Hohenzollernring

Ein typischer Fall von Schmarotzermarketing: Da wird der öffentlichen Skulptur „Ruhender Verkehr“ von Wolf Vostell aus dem Jahr 1969 (hier habe ich davon erzählt) eine passgenaue Reklameplane übergezogen, um für ein neues Auto zu werben. Einfallsreich und pfiffig, mag man denken, aber wo kommen wir hin, wenn das Schule macht, Originalkunstwerke für kommerzielle Werbung zu verändern? Man stelle sich vor, man läuft nichtsahnend durch den Louvre und wird plötzlich mit einer Zahnpastareklame konfrontiert:

0 Antworten zu “Hohenzollernring

  1. Warum per PM? Das Foto ist vom 26.09., und ob die Plane noch hängt, weiß ich nicht, aber ich kann heute Abend mal nachsehen, das ist nicht weit von meiner Wohnung. Auch ist nicht herauszufinden, ob das eine genehmigte Aktion war – immerhin gehört die Skulptur der Stadt – oder einfach nur ein Fall von illegalem Mißbrauch, also Schmarotzermarketing. Ich vermute und hoffe, es war letzteres, denn wenn die Stadt jetzt Genehmigungen dafür ausstellt, daß öffentliche Skulpturen mit Werbung verunstaltet werden, kommt da noch einiges auf uns zu.

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  2. …wo hast Du denn diese Mona Lisa her…selbstgebastelt?

    …hab lange und laut lachen müssen und das nehme ich der Werbung nicht übel…weiter so, würde ich fast sagen, wenn ich Dich nicht verstehen würde…Deine Einwände lasse ich gelten…

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  3. Kompliment zur Fotomontage! Die Verteter der Pop-Art sind ein bisschen selbst schuld, denn sie haben zuerst die Nähe zur Werbung gesucht. Vostell ist ja schon glücklich tot, sonst könnte er sich aufregen und käme mal wieder die Medien, weil ja die Werbung eben nicht den ruhenden Verkehr meint.

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  4. Ich danke Dir!
    Vermutlich ist es ihm inzwischen egal, was mit seinen Kunstwerken passiert, aber ich erinnere mich, Anfang der 90er hat der Bananensprayer das Betonauto großflächig mit seiner Marke verziert: http://www.bananensprayer.de/media/pix/Doppelkunstwerk.jpg
    Die Aufregung war groß, Vostell bestand darauf, den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen, der Bananensprayer mußte die Kosten tragen. Damals fand ich es engstirnig, heute kann ich es gut verstehen.

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  5. Ich zitiere mal Wikipedia: „Vostell hatte seinen fahrtüchtigen Opel Kapitän L mit dem amtlichen Kennzeichen K-HM 175 auf der Domstraße in einer Parklücke vor der Kunstgalerie Art Intermedia verschalt und in Stahlbeton eingegossen.“ Und auch wenn das Kunstwerk jetzt auf dem Ring steht, ist da immer noch der Opel drin. Da hat man sich wohl gesagt, dass im Umkehrschluss von „Nur wo Opel drauf steht, ist auch Opel drin“ auch „Wo Opel drin ist, darf auch Opel draufstehen“ zulässig sei. Da es sich bei Vostells Werk um Aktionskunst handelt, finde ich es eher witzig als ärgerlich, und seine Meinung einholen kann man eben nicht mehr. Ich vermute, die Stadt hat Geld dafür bekommen, und hoffe, dass dies wiederum der Kultur zugute kommt.

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