Spätsommer

Letzte Gelegenheit, sich gegenseitig naß zu machen – nach diesen Tagen wird es nicht mehr warm genug sein.

Es hat was Rührendes, wenn sich jemand zum Gespött macht – die Freunde stehen am Rand und drehen feixend Videos mit dem Handy. Fünf Euro kostet es, für fünf Minuten in dem Ball verbringen zu „dürfen“.

Herrlich, Ende Oktober nochmal so enspannt draußen sitzen zu können.

Während vor dem Café die Besucher noch im T-Shirt sitzen …

… werden im Stadtgarten schon die Weihnachtsmarktbuden aufgebaut.

Uferstr.

Was macht das Zebra auf dem Balkon? Zum Rauchen nach draußen geschickt und dann da vergessen worden? Das sind mir schöne Gastgeber.

Die Galerie 681 in der pinken Villa von 1910 heißt so, weil sie sich genau am Rheinkilometer 681 im Kölner Süden befindet. Der Skulpturengarten öffnet erst um 14 Uhr – schade. Also auf ein anderes Mal.

Sonntag Nachmittag

Sonntag Mittag: Wieso ist es so ruhig? Ein Blick aus dem Fenster zeigt: Köln-Marathon. Die Teilnehmerzahlen sollen von Jahr zu Jahr zurückgehen, habe ich gelesen, das Foto scheint es zu bestätigen.

Gut, an einem Streckenabschnitt ein paar Meter weiter (für mich, die Läufer werden über immense Umwege geschickt) sieht das schon anders aus. Der schnellste Läufer hat sich übrigens 200 Meter vor dem Ziel verlaufen, das nenn ich Pech. Aus Versehen ist er einem Begleitmotorrad hinterher gelaufen, das sich durch ein Seitentor dezent aus der Linie bringen wollte, und hat dadurch wertvolle Sekunden verloren. Gewonnen hat also der zweitschnellste Läufer. Großherzig hat der Veranstalter aber erwogen, jeweils beiden das Preisgeld des Gewinners auszuzahlen.

Was ich an solchen Veranstaltungen schön finde, ist, daß die meisten Straßen abgesperrt sind und keine Autos fahren können. Allerdings ist es auch schwer, mit öffentlichen Verkehrsmitteln wo hinzufahren, die haben ja die gleichen Einschränkungen. Nach einigem hin und her sind wir im Stadteil Müngersdorf gelandet. Hier gibt es einige wenige alte Fachwerkhäuser, …

… sehr viel durchschnittliche, dazwischen aber auch gewagte, humorvolle Architektur.

Eine Stimmung hier wie auf dem Lande. Eine malerische Tür – dahinter ist leider eine riesige Baugrube, ich nehme an, die Mauer muß bald auch dran glauben und Platz machen für einen mutmaßlich abscheulichen Zweckbau.

Weit muß man nicht gehen, und man ist im Grünen. Schön.

Innenstadt

Während man träumt, weiß man ja meistens nicht, daß man es tut. Hinterher, wenn man sich im Wachen daran erinnert, weiß man, woran man es hätte erkennen können: Wenn völlig absurde Sachen passiert sind, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. In manchen Träumen gibt es das Phänomen des falschen Erwachens: Man glaubt, man hätte geträumt, sei aber dann erwacht und nun in der Wirklichkeit. Tatsächlich hat man das aber nur geträumt. In einem solchen Traum befinde ich mich gerade, glaube ich, denn daß jemand Köln ernsthaft als die schönste Stadt Deutschlands bezeichnet und das an jeder Ecke der Stadt plakatiert ist so wahrscheinlich wie die Annahme, die Türme des Doms seien große Bierflaschen. Kann mich jemand aufwecken?

PS:
„Denn Kölle es et Jrößte,
et Jrößte wat et jitt.
Kölle es die schönste
Stadt op unsrer Ääd.
Denn Kölle bliev Kölle,
3 mol Alaaf,
Kölle bliev ovven,
eher kütt d’r Himmel eraf.“
Paveier

*blinzel* was ist los! Bin ich schon wach? Offensichtlich noch nicht …

Händelstr.

Was war das noch, was ich erledigen wollte an diesem Wochenende … ah, ich hab’s:

Der Fußabtreter gehört zu „Hair & make-up studio Mythos“, offenbar ein trendiger Laden, in dem es locker zugeht und Virtuosen der Schere stylische Frisuren …. Moment, was sehe ich da rechts oben bei starker Vergrößerung?

Ist das ein (ehemaliger) Kunde? Was? Der war sowieso schon alt? Ach so.
Grad fällt mir ein, so lang sind meine Haare eigentlich noch gar nicht.

Karolingerring

Skandal! Da geben sich die Kölner Verkehrsbetriebe alle Mühe, die MP3-Player-tauben Jugendlichen mit großen Schildern vor dem Unfalltod zu bewahren, da hat es ein Geschäft offenbar auf die Dezimierung der männlichen Bevölkerung abgesehen. Hallo? Männer sind Augentiere, haltet denen das „richtige“ Motiv in den Blick, dann bemerken die nichts anderes mehr. Was verkauft ihr da – Särge?

Gefühle, eruptiv

„Köln ist ein Gefühl“ – diesen Wahlspruch hat man hier so gern, daß man ihn sogar auf Souvenirs druckt, und der wahre Kölner fängt sogleich (zumindest innerlich) an zu schunkeln.

Wenn man sich seinen Gefühlen überläßt, spielen andere Erwägungen oft keine Rolle mehr, die Vernunft, sofern überhaupt vorhanden, wird abgestellt – für einige unserer städtischen Beamten unbedingtes Qualitätsmerkmal ihrer Entscheidungen.

Ich hatte hier ja bereits erzählt, daß die Kölner seit diesem Jahr eine Erhöhung der Grundsteuer von 3% zu bezahlen haben. Mit dem Geld sollte der Winterdienst der Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) verbessert werden, angesichts des Chaos, das im Vorjahr geherrscht hatte, eine dringend notwendige Maßnahme. Für die Mehrkosten wurde den Bürgern sogar versprochen, daß die AWB sich nun auch endlich um verschneite und vereiste Bushaltestellen kümmern würde, eigentlich eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen, hier aber nicht. Als der Winter dann weder Schnee noch Eis bescherte, erhielten die Einwohner ihr zuviel gezahltes Geld zurück … kleiner Scherz, natürlich hat man es für anderes ausgegeben.

Nun hat vor ein paar Wochen die Umweltdezernentin in sich hineingehorcht, was da so brodelt in ihr, und ohne lange nachzudenken eruptierte sie eine Idee, die sie sogleich der Öffentlichkeit ans Herz legte: Auch in Zukunft müßten die Bürger die verschneiten Bushaltestellen selbst räumen, da ja die Mitarbeiter der AWB im letzten milden Winter gar keine Möglichkeiten hatten, zu üben. Üben? Schneeschippen und Salzstreuen? Moment moment – jetzt nicht denken, einfach mal nachfühlen … das ist doch wirklich zu schade, fühlte es in der Umweltdezernentin, wenn wir das Geld, das wir jetzt woanders eingesetzt haben, in diesem und den nächsten Jahren eventuell seinem eigentlichen Zweck zuführen müssten – dann fehlt das doch an der anderen Stelle! Und das Schönste ist: Da die Kollegen von den AWB ja auch in diesem Jahr wieder nicht üben können, wenn die Anwohner verpflichtet werden, müssen im nächsten Jahr wieder die Bürger selbst … genial!

Severinstr.

Die Einfahrt ist rechts, Ausfahrt links, hatte der Chef gesagt, und weil er seinen Auszubildenden Kevin aus dem 5. Lehrjahr kennt, hatte er es ihm aufgemalt: Wenn der Pfeil in die Richtung => zeigt, geht’s nach rechts, in die andere Richtung nach links. Hmmm … Kevin kam ins Grübeln: Wenn der Pfeil dahin zeigt, wo die Einfahrt sein soll, muß das Schild dann nicht auf die andere Seite? Aber dann hängen da zwei übereinander – „dat sät nit joot us“. Gedacht, getan: „Do weed dä Baas äwwer lure!“ Stimmt, und nicht nur der Chef.

Palanter Str.

Lange wird man nicht mehr draußen sitzen können beim neuen Weinlokal im schönen Stadtteil Sülz. Gegessen habe ich hier noch nicht, aber die Leute sind nett, die Speisekarte nicht hochpreisig, muß ich bei Gelegenheit mal ausprobieren.

Das ist ein „Aperol Spritz“, ein Modegetränk aus Italien: Weißwein oder Prosecco, gemischt mit Mineralwasser und einem Likör, der ein bißchen wie Campari schmeckt. Doch, kann man trinken. Hier kostet er angemessene 4,50, in der Innenstadt darf man gern mal 7,50 Euro dafür bezahlen. Verrückt! Ich bleibe bei Bier oder Grauburgunder.

Vogelsanger Str.

Aha. Danke für den Hinweis, aber daran habe ich im Moment gar keinen Bedarf. Und wenn ich links rum laufe, was kriege ich dann? Liebe und Essen? Schön wär’s …

PS: Tatsächlich geht es wohl um nicht unumstrittene Seminare zu Eßstörungen, die vor allem einem helfen, abzunehmen: Dem Portemonnaie.