Ein Blick nach links, ein Blick nach rechts scheint alles normal zu sein, ein Cabrio macht noch kein Gaunerstück. Das Eigelsteinviertel liegt hinter dem Bahnhof, also jenseits der Schauseite. In den 60er Jahren sollen 5000 Prostituierte hier ihrem Gewerbe nachgegangen sein, Zuhälter und (andere) Kriminelle sorgten für ein entsprechendes Milieu. Irgendwann hat man den Straßenstrich in der Innenstadt verboten, Bordelle geschlossen, die Gegend saniert und überall schön Poller aufgestellt, und seit spätestens den 90ern schien alles proper zu sein. Seit Neuestem ist aber wieder alles auf der Kippe, wenn man der Tageszeitung glauben kann: Der Straßenstrich floriert trotz Verbots, Spielhöllen und Fachgeschäfte für Muskelaufbauhilfen scheinen Kriminelle anzulocken (??), Drogen- und Menschenhandel greifen um sich, Schlägereien am hellichten Tage sind keine Seltenheit, und alles ist angeblich in der Hand der bulgarischen Mafia.
Und was machen die Behörden? Zitat Tageszeitung: Fischverkäufer Özüak Ozan hatte kürzlich Besuch vom Ordnungsamt: Während vor seinem Laden Zuhälter und Dealer demonstrativ und unbehelligt die Straße in Besitz nehmen, schreiben ihm städtische Beamte eine Knolle über 45 Euro. Mein Inhaberschild hing nicht im Fenster. (KStA, 19.04.10) Ein Stadtviertel auf dem Weg in den Absturz, so die Tageszeitung. Tatsächlich hat die Polizei hier kürzlich eine Personenkontrolle durchgeführt, von 200 hatte einer keine Aufenthaltserlaubnis, ein anderer hatte verbotene Substanzen in der Tasche, das wars
Die Eigelsteinstr. ist vor 2000 Jahren eine römische Heerstraße gewesen, ein Weg, den die römischen Soldaten gehen mußten, wenn sie nach Xanten wollten, der nach Köln zweitwichtigsten römischen Siedlung in Germanien. Am Wegesrand wurden die verstorbenen Helden begraben und zu ihrem Ruhm große Grabdenkmäler aufgestellt, die mit dem Wappentier des Heeres, einem Adler (lat. Aquila) gekrönt waren. Aus Aquila wurde Eigel, ein Eigelstein ist also ein römisches Grabmal, oder auch, in der Bedeutungserweiterung, eine römischer Befestigungsturm (in der Ortschaft Igel (!) bei Trier kann man noch so ein Grabmal bewundern). Heute ist die Straße geprägt durch relativ viele Einzelhandelsgeschäfte, hier und in den Nebenstraßen gibt es u.a. gute türkische und italienische Imbisse und Restaurants.
Am anderen Ende der Eigelsteinstr. trifft man auf die Eigelsteintorburg, eines der drei erhaltenen mittelalterlichen Tore, die der Schleifung der Stadtmauer Ende des 19. Jahrhunderts entgangen sind. Sie beherbergt die Offene Jazzhausschule, wo besonders Kinder und Jugendliche Musikunterricht nehmen können.
Einmal im Jahr treten die Gruppen auf dem anschließenden Platz auf und feiern ihre Erfolge. In der übrigen Zeit stellen die zahlreichen gastronomischen Betriebe ihre Stühle nach draußen wie es aussieht, werden hier nur legale Drogen verköstigt. Bei vielen Kölnern gilt dieser Platz als der schönste der ganzen Stadt.