Am Neumarkt

Erichs Lampenladen am Neumarkt? Könnte man meinen, besonders, wenn man hört, daß es hier ab und zu Bestrebungen gibt, Kapital zu sozialisieren: Gleich zweimal wurde die Hauptstelle der Kreissparkasse Köln in den letzten Monaten überfallen, soviel ich weiß, sind die Täter noch flüchtig.

Der Kölnisch-Wasser-Brunnen im Vordergrund wirkt fast etwas verloren in der 1.800 m² großen Halle.

„Veranschaulicht werden grundlegende Prinzipien der am Wohl der Kölner Region orientierten Tätigkeit der Kreissparkasse Köln. Jung und Alt legen ihr Erspartes in einen Bienenkorb, das traditionelle Sinnbild der Sparsamkeit … Das aus vielen Einzelposten kommende Geld fließt in eine breite Schale, das Kapitalsammelbecken, um von dort die im Sockel des Brunnens dargestellten Berufsgruppen des Handels, des Handwerks, des Gewerbes und der Landwirtschaft, d. h. die Säulen der regionalen Wirtschaft, mit Darlehen und Krediten zu versorgen,“ steht in einer Broschüre.

Die Bank, dein Freund und Helfer. Hier fließt tatsächlich nur Wasser aus dem öffentlichen Netz, ein kleiner Seitenhahn soll Duftwasser geben.

An der Rechtschule

Aufruhr am Dom: Mehrere Feuerwehrzüge fahren lärmend auf die Domplatte. Muß hier vielleicht mit Wasserwerfern eine Kinderdemonstration aufgelöst werden? Ach nee, dafür ist ja die Polizei zuständig … brennt der Dom? Der neue Brunnen?

Der rasende Reporter recherchiert – im Domhotel war man allerdings zu keiner Stellungnahme bereit und lächelte nur geheimnisvoll.

Und da sind die Übeltäter (gemeint sind nicht die Herren mit den Schirmmützen): In diesem Café auf der Rückseite des Blocks hat es Feueralarm gegeben, vielleicht hat sich jemand aus Gewohnheit eine Zigarette angesteckt. Aha. Und wieso stehen die Feuerwehrautos dann auf der anderen Seite? Wir vermuten: Auf der Domplatte ist einfach mehr Platz. Außerdem ist da mehr Publikum. Wie auch immer: Hier hätten wir eh keine Kaffee getrunken …

… denn zweihundert Meter weiter findet man in aller Ruhe im Café des Museums für Angewandte Kunst einen Platz.

Sehr schön – der Milchkaffee war zwar etwas schwach auf der Brust, aber heiß, und der Nußkuchen war eine volle Mahlzeit. Wirklich nette Atmosphäre hier.

Und ein Aquarium haben sie auch. Toll!

Amsterdamer Str.

Ja, was wächst denn da? Was? Domspitzen? Quatsch, die meine ich nicht … Wein! Mitten in der Stadt. 720 Rebstöcke, 140 verschiedene Sorten, stehen da auf einem nach Süden geneigten Dach. Wie ergiebig das ist und ob das Getränk nach dem Keltern besser schmeckt als „Bahndamm-Südseite“, weiß ich nicht, aber darauf kommt es wahrscheinlich gar nicht an: Das Dach gehört zum Weinmuseum, von dessen Existenz ich bisher keine Ahnung hatte. Scheint ganz interessant zu sein, glaubt man der Homepage, viel Wissenswertes ums Thema wird vermittelt. Leider ist es in der kalten Jahreshälfte geschlossen.

Heinrich-Böll-Platz

Der Heinrich-Böll-Platz, zentral gelegen zwischen Dom, Hauptbahnhof, Museum Ludwig, Hohenzollernbrücke und Rhein, hat ein merkwürdiges Schicksal: Man darf ihn oft nicht betreten, besonders nicht dann, wenn viele Spaziergänger unterwegs sind, also am Wochenende. Denn der Platz ist die andere Seite …

… der Decke der Philharmonie. Ein typischer Fall von Fehlplanung, möchte ich behaupten.

Das Ganze muß natürlich kontrolliert werden: Ringsum stehen diese Schilder und sechs Aufpasser, die einen mit bösem Blick zurückpfeifen, wenn man auch nur einen falschen Tritt macht.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, daß der Tunnel der neue Ubahn, die kein Mensch braucht und deren Bau höchstwahrscheinlich das Stadtarchiv zum Einsturz brachte, zwei Meter unter dem Konzertsaal entlangführt. In Zahlen: 200 Zentimeter! Es ist nicht ganz abwegig, daß während der Aufführungen keine Bahnen fahren dürfen, wenn die Dämmung nicht ausreichend ist. Na bravo! Glück im Unglück: Durch den Pfusch am Bau des Abschnitts am früheren Historischen Archiv verzögert sich die Fertigstellung voraussichtlich bis 2018. Bis dahin braucht man also weiterhin nur auf der einen Seite abzusperren und kann in Ruhe Konzerte hören.

Fort X im Hilde-Domin-Park

Als die Preußen 1815 die Regierungsgeschäfte Kölns übernahmen, war man sich natürlich nicht sicher, ob die wilden Franzosen auch ohne Napoleon nicht eines Tages wieder Eroberungsgelüste entwickeln würden. Also mußte ein Festungsring her. Rund um die Stadt wurden 14 Forts und zusätzlich kleinere Gebäude zur Gefahrenabwehr gebaut. Nachdem dann gut hundert Jahre später die Deutschen ihrerseits an einem brutalen Versuch der Landbesetzung gescheitert waren, forderte der Versailler Vertrag die Schleifung sämtlicher Anlagen. Das war eine kostspielige Angelegenheit, und so ließ man, mit Hinweis auf die historische Bedeutung, ein paar der Forts stehen.

Der Park inner- und außerhalb der Mauern von Fort X wurde 2008 nach der Dichterin Hilde Domin benannt, die ganz in der Nähe geborden wurde und aufwuchs, und dient heute friedlicheren Zwecken: Ein großer Kinderspielplatz lädt die Kinder des Viertels ein, deren Eltern in der Zwischenzeit einen Biergarten besuchen können, in dem auch Veranstaltungen laufen, und zu bestimmten Zeiten gibt es sogar eine Open-Air-Kinoleinwand. Leider ist im Oktober schon alles abgebaut.

Eine leicht versteckte Attraktion hebt dieses Fort von allen anderen ähnlichen Stätten ab: Durch einen kleinen Seiteneingang gelangt man zum hochgelegenen …

… Rosengarten. Man kann sich auf einer der vielen Bänke von der Sonne bescheinen lassen und staunen. Ich habe keine Ahnung von Pflanzen, hätte aber gedacht, die Zeit für Blumen (außer für Herbstpflanzen) sei bereits vorbei. Aber hier ist noch alles in voller Blüte.

So ist es zusätzlich einleuchtend, den Platz nach Hilde Domin zu benennen, denn ihr berühmtestes Gedicht heißt: Nur eine Rose als Stütze. Ich bin sicher, sie hätte sich darüber gefreut, daß ein Kriegsschauplatz, der zu einem Rosengarten geworden ist, ihren Namen trägt.

Brüsseler Platz

Hier heißt es, den Kopf einzuziehen, damit man nicht im Netz hängen bleibt. Vor Spinnen braucht man aber keine Angst zu haben: Im Rahmen der „plan 10„, dem bislang alljährlich stattfindendem „Forum aktueller Architektur“, haben Studierende des Fachbereichs Architektur der Alanus Hochschule in Alfter eine „performative Installation“ geschaffen und einen Baldachin aus Plastikseilen über die Wege zwischen den Hochbeeten vor der Kirche St. Michael am Brüsseler Platz gespannt.

„Performativ“ soll bedeuten, daß das Herstellen, also das Knüpfen und Anbinden wichtiger Teil des Kunstwerks ist, man wollte mit den Anwohnern ins Gespräch kommen … ob das geklappt hat und worüber man geredet hat, weiß ich nicht, aber das Resultat ist ganz eindrucksvoll.

Und den Kindern gefällt es auch.

Die Anwohner haben eigentlich andere Sorgen, denn seit ein paar Jahren haben sich junge Leute bei warmem Wetter diesen Platz als Treffpunkt ausgesucht: Hier herrscht unter hohen Bäumen eine schöne Atmosphäre, Kioske, Imbisse und Kneipenrestaurants bieten eine gute Infrastruktur. Rauchen darf man, soviel man will, und trinkt günstiges Bier aus Flaschen – und die von den Anwohnern gepflegten Hochbeete bieten genug Platz, seine Notdurft verrichten zu können. Bis zu 1000 partyfreudige Besucher kommen hier am Wochenende zusammen, haben bis in die Morgenstunden eine gute laute Zeit und sorgen so für jede Menge Müll und Schlaflosigkeit bei zunehmend genervten Anwohnern.

Wer sich dafür interessiert, kann an den aufgestellten Schildern lesen, was das kostet, was er da so macht. Aber ob’s was nützt? Der Platz taucht inzwischen in einigen Reiseführern als „IN-Location“ auf und lockt Touristen an.

Ausnahme-Sonntag

Ist Köln jetzt autofrei? Super!!
Nein? Wenigstens am Wochenende? Auch nicht?
Schade. Nur am letzten Sonntag, weil viele Verrückte engagierte Sportler am jährlichen Marathon-Lauf teilgenommen haben, waren die Straßen abgesperrt.

Gleich hinterm Ziel sah man ihnen die Strapazen an: Kaputt, aber stolz. Über 42 Kilometer, meine Hochachtung!

Der Herbst kam in leuchtenden Farben bei angenehmen 24 Grad, wie hier mitten im Zentrum …

… oder am Rande des Mediaparks im Garten des Filmhauses …

… wo die Leute anscheinend keine Ahnung hatten von den Mühen der Aktiven. Oder sich einfach nicht darum kümmerten. Der Kuchen war lecker.

Ehrenfeldgürtel

Das Café Franck gibt es schon seit 1938, seit 2004 mit neuen Pächtern, die die alte Tradition mit kleinen Neuerungen aber weiterführen, zum Beipiel gibt es manchmal Lesungen oder Kleinkunst.

Die Möbel sind aus den 50ern und 70ern – jedenfalls sehen sie so aus. Aus dem alten Automaten kann man für 2 Euro Kreide, Knetgummi oder Plastiktiere ziehen.

Sehr gemütlich hier. Warme Küche gibt es nicht, aber Kuchen, der lecker aussieht (es war zu spät, ihn zu probieren). Wenn er so gut ist wie Kakao und Kaffee, lohnt ein Besuch unbedingt. Wochentags schließt das Café bereits um 19 Uhr, freitags und samstags allerdings wandelt es sich dann zu einer Lounge: Die Fenster werden abgedunkelt, das Licht gedimmt, die Diskokugel streut atmosphärische Lichtflecken, und es dudelt Lounge-Musik. Wer will, kann Cocktails bestellen. Das stört alles nicht weiter, aber wir sind dann doch lieber nach Hause gegangen. Aber wir kommen wieder – bestimmt.

Schaafenstr.

Hermann Hesse prägte in seinem Roman „Das Glasperlenspiel“ den Begriff des „feuilletonistischen Zeitalters“ – die Kultur ist geprägt durch schier endloses Gequatsche, jeder hat eine Meinung zu irgendwas, wahllos werden den Zuhörern und -sehern Informationen eingetrichtert, daß sie uns aus den Poren wieder herauszukommen scheinen, man weiß gar nicht, wo man die parolenhaft vorgetragenen Neuigkeiten noch unterbringen soll. Wenn man Glück hat, gibt es einen Kommentar, der ungefähr das ausdrückt, was man fühlt, aber gleich geht’s weiter, Aufstände, Bankencrash, Unwetter, Kriege, Arbeitslosigkeit – ist aber alles gar nicht so schlimm, in den Talkshows beruhigt die Ministerin die Massen, allen gehe es gut, jaja, man habe das so beschlossen im Kabinett. Und nun zum Wetter.

Kreuzworträtsel, anderes Wort für „unangenehme Situation“, 5 Buchstaben: Armut.