Ja, was wächst denn da? Was? Domspitzen? Quatsch, die meine ich nicht … Wein! Mitten in der Stadt. 720 Rebstöcke, 140 verschiedene Sorten, stehen da auf einem nach Süden geneigten Dach. Wie ergiebig das ist und ob das Getränk nach dem Keltern besser schmeckt als „Bahndamm-Südseite“, weiß ich nicht, aber darauf kommt es wahrscheinlich gar nicht an: Das Dach gehört zum Weinmuseum, von dessen Existenz ich bisher keine Ahnung hatte. Scheint ganz interessant zu sein, glaubt man der Homepage, viel Wissenswertes ums Thema wird vermittelt. Leider ist es in der kalten Jahreshälfte geschlossen.
Schlagwort: Neustadt Nord
Brüsseler Platz
Hier heißt es, den Kopf einzuziehen, damit man nicht im Netz hängen bleibt. Vor Spinnen braucht man aber keine Angst zu haben: Im Rahmen der „plan 10„, dem bislang alljährlich stattfindendem „Forum aktueller Architektur“, haben Studierende des Fachbereichs Architektur der Alanus Hochschule in Alfter eine „performative Installation“ geschaffen und einen Baldachin aus Plastikseilen über die Wege zwischen den Hochbeeten vor der Kirche St. Michael am Brüsseler Platz gespannt.
„Performativ“ soll bedeuten, daß das Herstellen, also das Knüpfen und Anbinden wichtiger Teil des Kunstwerks ist, man wollte mit den Anwohnern ins Gespräch kommen … ob das geklappt hat und worüber man geredet hat, weiß ich nicht, aber das Resultat ist ganz eindrucksvoll.
Und den Kindern gefällt es auch.
Die Anwohner haben eigentlich andere Sorgen, denn seit ein paar Jahren haben sich junge Leute bei warmem Wetter diesen Platz als Treffpunkt ausgesucht: Hier herrscht unter hohen Bäumen eine schöne Atmosphäre, Kioske, Imbisse und Kneipenrestaurants bieten eine gute Infrastruktur. Rauchen darf man, soviel man will, und trinkt günstiges Bier aus Flaschen – und die von den Anwohnern gepflegten Hochbeete bieten genug Platz, seine Notdurft verrichten zu können. Bis zu 1000 partyfreudige Besucher kommen hier am Wochenende zusammen, haben bis in die Morgenstunden eine gute laute Zeit und sorgen so für jede Menge Müll und Schlaflosigkeit bei zunehmend genervten Anwohnern.
Wer sich dafür interessiert, kann an den aufgestellten Schildern lesen, was das kostet, was er da so macht. Aber ob’s was nützt? Der Platz taucht inzwischen in einigen Reiseführern als „IN-Location“ auf und lockt Touristen an.
Ausnahme-Sonntag
Ist Köln jetzt autofrei? Super!!
Nein? Wenigstens am Wochenende? Auch nicht?
Schade. Nur am letzten Sonntag, weil viele Verrückte engagierte Sportler am jährlichen Marathon-Lauf teilgenommen haben, waren die Straßen abgesperrt.
Gleich hinterm Ziel sah man ihnen die Strapazen an: Kaputt, aber stolz. Über 42 Kilometer, meine Hochachtung!
Der Herbst kam in leuchtenden Farben bei angenehmen 24 Grad, wie hier mitten im Zentrum …
… oder am Rande des Mediaparks im Garten des Filmhauses …
… wo die Leute anscheinend keine Ahnung hatten von den Mühen der Aktiven. Oder sich einfach nicht darum kümmerten. Der Kuchen war lecker.
Innerer Grüngürtel
„Videbitis spinnt! Dem fällt nix mehr ein. Jetzt zeigt er uns schon ein Stück Kölner Rasen!“, mag man vielleicht denken. Das ist aber ein ganz besonderes Stück: Ein Kunstwerk!
Das dieser BanauseJogger mit Füßen tritt. Gut, in diesem Fall ist es nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht: Was der Läufer für einen neuen Weg hält (man muß genau hinsehen, weil das „Werk“ schon wieder ein wenig bewachsen ist), ist in Wirklichkeit eine „Rasenmäherzeichnung“ des Künstlers Ralf Witthaus. Bis zur Grasnarbe mähte der in den vergangenen Wochen einen drei Meter breiten Streifen durch die ganze Länge des inneren Grüngürtels, der die Innenstadt von Köln umspannt.
Ausfallstraßen und den Aachener Weiher mußte er natürlich überspringen, was soll man da auch mähen. Aber auf der anderen Seite geht’s weiter, hinter der Plastik von Lajos Barta macht der Streifen einen Knick nach links.
Das Projekt heißt „Die Bundesrasenschau“ und soll zeigen, daß es einen Grüngürtel gibt … nee, Moment … Zitat: „… mache auf diese Weise den Grüngürtel als eine zusammenhängende Form, als einen Park sichtbar und erfahrbar.“ Aha. Gut, daß ich noch mal nachgelesen habe, schließlich will ich hier nichts Falsches behaupten.
Neusser Str.
Neulich sind wir beim Spazierengehen über ein Straßenfest im Agnesviertel gestolpert – es war überraschend angenehm. Natürlich waren überall die üblichen Buden und Kinderkarussells, natürlich erscholl aus allen Ecken kölsches schunkelfähiges Liedgut – aber es gab auch Bierbuden mit irischem und sehr leckerem Bier aus einer Klosterbrauerei aus dem Münsterland. Wenig Gedränge, entspannte Besucher, ein Sänger mit E-Gitarre und kleinem Verstärker versuchte sich mit charmant schräger Stimme an internationalen Hits von Pink Floyd bis Madonna.
Diese beiden Artikel standen vor einem Dekogeschäft in einem Regal, in dem alles um 50% reduziert war. Ich konnte mich gerade noch zurückhalten. Daß es auf etwas völlig Wertloses nochmal 50% Nachlaß gibt, hat einen gewissen absurden Reiz und füttert das Vergnügen an surrealistischer Poesie.
Aachener Str. in Ringnähe
An lauen Sommerabenden geht das Publikum des Millowitsch-Theaters gern vor die Tür, um frische Luft zu schnappen und in der zum Theater gehörenden Kneipe ein Kölsch zu zischen. Die volkstümlichen Schwänke in kölschem Dialekt erfreuen sich auch nach Willy Millowitschs Tod 1999 großer Beliebtheit, Busladungen von Besuchern werden aus dem Umland hergebracht.
Gegenüber auf der anderen Straßenseite hat sich in den letzten Jahren dank einer Bürgersteigverbreiterung eine der attraktivsten Amüsiermeilen Kölns entwickelt, Kneipen und Restaurants reihen sich aneinander, eins ist mehr „in“ als das nächste, und entsprechend voll ist es hier immer. Ich schlendere hier gern mal durch, zum Sitzen ist mir aber zu viel Rummel.
Das „Theater im Bauturm“, ein freies Theater, das von einer Architektengruppe gleichen Namens gegründet wurde, nebst großem Kneipen-Café gibt es nun auch schon seit 27 Jahren. Gespielt wird Zeitgenössisches, aber zwischendurch z.B. auch mal Schiller oder Comedy. „Der Kontrabaß“ von Patrick Süßkind ist ürigens ein Dauerbrenner, das Ein-Personen-Stück wird schon seit über 20 Jahren gespielt – noch immer vom selben Schauspieler.
Stadtgarten
Menno! Ich WILL aber! Der Spielplatz liegt in der anderen Richtung! Doofer Papa, doofe Mama. Sollen die doch laufen. ICH bleibe solange hier sitzen, sie werden schon sehen, was sie davon haben! Vielleicht hilft’s, wenn ich ein bißchen „huh huh“ mache … richtig weinen wäre natürlich besser … wann kommt Papa denn endlich? „HUH HUH …“
Schaufenster in der Aachener Str.
Doch doch – da steht wirklich ein fast lebensgroßer edler Hengst mit einem Lampenschirm auf dem Kopf, ich mußte auch zweimal hinsehen, bevor ich es glauben konnte. Fürs Schlafzimmer. Und dann noch zwei Rammler, wie passend. Ob das Totemtiere sind, die was Bestimmtes beschwören sollen? Gut, andere Leute haben einen Gekreuzigten über ihrem Bett hängen, da ist so ein potentes Tier schon besser. Nur der Schirm auf dem Kopf wirkt jetzt nicht soo elegant.
