Schaafenstr.

Hermann Hesse prägte in seinem Roman „Das Glasperlenspiel“ den Begriff des „feuilletonistischen Zeitalters“ – die Kultur ist geprägt durch schier endloses Gequatsche, jeder hat eine Meinung zu irgendwas, wahllos werden den Zuhörern und -sehern Informationen eingetrichtert, daß sie uns aus den Poren wieder herauszukommen scheinen, man weiß gar nicht, wo man die parolenhaft vorgetragenen Neuigkeiten noch unterbringen soll. Wenn man Glück hat, gibt es einen Kommentar, der ungefähr das ausdrückt, was man fühlt, aber gleich geht’s weiter, Aufstände, Bankencrash, Unwetter, Kriege, Arbeitslosigkeit – ist aber alles gar nicht so schlimm, in den Talkshows beruhigt die Ministerin die Massen, allen gehe es gut, jaja, man habe das so beschlossen im Kabinett. Und nun zum Wetter.

Kreuzworträtsel, anderes Wort für „unangenehme Situation“, 5 Buchstaben: Armut.

0 Antworten zu “Schaafenstr.

  1. Aus: „Des Teufels Wörterbuch“ von Ambrose Bierce: „Erfrischend, adj. – Einen Menschen treffen, der alles glaubt, was in den Zeitungen steht.“
    Bis vor einigen Jahren waren wir ja auf die klassischen Medien angewiesen. Und in diesem Bewusstsein haben die Medienleute einen unglaublichen Dünkel entwickelt. Sie haben die Themen gemacht und somit die Herrschaft über die Köpfe ausgeübt. Ein wirklich abstoßendes Beispiel Raddatz, der ja von sich glaubt, die Moderne persönlich gekannt zu haben, aber eigentlich nur Zeugnis ablegt, dass wir es mit einer Kulturmafia zu tun hatten:
    http://www.sueddeutsche.de/kultur/tagebuecher-von-fritz-j-raddatz-eine-erstarrte-ich-ich-ich-feier-1.1001721
    Schlimmer ist aber, dass viele Vertreter der klassischen Medien die Nähe der Mächtigen gesucht und gefunden haben. Abschreckendes Beispiel: Anne Will interviewt Angela Merkel – und wie das SZ-Magazin darüber geschrieben hat, nämlich ohne Sinn und Verstand: http://trithemius.twoday.net/stories/3638499/
    Zum Glück sind die Zeiten vorbei, da diese Herrschaften die Oberhoheit über die Information haben.

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  2. Ich habe mir ganz bewußt alle „wichtigen“ Talkshows zu den Hartz-IV-Änderungen angesehen, und das war kein Vergnügen. Unglaublich viel oberflächliches Geschwätz, den Beteiligten wurde breit Raum gegeben, ihre ideologischen Halbwahrheiten und teilweise auch Verleumdungen zu verbreiten, man wurde ganz wuschig im Kopf von solch konzentrierter Dummheit. Die Journalistinnen hatten dem nicht viel entgegenzusetzen, ein dezentes „aber“ wurde nur genutz als Gelegenheit, weiteren Scheiß von sich zu geben. Politiker und Journalisten sorgen so gemeinsam für das flache Niveau, auf dem die ganze Diskussion stattfindet.

    Danke für die lesenwerten links. Man denkt immer, dümmer geht’s nicht, aber doch, es geht. Kennst Du die sogenannten „Hintergrundkreise“?
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hintergrundkreis
    Und das sind ja nur die bekannten, ich möchte nicht wissen, wieviele es gibt, von denen wir nichts wissen.

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  3. Hintergrundkreise, der Begriff war mir neu. Bezeichnend, dass man auch bei Wikipedia nichts über diese Zirkel erfährt. Ich weiß nicht, ob es noch diese „erfrischenden“ Menschen gibt, die alles glaueben, was in der Zeitung steht. Eines ist jedoch sicher, was wirklich hinter den Kulissen abgeht, das erfahren wir von den Beteiligten nicht.

    Danke für die Korrektur meines vorherigen Kommentars.

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