Café Stövchen, Ursulakloster

Ich weiß gar nicht, ob das Café Stövchen ein Geheimtipp ist – obwohl nur fünf Geh-Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, liegt es etwas versteckt. Ich bin nicht so oft da, weil es nicht in meiner Gegend liegt, aber einen Besuch ist es unbedingt wert.

Kleine hausgemachte Speisen zu günstigen Preisen in einer so gemütlichen Atmosphäre, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe, und damit die Qualität nicht leidet, gibt es neben dem üblichen Kölsch auch richtiges Bier. Allerdings darf geraucht werden, und das ist ja nicht mehr jedermanns Sache. Samstags ist übrigens geschlossen – sage ich nur, damit keiner vor verschlossenen Türen steht.

Das direkt am Dom gelegene Cafè Reichard dagegen hat täglich geöffnet, dafür abends nicht, wenn die Touristen was anderes im Kopf haben als Kaffee und Kuchen – der hier übrigens ausgezeichnet ist, aber erstens ist er recht kostspielig, zweitens bekommt man oft keinen Platz, und drittens ist die Atmosphäre hektisch. Nein, ich geh jetzt öfter mal ins Stövchen.

Filmpalast am Hohenzollernring

Seit über einem halben Jahr ist er nun schon geschlossen, was damit wird, weiß man nicht: Der Ufa-Palast, 1931 nach Plänen des Architekten Riphahn (der auch die Oper und die Messe entworfen hat) erbaut, war lange Zeit das größte Kino Deutschlands. In den 70er Jahren folgte man der Mode und teilte den Innenraum in 13 Säle, die meisten davon Schachtelkinos. Das kleinste hatte gerade 16 Sitze und eine Leinwand von der Größe eines Badetuches – ich habe vermieden, da hin zu gehen, fernsehen kann ich auch zu Hause. Vor acht Jahren hatte die Cinestar-Gruppe den Komplex übernommen und plante, in diesem Jahr zu sanieren, allerdings nur bei einer Mietminderung, von der der Vermieter aber nichts wissen wollte. Durch die Schließung dieses Hauses, nach dem Cinedom das zweitgrößte der Stadt, gibt es nur noch ein Multiplex, in dem Blockbuster gespielt werden. Die sogenannten Arthouse-Kinos sind in der Überzahl – das dürfte in Deutschland einzigartig sein, im Cinedom reibt man sich vermutlich die Hände. Bleibt nur zu hoffen, daß die Arthouse-Kinos nicht in Versuchung kommen, auch Blockbuster anzubieten, das wäre ganz schlecht für die „kleinen“ Filme, denen die Abspielstätten verloren gingen.

PS: Wer wissen will, was gestern in der Karnevalshochburg Köln los war: Der mutige Blogfreund ich-bin-es war da und hat ein paar Eindrücke eingefangen.

Karnevalkomasaufen

Ich glaube, da hat sich einer verschrieben. Oder? Muß es nicht heißen:
„Mehr Spach ohne Glach, Becher icht dach!“?
Da hat wohl jemand zu tief ins Kölschglas geguckt und seine unzerbrechlich wahre Liebe darin gefunden – kein gutes Vorbild, wenn jetzt die Mitarbeiter des Oberbürgermeisteramtes ihre Zuneigung zum Alkohol offenbaren.

Der Hintergrund: In drei Tagen geht das Grauen der Karneval wieder los, und das bedeutet: Am 11.11. und in der Zeit von Weiberfastnacht bis Karnevalsdienstag im nächsten Jahr ist in der Altstadt und im Studentenviertel hemmungsloses Saufen angesagt. Und weil dazu zu gehören scheint, daß man die leeren Flaschen und Gläser auf der Straße zerdeppert, herrscht in diesen Gegenden in der Zeit Glasverbot, die Getränke dürfen nur aus Plastikbehältnissen oder Dosen konsumiert werden. Man hat das schon einmal durchgeführt und gute Erfahrungen damit gemacht, die Schnittverletzungen sind stark zurückgegangen, die Schäden an Fahrzeugen sogar völlig. Die Kioskbesitzer, die ihren Hauptjahresumsatz in dieser Zeit machen, sind natürlich nicht begeistert, obwohl sie ausnahmsweise eine Schankerlaubnis erhalten, aber das macht eben mehr Arbeit. Im Moment hat jemand eine einstweilige Verfügung gegen das Verbot erwirkt, man weiß also noch nicht genau, was nun wird. Da habe ich einen guten Vorschlag an die Stadt: Verhindert das alljährlich sich wiederholende öffentliche Massenbesäufnis, dann hat man nicht nur kein Problem mit dem Glas, auch Lärm- und Urinierbelästingungen blieben uns erspart. Wäre das nicht noch becher?

Sehen lernen am Offenbachplatz (und anderswo)

Manchmal, wenn ich moderne Kunst sehe, denke ich: Himmel! – das ist ja wohl an Banalität kaum zu überbieten! So auch bei diesem Holzrahmen, aber zu Unrecht: Das ist gar kein Kunstwerk, sondern Volksbildung: Seit 2008 reisen diese Rahmen durch Städte in Nordrhein-Westfalen, um die Stadtbewohner für ihre Lebensumwelt empfänglich zu machen.

„Die Kampagne will die Öffentlichkeit für die gebaute Umwelt sensibilisieren und die Bevölkerung stärker für die Belange der Baukultur gewinnen.“, steht auf der Homepage von „Sehenlernen“. Die Leute sollen aber nicht nur durch den Rahmen sehen, einen Ausschnitt wahrnehmen und die Supererleuchtung haben, die ihnen ohne Rahmen verwehrt geblieben wäre. Nein, um die jeweilige Ausstellung herum werden Seminare, Vorträge und Stadtführungen organisiert, an denen die Bürger kostenlos teilnehmen können. Das ist gar nicht schlecht gedacht, Aufklärung im besten Sinne. Ob die Leute auch Zeit dafür haben, steht auf einem anderen Blatt.

Auf dem Offenbachplatz zwischen den umstrittenen Theater- und Opernbauten stand das Hauptstück der Installation, es erinnert an eine alte Kamera. Es ist sogar begehbar …

… und im Dunkeln beleuchtet. Wenn man hineingeht, kann man hinausgucken und sich gegenseitig fotografieren. Hübsch.

Kölner Frittenbude, Am Leystapel

Dieses Bild zeigt, was es nicht mehr zeigen kann, nämlich das: Die Frittenbude aus dem Kölner „Tatort“. In jeder Sendung stehen die beiden Kommissare an der mobilen Bude und ernähren sich ungesund vor der Dom-Silhouette. In Wirklichkeit steht der Imbiß nicht an dem Platz, sondern – bis vor Kurzem – in der Nähe des Rheinauhafens. Ein Publikumsmagnet, sowohl für Kölner als auch für Touristen – später kann man seinen Enkeln erzählen, daß man hier auch schon eine Currywurst mit Fritten rot/weiß gegessen hat, wenn man die x-te Wiederholung eines Köln-Tatorts im Fernsehen sieht. Seit ein paar Monaten steht nun dieses Häuschen hier, der Wagen ist weg – beim städtischen Denkmalamt war man der Meinung, daß so ein Jahrmarktswagen schlecht paßt zur aufgemotzen Architektur des nahen Rheinauhafens mit Quadratmeterpreisen bis zu 8.000 Euro. Die Gentrifizierung nimmt komische Formen an.

Die Currywurst in dem neuen Gebäude schmeckt allerdings genau so schlecht wie vorher die in der Bude – wenigstens etwas, was gleich geblieben ist.

Edit 18.11.13: Der neue feste Standplatz ist nun hier.

Dom, innen

Als ich neulich Abend zufällig am Dom vorbeispazierte, waren wider Erwarten alle Türen offen und Rauch schien herauszuquellen, während immer mehr Menschen hineinströmten.

Weihrauch, alles voll! Der Atheist steht und staunt. Ob das gesund ist? Rauchen in Kneipen und anderen öffentlichen Räumen ist ja eigentlich verboten, aber gut, wenn man aus seiner Kneipe einen Club macht, kommen ja nur Clubmitglieder hinein, und die dürfen so viel quarzen, wie sie wollen.

Und der Club-Charakter ist ja bei den Kirchen von vornherein gegeben: Man zahlt ganz ordentlich, dafür hat man Anspruch auf gewisse Dienstleistungen, wie z.B. anscheinend diese Pilger gern mal einen Extra-Gottesdienst im Dom haben wollten. Bitte mit viel Rauch? Kein Problem!

So langsam leert es sich, die Party ist vorbei, ich war zu spät dran und habe kaum etwas mitgekriegt.

Das ist liegengeblieben vom Proviant … leere Flaschen, kennt man ja von anderen Feten, daß die Leute ihren Müll nicht mitnehmen. Und was den Kohlkopf betrifft: „Bring noch was Krautsalat mit, du weißt schon, Weißkohl“, wurde vermutlich einem am Telefon gesagt. Tja. Shit happens.

Hohenstaufenring

Nein, das ist nicht die Werkstatt von Gunther von Hagens, sondern ein Schaufenster eines Geschäfts, das irgendwas mit „Creativ“ im Namen führt. Die Aufforderung „Mach was aus deinem Typ, zeig Eigeninitiative!“ habe ich jetzt nicht gelesen, aber wenn die FDP hier ihren Stand aufbauen würde, hätte sie Anschauungsmaterial für ihre Politik gleich nebenan, Leistung soll sich schließlich lohnen, egal, auf welchem Gebiet, und Bürger abzuziehen ist ein lukratives Geschäft, wer wüßte das besser als die Unternehmerfreunde von Schwarz/Gelb.
Auch die Polizei hat ihre Einstellungskriterien gelockert, das aber schon seit längerem, wie der erfolgreiche Einsatz in Stuttgart gezeigt hat.

PS: Übermorgen ist Halloween. Daß die Beschlüsse der Bundesregierung von gestern, die vier Stromwuchererriesen zu pampern bei gleichzeitigen drastischen Kürzungen von Sozialleistungen, nur ein Gruselscherz seien, ist ein unhaltbares Gerücht.

Halle 11 im Rheinauhafen

So sah es vor zweieinhalb Jahren in einem der alten Lagerhäuser noch aus (zu sehen ist oben Halle 12, wie mir ein freundlicher Anwohner erklärte).

Heute ist hier ein riesiges Einrichtungshaus: Edle Möbel und alles, was man so braucht fürs Wohnen.

Ich hatte ja keine Ahnung, was man haben muß, um seine Wohnung zeitgemäß einzurichten.

So ein Neonbudda ist bestimmt total trendy, hat aber keinen Schlitz, anders als die asiatisch anmutenden Figuren: Sparschweine (der Ausdruck kommt mir grad komisch vor). Eher was fürs Kinderzimmer.

Das hier ist auch Kitsch schon eher was für gehobene Ansprüche, der „Denker“ von Rodin ist ja nichts dagegen.

Oder doch lieber gleich einen richtigen Flieger? Oder sind wir schon wieder in der Jugendabteilung? Ich kenn mich nicht mehr aus.

Was Nützliches für die Küche, ein Messerhalter für extravagante Gemüter, es gehört eben etwas Mut dazu, aus der Masse herauszustechen.

Eine weitere Mutprobe.

Dieser Laden ist ein reines Kuriositäten-Kabinett, ich kann den Besuch besonders am Wochenende sehr empfehlen, da darf man nur kucken und nichts kaufen, also drängt einen auch keiner.

Die rekonstruierte Architektur der Lagerhalle am Rhein ist auf jeden Fall einen Besuch wert.