Es war genau hier, in dieser Einöde zwischen …
… und …
… als meine Begleiterin sich fragte, wo eigentlich ihre teure Spiegelreflexkamera ist. Um die Schulter hing sie nicht, der Rücksack war merkwürdig leicht, also …
… konnte sie nur hier liegengeblieben sein: Vor ca. einer Stunden (und einigen schweißtreibenden Kilometern) hatten wir hier eine kurze Rast gemacht, das angrenzende Ausflugslokal öffnete gerade. Dessen Telefonnummer steht unglaublicherweise in unserem Reiseführer, es nimmt jemand ab: Tatsächlich, die Kellnerin schaut nach, die Kamera ist noch da. Also müssen wir zurück – und belohnen uns bei der Ankunft mit einem alkfreien Weizenbier und einer Brotzeit (eine Brotzeit ist eine große Scheibe Graubrot mit Aufschnitt, meist Wurst, und saurer Gurke, oder Radi oder was gerade so da ist an sauer eingelegtem Zeug). Eigentlich hasse ich doppelt und dreifach zurückgelegt Wege, besonders, wenn sie so anstrengend sind und die Etappe um 6 auf ca. 21 km verlängern, jedoch – nach diesem Ereignis fühlen wir uns gelassener als vorher und genießen den Tag.
„Da geht’s lang“ – pah!, haben wir nicht mehr nötig, solche Hinweise, wir gehen die Strecke bald im Schlaf.
Mitten in einem Dorf wird ein Haus dem Verfall überlassen, merkwürdig. Ob man Angst hat vor dem Hlg. Georg, der sogar Drachen gekillt hat mit nichts als einer Lanze?
Leuchtenberg heißt unser nächstes Ziel, und wenn man sich dem Dorf von der richtigen Seite nähert und wenn die Sonne scheint, weiß man auch, warum.
Unser Gasthaus liegt gleich gegenüber der Kirche. Als wir ankommen, beobachte ich, daß gerade auf alle Tische der Außenterrasse ein „Reserviert!“-Schildchen gestellt wird. Als wir gegen sechs auch was essen wollen, sind alle Tische bis auf den letzten Platz besetzt: DickeSehr gut genährte junge Leute, wahrscheinlich aus der näheren Umgebung eigens zusammengekommen, verputzen die Gerichte einer Extra-Karte, die nur heute, Samstag, gilt: Schnitzel! Ausschließlich Schnitzel, in allen denkbaren Variationen: Jäger-, Bauern-, Hähnchen-, Wiener-Art-Schnitzel und Cordon Bleu und was es sonst noch gibt, riesige frische Stücke, also keine Tiefkühlkost, dazu große Portionen Pommes oder Kartoffelsalat, dazu noch je ein Salatteller, für nicht mehr als 8,90 Euro. Ich habe mich immer schon gefragt, wer eigentlich das ganze Fleisch frißt, das unartgerecht schnellstmöglich großgezogen und zu viel zu niedrigen Preisen verkauft wird, jetzt sehe ich es mit eigenen Augen: Die Landbevölkerung, und wahrscheinlich nicht nur die bayerische. Anders ist es kaum zu erklären, daß gar nichts anderes angeboten wird.
In der Burgruine wird Freilufttheater gespielt, gegeben wird „Der Revisor“ von Gogol – Hochkultur und Imbißessen, wie paßt das zusammen? Sehr gut, wahrscheinlich, nur weil einer den kompletten Ring der Nibelungen in Bayreuth sieht, muß er nicht notwendig gesunde Ernährungsgewohnheiten haben.
Ich befürchte allerdings, die Vorstellung mußte frühzeitig abgebrochen werden – ein gewaltiges Gewitter verschafft endlich Abkühlung. Da eilen schon die ersten Besucher zu ihren Autos.
Am nächsten Tag – wir machen eine Wanderpause – schauen wir uns das Dorf genauer an. In der Kirche hängt das poppige Bild von einem Hippie, der gerade eine Lichtshow veranstaltet.
Junge Leute tragen gerade irgendwelche Ritualutensilien heraus, verstauen sie im Wagen, um sie …
… vorbei an diesem malerischen Haus …
… die kurze Strecke hinauf zur Freiluftbühne zu transportieren, wo gleich …
… ein Gottesdienst stattfinden soll, für die Biker, die sich an diesem Wochenende hier treffen. Merke: Nicht jeder Motorradfahrer ist ein Rocker. Wir sind herzlich eingeladen …
… aber wir verzichten dankend, verbummeln den Tag und sammeln Eindrücke.
„Abendroot mokt Morgen goot“, heißt es in meiner alten Heimat. Mal sehen.

