Urlaub im Schwarzwald (9): Freiburg (1)

Im Anschluß an die Wanderung erholten wir uns noch ein paar Tage in Freiburg, der schönen Stadt der Bächle (was es damit auf sich hat, habe ich hier schon einmal beschrieben).

Beliebt besonders bei Kindern sind diese kleinen Bächleboote …

… die oft in Behindertenwerkstätten hergestellt werden und die man in speziellen Spielzeuggeschäften kaufen kann (vorsicht: Nicht durch die falsche Tür gehen).

Da treffen sich dann die Generationen und führen interessante Gespräche: „Also: Sollen wir das Boot nochmal zu Wasser lassen, oder sollen wir nicht lieber ein Bier trinken gehen.“ – „Ich … ich weiß nicht …“ – „Aber Du weißt schon, daß Aufklärung der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit ist. Unmündigkeit, sagt Kant, ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn ihre Ursache nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen!“ – “ Ja, aber Kant sagt auch: Aus so krummem Holze, als woraus der Mensch gemacht ist, kann nichts ganz Gerades gezimmert werden. Nur die Annäherung zu dieser Idee ist uns von Natur auferlegt. Und außerdem bin ich erst vier Jahre alt!“

Nee – diese Freiburger! Passend dazu haben sie mitten in der Stadt ein neues Gebäude errichtet, das der Vernunftsbildung dienen soll, als Architektur faszinierend ist, aber leider in die Stadt überhaupt nicht hineinpaßt.

Schräge Wände, die sich in alle Himmelsrichtungen neigen …

… und aus dunklem Chromstahl und dunklen Fenstern sind, in die man nur hineinsehen kann, wenn drinnen jemand das Licht anmacht …

… was zu immer neuen Mustern führt, wenn man drumherum geht.

Wenn die Sonne richtig steht, werden Fassaden und Zimmer erhellt, in die sonst kein Sonnenstrahl käme, aber auch motorisierte Teilnehmer des Straßenverkehrs werden zeitweise derart geblendet, daß die Fassade dieses Kolosses im Frühjahr und Herbst teilweise mit Sonnensegeln abgedeckt werden müssen.

Es ist die neue Universitätsbibliothek, die zur Zeit noch im Probebetrieb läuft. Eigentlich sollte sie bereits seit zwei Jahren fertig sein, nun ist die offizielle Eröffnung in den nächsten Monaten – hier wie überall, Hamburg, Berlin, Köln usw., und auch die Kosten sind natürlich nicht bei den Anfangs veranschlagten 32 Mio. Euro geblieben, sondern auf 53 Mio. gestiegen.

Natürlich ist mir sowas lieber, als wenn sie da einen rein funktionalen Kasten hingesetzt hätten. Daß allerdings städteplanerische Aspekte, also die Einbindung eines Gebäudes in sein Umfeld, anscheinend so gar keine Rolle spielen, finde ich merkwürdig.

Innen sieht auf den ersten Blick alles sehr gut aus. Zwar ist die Bibliothek immer noch Magazinbibliothek, d.h., der größte Teil des Bestandes muß bestellt werden (insgesamt 3,6 Mio Medieneinheiten), aber in vier Lesesälen gibt es 1.200 Arbeitsplätze …

… und zusätzlich 500 Arbeitsplätze im sogenannten Parlatorium, das ist ein Bereich ohne Zugang zu Büchern, in dem also auch gegessen und getrunken werden darf und in dem die Studierenden auch mal laut sein dürfen. Kürzlich habe ich gelesen, daß man festgestellt hat, daß immer mehr Studierende und Schüler ihre Bibliothek als Arbeitsplatz nutzen wollen, was zu einem Ansturm führt, den alte Bibliotheken kaum bewältigen können. Mir wäre sowas früher nie eingefallen, ich war nie länger auf dem Campus als nötig und habe die Literatur mit nach Hause genommen, zu Kaffee und Sofa. So ändern sich die Zeiten.

Und bei schönem Wetter sitzt man draußen auch gut.

Fortsetzung folgt.

Urlaub im Schwarzwald (8): 6. Etappe

Och – wie blöd! Nun wollten wir einkehren, schließlich sind wir schon eine halbe Stunde gelaufen, da hatte der Landgasthof Sternen an dem Tag geschlossen. Ewig wird mich nun verfolgen, daß ich Windbeutel, gefüllt mit Heidelbeeren und Sahne, verpaßt habe, das hätte ich wirklich gern probiert.

Hier kann man Wanderreiten buchen. Und damit man gleich eine Ahnung davon erhält, mit wem man es hier zu tun bekommt, hat der Betreiber ein paar Schilder aufgehängt. Sehr lobenswert, da braucht man sich hinterher gar nicht erst zu beschweren.

Ein Bannwald, aha, den Begriff kannte ich vorher auch noch nicht. Gut zu wissen, daß die Bäume auch hier mit Ästen werfen. Betreten auf eigene Gefahr, die Forstverwaltung haftet für nichts.

Ein Zeugnis früherer Angriffe.

Hier geht es nochmal recht schmal weit nach oben – und ziemlich schroff nach unten, wenn man nicht aufpaßt. Ich habe mich auf den Weg unmittelbar vor mir konzentriert, dann ist es nicht so schlimm, aber ich war froh, als ich das hinter mir hatte.

Der Wehra-Stausee – nun sind wir fast da …

… das letzte Gefälle wird durch eine Treppe erleichtert.

Hurra! – geschafft. Nach 120 km soll der Wanderer sich hier hinstellen und ein Selfie machen. Im Info-Büro gibt es eine namentliche Urkunde und ein Überraschungsgeschenk, über das wir schon während der ganzen Wanderung spekuliert haben, was es wohl sein wird: Ein Pokal? Ein Orden (Wanderorden 1. Klasse am Band mit Urkunde vom Bundespräsidenten)? Eine Flasche hiesigen Schnaps? Nein, jeder von uns bekam einen Minisalzstreuer aus Plastik mit Klappverschluß. Praktisch, hätten wir gut gebrauchen können … na gut, für die nächste Wanderung.

Wenn in Wehr die Geschäfte geschlossen sind, gibt es kaum noch einen Grund, rauszugehen, so sieht es jedenfalls aus.

Diese Figur hat nicht nur ein irritierendes Rad auf dem Kopf …

… sondern auch ein merkwürdig breites Gesäß. Wenn man mit so einer Skulptur öffentlich geehrt wird, macht man wahrscheinlich gute Miene zum fragwürdigen Stil. Die Geehrte ist die weltberühmte Geigerin Anne Sophie Mutter, die in Wehr aufgewachsen ist, sowas läßt sich eine Stadt nicht entgehen.

Die Jugend entdecken wir in einem kleinen überfüllten Biergarten, aber wir finden noch Platz im altehrwürdig wirkenden „Restaurant Storchehus“ – wie sich herausstellt, ist der Betreiber Grieche und bietet leckeres Gyros und Bifteki an.

Fortsetzung folgt.

Urlaub im Schwarzwald (7): 5. Etappe

Ja, wo? Vielleicht in Indien, bei Mutter Theresa, der bekannten Hochtalwanderin? Wir wissen es nicht.

Aber dahinten sind tatsächlich die Alpen. Wir sind ja auch nicht weit weg von der Schweiz, da sieht man die schon mal. Da müssen wir glücklicherweise nicht hin, sondern Richtung …

… Lampenschweine, die ich gern genauer betrachtet hätte, aber ich habe nichts gesehen, was auch nur annähernd dem Begriff entspricht.

Genau wie in der hügeligen und daher kurvenreichen Eifel sind auch hier viele Motorradfahrer unterwegs. Wenn man eine Straße überqueren muß, sollte man vorher gut hinhören, denn sie sind schnell und waghalsig, so schräg, wie sie in der Kurve liegen, die können sich nicht erlauben, für schnöde Fußgänger zu bremsen. Der „Lattenjupp“ (wie der Kölner liebevoll sagt) da links ist übrigens das Ibacher Kreuz …

…und steht schon seit 1777 hier, wenn man der Zahl trauen kann. Im 19. Jahrhundert entstand die Legende, daß unter dem Kreuz ein Schatz vergraben sei. Das wollte ein in Geldnot geratener Sägearbeiter genauer wissen: Er ‚besorgte‘ sich eine Winde und legte die Skulptur um. Leider war da so wenig ein Schatz wie am Ende eines Regenbogens – ob der Arbeiter daraufhin aus der Kirche ausgetreten ist, ist nicht bekannt.

Der in unserem Wanderführer angekündigte historische Bierkeller sieht leider so aus – historisch eben. Da wird nichts mehr ausgeschenkt.

Etappenziel Todtmoos, ein Ort, durch den man durchaus mal durchlaufen kann.

Humor in Todtmoos, den braucht man vielleicht bei diesem Namen.

Großartig ist die Unterkunft, die hier für uns gebucht wurde, ich scheue mich ausnahmsweise nicht, unbezahlt Werbung für das Hotel Rößle zu machen: Sehr ruhige Zimmer, Schwimmbad- und Saunabenutzung inklusive, Massage zubuchbar, ein ausgezeichnetes Restaurant, außerdem liebe ich diese unpersönliche, professionelle Freundlichkeit von Angestellten. Ich kann mir gut vorstellen, hier mal für 2 Wochen Urlaub zu machen.

Fortsetzung folgt.

Urlaub im Schwarzwald (6): St. Blasien

In St. Blasien machen wir einen Tag Wanderpause. Ein schönes kleines Städtchen …

… mit vielen Cafés und Restaurants …

… einem Pavillon, wo eine Blaskapelle üben darf spielt …

… vielen historischen Gebäuden, die zu einer großen Klosteranlage gehören oder gehörten …

… vielen Kunstwerken im öffentlichen Raum …

… aber auch architektonischen Sünden, wie dieses Albtraumhaus an der Alb mitten in der Stadt.

Das wichtigste Gebäude, das dem Ort seine Bedeutung verleiht, ist natürlich der Dom (Blick von meinem Hotelzimmer). Eigentlich ist die Bezeichnung Dom nicht richtig, denn ein Dom ist immer mit einem Bischofssitz verbunden, dieser Kirche stand lediglich ein Abt eines Klosters vor und müßte demnach ein Münster sein – aber egal, Dom klingt bedeutender, also bleibt es so.

Und sie ist wirklich überwältigend, vielleicht ein bißchen viel Kirche für die paar Leute, die 1783 hier lebten. Als die Vorgängerkirche einem Feuer zum Opfer fiel, wollte man mit einem Prunkbau dem Pantheon in Rom nacheifern, und unter Umgehung der Hierarchie sprach der Architekt Pierre Michel d’Ixnard direkt bei Kaiserin Maria Theresia vor (St. Blasien war damals österreichisch), die den Bauplan abnickte.

Darüber war der Abt so erbost, daß er den Vertrag des Architekten nach Ablauf noch während der Bauzeit nicht verlängerte. Tja, so ist das mit befristeten Arbeitsverträgen.

Vielleicht hat der dann das Haus mit einem Fluch belegt, denn viel Glück hatten die Kirchenoberen nicht mit ihrem neuen Prachtbau: Bereits 1806, also schon 23 Jahre nach Fertigstellung, wurden Kirche und Kloster von Napoleon säkularisiert (also geplündert und – sprichwörtlich – mit Füßen getreten, die Mönche verjagt), die Gebäude als Maschinenfabrik genutzt.

1874 brach erneut ein Feuer aus und zerstörte fast die gesamte Klosteranlage, die Kuppel stürzte ein, die gesamte Inneneinrichtung der Kirche verbrannte. 1913 war alles wieder aufgebaut, 1946 bezog ein Jesuitenkolleg die Klosterräume, die im Jahr 1977 erneut einem Großbrand zum Opfer fielen. Nur die Kirche konnte diesmal vor dem Feuer gerettet werden.

Am Abend lauschten wir einem Chor. Der Eintritt war frei, aber es wurde den Besuchern dringend und mehrmals nahegelegt, beim Hinausgehen mindestens 10 Euro zu spenden (der Ton versprach mindestens 100 Jahre Fegefeuer, würde man das unterlassen). So mogelt sich die Amtskirche an der Steuer vorbei, vorbildlich.

Der Heilige Blasius, Arzt, Bischof und Märtyrer Anfang des 4. Jahrhunderts, soll, oh Wunder, einem Jungen geholfen haben, als der fast an einer verschluckten Fischgräte erstickte. Ich vermute, er hat einfach eine Zange aus seinem Arztbesteck benutzt, aber da das niemand mehr weiß oder wissen will, war es eben ein Wunder. Seitdem ist er der Schutzpatron, den man bei Halsschmerzen anruft.

In St. Blasien gibt es übrigens auch eine berühmte Klinik, ihr kommt nicht darauf, wofür: Für Lungenkrankheiten, was sonst.

Wer noch ein paar mehr Bilder aus St. Blasien sehen will, klickt hier.

Fortsetzung folgt.

Urlaub im Schwarzwald (5): 4. Etappe

Vom Berg Bildstein hat man einen wunderbaren Blick auf den Schluchsee.

Es gibt sogar Sandstrände, an denen man baden kann, leider habe ich keine Badehose dabei. Wie heißt der Ort hier? Aha. Aha und Unteraha, wirklich wahr.

Diese Etappe ist überwiegend moderat, es geht auf breiten Wegen durch Wälder und über Felder und Wiesen und durch kleine Dörfer …

… in denen die Bewohner ihre Häuser mit Figuren schmücken, …

… ein jeder nach seinem Geschmack.

Meine Begleiterin plündert die Natur. Seit Jahren – ach was: Seit Jahrzehnten! – warne ich vor dem Fuchsbandwurm, aber sie will einfach nicht hören.

Wenn ich wollte, könnte ich mir ein Glas Milch zapfen, aber ich bin nicht durstig.

Wir sind schnell heute, unser Etappenziel kündigt sich schon an.

Noch durch die kleine romantische Schlucht entlang des Windbergwasserfalls …

… und da zeigt er sich schon: Der Dom von St. Blasien.

Fortsetzung folgt.

Urlaub im Schwarzwald (4): 3. Etappe

Die Freundlichkeit in Blumberg scheint man im „Schwarzwaldhof Nicklas“ offenbar wettmachen zu wollen: Auf unsere Frage, wie wir wieder auf den Wanderweg zurück kommen, empfiehlt die Dame uns gleichgültig den Weg, über dessen schlimmen Zustand wir ihr gestern bereits unser Leid geklagt hatten. Als wir sie daran erinnern, meinte sie, wir könnten ja auch den Bus nehmen. Na – vielen Dank! Gibt’s vielleicht auch einen Hubschrauber? Mit dem könnten wir unsere Wanderung noch mehr abkürzen.

Aber wir sind ja erfahrene Pfadfinder. Bald sind wir sicher und trocken wieder auf unserem Weg, hinein in den Wald derer zu Fürstenberg, die angeblich „eines der besten Biere der Welt“ brauen (kann man tatsächlich gut trinken) und die auf keinen Fall haften wollen.

Kann ich verstehen: Wer da gestanden hat, wo jetzt das Loch ist, hat eine hohe Krankenhausrechnung.

„This is not a photo oppurtunity!!“, steht da. Ach was! – und wieso nicht? Da mach ich doch gleich mal ein Foto (denkt sich wahrscheinlich jeder, der hier vorbei kommt).

Hier küssen sich Gutach und Haslach, um die Wutach zu bilden, an deren Gestaden wir schon die ganze Zeit wandelten … habe ich das nicht poetisch ausgedrückt?

Mmm – Fisch, mal was anderes als Maultaschen und Käsespätzle.

Eine andere süddeutsche Spezialität erwartet uns in Lenzkirch, von der wir in unserem Wanderführer gelesen hatten, weshalb der Ort schon im Vorfeld von uns nur …

… Tortenhausen genannt wurde. Herr-lich!

Ein kleiner netter Ort, genau richtig für eine Pause.

„Buxtehude, Fischerbude“, der Reim geht mir nicht aus dem Kopf. Schickes Design, gefällt mir.

Oben auf dem Hügel lädt eine Bank zum Lesen ein, aber wir müssen weiter, nicht nur weil der Rasenmähermann im Hintergrund so lärmt …

… sondern auch, weil wir eine Umleitung nehmen müssen, die angeblich „keine wesentlich längere Wanderzeit“ erfordert. Hä? Das sieht doch ein Blinder, daß der blaue Weg viel länger ist als der rote. Später erzählt uns ein anderer Wanderer, daß die Sperrung bereits aufgehoben war, nur das Schild war noch nicht weggeräumt. Glücklicherweise haben wir keinen Termin.

Der schon wieder! Hier ist er uns schonmal begegnet.

Riesige Ameisenhügel, fünf Stück hintereinander. Daß die Ameisen sich nicht ins Gehege kommen …

In dem Tal …

… steht unser Hotel, tatsächlich mal ein Gebäude im Schwarzwälder Stil.

Der Ort heißt übrigens Fischbach – die Forelle war ausgezeichnet.

Fortsetzung folgt.

Urlaub im Schwarzwald (3): 2. Etappe

Am zweiten Tag erscheint unerwünscht ein weiterer Wanderbegleiter: Der Muskelkater. Nützt nichts, wir müssen weiter, als erstes diese steile Treppe hinab. Himmel, ist das ein Test? „Wer diese Leitertreppe nicht schafft, sollte sowieso nicht weitergehen“, lautet der Subtext, denn später geht es wieder in die Wutachschlucht.

Erstmal geht es aber einfach weiter, nicht nach Fützen, sondern durch Achdorf …

… zur Scheffellinde, einer Gaststätte, die zwar noch geschlossen hat …

… aber auf Nachfrage erhalten wir trotzdem Kaffee, wirklich sehr freundlich. Benannt ist der Gasthof übrigens nach dem im 19. Jahrhundert vielgelesenen Schriftsteller Joseph Victor von Scheffel, der hier einige seiner Werke schrieb.

Der Verfasser dieses Prosagedichts, das an einem Pfahl am Wegesrand steht, ist dagegen unbekannt.

Am Eingang der Wutachschlucht wird nochmal gewarnt: Die Natur ist gefährlich und und willkürlich, sie läßt einen abstürzen oder wirft mit Steinen und Ästen. Besser, man reizt sie nicht mit Hunden, Fahrrädern, Feuer oder floristischen Ambitionen. Keine Sorge, haben wir nicht vor.

Außerdem wird uns Beistand versprochen. Den Satz habe ich allerdings schon so oft gehört – vermutlich wird man eher erleben, von erbosten abgepflückten Blumen mit Steinen beworfen zu werden.

Bitteschön: Alles halb so wild. Gut, nachher geht es noch ein bißchen bergauf und -ab, aber estmal …

… lassen wir andere Leute vor und gucken, was passiert.

Die Hitze produziert Dali-Brote.

Ausgerechnet, als wir uns im Dickicht befinden, ein Wolkenbruch, der den Weg in einen reißenden Fluß verwandelt. Gut, ich übertreibe ein bißchen.

Andererseits eine willkommene Abkühlung. Der im Sonnenschein so hilfreiche Schirm zeigt sich im Regen als mittelschwerer Versager, allerdings ist es immer noch so warm, daß ich ihm nicht böse sein kann (das Foto ist von meiner Begleiterin).

Nebel im Sonnenschein – zau-ber-haft!

Der Landgasthof Schattenmühle ist das Ende dieser Etappe, aber noch längst nicht das Ende unserer heutigen Wanderung – das Hotel liegt ein paar Kilometer abseits des Weges. Dummerweise ist der Hauptweg zur Zeit gesperrt, aber es gibt einen Alternativweg. Die Bedienung trägt übrigens jene für diese Gegend typische Tracht, die hier alle Frauen tragen … jedenfalls alle traditionsbewußten, die von Generationen von Urschwarzwäldern abstammen. Als sie uns anspricht, hören wir einen polnischen Akzent.

Wie versprochen, taucht er doch noch auf, allerdings im üblichen desolaten Zustand. „Friede mit Gott“, steht auf dem kleinen Heftchen – so sieht der also aus, der Friede, blutend am Kreuz hängend und an seinen eigenen Körperflüssigkeiten ersaufend?
„Man glaubt, der Wanderer sei ein Sünder, weil er nie so oft zur Kirche geht. Aber ein stiller Blick zum Himmel ist besser als ein falsch Gebet“, steht auf der Tafel. Das kann ich voll und ganz unterschreiben.

Himmel! – wer hat diesen Weg empfohlen? 2 km durch dichtes nasses Gestrüpp, das ist kein Vergnügen.

Kurz vor 8 erreichen wir erschöpft unser Hotel – seit 10 Stunden sind wir unterwegs.

Fortsetzung folgt.

Urlaub im Schwarzwald (2): 1. Etappe

Der Schluchtensteig ist ein 120 km langer Wanderweg, den wir in sechs Etappen gegangen sind, also jeden Tag ungefähr 20 km plus der Strecke zu den Unterkünften, denn nicht immer liegen die Hotels direkt am Wanderweg. Da weiß man abends, was man getan hat. Glücklicherweise wurde das Gepäck mit dem Auto von Hotel zu Hotel gefahren, sodaß wir nur den Tagesrucksack tragen mußten.

In dem kleinen Ort Stühlingen geht es los: In der sogenannten Oberstadt gleich neben dem Rathaus ist unser – jedenfalls äußerlich – imposantes Hotel. Nach meinen Erfahrungen ist es immer besser, in einem neueren Hotelgebäude zu übernachten: Die alten Häuser sehen zwar schön aus, haben aber durch die nachträglich eingebauten Hotelzimmer meistens recht dünne Wände, hier z.B. konnte ich die Zimmernachbarn schnarchen hören.

Dafür sitzt man schön im Hinterhof – in einer modernen Hotelanlage findet man sowas nicht. Hat eben alles seine Vor- und Nachteile.

Schöne Gegend hier, das kann ich schon sagen, ohne kaum einen Schritt gegangen zu sein.

Da geht’s lang – da, wo „Schluchtensteig“ steht. Insgesamt ist der Weg gut ausgeschildert, ich glaube, wir haben uns nicht einmal verlaufen.

Die Wutach, ein Fluß, an dessen Ufer wir entlanglaufen, trennt hier Deutschland von der Schweiz – ein paar Schritte über die Holzbrücke, und wir sind im Nachbarland und können unbehelligt unsere Drogen auspacken und was wir sonst so schmuggeln wollen – nein, liebe Zöllner, war nur Spaß, haha, wir gehen gar nicht in die Schweiz, unsere Drogen bleiben im Inland, keine Sorge.

Zu Anfang ist der Weg recht moderat, dennoch müssen die Pausen natürlich eingehalten werden. Eine Bank neben einem Häuschen lädt zum Ruhen ein. Aber was steht da auf dem Schild?

Offenbar sind wir nicht die Ersten, die hier ein Päuschen einlegen. Allerdings hatten wir nicht vor, hier auch noch andere Geschäfte zu erledigen.

Gut zu wissen – falls wilde Tiere einen angreifen, weiß die Feuerwehr, wo sie die Opfer abholen soll.

Wer weiß denn schon, was im Dschungel jenseits der Brücke lauert? In Bayern hat mal ein Bär Probleme gemacht.

In Wirklichkeit ist die Gefahr eine andere: Immer wieder gibt es Leute, die mit Sandalen das Matterhorn besteigen und sich wundern, wenn sie verunglücken. Auch hier muß man kraxeln, deshalb sollte man unbedingt trittsicher sein. Schwindelfreiheit ist von Vorteil – ich bin es nicht und kann daher sagen, daß die Warnung übertrieben ist. Gut, natürlich sollte man nicht unter einer ausgeprägten Höhenangst leiden.

So sehen die Wege aus …

… oder auch so wie hier in den Wutachflühen (dem unteren Teil der Wutachschlucht). Zwei Handbreit Weg, und zur einen Seite geht es manchmal ein paar hundert Meter weit runter – da kann einem schon mulmig werden, besonders, wenn nichtmal Bäume auf dem Abhang stehen, was glücklicherweise selten vorkommt.

Die letzten Kilometer dieser Etappe sind der blanke Horror: Unter freiem Himmel durch die Felder, bei 34° im Schatten, das ist kein Vergnügen. Gut, daß ich meinen Schirm dabei habe.

Im Hotel in Blumberg, offenbar das zentrale Gebäude der Stadt, ist man so freundlich, daß ich kurz den Verdacht hatte, ich hätte es mit Schauspielern zu tun.

Während der Nazizeit wurde hier Erz geschürft, der eher ländliche Ort erlebte eine Blüte und erlaubte sogar den Betrieb eines Kinos. Inzwischen wartet das Grundstück auf einen neuen Investor.

Neben dem Hotel gibt es an der Hauptstraße noch eine weitere Kneipe, einen geschlossenen Imbiß und diese Attraktion: Einen funktionierenden Schokoladenautomaten. Und was machen die jungen Leute hier außerdem? Wie überall in ländlichen Gebieten: Sie fahren mit tiefergelegten Autos mit aufgemotzten röhrenden Auspüffen unter diskolauter Musikbeschallung durch den Ort und fühlen sich stark. Wenn sie damit erreichen wollen, daß die Alten sich darüber aufregen: Herzlichen Glückwunsch, bei mir haben sie es geschafft.

Was steht auf diesem Schild? Schwäbisch Hall, meine ich zu erkennen, und eine fordernde Hand („Her mit der Knete!“) – ganz schön ehrlich, früher, die Bausparkasse.

Fortsetzung folgt.

Urlaub im Schwarzwald (1)

So, da bin ich wieder. Nun muß ich erstmal meine Fotos sichten und sortieren, bevor ich Euch 2.000 Wald- und Moosbilder präsentieren kann. Als Vorschau  – und Zusammenfassung zugleich – ein kleiner Film, die 6-Minuten-Kurzfassung eines zweieinhalbstündigen Dokumentarfilms, mit dem ich alle Dokumentarfilmfestivals gewinnen werde: Harter Realismus, verspielte Musik, Naturdramen, Tierstudien, der Mensch im Allgemeinen und Besonderem – alles drin. Leben eben.

Urlaub an der Küste (6)

Wer mal eine schöne Stadt an der Ostsee besuchen will, sollte nicht nach Kiel fahren. Es kann natürlich sein, daß auch Kiel charmante Seiten hat, allerdings haben wir sie an dem einen Tag, an dem wir da waren, nicht gesehen.

Das ist der Marktplatz an der St.-Nikolai-Kirche in der Altstadt – sofern man davon überhaupt reden kann: Der Platz ist zum großen Teil Anfang der 70er Jahre mit diesen scheußlichen Pavillons bebaut worden, und von Altstadt kann man hier nur insofern reden, als es sich um das Areal der Altstadt handelt. Die Stadt Kiel teilt das Schicksal vieler großer Städte, sie ist im 2. WK weitgehend zerstört worden.

Wir dachten zuerst, wir sind nicht richtig informiert, aber da oben auf der Fahne steht es auch: Altstadt. Viel Mühe hat man sich offensichtlich nicht gegeben beim Wiederaufbau, oder ein heute nicht mehr zeitgemäßes Verständnis von Stadt gehabt.

Immer noch Altstadt. Bei Wikipedia kann man nachlesen, daß die Nazis vorhatten, die Stadt neu zu gestalten: Weg mit den kleinen Gassen, in denen die Subversion gedeiht, hin zu gut kontrollierbaren Straßen, der damalige Stadtbaurat wollte „aus der Altstadt das Zentrum einer „deutschen Stadt““ machen. Und genau der selbe Stadtbaurat war nun nach der Kriegszerstörung für den Wiederaufbau zuständig.

Und dann war zufällig auch noch „Kieler Woche“: Hunderte von solchen Buden, die für viel Geld fiese Speisen aus der Fritteuse und merkwürdige Getränke anboten (Hischblut, das ist Kirschsaft mit Underberg) und die Gäste sadistisch mit einem kakophonischen Klangbrei beschallten. Nichts wie weg hier!

Zu Hause wartete noch eine Aufgabe auf uns: Die Verkostung diverser einheimischer Getränke (ich die klaren, meine Begleiterin die bunten). Was soll ich sagen: Lieber trinke ich einen eisgekühlten Aquavit.

Ende.