
Die BVG (Berliner Verkehrsbetriebe) und ich, wir sind jetzt offenbar per „Du“. Und nicht nur das, wir sind jetzt sogar ein Liebespaar, jedenfalls, wenn ich das will. Ich darf alle BVG-MitarbeiterInnen ab sofort mit „Schätzchen“ anreden, und wenn einer meinen Fahrschein sehen will, darf ich sagen: „Sorry, Du, ich bin gerade etwas unpäßlich“, ohne daß das Folgen für mich hat – ja, so ist das mit der Liebe. Schön wär’s: Ich fürchte, daß es bei den BVG verlogener zugeht als in jedem Freudenhaus.

Trotzdem benutzen wir sie – der trügerischen Liebesbeteuerungen hätte es nicht bedurft – um kreuz und quer durch die Stadt zu fahren und ohne uns als Freier zu fühlen. Unterwegs sehen wir dies Beispiel von Vandalismus – das dachte ich jedenfalls noch beim ersten Plakat, das ich dermaßen verunstaltet sah. Dann merkte ich: Die sind alle so, die Werbefirma der Radiostation hat die schon so aufgehängt. „7ritz“, oder „fritz“, das weiß nur der Insider. Erklären kann das wahrscheinlich niemand.

Wenige Wörter, vermeintlich an die Flüchtlinge gerichtet, die eine Wahrheit auf den Punkt bringen.

Gegenüber der Gedächtniskirche kommen wir am relativ neuen „Bikini“-Gebäude vorbei und schauen kurz mal hinein: Auf der anderen Seite hat man eine großes Fenster eingebaut, das einen Blick in den Zoo erlaubt.

Zig Geschäfte findet man hier in diesem Einkaufszentrum, das aber genau das nicht mehr sein will, sondern eine „Concept Mall“. Was das genau bedeuten soll, interessiert uns nicht die Bohne, wir haben hier nichts verloren – und viele andere wohl auch nicht, denn viel los ist hier nicht.

Ganz anders auf dem türkischen Markt am Maybachufer, hier herrscht selbst kurz vor Schluß um 18 Uhr noch großes Gedränge, da man natürlich besonders jetzt gute Schnäppchen machen kann, aber man muß aufpassen: „Zehn Auberginen, alle oder keine, für 2 Euro!“, ruft einer, aber bei genauerem Hinsehen fällt auf: Keine Aubergine ohne angestoßene Stelle – den Müll kann er gern selbst entsorgen.

Immer wieder schön: Der Tempelhofer Park, also der Start- und Landebereich des ehemaligen Flughafens Tempelhof …

… ein riesiges Areal, auf dem sich Skater, Fahradfahrer, Drachenlenker, Windsurfer und Spaziergänger kaum in die Quere kommen.

Ein kleiner mobiler Stadtteilgarten aus dem nahen Schillerkiez, wo jeder, der will, mitarbeiten (und -ernten) kann.

Auf dem großen Platz nur eine Kaffeebude, aber das ist vielleicht ganz gut so, wer weiß, was hier los wäre, würde man ihn für allgemein kommerzielle Genußstättennutzung freigeben.

Gegenüber dem Café „Anna Blume“ (das sehr guten Kuchen haben soll, wie uns eine Passantin ungefragt erklärt) im Stadtteil Prenzlauer Berg gibt es eine Art Baumskulptur mit Klappen zum Büchertausch. Man kann Bücher, die man nicht mehr haben will, hineinstellen, oder sich welche herausnehmen, die man lesen möchte. Wenn man will, kann man am sogenannten „bookcrossing“ teilnehmen, also den Weg des Buches übers Internet verfolgen, aber das wäre mir zu umständlich, mir sind die öffentlichen Bücherschränke, wie es sie inzwischen auch in Köln gibt, lieber.

Kunst, wo man hintritt: Eine Pfannenfrau …

… eine Wandmalerei im Stil der 20er Jahre mit einem dazu passenden Zitat von Zille: „Wenn die Frauen verblühen, verduften die Männer.“ …

… ein offenbar nachträglich eingefügtes Picasso-Pferd …

… und die übliche Graffiti-Malerei.

„Come and höre und drink“, und zwar offenbar alle Instrumente und Getränke durcheinander. Ich vermute, das wird ein feuchtfröhlicher Abend.

Wir gehen lieber ins „Max und Moritz“ in Kreuzberg, das vermutlich deswegen so heißt, weil der Moritzplatz ganz in der Nähe ist. Gegen 20 Uhr füllt sich die Gaststätte relativ schnell, dann wird es wieder leerer und ruhiger – soll heißen: Die Leute kommen zum Essen her. Sehr gut gemachte gutbürgerliche Küche zu günstigen Preisen, empfehlenswert!
PS: Eine Blogfreundin hat mir erzählt, in meinem Blog gebe es Schwierigkeiten mit der Kommentarfunktion. Falls euch was auffällt, gebt mir doch bitte Bescheid: videbitis@online.ms.
Fortsetzung folgt.