahrscheinlich auch nicht. Und wenn ich erst ein Kind hineinlasse, ja, dann spricht sich das doch herum, und plötzlich stehen hier alle auf der Matte. Das ist doch schon eine Frage der Logik, daß das nicht geht! Nachdem ich die Tür mit Nachdruck geschlossen und beide Ketten vorgelegt hatte, dauert es noch geschlagene 5 Minuten, bevor der Mann aufhörte, gegen meine Tür zu hämmern – die nahende Feuerwehrsirene hatte ihn dann wohl abgelenkt. Unverschämt! Ich hätte überhaupt nicht aufmachen sollen. Das hat man nun von seiner Gutmütigkeit. Morgen kaufe ich mir einen Elektrozaun.

Einen Platz im Biergarten habe ich dann gerade so eben noch ergattern können, ein Glück. Das argentinische Grillsteak war wie immer vorzüglich.

Konrad-Adenauer-Ufer

Am Wochenende fand in Köln die 20. Bierbörse statt. „Bierbörse“ – das hat mit einem Börsengeschehen soviel zu tun wie ein Wochenmarkt, nämlich gar nichts. Aber als in den 80er Jahren die erste Bierbörse in Leverkusen veranstaltet wurde, fand man das wohl schick, und inzwischen ist der Begriff sogar patentrechtlich geschützt.

Bierbörsen gibt es zur Zeit in über 20 Städten, allerdings nicht innerhalb einer Art Tournee, sondern als Franchise-Modell, es kann also durchaus vorkommen, daß mehrere Bierbörsen von verschiedenen Veranstaltern gleichzeitig stattfinden. Die Kölner Bierbörse fand in diesem Jahr direkt am Rhein statt – für uns ein Grund, sofort hinzugehen.

Angeboten werden hauptsächlich Biere von kleineren Brauereien aus dem In- und Ausland: Neben Klosterbrauereien gibt es Produkte aus dem Craft-Beer-Bereich, oder Biere, die eher lokal erfolgreich sind, wie das hervorragende Störtebeker-Bier aus Stralsund an der Ostsee. Belgische Biere sind stark vertreten – ich halte es ja für leicht pervers, aber es gibt Leute, die sowas gern trinken: Kirschbier, Schokoladenbier, Himbeerbier usw. Zum ersten Mal dabei war in diesem Jahr ein Stand der irischen Guinness-Brauerei – das mag ich zwar auch nicht, aber wo es das gibt, gibt es meist auch das nicht ganz so dunkle, sehr süffige und würzige Kilkenny. Sehr lecker!

Wirklich herrlich, hier zu sitzen – an dem einen Ende, zum Dom hin, war es so voll wie auf einem Jahrmarkt, zum anderen leerte es sich zusehends, mir völlig unverständlich, weshalb die Leute sich nicht mehr verteilen, aber sei’s drum, um so besser für uns. Auf der anderen Rheinseite sieht man übrigens den „Sitz des Blöden“ – nein nein, nicht das Weiße Haus …

… sondern die Freunde von Känguruhoden und anderen Unappetitlichkeiten.

Die großen Brauereien haben offenbar kein Interesse, sich an einem solchen Markt zu beteiligen, und das ist auch ganz gut so. Kölsch bekam man auch nicht – ich habe es nicht vermißt. Der Sänger der Heavy-Metal-Band „Iron Maiden“ sagte neulich, er habe einige seiner schlimmsten Katertage „dieser Plörre“ zu verdanken. Ich finde das ungerecht. Kölsch ist nicht gleich Kölsch – unter den vielen Marken fallen mir zumindest drei ein, die man recht gut trinken kann (wenn man kein Pils bekommt). Der Sänger weiter: „Die Hölle ist ein Ort, an dem es nur Männer gibt, die Kölsch trinken und wo am Ende eines spannenden Fußballspiels immer die Deutschen gewinnen.“ Nun – zumindest über Letzeres braucht er sich seit gestern keine Sorgen mehr zu machen.