Richartzstr.

Für welchen Horrofilm wird hier geworben? – war mein erster Gedanke, als ich diese Plakate sah.

Zerschnittene Frauengesichter, collagenhaft zusammengesetzt, eine Hand, die aus dem Dunkeln von hinten zugreift, fletschende Zähne am Hals (oder was ist das?) – alles sehr unheimlich, das sieht sehr nach Gewalt und Mißhandlung aus.

Das ist aber gar keine Werbung, sondern der zweite Teil der Aktion „Kunst an Kölner Litfaßsäulen“, über die ich hier schon berichtete, mit dem Titel „Heroines“ der Künstlerin Johanna Reich.

Und das sagt die Künstlerin selbst zu ihrem Werk (ich zitiere von ihrer Homepage):

„Die zentrale These des Kulturanthropologen René Girar lautet, dass der Mensch durch Nachahmung lerne und die Kultur ein einziger Prozess der mimetischen Vermittlung sei. Durch das Begehren eines anderen Menschen wird ein Objekt erst begehrenswert und es entsteht Rivalität. In ihrem Projekt „HEROINES“ fragt Johanna Reich junge Mädchen in bildnerischen Experimenten nach ihrer Identität.

Die Teilnehmerinnen berichten, welche Personen für sie aufgrund von Charakter, Lebenslauf oder einer speziellen Begabung faszinierend finden und wählen ein Bild dieser Persönlichkeit aus. Dieses Bild wird auf das Gesicht der Teilnehmerin projiziert, die selbst ihr Haltung und Gestik auswählt, und als fotografisches Portrait festgehalten. In der Verschmelzung von Projektion und Gesicht entsteht ein neues, eigenständiges Portrait, das seine Energie aus dem Spannungsfeld zwischen ikonenhafter Inszenierung und alltäglicher Gegenwart schöpft; es entsteht eine Heroine, benannt nach den Halbgöttinnen der Antike.“

Tja. Weiter können Intention (der Künstlerin) und Rezeption (durch mich) kaum auseinanderliegen.

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14 Antworten zu “Richartzstr.

    • Grundsätzlich gebe ich Dir recht. Aber dieser Fall ist ganz besonders: Hier sehe ich nicht, obwohl ich inzwischen weiß (was die Künstlerin will). Sowas passiert mir in letzter Zeit häufiger: Ich lese neugierig, was ein Künstler zu einem Werk sagt, betrachte es daraufhin wohlwollend erneut – und sehe einfach nicht, daß das Werk der Intention mehr als weit entfernt nahekommt.

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    • Ich finde, ein modernes Kunstwerk ohne konkrete, sofort erkennbare Aussage sollte so ausdrucksstark sein wie ein gutes Gedicht und bestimmte Gefühle hervorrufen wollen. Wenn es das nicht schafft, ist es entweder nicht gelungen, oder der Betrachter ist zu unsensibel.

      Da hast Du recht. Allerdings wollte die Künstlerin ja was ganz anderes.

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    • Ja, das habe ich auch so empfunden. Bilder, auf denen – auch mit kritisierender Absicht – Gewalt gezeigt wird, gehören nicht zu meiner Lieblingskunst, aber ich würde das so hinnehmen: Wenn ein Kunstwerk das Mittel braucht, um eine mehr oder weniger bestimmte Reaktion hervorzurufen oder eine bestimmte Aussage nahzulegen, dann gehört das halt dazu. Wenn aber etwas völlig anderes ausgesagt werden soll, ist das Kunstwerk mißlungen.

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  1. mal ein kommentar, der nicht zum eintrag gehört, aber köln betrifft.
    habe im tv einen bericht über kölns partymeile gesehen.
    das geht ja tierisch ab, jedoch im negativem sinne.
    drogendealer, alkoholismus und gewalt begleiten die meilengänger.
    die geschäfte setzen security ein, die polizei muß vermehrt streife gehen und fast alle 10 minuten wird der rettungswagen gerufen.
    du wohnst sicher nicht in diesem viertel, nicht wahr?

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    • Am Rand, in fünf Minuten wäre ich da. Aber nur Freitag und Samstag und bei schönem Wetter ist da so viel los, auf dem Ring zwischen Rudolphplatz und Friesenplatz. Hierher verschlägt es viele Leute, die aus der Umgegend von Köln kommen und mal richtig einen drauf machen wollen – das zieht natürlich auch die Kleinkriminellen an. Wer in Köln wohnt, kennt gemütlichere Ecken.

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