Aachener Str.

Wenn der innere Grüngürtel von Köln wirklich ein Gürtel wäre, der eine Hose halten soll, dann würde die ständig auf den Fußknöcheln hängen. Der Grüngürtel wid nämlich überall da durchschnitten, wo der Autoverkehr es nötig macht, zum Teil mit einer sechsspurigen Straße und zusätzlichen Straßenbahngleisen in der Mitte. Da man für Fußgänger, Jogger und Wanderer trotzdem ein zumindest einheitlich erscheinendes Gebiet schaffen wollte, sorgte man für unkomplizierte Übergänge – sollte man jedenfalls vermuten. Hier am vielbesuchten Aachener Weiher kann man die ersten drei Fahrspuren mit Hilfe einer Fußgängerampel überqueren. Dann allerdings soll man ca. 500 Meter stadteinwärts gehen, an der Kreuzung die anderen Spuren überqueren, und wieder 500 Meter zurück gehen, zum Anschlußpunkt des Grüngürtels – ein kleiner Umweg von ca. einem Kilometer.

Das macht natürlich kein Mensch, wie man an dem breit ausgetretenen Trampelpfad im Gras sehen kann, selbst Fahrräder und mehrsitzige Kinderwagen werden über die Absperrung und die ungesicherten Gleise und Fahrspuren gehoben. Diese Gefahrenquelle für Unfälle hatte man bereits bei der Einrichtung der Ampelanlage gesehen – man ist ja nicht dumm. Das war vor 38 Jahren (in Worten: achtunddreißig). Gut, man hat ja auch viel zu tun, erst ist Karneval, dann gehen alle in Urlaub, dann kommt eine Erkältung, und schon ist das Jahr wieder um. Nun hat man endlich ein wenig Zeit gefunden, aber, oh je, da steht in ein paar Metern Entfernung so ein kleines Betonhäuschen der Straßenbahn, das ganz eventuell die Sicht ein bißchen behindern könnte – das geht natürlich gar nicht, viel zu gefährlich, wenn da was passiert, nicht auszumalen! Eine Umsetzung kostet nochmal 80.000 Euro zusätzlich, die muß der Rat erst bewilligen, aber dann, bis Juni/Juli könnte man fertig sein – ich vermute, im Jahr 2051.

Lindenstr.

Labude, Labude … woher kenne ich diesen Namen? Ah – ich weiß: Labude heißt der beste Freund von Fabian. Er hat sich selbst aufgrund eines bösen Scherzes, den sich jemand mit ihm geleistet hat, umgebracht. Also jetzt nicht wegen des Scherzes, sondern weil er nicht wußte, daß es einer war. Fabian ist die Hauptfigur im gleichnamigen Roman von Erich Kästner aus dem Jahr 1931, seinem Erstling. Die Handlung spielt – in Berlin – genau zu der Zeit, also am Ende der Weimarer Republik und am Vorabend der Machtergreifung durch die Nazis. Jakob Fabian versucht, inmitten der Unübersichtlichkeit der gesellschaftlichen Situation ein moralisch integerer Mensch zu bleiben: Auf der einen Seite die durch die Weltwirtschaftskrise ausgelöste Not vieler Leute, eine hohe Arbeitslosigkeit, gesellschaftliche Verwahrlosung und Hunger, auf der anderen das vergnügungssüchtige Treiben der roaring twenties, und dazwischen die ausufernden Straßenkämpfe zwischen Kommunisten und Nazis. Man kann sich vorstellen, wie das für Fabian ausgeht, besonders, wenn man weiß, wie Kästner den Roman eigentlich nennen wollte: „Der Gang vor die Hunde“. Dem Verlag klang das zu pessimistisch, außerdem wurde ein Kapitel wegen angebliche zu sexueller Freizügigkeit gestrichen. Das hinderte die Nazis zwei Jahre später nicht daran, den Roman als entartet und pornographisch zu bezeichnen und ihn während der Bücherverbrennung auf den Scheiterhaufen zu werfen.
Ein gutes Buch, sehr zu empfehlen. Erst seit diesem Jahr gibt es eine vollständige Ausgabe im Atrium-Verlag unter dem Originaltitel.

Bei mir zu Hause

Das ist ein Feuermelder. Eigentlich meldet er kein Feuer, sondern Rauch, und das ist auch besser so, denn bevor man verbrennt, ist man erstickt. Er hängt in meinem Flur, ein per Funk verbundener Zwilling in meinem Schlafzimmer. Vor ca. einem Jahr habe ich die angeschafft, als in den Medien immer mal wieder von Hausbränden die Rede war.

Vorletzte Nacht um halb eins gaben sie Alarm. Es roch leicht angekokelt, ich dachte sofort an irgendein durchgeschmortes Kabel, aber mein erster Reflex war, diese Sirenen zum Stillstand zu bringen. Das ist gar nicht so einfach, man muß eine Trittleiter holen, die Melder abnehmen und aufschrauben und dann die Batterien entfernen, denn einen Aus-Knof haben die nicht. In der Zwischenzeit versammelte sich die Nachbarschaft vor meiner Tür, ich befürchtete: Um mir wegen des Lärms den Hals umzudrehen.

Das Gegenteil war der Fall, denn als ich die Haustür öffnete, schlug mir ein übler Brandgeruch entgegen. Einer meiner Nachbarn war schon auf dem Weg nacht unten – ich wohne im dritten Stock – um herauszufinden, woher er kam. Wie sich herausstellte, war ein Mitbewohner aus dem Erdgeschoß betrunken mit brennender Zigarette in seinem Bett eingeschlafen und hatte so die Matratze in Brand gesetzt, war dann glücklicherweise wieder aufgewacht, konnte den Schwelbrand aber nicht löschen und hatte die Matratze deswegen auf den Hinterhof geschleppt. Inzwischen war die von meiner Nachbarin gerufene Feuerwehr mit fünf Löschfahrzeugen eingetroffen, zog aber nach zehn Minuten wieder ab. Ohne die beiden Rauchmelder hätte niemand etwas bemerkt. Die beiden Kleinfamilien aus dem ersten Stock waren erstaunt, als wir ihnen am nächsten Tag erzählten, was in der Nacht passiert war, sie waren nichtmal aufgewacht.

Liebe Leute: Kauft Feuer-/Rauchmelder!

Barbarossaplatz / Zülpicher Platz

Die Strickguerilla hat wieder zugeschlagen. Die Ampel wird zwar nicht grün, wenn man auf den Knopf drückt, aber das ist bei den anderen Ampeldrückern ja auch so, wenn man die betätigt, erscheint über der roten Ampel ein Schriftzug: Bitte warten. Ach was! Rot bedeutet also warten?!

Na – das paßt doch ganz gut zu Halloween …

… gleich neben einer Kirche, dem Ort des gesellschaftlich geförderten Obskurantismus („Obskurantismus (lat.), Gegensatz zu Aufklärung (s. d.), sowohl die Hinneigung zur geistigen Dämmerung als das System, alle Aufklärung von andern abzuhalten. Die Anhänger des O. heißen Obskuranten (Finsterlinge).“ Meyers Konversationslexikon, 1888).

Am Aachener Weiher

Gar keine Liebe? Na, das stimmt ja nun auch nicht. Ob da jemand unglücklich verliebt ist?

Der Park als Galerie, warum nicht. Zuerst dachte ich, jemand hätte seine alte Zimmerdekoration weggeworfen, aber stimmt nicht, in der Nähe hängt noch ein Bild:

Ich les mal vor:

Einsamkeit
Ich wünsche nicht zu
wissen, mit wem ich mich
in Konflikt befinde. Ich verlange
nicht danach, die peripheren
Konflikte meines Lebens zu
kennen. Ich möchte nur wissen,
warum Konflikt überhaupt
existieren sollte.“

Zülpicher Str.

Und noch ein Gedicht, diesmal von einer Plakatwand. Kann man schlecht lesen, oder? Hier nochmal in Reinschrift:

1.

Sauber
das ist ein Wort

Erst Teilchengrätsche
Epithel
dann Haar dann
Hirn, gekettet.
Menschsein gar
zwischenvernommen
Klang und klangvoll dunkelbar –

und Samt
rieselt ihm ein.

(Glaubst du denn Sonnen
sie bleiben, glaubst du
die Erde
verliert nicht an Gewicht?)

2.

Mensch von vielen Dingen, dein –
sauber das Ich, sauber das Du
und auch das Meer
voll Alg und Makro.
Vielleicht noch Großes
Traumdichzu
vielleicht gestofflicht Untertan:
Salz
die Stunden graben
polykontraktiv
Salz die Stunden graben
blauvergraut
den Stein

ins Stirnweich.

(Glaubst du die Höhlen
sie wussten, glaubst du
das Bald
birgt dir Erkenntnis?)

3.

Und am Anfang: Ideal!
Und am Ende Umverteilung.

:
Gestreiftes
wie sauber
fleischt es dir zu
Mensch
schlag auf
Weltfang um Weltfang
getreu, verendlicht

und Stirnboten schweigen
und alles ist Bote

und Samt rieselt dir ein.

Dennis Freischlad für CitiyLeaks 2013

Hohenstaufenring

Wahnsinnig gemütlich finde ich es nicht im „Café & Chocolaterie 20°“ …

… aber der Kuchen entschädigt für vieles: Alle hausgemacht, weiß man gar nicht wofür man sich entscheiden soll. Der Apfelkuchen war sogar leicht angewärmt und sehr lecker, und auch die anderen Angebote sahen interessant aus. Qualität hat allerdings ihren Preis: 4,80 Euro für ein Stück mit Sahne mag angemessen sein, aber wird bei mir jedenfalls eher die Ausnahme bleiben.

Hohenstaufenring

Nachdem man in Köln und NRW nun ein striktes NiSchG eingeführt hat, müssen an manchen Stellen Hausbewohner sich erst durch eine dichte Traube von Menschen kämpfen, wenn sie auf die Straße wollen. Ich fordere daher dringend den Erlaß eines HaSchG. Und wenn man schon mal dabei ist: Für die allgemeine Volksgesundheit ist unbedingt erforderlich, ein ArVeGwöhönS-vL zu erlassen!

NiSchG = Nichtraucher-Schutz-Gesetz
HaSchG = Hauseingangs-Schutz-Gesetz
ArVeGwöhönS-vL = Arbeitszeit-Verkürzungs-Gesetz auf wöchentlich höchstens neunzehn Stunden bei vollem Lohnausgleich

Haustiere

… in der Großstadt, das ist so eine Sache für sich. Wenn schon, dann so eins: Braucht keinen Auslauf, kostet keinen Unterhalt, schmutzt und bellt nicht. Allerdings verjagt es auch keinen Einbrecher – es sei denn, er ist wasserscheu.