Gay Games

In Köln finden zur Zeit die „Gay Games“ statt. Ursprünglich sollten sie „Gay Olympics“ heißen, aber das IOC war dagegen, man könnte da ja was verwechseln – also … äh … nichts gegen Homosexuelle, aber das …

Seit 1982 finden die Spiele alle vier Jahre statt, nach Amsterdam (1998) zum zweiten Mal auf europäischem Boden. Es gibt keine Teilnehmerbeschränkungen, aber auch keine nationalen Qualifikationen – in mindestens sieben Ländern wird Homosexualität mit dem Tode bestraft, in weiteren 75 steht sie unter Strafe. In diesem Jahr nehmen rund 10.000 Sportler aus 65 Nationen teil.

Die Stadt gibt sich tolerant, Köln ist angeblich die heimliche schwul-lesbische Hauptstadt Europas mit großer Szenekneipendichte und anderen Treffpunkten (die Straße oben sieht normalerweise so aus). Tolerant – und sehr erfreut über die Kaufkraft der erwarteten 1 Millionen Besucher, der „Kaufhof“ hat extra sexy Unterwäsche geordert (kein Scherz). Eine Parfüm-Kette hat einen neuen Duft kreiert: ‚Eau Mo pour gay‘, der riechen soll (Zitat) „wie ein ungemachtes Bett“. Ein Supermarkt bietet eine größere Auswahl an Sektmarken an und – hört, hört – sogar einen Wein eines schwulen Winzerpaars … weiß doch jeder, Schwule achten auf Qualität (und alle Deutschen essen ständig Sauerkraut mit Eisbein).

Bahnhofsvorplatz

Erstaunlich, wie lange diese fantasievollen Figuren in der Sonne stehen können, ohne sich zu regen. Erst, wenn jemand eine Münze in das Kästchen wirft, verbeugen sie sich kunstvoll. Aber wenn ein Kind etwas möchte, machen sie auch mal eine Ausnahme.

Richmodstr.

Karl hatte es gereicht! Gut, er hatte selbst geschrieben, daß jede Theorie immer wieder kritisch hinterfragt werden muß, da auch Ökonomen und Philosophen immer nur die Kinder ihrer Zeit sind, aber das, was diese größenwahnsinnigen Despoten dann daraus gemacht hatten – das war einfach völlig widersinnig! Also lieh er sich von seinem Freund Friedrich etwas Geld und eröffnete in seiner Heimatstadt, in der er auch schon mal eine Tageszeitung herausgegeben hatte, eine Weinstube. Alte Weggefährten warfen ihm Verrat vor, Flucht in die Bürgerlichkeit („Phhh – als wenn ich jemals schon woanders gewesen wäre“, dachte er), aber genug ist genug, jetzt sollten die anderen mal ‚ran – er würde nur noch gemütlich in seinem Lokal sitzen, Weine verkosten und in seinem Lichtenberg lesen.

Tatsächlich gibt es den Namen „Marx“ überdurchschnittlich oft – er belegt den 140. Platz der häufigsten Namen, ca. 34.550 Einwohner Deutschlands tragen ihn. Der Erzbischof von München heißt auch Marx, Reinhard Marx, und sein Namensvetter Karl würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er wüßte, daß der sich nicht entblödet hat, auch ein Buch mit dem Titel „Das Kapital“ zu schreiben.

Wer wissen möchte, wie häufig sein Nachname in Deutschland vorkommt und in welcher Gegend besonders oft, kann hier nachschlagen.

Werbetafel in der U-Bahnstation Neumarkt

Über 260 Millionen Fahrgäste befördern die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) jedes Jahr, haben aber bloß 100 festangestellte Kontrolleure, das heißt, daß jeder Kontrolleur (Urlaubszeit und Wochenenden abgerechnet) ca. 13.684 Personen am Tag kontrollieren müßte, um eine Erfolgsquote von 100% beim Einfangen der Schwarzfahrer zu erreichen. Das schaffen die natürlich nicht – allein schon das Aufschreiben der Personalien, die überflüssigen Diskussionen („Meine Fahrkarte hat sich in Luft aufgelöst, echt jetzt!“) usw. verhindern einen effizienteren Einsatz des Personals.

Ein enttarnter Schwarzfahrer bringt 40 Euro ein, aber ob das eingenommene Geld den Einsatz von 100 Festangestellten abdeckt, ist fraglich, besonders, seitdem die Hauptbevölkerungsgruppe, aus der sich die Schwarzfahrer vermutlich vornehmlich rekrutierten, seit einigen Jahren weggebrochen ist: Die über 66.000 Studierenden in Köln haben ein Semesterticket, können also gar nicht mehr schwarzfahren, selbst wenn sie wollten. Um die Arbeitsplätze der Kontrolleure zu garantieren wäre also ein Aufruf notwendig: „Bürger! Fahrt öfter schwarz!“, aber die Gewerkschaften zieren sich, und die solidarische Bereitschaft der Bevölkerung, sich nun auch öfter mal erwischen zu lassen, hält sich in Grenzen.

Was tun? Der Königsweg ist die Erhöhung der Einträge bei gleichzeitiger Verringerung der Ausgaben: Man stellt studentische Aushilfskräfte ein! Für gut 10 Euro/Stunde dürfen die nun in den Abendstunden auf Jagd gehen und dabei noch ihre sogenannten „soft skills“ trainieren, also ihre sozialen Kompetenzen, die in der freien Wirtschaft ja angeblich eine immer größere Rolle spielen sollen: Wer verhält sich auffällig und ist ein möglicher Kunde, unabhängig von seiner Zahlungsfähigkeit? Wenn man später in seinem Beruf seinen Vorgesetzten bei passender Gelegenheit Dinge erzählen will, die man über KollegInnen herausgefunden hat, ohne dabei unfreundlich zu werden, kann man bereits hier die Voraussetzungen dafür erlernen, denn beiden Tätigkeiten haftet ja etwas DenunziatorischesDiplomatisches an. Und man kann auch schon mal eine gewisse höfliche Rücksichtslosigkeit trainieren, um einen Kunden von der Richtigkeit der eigenen Argumente zu überzeugen.

Taktisches Geschick wird erworben, wenn mal wieder ein U-Bahnzug in einem Tunnel anhält, um den Kontrolleuren Gelegenheit zu geben, wirklich alle Gäste zu kontrollieren, oder strategische Fähigkeiten bei folgender Übung: Alle Fahrgäste werden in Geiselhaft genommen und dürfen die Bahn erst dann verlassen, wenn sie einen gültigen Fahrausweis vorgezeigt haben – wieviele Kollegen sind notwendig, um das durchzuführen?

„Studieren und Kontrollieren!“ ist also praktisch eine Win-Win-Situation, jeder profitiert. Jetzt müssen sich bloß noch einsichtige Fahrgäste finden lassen, die ihr Portemonnaie mal zu Hause lassen – vielleicht könnten Hartz-IV-Empfänger sich hier endlich mal nützlich zeigen.

Brunnen auf der Domplatte

Falls jemand wissen will, was der Weihnachtsmann im Sommer macht: Urlaub, und zwar in Köln. Er bläst mit Vorliebe in so eine blöde Fußballtröte, schwenkt ein Fähnchen beim public viewing, und zwischen den Spielen baggert er junge Mädchen an, die sich im Brunnen abkühlen, der alte SackSchwerenöter. Oder junge Männer – das Foto entstand zur CSD-Zeit.

Innenstadt

Ein Auflauf – was machen diese Leute da? Ist was passiert, soll ich den Krankenwagen rufen? Nur, wenn er ein paar Psychologen an Bord hat: Die Leute tauschen Panini-Bildchen mit den Porträts von Fußballspielern … nein nein, das sind keine Kinder.

Kindlich bunt war es auch auf dem diesjährigen CSD, der in Köln drei Tage dauert und der größte Europas ist …

… und spielen konnte man hier auch.

Belvederestr.

Ach – was haben sie denn aufgeführt? Zirkusnummern eher nicht, das hätte die Flohgewerkschaft nicht zugelassen. Musikalische Darbietungen halte ich für wahrscheinlicher, lausige Musik ist doch zur Zeit sehr beliebt, man muß ja nur das Radio anmachen. „The Lousy Lice“-Combo, begleitet vom formidablen Tanzensemble „The Lousettes“! Schade, hätte ich gern gesehen. Aber vielleicht tritt hier ja demnächst das „Cockroach Quartet“ auf – schöne Aussichten!

Urlaub in Polen: Epilog

Eine Geschichte muß ich noch erzählen:

In Breslau wollten wir uns für zwei Tage ein Auto leihen, also gingen wir zur Touristeninformation im Zentrum, um uns nach einer entsprechenden Firma zu erkundigen. Es gab mehrere, und der Herr in der Information bot uns an, er könne sich für uns telefonisch erkundigen, ob noch ein Auto zur Verfügung stehe. Gesagt, getan – ja, umgerechnet 40 Euro pro Tag solle es kosten, und ein Mitarbeiter der Verleihfirma „polandcars.com“ würde es sogar herbringen. Hallo? Ist Polen das Sevice-Paradies? – dachten wir. Nach einer halben Stunde erschien ein junger Mann, schnell waren wir uns einig: Für weitere 10 Euro waren wir vollkaskoversichert, und nach Abbuchung der Sicherheisbetrages in Höhe von 1500 Zloty (=370 Euro) von meinem Konto, einer schnellen Unterschrift unter den Vertrag und der Übergabe der Fahrzeugpapiere wurden wir zum Leihwagen kutschiert. Die Gebühren würden, so der junge Mann, mit dem Sicherheitsbetrag verrechnet und der Rest gleich am Folgetag auf mein Konto zurücküberwiesen.

Nach zwei Tagen gaben wir Schlüssel und Papiere wie verabredet bei der Touristeninfo ab, schickten dem jungen Mitarbeiter von polandcars.com eine SMS und baten um eine Kostenabrechnung. Inzwischen hatte ich nämlich den Vertrag, den ich quasi blind unterschrieben hatte, genauer studiert und dabei festgestellt, daß all diese kleinen Serviceleistungen – das Herkommen, das Zum-Wagen-Bringen, das Arbeiten außerhalb der Bürozeiten (es war ein Samstag), das Arbeiten außerhalb des Büros etc. – extra kosten, auch wenn niemand davon gesprochen hatte, weder der Touristenbüromitarbeiter noch der von der Verleihfirma. Wir schrieben eine SMS, dann noch eine … und noch eine – bekamen aber keine Antwort, der junge Mann reagiert einfach nicht.

Als wir nach drei Wochen wieder zu Hause waren, erschien auf meinem Kontoauszug zwar der abgebuchte Betrag, aber keine Rückbuchung. Also schrieben wir emails an die Firma – keine Reaktion. Im Geiste formulierte ich schon Briefe an die Breslauer Stadtverwaltung und an die dortige Polizei – gar nicht, um das Geld zurückzuerhalten, das hatte ich schon aufgegeben, sondern um diesem schändlichen Treiben Einhalt zu gebieten. Meine Begleiterin machte noch einen letzten Versuch – sie rief direkt bei der Firma an. Ausflüchte – „Sommerzeit, kein Personal“ – aber immerhin, man gab man zu, uns noch etwas zu schulden, bräuchte aber noch die internationalen Banknummern etc.

Es vergingen weitere zwei Wochen, und plötzlich erhielt ich tatsächlich eine Überweisung: 166 Euro von polandcars.com, die Rechnung per email. Zur Erinnerung: Zu Anfang war von 40 x 2 Tage = 80 Euro + 10 Euro Versicherung die Rede, tatsächlich beliefen sich die Kosten nun auf über 200 Euro. Tja. Immerhin sind wir nicht betrogen worden, man hat uns nur kräftig über den Tisch gezogen.

Lange Rede, kurzer Sinn:
1. Leiht nie ein Auto bei polandcars.com.
2. Wenn euch als Tourist in Polen jemand ungefragt eine „Gefälligkeit“ erweist, seid euch darüber im Klaren, daß ihr wahrscheinlich dafür bezahlen müßt.

PS: Wenn es gerechte Götter gibt, werden sie das nicht ungesühnt lassen! Allein – mir fehlt der Glaube. 😉

Urlaub in Polen: Hohe Tatra

„Und das ist ein Sessellift …“ – viel mehr kann dieser Vater auf dem Gipfel des 2000 Meter hohen Berges Kasprowy Wierch seinem Kind nicht erklären, außer vielleicht noch, wie dicht so ein Nebel doch sein kann.

Wenn man schon mal da ist, kann man ja mal Kaffee trinken, dann geht’s mit der Gondel wieder abwärts …

… zur Besichtigung von Häusern im Zakopane-Stil. Er wurde geprägt vom Architekten Stanisław Witkiewicz, von dessen berühmtem Sohn neulich schon mal die Rede war: Witkiewicz verband Elemente der traditionellen Bauweise der Guralen (eines hier ansässigen Volksstammes, der auch den Käse von gestern erfunden hat) mit solchen des Jugendstils. Das Bild oben zeigt das erste, das er gebaut hat.

Die Häuser sind zumeist komplett aus Holz gebaut. Auffällig sind die steilen Dächer …

… die oft durch aufwendige Dachgauben durchbrochen sind.

Jeder Stil wandelt sich mit der Zeit, wenn auch nicht unbedingt zum Besseren …

… die Grundformen jedenfalls begleiten die Einwohner bis zuletzt.

Am nächsten Tag: Strahlendes Wetter. Frohgemut, Proviant und Karte in der Tasche, wollen wir die Hohe Tatra erkunden – aber was ist das? Nach einer Viertelstunde Fußmarsch taucht eine Maut-Station auf – der Besuch der Wälder der Hohen Tatra kostet tatsächlich Eintritt! Überall an den Zugängen zum Wald stehen so kleine Häuschen, in jeder steht ein Mensch und nimmt pro Person umgerechnet ca. 1 Euro ein. Kaum zu glauben, daß sich das lohnt.

Das Gebirge – ist ein Gebirge, sehr schön natürlich: Mal geht es schweißtreibend endlos bergauf, dann wieder endlos bergab, auf daß einem die Knie wackeln, und zwischendurch läuft man zwischen lieblichen Wiesen, verputzt hungrig seinen Proviant und genießt die klare Luft und die schöne Aussicht. Aah – ein Bilderbuchurlaub … der nun aber leider auch schon wieder vorbei ist. Zu schade!

Ende.