Brüsseler Platz

Hier heißt es, den Kopf einzuziehen, damit man nicht im Netz hängen bleibt. Vor Spinnen braucht man aber keine Angst zu haben: Im Rahmen der „plan 10„, dem bislang alljährlich stattfindendem „Forum aktueller Architektur“, haben Studierende des Fachbereichs Architektur der Alanus Hochschule in Alfter eine „performative Installation“ geschaffen und einen Baldachin aus Plastikseilen über die Wege zwischen den Hochbeeten vor der Kirche St. Michael am Brüsseler Platz gespannt.

„Performativ“ soll bedeuten, daß das Herstellen, also das Knüpfen und Anbinden wichtiger Teil des Kunstwerks ist, man wollte mit den Anwohnern ins Gespräch kommen … ob das geklappt hat und worüber man geredet hat, weiß ich nicht, aber das Resultat ist ganz eindrucksvoll.

Und den Kindern gefällt es auch.

Die Anwohner haben eigentlich andere Sorgen, denn seit ein paar Jahren haben sich junge Leute bei warmem Wetter diesen Platz als Treffpunkt ausgesucht: Hier herrscht unter hohen Bäumen eine schöne Atmosphäre, Kioske, Imbisse und Kneipenrestaurants bieten eine gute Infrastruktur. Rauchen darf man, soviel man will, und trinkt günstiges Bier aus Flaschen – und die von den Anwohnern gepflegten Hochbeete bieten genug Platz, seine Notdurft verrichten zu können. Bis zu 1000 partyfreudige Besucher kommen hier am Wochenende zusammen, haben bis in die Morgenstunden eine gute laute Zeit und sorgen so für jede Menge Müll und Schlaflosigkeit bei zunehmend genervten Anwohnern.

Wer sich dafür interessiert, kann an den aufgestellten Schildern lesen, was das kostet, was er da so macht. Aber ob’s was nützt? Der Platz taucht inzwischen in einigen Reiseführern als „IN-Location“ auf und lockt Touristen an.

0 Antworten zu “Brüsseler Platz

  1. Die armen Anwohner, wie unerquicklich!

    Die Plasteseile werfen bei mir sofort den Ökogedanken auf: wie wird das wohl später entsorgt?! Der Gedanke mit Netzwerk gefällt mir natürlich sofort. Hätten das nun nicht Hanfseile sein können? *g* Jaja, ich weiß….

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  2. Der rasende Reporter war aktiv: Der Projektleiter Benedikt Stahl hat prompt geantwortet:

    „vielen dank für die „veröffentlichung“ ihrer schönen bilder von unserer aktion in köln. in der tat hat das ganze für sehr viele kommentare und kleine gespräche gesorgt. wir hatten – vor allem natürlich bei den kleineren – ziemlich schnell eine menge freunde aber es gab auch kritiker oder sogar passanten, die das ganze „einfach nur schrecklich“ fanden. ich glaube, es ist uns gelungen, mit allen ein bisschen ins gespräch zu kommen und so haben die studierenden eine schöne sammlung an bildern und erlebnissen zusammentragen können, die unsere arbeit an der hochschule bereichert. eine kleine gruppe will sich nun damit beschäftigen, die aktion zu dokumentieren.

    was die schnüre betrifft, so kann ich sie beruhigen: wenn die gebrauchten materialien nicht weiter gesponnen werden und daraus neue projekte entstehen, werden sie auf jeden fall ordnungsgemäß entsorgt. übrigens können sie – sollten sie uns einmal an der alanus hochschule besuchen – in der bibliothek eine meisterwerk an recyclingkunst sehen, dass ebenfalls von der kölner gruppe ausgedacht und gebaut wurde. ein begehbarer würfel aus wellpappe, die aus altpapiercontainern diverser bau- und supermärkte stammt…“

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  3. Tolle Idee, gefällt mir ausnehmend gut.

    Weniger gut finde ich die Strafen für ungebührliches Pieseln im Hochbeet. Gibt’s denn da kein öffentliches Klo?
    Und was zahlt man, wenn man den Tschick nicht wegschnippt, dafür aber einfach fallen lässt?

    Zustände wie in Singapur: 🙂

    Selten da, dafür umso lieber grüße ich dich!

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