Das „Pico coffee“ ist ein typisch kölsches Büdchen, zentral gelegen im Agnesviertel. Und es ist noch mehr: Es gibt frische Kaffeevariationen (ein Hoch auf den Kaffeevollautomaten), die gut sein müssen, denn sie finden nach meiner Beobachtung guten Absatz, sehr leckere Crèpes (ich habe einen probiert) und warme Sandwiches, z.B. mit Schafskäse und Tomaten für 2,50. Der typisch kölsche Bürger und Inhaber des Büdchens Ismael Arslan ist jetzt nicht der Strahlemann, aber kompetent und korrekt – und stolz auf seine Besucher, an der Wand hängen Autogrammkarten von den Kölner „Tatort“-Kommissaren (das Büdchen war mal in einem Tatort zu sehen) und Anke Engelke, mit persönlichen Widmungen. In der Nähe soll mal Harald Schmidt gesichtet worden sein, weiß ich aus einer anderen Quelle. Tja, Köln – Stadt der Prominenz.
Schlagwort: Neustadt Nord
Möbelmesse
Gestern ging die „imm cologne“ zu Ende, die Internationale Möbelmesse Köln, eine der weltweit größten ihrer Art. Ich selbst war nicht da, aber eine Freundin, die es ganz interessant fand, wenn auch anstrengend: Rund 1.500 Aussteller, das muß man erstmal schaffen. Das Ganze ähnelt einem sehr großen Möbelhaus, meinte sie, in dem man nichts kaufen kann. So eine Messe wird ja in erster Linie für Fachpublikum veranstaltet: Die Hersteller und Designer zeigen die neuesten Produkte, und die Händler schauen sich alles an und bestellen dann fleißig. Wie heute zu lesen ist, haben die Geschäfte gut geklappt.
Ich stelle mir das schwierig vor, immer neue Formen zu finden für Dinge, die das Kriterium ihrer ursprünglichen Funktion ja auf keinen Fall verlieren dürfen. Ein Sessel, egal wie er aussieht, muß immer eine Sitzfläche und eine Lehne haben und außerdem irgendwie gepolstert sein. Darüber hinaus ist alles möglich: Wer einen Schaukelsessel in einer Form haben möchte, die an einen überdimensionierten häßlichen Pantoffel erinnert – bitte schön. Und der rote Ledersessel, ist der als Lesesessel gedacht? Rechts könnte man den Arm, deren Hand das Buch hält, auf die abfallende Lehne legen. Oder wie? Einen Cognacschwenker? Jedenfalls finde ich in beiden Fällen: Schön ist anders. Außerdem brauchen beide Modelle viel Platz, den habe ich sowieso nicht.
Die „imm“ ist aber nicht nur Fachmesse für Möbel, sondern auch für Innenraumgestaltung, Lampen, wie diese quecksilbrigen Hängeleuchter, und andere Accessoirs gehören also auch dazu – wie z.B. dieses undefinierbare Objekt:
Was soll das sein, ein alternativer Weihnachtsbaum? Ein Totempfahl? Eine Lampe ist es definitv nicht. Aber immerhin ist es mal etwas Außergewöhnliches. Ich verstehe nicht, wieso die vielen großräumigen Möbelgeschäfte an den Ringstraßen ihre Schaufenster zur „imm“ nicht mit lustigen, interessanten Installationen dekorieren, wie es vor einigen Jahren hier mal der Fall gewesen ist. Das würde nicht nur auswärtige Messebesucher in die Stadt locken, sondern auch die Kölner würden sich freuen, weil sie was zu gucken haben. Aber wahrscheinlich sind die Händler zu gedankenlos, oder sie haben es nicht nötig.
Neusser Platz / Heumarkt
„Kölns Stärke ist der soziale Zusammenhalt“, sagte der Oberbürgermeister in seiner Neujahrsansprache. Ob er die zig Tausende von Bewohnern meinte, die nicht nur gemeinsam auf der Straße das neue Jahr feiern, sondern auch wie abgesprochen ihren Dreck da liegen lassen, wo er entsteht?
Aus dem Weihnachtsmarkt auf dem Heumarkt ist nun ein Wintermarkt geworden – geschickt, so kann man noch ein paar Euro machen mit der Festtagsstimmung, über das Fest hinaus. Der umsatzstärkste Tag des Jahres sei sowieso der Tag nach Weihnachten, habe ich gelesen, da haben viele noch frei und gehen Geschenke um- und Gutscheine eintauschen, und dann ist es doch schön, wenn man noch einen leckeren Zuckerwein aus dem 10-Liter-Pappkarton trinken kann.
Auch der Wintermarkt hat nun gestern geschlossen, aber ich wollte euch auf keinen Fall die Bilder der größten Weihnachtsmarkteisbahn vorenthalten, die die Welt je gesehen hat. Oder Köln (das läuft für viele Kölner auf das selbe hinaus). 400 Meter Laufstrecke, ein kleiner Platz zum Stockschießen, Kosten: 1,2 Millionen Euro. Man rechnet nicht damit, daß mit der Eisbahn Gewinn gemacht wird bei einem Eintritt von 6,50/5,00 Euro – was mich erst verwunderte, denn wer betreibt einen Betrieb, wenn er von vornherein einen Verlust erwartet? Des Rätsels Lösung: Die öffentliche Hand! Es gibt nicht nur einen privaten Betreiber, sondern „Rheinenergie“ und die Bädergesellschaft Köln sitzen auch noch mit im Boot. Die sind zwar strenggenommen auch ausgegliedert in die Wirtschaft, gehören aber der Stadt, die für alle Verluste aufkommt. Da freut man sich doch, daß man indirekt diese schöne Bahn mitfinanziert, obwohl man nie einen Fuß darauf setzt.
Jedenfalls nicht ohne Gehhilfe.
Mediapark
Manchmal hört man ja den Spruch: Das ist so blöde, daß es schon wieder gut ist! Ich kann das meistens schlecht nachempfinden, blöd bleibt für mich blöd, auch wenn ich kurz darüber lachen muß. Was ich aber durchaus verstehe, ist, wenn jemand sagt: Das ist so blöde, das muß man gesehen haben. „Muß“ man natürlich auch nicht, aber ich weiß, was damit gemeint ist.
Insgesamt wird in Deutschland ein Umsatz von bis zu 5 Milliarden Euro mit Weihnachtsmärkten gemacht. 5.000.000.000,00 Euro pro Jahr! Da ist es verführerisch, noch ein paar Märkte mehr aufzumachen, wie z.B. hier im Mediapark.
Der Mediapark wurde von 1987 bis 2004 auf einem alten Bahngelände errichtet, und der Platz, den die hochgezogenen Gebäude umstehen, ist so, wie viele Plätze, die nicht gewachsen, sondern am grünen Tisch geplant worden sind: Unwirtlich, kalt und zugig. Wäre nicht in einem Gebäude der Cinedom mit seinen vielen Kinosälen untergebracht, man wüßte kaum, was man in dieser Gegend sollte. Stilbewußt hat man also die Weihnachtsbäume der Umgebung angepaßt.
Der Weihnachtsmarkt steht unter dem Motto … irgendwas mit „alpin“. An einer Bude gibt es Manner-Waffeln, an einer anderen Wiener Würstl, und in der lauten großen Bretterbude (oder nennt man das „Hüttn“?) wahrscheinlich „a Gaudi“, oder was der Kölner sich darunter so vorstellt.
Während von einer Bühne Volkmusik erklingt – allerdings lateinamerikanische, da hat wohl jemand bei der Buchung der Truppe nicht aufgepaßt – werfen wir einen Blick auf ein typisch Weanerisches Kaffeehaus – und ergreifen die Flucht.
Venloer Str.
Heute geht es wieder los, die Vorweihnachtszeit beginnt quasi mit öffentlich-rechtlicher Erlaubnis: Die neun Kölner Weihnachtsmärkte öffnen ihr Pforten. In keiner anderen deutschen Stadt ist der Besucherandrang so groß, auch in diesem Jahr rechnet man wieder mit 5 bis 10 Millionen Gästen, die kräftig Geld in die Kassen der Schausteller, aber auch in die der Stadt spülen. Ich kann nur raten, in den ersten beiden Wochen zu gehen, wenn man es nicht lassen kann, da ist es noch einigermaßen auszuhalten. Natürlich werde auch ich wieder wie jedes Jahr opferbereit prüfen, ob der Glühwein immer noch zu süß und der Flammlachs schon wieder teurer geworden ist, was tut man nicht alles für seine Blogfreunde.
Herbstimpressionen
Eindeutig Herbst, aber noch so warm, daß man in kurzen Hosen im Park spielen kann.
Ich gehe ja wochentags nicht oft durch die Stadt und ihre Parks. Heute, bei meinem Genesungsspaziergang durch den Grüngürtel, hörte ich, daß das permanente Grundrauschen vom Autoverkehr noch viel lauter ist als am Wochenende. Wer genau hinschaut, sieht die Autoschlangen zwischen den Baumstämmen.
Mensch, Tier, Natur – daneben eine Arbeitsmaschine, die von kleinen Organismen am Laufen gehalten wird. Wer hat die da hingestellt? Können nur Außerirdische sein, oder?
Am „kitti chai“ in der Ehrenstr. sitzen noch viele bis in den Abend hinein im T-Shirt. Das thailändische Essen da ist übrigens gut und günstig, alles frisch gemacht, zu Preisen zwischen 6 – 9 Euro bekommt man eine volle Mahlzeit, die relativ gesund ist, viel besser, als in den vielen Burger-Läden drumherum. Innen ist es allerdings so laut wie in einer Disko – okay, ich übertreibe, aber sehr laut, und wenn man wieder auf der Straße steht, hat man nicht nur taube Ohren, sondern nimmt den Geruch der offenen Küche in seinen Klamotten mit nach Hause.
Ein paar schöne warme Tage kommen noch. Ich freu mich darauf.
Hohenzollernring
Ein typischer Fall von Schmarotzermarketing: Da wird der öffentlichen Skulptur „Ruhender Verkehr“ von Wolf Vostell aus dem Jahr 1969 (hier habe ich davon erzählt) eine passgenaue Reklameplane übergezogen, um für ein neues Auto zu werben. Einfallsreich und pfiffig, mag man denken, aber wo kommen wir hin, wenn das Schule macht, Originalkunstwerke für kommerzielle Werbung zu verändern? Man stelle sich vor, man läuft nichtsahnend durch den Louvre und wird plötzlich mit einer Zahnpastareklame konfrontiert:
Neusser Str./Ring
Wenn in Köln die Plastikbecher fallen, ist Herbst, und die Kollegen vom Abfallwirtschaftsbetrieb legen selbst am Sonntag Sonderschichten ein.
Gestern war Kölnmarathon, wie jedes Jahr Anfang Oktober. Das zauberte uns ein Lächeln ins Gesicht, da braucht es eigentlich keine Aufforderung, denn die Stadt ist für Autos zum größten Teil lahmgelegt.
Theodor-Heuss-Ring
Achtung! Nase zuhalten! Gut, daß es noch kein Geruchsinternet gibt. Im Kronleuchtersaal riecht es wie in einer sehr gut besuchten Toilette, was auch nicht weiter verwunderlich ist, denn er gehört zur Kölner Kanalisation.
Da links kann man genau untersuchen, was die Leute so gegessen haben, wenn man will, bevor die braune Brühe Richtung Klärwerk verschwindet. Für den Fall, daß es so stark regnet, daß die Röhre die Massen nicht mehr fassen kann, hat man eine Art Überlaufkanal gebaut, der direkt in den Rhein führt (rechts im Bild). Gut, besser in den Rhein, als daß die ganze Scheiße in die Wohnungen zurückgedrückt wird.
Und wieso hängt da ein Kronleuchter? Als die Kölner Kanalisation im Jahr 1890 fertiggebaut wurde, war man – zu recht! – so stolz, daß man Kaiser Wilhelm II. zu einer Besichtigung einlud, Köln stand ja damals unter preußischer Herrschaft, und zur Ausgestaltung dieses feierlichen Akts hängte man schon mal zwei Kronleuchter auf. Der Kaiser hatte aber Besseres zu tun, was ich durchaus verstehen kann.
Inzwischen werden hier wegen der hervorragenden Akustik mehrere Male im Jahr kleine Konzerte aufgeführt, aber ganz ehrlich: Selbst, wenn mir jemand eine Eintrittskarte dafür spendieren würde, müßte ich dankend ablehnen.
So sah das aus vor 250 Jahren: Köln in den Grenzen der mittelalterlichen Stadtmauer, die Bebauung war noch recht übersichtlich. Die dicken roten Striche sind sogenannte Pfuhle oder Kaule (in den Straßennamen von findet man sie noch heute: Rinkenpfuhl, Sandkaul), offene Sammelstätten für Exkremente und andere Abfälle, die dann irgendwann in den Rhein geleitet wurden – wozu hat man so einen Fluß. Ca. 44.000 Menschen lebten hier, das waren nur 4.000 mehr als um 1600, hundert Jahre später jedoch, also 1850, war die Zahl der Einwohner durch die fortschreitende Industrialisierung auf über 100.000 geklettert. Und man hatte immer noch keine Kanalisation, geschweige denn das Wissen darum, wie gefährlich das war. Noch im Jahr 1892 bestritt der anerkannte Chemiker Max von Pettenkofer (dem wir u.a. den Suppenwürfel und die Amalgamzahnfüllung verdanken), daß sich die Cholera über verunreinigtes Wasser verbreitete. Aber die Bevölkerung ahnte zumindest, daß soviel Unrat nicht gut sein kann: Das Wasser wurde nur „verdünnt“ getrunken – mit Wein.
So, mir reicht’s. Wo ist der Ausgang? Ich brauche jetzt erstmal ein Bier.
Impressionen
Der Yuppie-Strand an des Rheins Brandung: Verwaist. Unbenutzt stehen die Surfbretter im Sand und träumen vom Pazific.
Auch der Biergarten ist leer, selbst Personal lungert hier nicht mehr herum.
Muß das sein? – abends ist es jetzt wieder dunkel. Keine Frage, ihr habt es vielleicht auch schon bemerkt: Der Sommer ist vorbei.
Macht nichts, der Herbst ist auch schön, solange es nicht tagein, tagaus regnet. Die Kultursaison hat wieder angefangen, Zeit, mal wieder ins Theater oder ins Museum zu gehen. Sissi? Läuft hier als Musical, aber ohne mich. Köbes Underground ist die Hausband der Stunksitzung, wirklich lustig, aber sie erinnern mich an etwas, woran ich lieber nicht denken möchte, die übelste Herbsterscheinung, die ich kenne, die, die am 11.11. beginnt. Könnte Obama hier nicht auch mal was tun? Eine internationale Ächtung von Kamelle und Strüßjer – Putin hätte bestimmt nichts dagegen, wenn er erfährt, daß die Jungfrau ein Mann mit Zopfperücke ist.