Neusser Platz / Heumarkt

„Kölns Stärke ist der soziale Zusammenhalt“, sagte der Oberbürgermeister in seiner Neujahrsansprache. Ob er die zig Tausende von Bewohnern meinte, die nicht nur gemeinsam auf der Straße das neue Jahr feiern, sondern auch wie abgesprochen ihren Dreck da liegen lassen, wo er entsteht?

Aus dem Weihnachtsmarkt auf dem Heumarkt ist nun ein Wintermarkt geworden – geschickt, so kann man noch ein paar Euro machen mit der Festtagsstimmung, über das Fest hinaus. Der umsatzstärkste Tag des Jahres sei sowieso der Tag nach Weihnachten, habe ich gelesen, da haben viele noch frei und gehen Geschenke um- und Gutscheine eintauschen, und dann ist es doch schön, wenn man noch einen leckeren Zuckerwein aus dem 10-Liter-Pappkarton trinken kann.

Auch der Wintermarkt hat nun gestern geschlossen, aber ich wollte euch auf keinen Fall die Bilder der größten Weihnachtsmarkteisbahn vorenthalten, die die Welt je gesehen hat. Oder Köln (das läuft für viele Kölner auf das selbe hinaus). 400 Meter Laufstrecke, ein kleiner Platz zum Stockschießen, Kosten: 1,2 Millionen Euro. Man rechnet nicht damit, daß mit der Eisbahn Gewinn gemacht wird bei einem Eintritt von 6,50/5,00 Euro – was mich erst verwunderte, denn wer betreibt einen Betrieb, wenn er von vornherein einen Verlust erwartet? Des Rätsels Lösung: Die öffentliche Hand! Es gibt nicht nur einen privaten Betreiber, sondern „Rheinenergie“ und die Bädergesellschaft Köln sitzen auch noch mit im Boot. Die sind zwar strenggenommen auch ausgegliedert in die Wirtschaft, gehören aber der Stadt, die für alle Verluste aufkommt. Da freut man sich doch, daß man indirekt diese schöne Bahn mitfinanziert, obwohl man nie einen Fuß darauf setzt.

Jedenfalls nicht ohne Gehhilfe.

0 Antworten zu “Neusser Platz / Heumarkt

  1. In meiner jetzigen Stadt besteht exakt das gleiche Problem (abgesehen davon, dass die gesamte Eisfläche vielleicht so groß ist wie der Stockschießplatz in Köln). Der Betreiber macht damit ebenfalls ordentlich Miese, aber weil es den Leuten nun mal gefällt, steht das Ding. *schulterzuck* Bei uns sogar noch bis Februar…

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  2. Hi Videbitis,

    ich muss das nicht haben, mit dem WINTERmarkt… :ycrazy:
    Es ist dann irgendwie nichts besonderes mehr!!! Schade.

    Und das…*lach*…

    “ der größten Weihnachtsmarkteisbahn vorenthalten, die die Welt je gesehen hat. Oder Köln (das läuft für viele Kölner auf das selbe hinaus). “

    … stimmt total… :))

    LG mosi

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  3. Wahrscheinlich denkt man in der Stadtverwaltung so: Eine Eisbahn hebt allgemein die Attraktivität eines Weihnachtsmarktes, was die Besucherzahl erhöht und damit auch die Einnahmen der Betreiber der anderen Marktbuden, insgesamt eine Verbesserung der Wirtschaftsleistung, was, gesamtgesellschaftlich gesehen, nur förderlich sein kann blabla… noch wahrscheinlicher ist jedoch, daß der Entscheidungsträger gesagt hat: „Dat jefälllt mir, dat maache mer.“ – ohne auch nur ein bißchen darüber nachzudenken. 😉

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  4. Ich kann nur hoffen, daß das keinen Trend anzeigt, der Weihnachtsmarkt am Mediapark hat ja immer noch geöffnet. In ein paar Jahren schließt der letzte Weihnachtsmarkt im Mai, und der erste öffnet dann wieder im September.

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  5. Die wissen ganz genau, daß sie welche sind, und weil sie Angst davor haben, daß sich eventuell mal jemand hocharbeitet, der keiner ist, unter dem sie dann natürlich schön blöd erkennbar wären, stellen sie nur solche ein, die noch größere Idioten sind – eine permanente Abwärtsspirale. Wie Du sagst, das hat Methode.

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  6. Was die Überreste der Knallerei angeht, hat in Berlin die BSR dieses Jahr mit einem Großaufgebot von Handreinigern schon ganz schön aufgeräumt. Seit Ewigkeiten habe ich nicht mehr so viel Orange auf der Straße bei der Arbeit gesehen. Ich hoffe, das ist wenigstens eine halbwegs fair bezahlte ABM, und es handelt sich nicht um dienstverpflichtete 1-Euro-Jobber. Denn Otto Schruppkes in Dauerstellung sind schon seit langem eine Seltenheit. Dabei ist die Stadt total verdreckt. Es kehrt ja kaum noch jemand vor der eigenen Tür.

    Zur Eisbahn bzw. zu den Eisbahnen hier, da und dort. Unmittelbar bezahl machen sie sich wahrscheinlich nur da, wo die Anlage fest installiert und die Eisbahn für die ortsansässige Bevölkerung eine feste Institution ist. Aber vielleicht laufen sie auch da – wie die Schwimmbäder – nur mit Steuerzahlers Hilfe. Bei allem, was so als Attraktion in der Innenstadt geboten wird, glaube ich eher, dass unterm Strich eben doch ein Gewinn dabei herauskommt – in Form von Steuereinnahmen auch für die Stadt.

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  7. Schnell mal nachgesehen, wer Otto Schruppkes ist – Wolgang Gruner kenn ich auch noch.
    Ich bin auch ganz überrascht, wie schnell man das hier alles weggeräumt hat. In Köln hat man sich ja im letzten Jahr allgemein darüber aufgeregt, wie dreckig die Stadt ist, ich habe immer nur gedacht: Wenn ihr wüßtet, wie es in vielen Teilen Berlins aussieht …

    Das erhofft man sich wahrscheinlich, aber hier hat es schon vorher eine Eisbahn zum Weihnachtsmarkt gegeben, eine viel kleinere, aber eine, die sich rechnete. Daß nun ausgerechnet die defizitäre Bädergesellschaft, die die Eintrittspreise in den Schwimmbädern immer höher treibt, dieses luxuriöse Verlustgeschäft mitträgt, ist schon bitter.

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  8. Kaum vorstellbar, dass das für die Bäder eine sinnvolle Werbung ist. Ich fürchte, öffentliche Bäder haben heute kaum noch eine Chance, schwarze Zahlen zu schreiben. Selbst wenn sie keine Extras bieten, ist der Betrieb eines Schwimmbads kostenintensiv. Um höhere Eintrittspreise verlangen zu können, bauen sie ein bisschen Spaß ein, aber der kostet natürlich auch, und zwar so viel, dass ein regelmäßiger Besuch für Familien mit Kindern nicht möglich ist. Und die gutverdienenden Singles gehen lieber gleich in die richtig schicken Wellness Clubs. Also springt man mal auf den Event-Zug auf. Auf so einem Wintermarkt (ist ja nicht alle Tage!) wird eher mal Geld ausgegeben. In Berlin erzählen sie uns immer, das käme alles durch die Übernachtungen wieder rein. – Übrigens erinnere ich mich mit Grauen an diese Eisbahn, die wir anno dazumal im neu erbauten Europacenter hatten. Im Sommer stand da immer Wasser drauf. Bloß nicht hinknallen! Und an der Bande standen die alten Knacker und guckten den kleinen Mädchen unter die flatternden Röckchen.

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