Sehen lernen am Offenbachplatz (und anderswo)

Manchmal, wenn ich moderne Kunst sehe, denke ich: Himmel! – das ist ja wohl an Banalität kaum zu überbieten! So auch bei diesem Holzrahmen, aber zu Unrecht: Das ist gar kein Kunstwerk, sondern Volksbildung: Seit 2008 reisen diese Rahmen durch Städte in Nordrhein-Westfalen, um die Stadtbewohner für ihre Lebensumwelt empfänglich zu machen.

„Die Kampagne will die Öffentlichkeit für die gebaute Umwelt sensibilisieren und die Bevölkerung stärker für die Belange der Baukultur gewinnen.“, steht auf der Homepage von „Sehenlernen“. Die Leute sollen aber nicht nur durch den Rahmen sehen, einen Ausschnitt wahrnehmen und die Supererleuchtung haben, die ihnen ohne Rahmen verwehrt geblieben wäre. Nein, um die jeweilige Ausstellung herum werden Seminare, Vorträge und Stadtführungen organisiert, an denen die Bürger kostenlos teilnehmen können. Das ist gar nicht schlecht gedacht, Aufklärung im besten Sinne. Ob die Leute auch Zeit dafür haben, steht auf einem anderen Blatt.

Auf dem Offenbachplatz zwischen den umstrittenen Theater- und Opernbauten stand das Hauptstück der Installation, es erinnert an eine alte Kamera. Es ist sogar begehbar …

… und im Dunkeln beleuchtet. Wenn man hineingeht, kann man hinausgucken und sich gegenseitig fotografieren. Hübsch.

Kölner Frittenbude, Am Leystapel

Dieses Bild zeigt, was es nicht mehr zeigen kann, nämlich das: Die Frittenbude aus dem Kölner „Tatort“. In jeder Sendung stehen die beiden Kommissare an der mobilen Bude und ernähren sich ungesund vor der Dom-Silhouette. In Wirklichkeit steht der Imbiß nicht an dem Platz, sondern – bis vor Kurzem – in der Nähe des Rheinauhafens. Ein Publikumsmagnet, sowohl für Kölner als auch für Touristen – später kann man seinen Enkeln erzählen, daß man hier auch schon eine Currywurst mit Fritten rot/weiß gegessen hat, wenn man die x-te Wiederholung eines Köln-Tatorts im Fernsehen sieht. Seit ein paar Monaten steht nun dieses Häuschen hier, der Wagen ist weg – beim städtischen Denkmalamt war man der Meinung, daß so ein Jahrmarktswagen schlecht paßt zur aufgemotzen Architektur des nahen Rheinauhafens mit Quadratmeterpreisen bis zu 8.000 Euro. Die Gentrifizierung nimmt komische Formen an.

Die Currywurst in dem neuen Gebäude schmeckt allerdings genau so schlecht wie vorher die in der Bude – wenigstens etwas, was gleich geblieben ist.

Edit 18.11.13: Der neue feste Standplatz ist nun hier.

Dom, innen

Als ich neulich Abend zufällig am Dom vorbeispazierte, waren wider Erwarten alle Türen offen und Rauch schien herauszuquellen, während immer mehr Menschen hineinströmten.

Weihrauch, alles voll! Der Atheist steht und staunt. Ob das gesund ist? Rauchen in Kneipen und anderen öffentlichen Räumen ist ja eigentlich verboten, aber gut, wenn man aus seiner Kneipe einen Club macht, kommen ja nur Clubmitglieder hinein, und die dürfen so viel quarzen, wie sie wollen.

Und der Club-Charakter ist ja bei den Kirchen von vornherein gegeben: Man zahlt ganz ordentlich, dafür hat man Anspruch auf gewisse Dienstleistungen, wie z.B. anscheinend diese Pilger gern mal einen Extra-Gottesdienst im Dom haben wollten. Bitte mit viel Rauch? Kein Problem!

So langsam leert es sich, die Party ist vorbei, ich war zu spät dran und habe kaum etwas mitgekriegt.

Das ist liegengeblieben vom Proviant … leere Flaschen, kennt man ja von anderen Feten, daß die Leute ihren Müll nicht mitnehmen. Und was den Kohlkopf betrifft: „Bring noch was Krautsalat mit, du weißt schon, Weißkohl“, wurde vermutlich einem am Telefon gesagt. Tja. Shit happens.

Hohenstaufenring

Nein, das ist nicht die Werkstatt von Gunther von Hagens, sondern ein Schaufenster eines Geschäfts, das irgendwas mit „Creativ“ im Namen führt. Die Aufforderung „Mach was aus deinem Typ, zeig Eigeninitiative!“ habe ich jetzt nicht gelesen, aber wenn die FDP hier ihren Stand aufbauen würde, hätte sie Anschauungsmaterial für ihre Politik gleich nebenan, Leistung soll sich schließlich lohnen, egal, auf welchem Gebiet, und Bürger abzuziehen ist ein lukratives Geschäft, wer wüßte das besser als die Unternehmerfreunde von Schwarz/Gelb.
Auch die Polizei hat ihre Einstellungskriterien gelockert, das aber schon seit längerem, wie der erfolgreiche Einsatz in Stuttgart gezeigt hat.

PS: Übermorgen ist Halloween. Daß die Beschlüsse der Bundesregierung von gestern, die vier Stromwuchererriesen zu pampern bei gleichzeitigen drastischen Kürzungen von Sozialleistungen, nur ein Gruselscherz seien, ist ein unhaltbares Gerücht.

Halle 11 im Rheinauhafen

So sah es vor zweieinhalb Jahren in einem der alten Lagerhäuser noch aus (zu sehen ist oben Halle 12, wie mir ein freundlicher Anwohner erklärte).

Heute ist hier ein riesiges Einrichtungshaus: Edle Möbel und alles, was man so braucht fürs Wohnen.

Ich hatte ja keine Ahnung, was man haben muß, um seine Wohnung zeitgemäß einzurichten.

So ein Neonbudda ist bestimmt total trendy, hat aber keinen Schlitz, anders als die asiatisch anmutenden Figuren: Sparschweine (der Ausdruck kommt mir grad komisch vor). Eher was fürs Kinderzimmer.

Das hier ist auch Kitsch schon eher was für gehobene Ansprüche, der „Denker“ von Rodin ist ja nichts dagegen.

Oder doch lieber gleich einen richtigen Flieger? Oder sind wir schon wieder in der Jugendabteilung? Ich kenn mich nicht mehr aus.

Was Nützliches für die Küche, ein Messerhalter für extravagante Gemüter, es gehört eben etwas Mut dazu, aus der Masse herauszustechen.

Eine weitere Mutprobe.

Dieser Laden ist ein reines Kuriositäten-Kabinett, ich kann den Besuch besonders am Wochenende sehr empfehlen, da darf man nur kucken und nichts kaufen, also drängt einen auch keiner.

Die rekonstruierte Architektur der Lagerhalle am Rhein ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Ausflug ins Naafbachtal

„Mama, warum fotografiert der denn unsere Gießkanne?“ „Das sind Städter, mein Kind, die kennen sowas nicht.“

Man steigt in die S-Bahn Richtung Overath, fährt eine halbe Stunde, läßt sich von einer lieben Freundin abholen, noch eine viertel Stunde im Auto, und schon ist man im wunderschönen Naafbachtal.

Schon Anfang der 30er Jahre entwickelte man Pläne, hier zur Wasserversorgung von Köln und Bonn eine Talsperre zu errichten, anderes war dann aber wichtiger. Gut vierzig Jahre später war es dann so weit: Die zuständigen öffentlichen Stellen kauften viel Land auf und machten sich schon mal daran, alten Baubestand abzureißen: Viele Wassermühlen und andere historischen Gebäude wurden den Bulldozern zum Fraß übergeben. Bald bildete sich Bürgerprotest, Bürgerinitiativen und das Erstarken von Umweltbewußtsein und der Erfolg der Grünen verhinderten die weitere Durchführung.

Ganz vom Tisch ist die Gefahr aber noch nicht: Im Landesentwicklungsplan des Landes NRW ist das Naafbachtal immer noch als mögliches Talsperrengebiet verzeichnet. Das hat aber auch sein Gutes: Um mögliche Entschädigungszahlungen klein zu halten, gilt schon seit Langem ein striktes Bauverbot. Inzwischen sind viele Gebäude unter Denkmalschutz gestellt und die ganze Gegend als FFH-Gebiet deklariert worden.

Ist es wirklich erst zwei Wochen her, daß wir nach einem Spaziergang im Garten diesen ausgezeichneten „Sylter Apfelkuchen“ gegessen haben? Das zufriedene Lächeln im Antlitz des Buddhas, dessen Lotusblütenlampe übrigens mit einem Sonnenkollektor betrieben wird, war gar nichts gegen das, was ich im Gesicht hatte.

Ein kleines Paradies, so kommt es jedenfalls uns Besuchern vor, und ich hoffe, es bleibt noch lange bestehen – das Pferd macht sich jedenfalls erstmal keine Sorgen.

Am Neumarkt

Erichs Lampenladen am Neumarkt? Könnte man meinen, besonders, wenn man hört, daß es hier ab und zu Bestrebungen gibt, Kapital zu sozialisieren: Gleich zweimal wurde die Hauptstelle der Kreissparkasse Köln in den letzten Monaten überfallen, soviel ich weiß, sind die Täter noch flüchtig.

Der Kölnisch-Wasser-Brunnen im Vordergrund wirkt fast etwas verloren in der 1.800 m² großen Halle.

„Veranschaulicht werden grundlegende Prinzipien der am Wohl der Kölner Region orientierten Tätigkeit der Kreissparkasse Köln. Jung und Alt legen ihr Erspartes in einen Bienenkorb, das traditionelle Sinnbild der Sparsamkeit … Das aus vielen Einzelposten kommende Geld fließt in eine breite Schale, das Kapitalsammelbecken, um von dort die im Sockel des Brunnens dargestellten Berufsgruppen des Handels, des Handwerks, des Gewerbes und der Landwirtschaft, d. h. die Säulen der regionalen Wirtschaft, mit Darlehen und Krediten zu versorgen,“ steht in einer Broschüre.

Die Bank, dein Freund und Helfer. Hier fließt tatsächlich nur Wasser aus dem öffentlichen Netz, ein kleiner Seitenhahn soll Duftwasser geben.

An der Rechtschule

Aufruhr am Dom: Mehrere Feuerwehrzüge fahren lärmend auf die Domplatte. Muß hier vielleicht mit Wasserwerfern eine Kinderdemonstration aufgelöst werden? Ach nee, dafür ist ja die Polizei zuständig … brennt der Dom? Der neue Brunnen?

Der rasende Reporter recherchiert – im Domhotel war man allerdings zu keiner Stellungnahme bereit und lächelte nur geheimnisvoll.

Und da sind die Übeltäter (gemeint sind nicht die Herren mit den Schirmmützen): In diesem Café auf der Rückseite des Blocks hat es Feueralarm gegeben, vielleicht hat sich jemand aus Gewohnheit eine Zigarette angesteckt. Aha. Und wieso stehen die Feuerwehrautos dann auf der anderen Seite? Wir vermuten: Auf der Domplatte ist einfach mehr Platz. Außerdem ist da mehr Publikum. Wie auch immer: Hier hätten wir eh keine Kaffee getrunken …

… denn zweihundert Meter weiter findet man in aller Ruhe im Café des Museums für Angewandte Kunst einen Platz.

Sehr schön – der Milchkaffee war zwar etwas schwach auf der Brust, aber heiß, und der Nußkuchen war eine volle Mahlzeit. Wirklich nette Atmosphäre hier.

Und ein Aquarium haben sie auch. Toll!

Amsterdamer Str.

Ja, was wächst denn da? Was? Domspitzen? Quatsch, die meine ich nicht … Wein! Mitten in der Stadt. 720 Rebstöcke, 140 verschiedene Sorten, stehen da auf einem nach Süden geneigten Dach. Wie ergiebig das ist und ob das Getränk nach dem Keltern besser schmeckt als „Bahndamm-Südseite“, weiß ich nicht, aber darauf kommt es wahrscheinlich gar nicht an: Das Dach gehört zum Weinmuseum, von dessen Existenz ich bisher keine Ahnung hatte. Scheint ganz interessant zu sein, glaubt man der Homepage, viel Wissenswertes ums Thema wird vermittelt. Leider ist es in der kalten Jahreshälfte geschlossen.