Mediapark

Manchmal hört man ja den Spruch: Das ist so blöde, daß es schon wieder gut ist! Ich kann das meistens schlecht nachempfinden, blöd bleibt für mich blöd, auch wenn ich kurz darüber lachen muß. Was ich aber durchaus verstehe, ist, wenn jemand sagt: Das ist so blöde, das muß man gesehen haben. „Muß“ man natürlich auch nicht, aber ich weiß, was damit gemeint ist.

Insgesamt wird in Deutschland ein Umsatz von bis zu 5 Milliarden Euro mit Weihnachtsmärkten gemacht. 5.000.000.000,00 Euro pro Jahr! Da ist es verführerisch, noch ein paar Märkte mehr aufzumachen, wie z.B. hier im Mediapark.

Der Mediapark wurde von 1987 bis 2004 auf einem alten Bahngelände errichtet, und der Platz, den die hochgezogenen Gebäude umstehen, ist so, wie viele Plätze, die nicht gewachsen, sondern am grünen Tisch geplant worden sind: Unwirtlich, kalt und zugig. Wäre nicht in einem Gebäude der Cinedom mit seinen vielen Kinosälen untergebracht, man wüßte kaum, was man in dieser Gegend sollte. Stilbewußt hat man also die Weihnachtsbäume der Umgebung angepaßt.

Der Weihnachtsmarkt steht unter dem Motto … irgendwas mit „alpin“. An einer Bude gibt es Manner-Waffeln, an einer anderen Wiener Würstl, und in der lauten großen Bretterbude (oder nennt man das „Hüttn“?) wahrscheinlich „a Gaudi“, oder was der Kölner sich darunter so vorstellt.

Während von einer Bühne Volkmusik erklingt – allerdings lateinamerikanische, da hat wohl jemand bei der Buchung der Truppe nicht aufgepaßt – werfen wir einen Blick auf ein typisch Weanerisches Kaffeehaus – und ergreifen die Flucht.

0 Antworten zu “Mediapark

  1. gruselig! ich versuche, das Gute darin zu sehen: wieder einer weniger, über den man nicht gehen muss, um sich von schlechter, viel zu lauter musik und duftschwaden aus allem, was die küche aller herren länder so hervorbringt, benebeln zu lassen. Ho Ho HO!

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  2. Oh. Mein. Gott!

    Hatten uns tatsächlich überlegt ob wir uns das mal an sehen gehen, weil weit genug weg vom Innenstadtrubel. Haben aber nun schon so viel schlechtes gehört, und Dank Dir auch gesehen, daß ich denke wir lassen das lieber bleiben.

    LG

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  3. Hi Videbitis,

    *lach*… ich war am Montag erst dort… 😉
    Nicht wegen dem „ach so tollen“ Weihnachtsmarkt, unnütz wie nur was,sondern weil es dort echt gute Ärzte gibt.

    LG mosi

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  4. Muß man das gesehen haben. Nein.
    Was ich mich auch immer wieder frage ist, die Leute, die dort hingehen, denken die danach ernsthaft „das war aber toll“ oder denken sie nur, daß man das denken muß, weil es von einem erwartet wird, daß man’s toll finden muß? (Denn jemand, dem ein Weihnachtsmarkt keinen Spaß macht, mit dem stimmt doch einfach was nicht.)
    Aber mir war der Geschmack der Massen schon immer vollkommen rätselhaft.

    Das etwas so blöd ist, daß es schon wieder gut ist, kenne ich hingegen sehr gut. Zum Beispiel von den Zeichnungen von Katz&Goldt und von einigen Songs, vor allem der 60er und von Comedy.

    Zu Katz&Goldt: Hier: http://www.katzundgoldt.de/rumpfkluft.htm

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  5. Das mit den „am grünen Tisch geplanten“ Plätzen, kannst Du jetzt aber nicht einfach so als gedankenlose Fehlplanung abtun. Darüber ist mindestens zwei Mal sehr gründlich nachgedacht worden – und das nicht nur von einem Architekten, sondern von ganzen Architekturbüros, die dazu erst mal eine Ausschreibung gewinnen mussten. Also da soll öffentlicher Raum entstehen, wo Menschen einander begegnen sollen zwecks kulturellen Austauschs und entsprechender Verständigung. Bis hierhin das erste Nachdenken. Nun kommt das Zweite: Was aber, wenn sich da die falschen Leute begegnen? Dealer und Fixer zum Beispiel! Oder Obdachlose, die jede Bank und jedes Fleckchen Rasen besetzen, belegen, besudeln… Also doch lieber keine Bänke und keine einladenden Grünflächen. Zwischenergebnis: Die von Dir beschriebenen unwirtlichen Plätze. Die empfinden auch die Architekten und die Stadtverwaltungen als unwirtlich. Sie beginnen mit einer dritten Phase des Nachdenkens, was man denn wohl machen könnte, um den gewünschten Effekt doch noch zu erzielen, dem unerwünschten aber vorzubeugen. Ergebnislos… bis jemandem endlich im wahrsten Sinne des Wortes nicht nur ein Licht aufgeht. Nein, ganze Lichterketten!

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  6. Ich habe letzte Woche den Weihnachtsmarkt von weitem gesehen, aber dort war ich noch nicht. Doch was ich hier lese, werde ich wohl dort nicht hinfahren.
    Ich frage mich, ob jedes Jahr jetzt ein neuer Weihnachtsmarkt in Köln dazukommt.
    Letztes Jahr war es, so glaube ich, der Schwulen- und Lesben-Weihnachsmarkt in der Nähe vom Rudolfplatz und dieses Jahr der Mediapark.
    Noch gibt es sicherlich den einen oder anderen freien Platz in der Stadt, wo in den nächsten Jahren die weiteren Märkte eröffnet werden.

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  7. Zur Zeit machen hier jede Menge neuer Spielzeugläden auf… bis zur nächsten Pleite
    kann man in der Vorweihnachtszeit schon mal kräftig abkassieren.
    Solche Weihnachtsmärkte sind natürlich noch viel lukrativer, weil immer voll.

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  8. Ja, lohnt sich wirklich nicht. Und die anderen Märkte auch nur, wenn man zufällig in der Nähe ist, in ausgeglichener Stimmung und in netter Begleitung, und auch nur in der Woche, auf keinen Fall am Wochenende.

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  9. Ich glaube, die Leute denken sich gar nichts, sondern schlagen einfach nur die Zeit tot. Wenn man Kinder hat, kann man sie hier eine Weile beschäftigen. Oder man schlendert, wie ich, während eines Spaziergangs einfach mal darüber. Allerdings war ich hier garantiert zum letzten Mal.
    Für Katz und Goldt konnte ich mich nie erwärmen, ich kenne sie noch aus der Zeit, als ich die Titanic gelesen habe.

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  10. Ich glaube, vielen Architekten ist durchaus bewußt, was sie da machen, ich kenne sogar ein Beispiel, wo versucht wurde, gegenzusteuern. Leider, selbst wenn ein solcher Plan den ersten Platz in einem Wettbewerb erzielt, wird er meistens nicht umgesetzt, aus kommerziellen Gründen, aus Ignoranz oder eben wegen der Befürchtungen, die Du ansprichst: Nachher setzt sich da noch jemand hin, soweit kommt’s noch!

    Bei diesem Beispiel hat man inzwischen wieder Bänke aufgestellt, da ist wohl mal eine Lichterkette angegangen:
    http://koelnbilder.blog.de/2008/07/22/josef-haubrich-hof-4480801/
    Allerdings sind gleich die meisten Lichter wieder durchgebrannt: Den ganzen Platz umgibt nun ein ca. zwei Meter hoher Drahtzaun mit zwei abschließbaren Toren.

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  11. Vielleicht leiden wir in Deutschland ja unter „Platzangst“ und sollten von solchen Projekten die Finger lassen. Das Kulturforum in Berlin ist ja auch so ein trauriges Beispiel. Im Moment fällt mir hierzulande nichts ein, was ähnlich funktioniert wie eine Piazza in südlichen Gefilden, bzw. es funktioniert nur da, wo es kommerziell gut genutzt wird, und wo man den Kommerz fernhalten möchte, da hält man auch das Leben fern.

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  12. Vor ein paar Jehren war mal ein ganz kleiner Markt auf dem Zülpicher Platz, eine Glühweinbude, ein Bratwurststand, zwei Stände mit Gestricktem und Kerzen – das war wirklich gemütlich, weil nicht viel los war, kein Gedränge. Aber das ist wohl auch genau der Grund, weshalb es ihn nicht mehr gibt.

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