Domspitzen

Ah ja! Finde ich gut, German Wings verzichtet nun auf die krachmachenden Stinker und Umweltverschmutzer und transportiert die Reisenden in einem Ballon, ich hoffe, Lufthansa und die anderen ziehen noch nach. Da ist Reisen nicht nur der Wechsel von Orten, sondern noch richtig unterwegs sein. Und das ist doch spannend, daß man an der Domspitze eine Haltestelle eingerichtet hat, wahrscheinlich muß man die ersten Meter an einer Strickleiter zurücklegen, aber dann ist man ja schon auf dem Domhelm, noch ein bißchen klettern, und schon ist man am Aufzug und zack! – mitten in der Stadt. Wenn das kein Service ist!

Allein die Kreuzblumen, die die Turmspitzen bilden, haben übrigens eine Höhe von über neun Metern, unten steht eine Replik, auf daß man eine ungefähre Vorstellung bekommt:

Cäcilienstr.

Klar kann ich noch fahren! Das bißchen Wein zum Essen ist doch ewig her. Und der Verdauungsschnaps hat sich mit dem Fett aufgehoben, deshalb heißt er ja so. Die paar Kölsch hinterher, das trinkt sich doch wie reines Wasser. Die anschließenden Cocktails? Nun mach dich mal nicht lächerlich, diese Obstlimo! Keine Sorge, ich fahr noch.

Ein Alcohol-Tester an einem Parkhaus ist keine schlechte Idee, seine Benutzung müßte allerdings zwingend vorgeschrieben sein. Und wer über 0,5 Promille hat, über den stülpt sich ein Gitterkorb, aus dem er erst frei kommt, wenn er seinen Autoschlüssel hergegeben hat.

WARNUNG!

ACHTUNG ACHTUNG! In Köln geht ein Virus um. Höchste Ansteckungsgefahr!! Es fängt harmlos an, erst sieht man nur ein paar Befallene eilig über die Kreuzungen huschen, dann werden es immer mehr. Erst tragen sie bevorzugt rot, grün oder blau, wenn es dann aber die Massen erfaßt, bricht das Chaos aus, nicht nur farblich. Wer unfreiwillig in die Nähe der Infizierten gerät, sollte sich ganz still verhalten, bis die Gefahr vorüber gezogen ist. Manchmal warnen die Kranken durch laute Trommelgeräusche vor sich selbst – wer das hört, sollte möglichst schnell in die entgegengesetzte Richtung fliehen.

Offizielle Stellen haben einen Test veröffentlicht, der zeigt, ob man bereits befallen ist: Ein Vampir fährt auf einem Tandem in Schlangenlinien auf der Straße. Die Polizei hält ihn an und fragt: „Haben Sie was getrunken?“ Darauf der Vampir: „Nur zwei Radler.“ (Muaha … *räusper*, Entschuldigung). Wer jetzt schmunzelt oder gar lacht, hat sich vermutlich bereits angesteckt. Aber keine Sorge, das virus carnevaliensis hat in den meisten Fällen nur eine Lebensdauer bis zum 22.02.12. Zwischenzeitlich kann der mehrmalige Genuß des Entschuldigungsinterviews des Bundespräsidenten hilfreich sein:

EDIT: Wie aus gut unterrichteten Quellen zu erfahren ist, soll sich der Verfasser dieses Eintrags angesteckt haben und befindet sich in freiwilliger Quarantäne. Nach neusten Meldungen hat das Virus die Grenzen des rheinischen Verbreitungsgebietes überschritten und ist in politische Kreise eingefallen. Folgende Indizien sind zu beobachten: Wirtschaftsminister Rösler witzelte kürzlich in einer Rede: „Jetzt kommt es darauf an, deutlich zu machen, dass die FDP für unser Land unverzichtbar ist.“ Selbst der Bundespräsident treibt Schabernack mit der Bevölkerung: „Ich glaube, diese Erfahrung, dass man die Transparenz weiter treiben muss, die setzt auch neue Maßstäbe. Morgen früh werden meine Anwälte alles ins Internet einstellen. Dann kann jede Bürgerin, jeder Bürger, jedes Details zu den Abläufen sehen …“ (tätää tätää!).

Wolkenburg am Mauritiussteinweg, innen

Außen Barock – innen die Architektur der 50er Jahre, allerdings im Design des Fin de siècle, und die Technik, also Beleuchtung, Klimaanlage etc., ist sogar erst ein paar Jahre alt.

Den „Kölner Männer-Gesang-Verein“ (KMGV) gibt es bereits seit 170 Jahren. Namhafte Komponisten haben eigens Stücke für ihn geschrieben: Mendelssohn Bartholdy, Jacques Offenbach, Max Bruch etc. Der Überschuß aus den Einnahmen wurde und wird gespendet, früher viel für den Dombau, aber auch für soziale Projekte. Die Mitglieder selbst verdienen mit den Konzerten kein Geld, im Gegenteil, sie zahlen drauf: Konzertreisen müssen aus eigener Tasche bezahlt werden, und da die schon mal nach Südafrika oder China gehen, kommt da einiges zusammen. Sollte sich ein Mitglied das nicht leisten können: Kein Problem, „man kennt sisch, man hilft sisch“, eine alte kölsche Weisheit, überregional auch als Klüngel bekannt, hier aber mal ohne negative Auswirkungen.

Was in reinen Männerbünden sonst noch passiert, kann man sich denken: Angeben, dreckige Witze reißen, saufen, Geschäfte machen usw. Ob das auch für den KMGV gilt, wissen nur die Mitglieder … Übrigens gab es Zeiten, da konnte man nur durch Beziehung Mitglied werden, heute hat man aber Nachwuchsprobleme, also kann sich jedermann bewerben.

Ein großer Saal, ein mittlerer und zwei kleine können für Veranstaltungen gemietet werden, von großen (Steh-)Empfängen für 1.000 Leute bis hin zu kleinen Feiern für 70 Personen ist alles drin. Auf Wunsch kann man sich auch bekochen lassen, alles eine Frage des Geldes.

Sogar ein Standesbeamter kommt auf Wunsch ins Haus, die Miete allein für die Zeremonie (also ohne Sekt und sonstiges Catering) bis zu 30 Gästen kostet 773,50 Euro. Was der große Saal mit einer voll ausgerichteten Hochzeit kostet, steht nirgends, aber es wird kein Schnäppchen sein – es war schon immer etwas teuerer, das Besondere zu wollen. Tja. Es soll ja Leute geben, die betrachten ihren Hochzeitstag als den schönsten ihres Lebens, bzw. daß er das werden soll …

Wolkenburg am Mauritiussteinweg, außen

Die Wolkenburg ist Sitz des „Kölner Männer-Gesang-Vereins“, der diese Gebäudebezeichnung von seinem alten Sitz in der ehemaligen Straße „An der Wollküche“ mitgebracht hat.

Das Barockgebäude wurde ursprünglich Mitte des 18. Jahrhunderts als Kloster für katholische Benediktinerinnen errichtet. Als der damalige Erzbischof Maximilian Friedrich den Neubau besichtigte, fand er ihn viel zu komfortabel für die Ordensschwestern, und er verbot, daß sie dort einziehen. Tja, so sind sie, die Erzbischöfe. Es heißt, er selbst sei trotz Zölibat den Frauen nicht abgeneigt gewesen – Nonnen werden nicht darunter gewesen sein.

Nachdem die Franzosen Köln 1802 besetzt hatten, ging das Gebäude in den Besitz der Stadt über, hatte in der Folge wechselnde Nutzer und wurde im 2. WK fast vollkommen zerstört. Äußerlich hat man es so wieder aufgbaut, wie es war, und hat es dem angesehenen „Männer-Gesang-Verein“ übergeben, der es nicht nur als Proben- und Vereinshaus nutzt, sondern die Säle auch für Veranstaltungen vermietet (darüber mehr im nächsten Eintrag).

Im Winter hat man es gern üppig: Unter Geldnot scheint man hier nicht zu leiden, ich kenne kaum ein privates Haus in Köln, das derart protzig-kitschig rundum beleuchtet wird. Aber die Bewohner des Viertels sind stolz: Als ich fotografierte, sprach mich eine Dame an: „Ist das nicht großartig?!“, sagte sie mehrere Male. „Ja, gewaltig“, war meine Antwort – ich fand das diplomatisch.

Zülpicher Str.

Direkt neben dem Kino „Off Broadway“ hat ein neuer syrischer Imbiß aufgemacht, auch hier gibt es, wie in vier weiteren Läden in unmittelbarer Umgebung, Falafel, in Teigtaschen oder als Tellergericht. Wer es noch nicht kennt: Falafel sind frittierte Bällchen aus gewürztem Kichererbsenmus, sehr lecker, sie machen satt, aber man fühlt sich nicht so abgefüllt wie z.B. von einer Dönertasche. In diesem neuen Imbiß sind sie auch sehr gut gelungen – an den Beilagen kann man vielleicht noch etwas feilen, da war nicht viel zu schmecken. Aber gut, für 5 Euro pro Portion mag man kaum meckern. Der gewürzte Tee wird übrigens unaufgefordert und gratis auf den Tisch gestellt, besonders im Winter ist das sehr angenehm.

Hanns-Hartmann-Platz

Oh no – schon wieder Weihnachtsmarkt? Nein, tatsächlich immer noch. Bis zum 7.1. kann man hier Glühwein trinken, und deswegen nennt man das auch nicht Weihnachts-, sondern Wintermarkt. Geschickt. Und so ein paar Buden in der Ecke stören auch nicht weiter. Aber ich hoffe, das ist kein Trend, der Tourismuschef hat nämlich schon öffentlich darüber nachgedacht, daß es doch schön wäre, wenn man die Goldesel über die Festtage hinaus in der Stadt halten und melken könnte. Warum kein ganzjähriger Weihnachtsmarkt? Die Lebkuchen für dieses Jahr werden doch wahrscheinlich auch schon wieder gebacken.

Brüderstr.

Schön, daß das „Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie“ soviel Geld übrig hat, um sich in einer Plakatkampagne selbst zu loben, durchsichtig getarnt als Dank an „Deutschland“ – ein „Wir“-Gefühl soll erzeugt werden: „Wir, die Politiker, haben für euch gesorgt, und ihr habt mitgezogen. Wir alle sind gut!“, so die Botschaft. Tatsächlich ist das Plakat dreiste Propaganda, denn die Arbeitslosenstatistik ist so geschönt, daß es so aussieht, als gäbe es „nur“ 2,7 Millionen Arbeitslose. Wer aber z.B. mindestens 58 Jahre alt ist und wenigstens ein Jahr Hartz-IV bezieht, ohne ein bezahltes Arbeitsplatzangebot bekommen zu haben, gilt nicht als arbeitslos, obwohl er oder sie es faktisch ist. Das waren im November 2011 bereits 105.000. Außerdem werden für die Statistik alle die nicht mitgezählt, die gerade an einer sogenannten Maßnahme (Weiterbildung) teilnehmen, Kranke, Arbeitslose ohne Anspruch auf staatliche Hilfe, 1-Euro-Jobber. Bis zu 1,5 Millionen Bürger gelten als versteckt arbeitslos. „Wirtschaft. Wachstum. Wohlstand.“, hat das Bundesministerium in seinem Untertitel stehen – das gilt auf jeden Fall für die Rechenasse, die für die Statistiken verantwortlich sind.

Roonstr./Zülpicher Str.

Man könnte denken, es wäre nebelig gewesen vorletzte Nacht, war’s aber nicht: Der Qualm kam von der massenhaften rituellen öffentlichen Geldverbrennung zum Jahreswechsel, und besonders nervig ist das Getöse, das dabei gemacht wird. Ich habe eine saugute Idee (das Jahr fängt gut an!): Jeder, der an diesem irren Brauch teilnimmt, verzichtet darauf, nur einen einzigen Euro von seinem Verbrennungsbudget für diesen Quatsch zu opfern und überweist ihn stattdessen auf mein Konto. Im Gegenzug verpflichte ich mich, nur die Hälfte davon zu behalten, den Rest spende ich für Verbrennungsverletzte vom 31.12./01.01.

Besonders viele Verletzte gab es, so heißt es in den Nachrichten, weil es so warm war und die Knallköpfe es draußen viel länger aushielten, als in den letzten Jahren. Als ich gegen 2 Uhr morgens meinen Besuch zur Straßenbahn begleitete, kamen uns vereinzelt Leute im T-Shirt entgegen.

Und das ist wohl auch der Grund, weshalb hier noch Außengastronomie angeboten wird. Damit nicht zu viele kommen, hat man rote Neonröhren installiert.

Schöne Tage!

Der Weihnachtsmann bringt die Geschenke alle in einer Nacht? In Milliarden Haushalte? Von wegen! Das Beweisfoto ist bereits von Mitte Dezember. Außerdem sollte er sich mal um wichtigere Dinge kümmern:

Lieber guter Weihnachtsmann
weißt Du nicht, wie’s um uns steht?
Schau dir mal den Globus an
da hat einer dran gedreht.

Alle steh’n herum und klagen
Alle blicken traurig drein
Wer es war, ist schwer zu sagen
Keiner will’s gewesen sein.

Uns ist gar nicht wohl zumute,
kommen sollst Du, aber bloß
mit dem Stock oder der Rute
(Und nimm beide, ziemlich groß).

Breite deinen goldnen Flügel
aus und komm zu uns herab
dann verteile deine Prügel
aber bitte nicht zu knapp.

Lege die Industriellen
kurz entschlossen übers Knie
und wenn sie sich harmlos stellen –
glaube mir, so lügen sie.

Ziehe denen, die regieren
bitte schön die Hosen stramm
wenn sie heulen und sich zieren
zeige ihnen ihr Programm.

Komm und zeige dich erbötig
und verhau sie, daß es raucht
denn die haben’s bitter nötig
und sie hätten’s längst gebraucht.

Komm erlös uns von der Plage
weil ein Mensch das gar nicht kann.
Ach das wären Feiertage
Lieber guter Weihnachtsmann.

Erich Kästner

Allen Freunden dieses Blogs wünsche ich angenehme, ruhige Festtage.