Rosige Zeiten …

… für die einen, für die anderen eher nicht: Die „obersten“ 10% der deutschen Haushalte besitzen 51,9% des Nettovermögens, die „untere“ Hälfte der Bevölkerung besitzt davon zusammen gerade 1%. Im Jahr 1998 betrug das Verhältnis noch 45,1% zu 2,9% – auch schon skandalös, aber das, was man ruhig Kapitalismus nennen kann, kennt keine Moral und arbeitet ständig weiter an diesem unanständigen Verhältnis: Reichtum wächst nur für wenige, Armut und Armutsgefahr wachsen auch, aber für viele. Besonders schlecht sind die Aussichten für die Rentner der nächsten Jahrzehnte: Bereits in den letzten elf Jahren ist die Armut hier um das zehnfache im Vergleich zur sonstigen Bevölkerung gestiegen. Schon als die letzte Rentenreform beschlossen wurde, die realitätsfremd stark auf freiwillige private Vorsorge setzte, war abzusehen, daß dieses Modell zu einer massenhaften Altersarmut führen wird, um das zu sehen, brauchte man wirklich kein Wirtschaftsspezialist zu sein: Wer sowieso schon wenig hat, kann kein Geld erübrigen für eine private Vorsorge, und viele derer, die es sich leisten könnten, brauchen sie gerade deswegen nicht. Angeblich hat man das nun inzwischen in allen Parteien erkannt, aber ich würde mich wundern, wenn sich irgendetwas in absehbarer Zeit änderte.
Da oben rechts vor dem Schaufenster ist noch ein Platz frei …

PS: Die 62 reichsten Geschäftsleute auf der Erde besitzen so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, das sind immerhin 3.500.000.000 Menschen. Wer kann da wirklich behaupten, wir hätten ein gut funktionierendes Wirtschaftssystem?

Joseph-Roesberg-Platz

Die „Schnüsse Tring“ (es würde mich nicht wundern, wenn der Kölner „dat Schnüsse Tring“ sagt) war Mitte des 19. Jahrhunderts eine junge Dienstmagd namens Katharina (kölsch: Tring) mit einem großen Mundwerk (kölsch: Schnüss), mit anderen Worten: Sie war selbstbewußt und konnte sich artikulieren. Über den Rand des heutigen Stadtteils Ossendorf hinaus wurde sie durch ein Karnevalslied bekannt, das der Heimatdichter und Senator Joseph Roesberg 1859 schrieb – Katharina arbeitete auf dem Hof seiner Schwester. In dem Lied werden ihre Forderungen aufgezählt: Sie will nur als Köchin arbeiten, für Putzen, Wäschewaschen und Wasser- und Kohlenholen sollen noch andere Knechte und Mägde eingestellt werden; außerdem möchte sie neben einem freien Wochentag jeden zweiten Sonntag frei haben, jeden anderen halb frei, eine Woche Urlaub zu Kirmeszeit, bei Herrenbesuchen die Erlaubnis, das Gästezimmer zu benutzen, und das alles bei überdurchschnittlich guter Bezahlung – zur damaligen Zeit ungeheuerliche Forderungen, die der jungen Frau nicht nur Empörung, sondern auch belustigte Bewunderung einbrachten. Heute dagegen wird sie auch als Beispiel einer emanzipierten Frau gefeiert.

Das Lied wurde gleich zu einem Hit (hier kann man es hören, ich möchte es aber nicht empfehlen). 1901 nannte sich eine Ossendorfer Karnevalsgesellschaft „Schnüsse Tring“, und in den 80ern ließ sie diesen Brunnen errichten.

Hahnenstr.

Keine kleine Leuchte. Aber wo stell ich die hin, ohne mich beobachtet zu fühlen? In die Wohnung? Auf keinen Fall, meine Wohnung ist für mich allein gerade groß genug, außerdem ist mir meine Privatheit heilig. Vor die Haustür? Ist doch Quatsch, was soll ich da mit so viel Licht, wenn ich doch die meiste Zeit in der Wohnung bin? Ich glaube, liebes Lampengeschäft, daraus wird nichts, ihr müßt die Lampendame behalten. Da in der Ecke steht sie doch auch ganz gut.

Rollende Disko

Nachdem die Bierbikes glücklicherweise nach kurzer Zeit verboten wurden …

… und sich das Cobi (Conference Bike) wahrscheinlich mangels frischer Alkoholzufuhrmöglichkeit nicht durchsetzte …

… hat man sich nun für rücksichtlose Zeitgenossen etwas Neues überlegt, um ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen: Den Partybus. Besonders am Wochenende kann es passieren, daß immer wieder solche oder ähnliche Busse an einem vorbeifahren oder an der Ampel vor einem stehen und nicht nur die Insassen, sondern auch alle anderen laut mit Lärmmusik beschallen. Im Bus sind alle betrunken und grölen laut mit. So fahren sie stundenlang durch die Innenstadt, hin und her und kreuz und quer, bis in den Morgen hinein. Wenn man in der Nähe einer Ampel wohnt, hat man Pech gehabt. Aber sonntags kann man ja ausschlafen.

Kulturkirche Nippes

Neulich war ich seit langem mal wieder in einem Konzert ohne Platzkarten. Um 20 Uhr sollte es beginnen, das hieß, so meine Begleiterin: Um 18 Uhr losfahren. Ich hielt das für völlig unsinnig, die Fahrt mit der Straßenbahn dauert eine halbe Stunde bis zum Veranstaltungsort, was sollte man denn die ganze Zeit da machen? – und handelte sie um eine Viertelstunde herunter. Als wir um 18.40 Uhr an der Kulturkirche ankamen, standen bereits ca. 50 Besucher vor der Tür – was mir einen schneidenden Blick meiner Begleiterin bescherte. Wir stellten uns ans Ende der Schlange, brauchten aber nicht lange zu warten, bis sich jemand hinter uns stellte: Ein junger Mann, der sich gerade einen viertelwagenradgroßen Döner gekauft hatte und völlig kostenlos den Geruch der Imbißstube in einem Radius von zwei Metern um sich verbreitete. Mein Versuch, etwas von ihm abzurücken, nützte leider gar nichts, denn vermutlich dachte er: Endlich geht’s los, und rückte auf. Ich konnte nun zusätzlich mitlesen, was die beiden Männer vor mir in ihre Smartphones tippten, während sie sich lautstark unterhielten, derweil ich von hinten mit knoblauchgesättigtem Lammfleischduft parfümiert wurde.

Um 19 Uhr sollte Einlaß sein, und 19.10 war es dann auch so weit: Nun hieß es, schnell sein. Alles Warten vor der Tür nützt nichts, wenn man dann nicht bereit ist, seinen Platz mit Ellbogeneinsatz zu verteidigen. Wir erkämpften uns einen guten Platz in der dritten Reihe – von Holzbänken. Wir befanden uns in einer Kirche in Nippes, meine Begleiterin erzählte mir, daß sie hier einst konformiert worden war. Da den evangelischen Kirchengemeinden das Geld auszugehen droht, versuchen sie, neue Geschäftsfelder zu entwickeln, und mit der „Kulturkirche“, wie sie nun heißt, als Veranstaltungsraum klappt das wohl recht gut. Es wurde sogar Bier ausgeschenkt – wenn das Jesus wüßte. Daß weltliche Musik eigentlich Teufelswerk ist und der Mensch prinzipiell ein Sünder – egal. Als Ausgleich wird der Besucher mit harten Bänken bestraft. Und mit Wartezeit: Um 20 Uhr wurden die Lichter gedimmt, aber statt der Band von Joanna Newsom erschien eine Vorgruppe – in Form eines einzelnen Menschen mit Gitarre, der mit schräger Stimme Lieder intonierte. Gerade hatte ich meine Begleiterin flüsternd gefragt, ob so jemand wohl auch Tonträger veröffentlicht, da sagte er: The next song is from my last album … Kaum zu glauben.

Eine halbe Stunde später war es dann endlich soweit: Das Konzert der Folksängerin Joanna Newsom war großartig. Ihre Musik ist so eigen, daß viele Leute nichts damit anfangen können. Ich mußte mich auch erst ein bißchen einhören, aber nun mag ich sie sehr – trotz aller Widrigkeiten hat sich das Konzert gelohnt.

Richartzstr.

Für welchen Horrofilm wird hier geworben? – war mein erster Gedanke, als ich diese Plakate sah.

Zerschnittene Frauengesichter, collagenhaft zusammengesetzt, eine Hand, die aus dem Dunkeln von hinten zugreift, fletschende Zähne am Hals (oder was ist das?) – alles sehr unheimlich, das sieht sehr nach Gewalt und Mißhandlung aus.

Das ist aber gar keine Werbung, sondern der zweite Teil der Aktion „Kunst an Kölner Litfaßsäulen“, über die ich hier schon berichtete, mit dem Titel „Heroines“ der Künstlerin Johanna Reich.

Und das sagt die Künstlerin selbst zu ihrem Werk (ich zitiere von ihrer Homepage):

„Die zentrale These des Kulturanthropologen René Girar lautet, dass der Mensch durch Nachahmung lerne und die Kultur ein einziger Prozess der mimetischen Vermittlung sei. Durch das Begehren eines anderen Menschen wird ein Objekt erst begehrenswert und es entsteht Rivalität. In ihrem Projekt „HEROINES“ fragt Johanna Reich junge Mädchen in bildnerischen Experimenten nach ihrer Identität.

Die Teilnehmerinnen berichten, welche Personen für sie aufgrund von Charakter, Lebenslauf oder einer speziellen Begabung faszinierend finden und wählen ein Bild dieser Persönlichkeit aus. Dieses Bild wird auf das Gesicht der Teilnehmerin projiziert, die selbst ihr Haltung und Gestik auswählt, und als fotografisches Portrait festgehalten. In der Verschmelzung von Projektion und Gesicht entsteht ein neues, eigenständiges Portrait, das seine Energie aus dem Spannungsfeld zwischen ikonenhafter Inszenierung und alltäglicher Gegenwart schöpft; es entsteht eine Heroine, benannt nach den Halbgöttinnen der Antike.“

Tja. Weiter können Intention (der Künstlerin) und Rezeption (durch mich) kaum auseinanderliegen.

Berliner Luft (6): Berlinische Galerie

Zwei Selbstbildnisse, beide vom selben Maler: Kein Mensch hat Max Beckmann wohl so oft als Modell gedient, wie er selbst. Zwischen den beiden Bildern liegt nicht nur der 1. Weltkrieg, sondern auch eine gewandelte Auffassung der Bildgestaltung – beides, so die allgemeine Ansicht, stehe durchaus in einem gewissen Zusammenhang.

Beckmann, 1884 geboren, war zu Beginn seiner Laufbahn ein konservativer Snob. 1904 bis 1914, also in seinen 20ern, machte er sich in Berlin, dem kulturellen Zentrum Deutschlands, schnell einen Namen. Seine Vorbilder waren Max Liebermann und Lovis Corinth, die in impressionistischer Weise malten, neuere Entwicklungen jedoch lehnte er als zu plakativ ab.

Franz Marc, wie hier zu sehen, die anderen deutschen Expressionisten, Kubisten wie Picasso, Fauvisten wie Matisse, Abstraktionisten wie Kandinsky, also alle, die heute als die herausragenden Künstler der klassischen Moderne gelten, riet er, in die Werbung zu gehen: „Warum machen die Leute nicht überhaupt einfach Zigarettenplakate?“

Ein Künstler jedoch wurde auch von ihm bewundert: Der Norweger Edvard Munch (1863-1944), der unter den Malern seiner Zeit schon zu Lebzeiten legendär war und als einer der Begründer moderner Malerei überhaupt angesehen werden kann. Oben rechts ist eine Trauergesellschaft dargestellt, eine Szene, die Beckmann von Munch übernommen hat. Links hängt zum Vergleich eine Tuschezeichnung von Munch zu folgendem, eigentlichen Referenzbild (das die Ausstellungsmacher sich wohl nicht ausleihen konnten), wie ich vermute :

Zu Edvard Munch gibt es folgende Anekdote:
1904, Beckmann war also 20 Jahre alt, wohnte er für kurze Zeit in Paris und besuchte ein Künstlercafé, in dem auch Munch verkehrte. Es schrieb in sein Tagebuch: „Hier in Cigarrenqualm, norwegisch sprechen, sich selbst und anderen teils interessant teils lächerlich vorkommend […] Der edle Munch, welcher mir gegenüber sitzt. Ja, ich möchte ihn gerne kennenlernen. Mein Herz sehnt sich nach Menschen, Menschen die auch leiden wie ich. Denn ich leide auch.“
Ein halbes Jahr später, in einem Brief an einen Freund, liest sich das dann so:
„Feiner Kerl was. So ziemlich mein Gegenfüßler, denn der arme Kerl plagt sich noch zu viel mit Menschenschmerzen und Menschenleid, na ja ich weiß er muß, aber trotzdem. Fertig, logisch, riecht ein bißchen zu sehr nach Medizin, beinahe Chloroform. Aber er ist anerkennungswert und ein ganz feiner Psychologe.“

Bis zum 1. WK hatte Beckmann einige schöne Erfolge, aber es blieb ihm natürlich nicht verborgen, daß sein Stern sank – die impressionistische Malerei war an ihr Ende gekommen zugunsten der neuen, abstrahierenderen Kunst.

Zum 1. WK eingezogen, arbeitete Beckmann als Sanitäter und erlitt angesichts der Gräuel bereits 1915 einen Nervenzusammenbruch – ungefähr zu der Zeit malte er eins der ersten Bilder in dem neuen Stil (Bild in der Mitte, ich hoffe, man kann es noch erkennen). Hier kommen also zwei Ereignisse zusammen: Die Schrecken des Krieges und die Erkenntnis, um des Erfolgs Willen künstlerisch neue Wege beschreiten zu müssen.

Erst ab jetzt entwickelte er seine ihm eigene unverwechselbare „Handschrift“, die ihn weltberühmt machen sollte. Bereits in den 20er Jahren war ein erfolgreicher und allseits anerkannter Künstler …

… dessen expressive Malweise und geheimnisvollen Bildthemen allerdings nicht in das Kunstbild der Nazis paßten. Viele seiner Werke hingen in der von den Nazis veranstalteten Schau „Entartete Kunst“. Der Künstler hatte vermutlich hochrangige Fürsprecher, daher ließ man ihn selbst unangetastet, er durfte allerdings keine öffentlichen Ämter mehr ausüben (bis 1933 war er Professor an der Frankfurter Städelschule) und seine Bilder durften nicht mehr öffentlich gezeigt werden. 1937 emigrierte er nach Amsterdam und bemühte sich dort um ein Visum in die USA, das er aber erst 1947 erhielt. Dort lebte er noch ein paar Jahre hochgeachtet, bevor er im Dezember 1950 starb.

Die Ausstellung „Max Beckmann und Berlin“ fand in der „Berlinischen Galerie“ statt, dem „Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur“. Das Gebäude gibt es (als Museum) erst seit 2004.

Sammlungsschwerpunkt ist alles Künstlerische, was irgendwie seit 1870 bis heute mit Berlin zu tun hat, sei es, daß der Künstler in der Stadt geboren wurde, hier gewirkt hat oder sonstwie mit ihr in Berührung gekommen ist.

Auch die ständige Ausstellung glänzt durch hervorragende Ausstellungsstücke …

… hier waren wir bestimmt nicht zum letzten Mal.

Ende.

Neusser Str.

Rüh-rend! Die BVB fährt nur, weil sie mich liebt, ich vermute, sogar, wenn ich mich gar nicht in der Stadt befinde. Und REWE ist es nicht egal, was ich esse – diese Fürsorge, wie haben wir das verdient! „Komm, wir gehen zu REWE einkaufen“, sagte ich neulich zu meiner Begleiterin, als wir vor einem Edeka-Laden standen, „denen hier ist es doch scheißegal, was wir essen.“
Gut, es kann natürlich sein, daß der Satz bei REWE weitergeht: „… wenn Sie Ihr Geld woanders ausgeben.“ Aber so materiell sind die doch wohl nicht, oder?

Berliner Luft (5): Kreuz und quer

Die BVG (Berliner Verkehrsbetriebe) und ich, wir sind jetzt offenbar per „Du“. Und nicht nur das, wir sind jetzt sogar ein Liebespaar, jedenfalls, wenn ich das will. Ich darf alle BVG-MitarbeiterInnen ab sofort mit „Schätzchen“ anreden, und wenn einer meinen Fahrschein sehen will, darf ich sagen: „Sorry, Du, ich bin gerade etwas unpäßlich“, ohne daß das Folgen für mich hat – ja, so ist das mit der Liebe. Schön wär’s: Ich fürchte, daß es bei den BVG verlogener zugeht als in jedem Freudenhaus.

Trotzdem benutzen wir sie – der trügerischen Liebesbeteuerungen hätte es nicht bedurft – um kreuz und quer durch die Stadt zu fahren und ohne uns als Freier zu fühlen. Unterwegs sehen wir dies Beispiel von Vandalismus – das dachte ich jedenfalls noch beim ersten Plakat, das ich dermaßen verunstaltet sah. Dann merkte ich: Die sind alle so, die Werbefirma der Radiostation hat die schon so aufgehängt. „7ritz“, oder „fritz“, das weiß nur der Insider. Erklären kann das wahrscheinlich niemand.

Wenige Wörter, vermeintlich an die Flüchtlinge gerichtet, die eine Wahrheit auf den Punkt bringen.

Gegenüber der Gedächtniskirche kommen wir am relativ neuen „Bikini“-Gebäude vorbei und schauen kurz mal hinein: Auf der anderen Seite hat man eine großes Fenster eingebaut, das einen Blick in den Zoo erlaubt.

Zig Geschäfte findet man hier in diesem Einkaufszentrum, das aber genau das nicht mehr sein will, sondern eine „Concept Mall“. Was das genau bedeuten soll, interessiert uns nicht die Bohne, wir haben hier nichts verloren – und viele andere wohl auch nicht, denn viel los ist hier nicht.

Ganz anders auf dem türkischen Markt am Maybachufer, hier herrscht selbst kurz vor Schluß um 18 Uhr noch großes Gedränge, da man natürlich besonders jetzt gute Schnäppchen machen kann, aber man muß aufpassen: „Zehn Auberginen, alle oder keine, für 2 Euro!“, ruft einer, aber bei genauerem Hinsehen fällt auf: Keine Aubergine ohne angestoßene Stelle – den Müll kann er gern selbst entsorgen.

Immer wieder schön: Der Tempelhofer Park, also der Start- und Landebereich des ehemaligen Flughafens Tempelhof …

… ein riesiges Areal, auf dem sich Skater, Fahradfahrer, Drachenlenker, Windsurfer und Spaziergänger kaum in die Quere kommen.

Ein kleiner mobiler Stadtteilgarten aus dem nahen Schillerkiez, wo jeder, der will, mitarbeiten (und -ernten) kann.

Auf dem großen Platz nur eine Kaffeebude, aber das ist vielleicht ganz gut so, wer weiß, was hier los wäre, würde man ihn für allgemein kommerzielle Genußstättennutzung freigeben.

Gegenüber dem Café „Anna Blume“ (das sehr guten Kuchen haben soll, wie uns eine Passantin ungefragt erklärt) im Stadtteil Prenzlauer Berg gibt es eine Art Baumskulptur mit Klappen zum Büchertausch. Man kann Bücher, die man nicht mehr haben will, hineinstellen, oder sich welche herausnehmen, die man lesen möchte. Wenn man will, kann man am sogenannten „bookcrossing“ teilnehmen, also den Weg des Buches übers Internet verfolgen, aber das wäre mir zu umständlich, mir sind die öffentlichen Bücherschränke, wie es sie inzwischen auch in Köln gibt, lieber.

Kunst, wo man hintritt: Eine Pfannenfrau …

… eine Wandmalerei im Stil der 20er Jahre mit einem dazu passenden Zitat von Zille: „Wenn die Frauen verblühen, verduften die Männer.“ …

… ein offenbar nachträglich eingefügtes Picasso-Pferd …

… und die übliche Graffiti-Malerei.

„Come and höre und drink“, und zwar offenbar alle Instrumente und Getränke durcheinander. Ich vermute, das wird ein feuchtfröhlicher Abend.

Wir gehen lieber ins „Max und Moritz“ in Kreuzberg, das vermutlich deswegen so heißt, weil der Moritzplatz ganz in der Nähe ist. Gegen 20 Uhr füllt sich die Gaststätte relativ schnell, dann wird es wieder leerer und ruhiger – soll heißen: Die Leute kommen zum Essen her. Sehr gut gemachte gutbürgerliche Küche zu günstigen Preisen, empfehlenswert!

PS: Eine Blogfreundin hat mir erzählt, in meinem Blog gebe es Schwierigkeiten mit der Kommentarfunktion. Falls euch was auffällt, gebt mir doch bitte Bescheid: videbitis@online.ms.

Fortsetzung folgt.

Berliner Luft (4): Mahnmal Levetzowstr.

Hier stand einst eine der größten Synagogen Berlins, sie hatte über 2100 Sitzplätze. Die Nazis zündeten sie 1938 an, aber die Synagoge brannte nur teilweise nieder. Ab 1942 mißbrauchten die Nazis das Gebäude als Sammellager für jüdische Mitbürger, hier wurden sie ausgeraubt und für die Verschleppung in eins der Konzentrationslager – oft direkt ins Vernichtungslager Ausschwitz – registriert.

1955 wurde die im 2. WK stark beschädigte Synagoge abgerissen. 1988 errichteten die beiden Architekten Jürgen Wenzel und Theseus Bappert und der Bildhauer Peter Herbrich dieses Mahnmal, das die Deportation in Sonderzügen der Reichsbahn thematisiert.

Ein sehr eindrucksvolles Mahnmal!

Fortsetzung folgt.