Gefühle, eruptiv

„Köln ist ein Gefühl“ – diesen Wahlspruch hat man hier so gern, daß man ihn sogar auf Souvenirs druckt, und der wahre Kölner fängt sogleich (zumindest innerlich) an zu schunkeln.

Wenn man sich seinen Gefühlen überläßt, spielen andere Erwägungen oft keine Rolle mehr, die Vernunft, sofern überhaupt vorhanden, wird abgestellt – für einige unserer städtischen Beamten unbedingtes Qualitätsmerkmal ihrer Entscheidungen.

Ich hatte hier ja bereits erzählt, daß die Kölner seit diesem Jahr eine Erhöhung der Grundsteuer von 3% zu bezahlen haben. Mit dem Geld sollte der Winterdienst der Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) verbessert werden, angesichts des Chaos, das im Vorjahr geherrscht hatte, eine dringend notwendige Maßnahme. Für die Mehrkosten wurde den Bürgern sogar versprochen, daß die AWB sich nun auch endlich um verschneite und vereiste Bushaltestellen kümmern würde, eigentlich eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen, hier aber nicht. Als der Winter dann weder Schnee noch Eis bescherte, erhielten die Einwohner ihr zuviel gezahltes Geld zurück … kleiner Scherz, natürlich hat man es für anderes ausgegeben.

Nun hat vor ein paar Wochen die Umweltdezernentin in sich hineingehorcht, was da so brodelt in ihr, und ohne lange nachzudenken eruptierte sie eine Idee, die sie sogleich der Öffentlichkeit ans Herz legte: Auch in Zukunft müßten die Bürger die verschneiten Bushaltestellen selbst räumen, da ja die Mitarbeiter der AWB im letzten milden Winter gar keine Möglichkeiten hatten, zu üben. Üben? Schneeschippen und Salzstreuen? Moment moment – jetzt nicht denken, einfach mal nachfühlen … das ist doch wirklich zu schade, fühlte es in der Umweltdezernentin, wenn wir das Geld, das wir jetzt woanders eingesetzt haben, in diesem und den nächsten Jahren eventuell seinem eigentlichen Zweck zuführen müssten – dann fehlt das doch an der anderen Stelle! Und das Schönste ist: Da die Kollegen von den AWB ja auch in diesem Jahr wieder nicht üben können, wenn die Anwohner verpflichtet werden, müssen im nächsten Jahr wieder die Bürger selbst … genial!

0 Antworten zu “Gefühle, eruptiv

  1. Ja, da kann man nur staunen. Neulich hatte ein Ratsherr die Idee, daß man auch Steuern erheben kann, wenn die Leute in einer Schlange stehen, vorm Kino oder so, schließlich sei das auch öffentlicher Raum. Kein Scherz!

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  2. Klar, bei der Volkshochschule, geübt wird mit Scheinschnee aus Styropor; private Lehrgänge sind leider etwas teurer, dafür mit Übernachtung in einem 4-Sterne-Hotel in der Schweiz, inkl. Schneegarantie. 😉

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  3. Kein Scherz. Aber noch ist wohl nicht endgültig beschlossen, daß es dazu kommt, und ich ringe verzweifelt die Hände in der Hoffnung, daß es vielleicht doch ein, zwei Verantwortliche gibt, die ihren Verstand nicht an der Rathausgarderobe abgegeben haben.

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