Lichtkammer auf dem Roncalliplatz

Nanu – der Dom und seine Umgebung stehen auf dem Kopf? Das sieht ja aus wie in einer Lochkamera. Stimmt, in genau einer solchen befinden wir uns.

Der schwarze Kasten auf dem Roncalliplatz ist eine riesige „Camera Obscura“: Der Künstler Martin Streit hat hier zwei Container aufeinandergestellt und im oberen in der dem Dom zugewandten Seite ein Loch gebohrt, vor dem sich im Inneren mit ein wenig Abstand eine durchscheinende Leinwand befindet, die der Besucher von hinten betrachten kann. Die Reflektionsstrahlen des Doms fallen nun durch das Loch gerade hinein, so daß auf der Leinwand ein umgekehrtes Bild entsteht. Genauso funktioniert übrigens auch das menschliche Auge, das Bild, das auf der Netzhaut abgebildet wird, steht auch auf dem Kopf.

Initiiert hat die Installation das Katholische Bildungswerk anläßlich des 850jährigen Jubiläums der Unterbringung der angeblichen Gebeine der sogenannten „Heiligen Drei Könige“ in Köln – Rainer Will, stellvertretender Leiter des katholischen Bildungswerks, schwadroniert mühsam: „Beide laden dazu ein, anders hinzuschauen. Hier die nach innen projizierte, auf den Kopf gestellte schemenhafte Außenwelt, die die Erde in den Himmel stellt und den Himmel herunterholt auf die Erde. Dort der reich verzierte Schrein, dessen einziger Sinn darin besteht, auf die Berührung von Himmel und Erde im Menschen hinzuweisen.“ (KStA vom 29.08.14) Die Welt so zu manipulieren, wie es im eigenen Machtinteresse ist, und den Menschen das als die Wirklichkeit vorzugaukeln, darin war die katholische Kirche schon immer gut. Über die Wirklichkeit der angeblichen Gebeine der sogenannten „Heiligen Drei Könige“ habe ich hier schon einmal ausführlich erzählt.

Zwischen 80.000 und 90.000 Euro kostet das Kunstwerk, davon übernimmt die katholische Kirche 15.000, den Rest zahlt der Künstler aus eigener Tasche, keine Ahnung, wie der das stemmt. Ich habe ihm jedenfalls zwei Euro gespendet.

Samstag in St. Gereon

Nanu – was ist denn da los in der Kirche St. Gereon? Was? Aber nein, wir sind überhaupt nicht neugierig, aber man muß doch schnell mal nach dem Rechten schauen.

Ah ja – eine Hochzeit. Es gibt gesellschaftliche Rituale, die ich für sinnvoll halte, Begräbnisfeiern zum Beispiel, aber kirchliche Hochzeiten? Ich habe keine Ahnung, ehrlich gesagt, die Tendenz geht eher Richtung: Nein, sind sie nicht.

Egal, wir wünschen viel Glück, möge das weitere Leben ebenso bunt sein wie die Bekleidung der interkulturellen Gästeschar.

Tanzbrunnen

Nicht viel los an der Frittenbude während des Blumenmarktes am Tanzbrunnen.

Gut, vielleicht liegt es auch daran, daß es schon tiefer Nachmittag ist, als wir eintrudeln, die meisten Leute sind alle schon wieder weg, nur die Standbetreiber harren noch aus.

Da sitzen noch ein paar Besucher und erfreuen sich an den Tanzdarbietungen zu einem Potpourri von Kölschschlagern (Potpourri heißt wörtlich übersetzt „verfaulter Topf“, und genau so hört sich das an).

Aber – das Wetter ist schön, die Stimmung relaxt, und wenn wir wollen, können wir eine bunte Basttasche kaufen, das ist doch nett.

Wer keinen Garten hat, braucht sich nicht mit Blumen abzuschleppen, und genießt die Spätsommersonne am Rhein.

Das Drama, das da erahnbar wird, ist gar kein Gewitter, sondern ein Kamerafilter, der genau so heißt: Drama. Am unteren Bildrand übrigens das Wahrzeichen Kölns, das man aus vielen Teilen der Stadt sehen kann: Der Baukran.

Hallo! – da hat sich inzwischen Kundschaft eingefunden, Abendbrotzeit, die Tochter hat Hunger. Zwei Fritten müßten reichen, dann ist der Magen voll.

Tipsgasse

Eine Straße mitten in der Kölner Altstadt, in der keiner wohnt: Die Tipsgasse hat keine Hausnummern, und die Häuser haben keine Türen, wo jemand hineingehen kann. Mit 16 Metern Länge ist sie die kürzeste Straße der Stadt. Im 18. Jahrhundert hieß sie noch „Tievesgäßchen“, was vielleicht ein Stummelname von „Matthäus“ ist – von „Thäus“ zu „Tieves“ ist es nicht so weit.

Sonntag

Wenn die Straßen für Autoverkehr gesperrt sind …

… und auch Fußgänger ungeplant in so manche Sackgassen laufen …

… dann ist Köln-Marathon. Nein – Rhein-Energie-Marathon heißt das ja jetzt, einer der örtlichen Stromversorger sponsort offensichtlich.

5300 Läufer sind angetreten, von denen 3950 das Zieltor erreichten. Der Rest hat schlappgemacht – 42 Kilometer im Dauerlauf, da kann ich mir auch Schöneres vorstellen.

Gut, wenn man es geschafft hat, ist das wahrscheinlich ein großartiges Gefühl. Marathonlauf scheint ürigens ein überwiegend männlicher Sport zu sein: Unter den Zielläufern waren bloß 777 Frauen.

Breslauer Platz

2008 entschloß sich der Stadtrat, den Platz hinter dem Hauptbahnhof neu zu gestalten. Da er nicht so kahl aussehen sollte, entschied man sich dafür, einen Brunnen anzulegen. Letztes Jahr nun war der Platz fertig (hier erzählte ich davon), der Brunnen allerdings fehlte. Man hatte ihn glatt vergessen, angeblich, denn die unterirdischen Leitungen waren vorhanden. Nützte nichts, ein Brunnen war beschlossen, ein Brunnen mußte her, und da ist er nun. Von den ursprünglich veranschlagten Kosten in Höhe von 280.000 € sind nun 340.000 € geworden, das kennt man ja, da taucht dann plötzlich noch ein Kabel oder eine Schraube auf, die man in der Kalkulation vergessen hatte. Sieben Strahlen, pro Strahl also ca. 49.000 € – im Durchschnitt, denn der kleine war ja vermutlich billiger als der große.

Verkehrskonzept

Ach, wie nett: Wir Urlaubsheimkehrer werden mit einem kleinen Musikfestival begrüßt. Allerdings hat man noch 335.000 Gäste von außerhalb dazu eingeladen, die sich aber hauptsächlich auf der „Gamescom“, der weltweit größten Computerspielmesse, aufhalten. Oder irgendwo sonst in der Stadt verloren gehen:

Köln hat seit ein paar Monaten einen Baustellenkoordinator. Ich weiß nicht, ob er schon dafür verantwortlich ist, aber wenn, dann hat er ganze Arbeit geleistet. Von den insgesamt 40 Straßenbaustellen, die am letzten Wochenende für eine Verkehrsberuhigung sorgten, waren die wichtigsten direkt in der City. Wenn die Besucher der „Gamescom“ mit dem Auto zum Musikfest wollten, mußten sie über die Deutzer Brücke, die vorsorglich schon mal einspurig verengt wurde.

Ca. 1 Kilometer vor dem Ziel wurde die Straße dann komplett gesperrt und der Verkehr in große Staus nach links abgeleitet – der Anfang einer umfangreichen Stadtrundfahrt, die von den jeweiligen Navigationsgeräten vermutlich mit der Aufforderung „Wenden bei der nächsten Gelegenheit“ begleitet wurde.

Da man diese Dienstleistung den Benutzern des öffentlichen Nahverkehrs natürlich nicht vorenthalten wollte, sperrte man auf der gleichen Strecke die Straßenbahngleise, für eine Station sollten die Reisenden auf den sogenannnten Schienenersatzverkehr umsteigen – Ortsunkundige, die nur „Aussteigen“ mitbekamen, landeten dann auf dem Kölner Altstadtfest (=Weihnachtsmarkt ohne Weihnachtsartikel) statt auf dem Musikfestival. Es gibt Leute, die behaupten, daß sei auch so beabsichtigt gewesen, schunkeln statt rocken, aber das ist nur eine böse Unterstellung. Jedenfalls: Tausende Leute irrten durch Köln, suchten ihre Wege und lernten so die Stadt und ihre Geschäfte kennen. Ein voller Erfolg vom Amt für Tourismus.

Hohenstaufenring

In Köln gibt es ein neues Bettengeschäft namens „Auping“. Johannes Auping gründete die Firma in den Niederlanden im Jahr 1888. Der Kölner aber, der das nicht weiß, verbindet mit dem Namen andere Assoziationen: „Au!“ ist ein Schmerzlaut, und „Ping“ ist das kölsche Wort für – Schmerz (z.B. Röggeping=Rückenschmerz). Das ist natürlich Quatsch, der Name sagt gar nichts aus über die Qualität der Betten, reinster Aberglaube. Aber – ähh … trotzdem kann mir keiner verbieten, daß ich erst woanders gucke …

Liebe Leute, ab morgen schlafe ich für zwei Wochen jede Nacht auf einer anderen Matratze (Wanderurlaub), ich hoffe, Au! und Ping bleiben mir erspart. Bis bald!

1000 Bäume

Köln hat nichts als Schulden: Die Kindergärten, die maroden Schulen, die defizitären Schwimmbäder, die Subventionen für Industrie und Handel, das ständige Aufreißen und wieder Zuschütten der Straßen, die vorhersehbare aber offenbar unvermeidliche Verdreifachung der Kosten beim Bau öffentlicher Gebäude, der Schampus, der dann bei den feierlichen Eröffnungen getrunken wird – das kostet alles, wer soll das alles zahlen? Doch nicht die großen Firmen mit ihren Riesengewinnen, die könnten zwar, aber die wandern eher ab, wenn man sie zwingen will. Also müssen neue Ideen her: Der Bürger kann sich z.B. an der Aufstellung von Bäumen beteiligen: Er bezahlt 600 Euro, dafür darf er sich aussuchen, an welcher Baumstütze eine Plakette mit seinem Namen angebracht wird. Der Spender darf diesen Baum dann als „seinen“ betrachten – jedenfalls für drei Jahre, dann verschwinden die Baumstützen wieder, und mit ihnen auch die Plaketten. Daß die Bürger die Bäume mit ihren Steuern sowieso schon bezahlt haben – jaha, schön und gut, aber dafür trägt keine Baumstütze ihre Namen!
Falls das Modell erfolgreich ist, überlegt die Stadt schon mal, wie man den Bürger noch mehr ausnehmen beteiligen kann, nicht jeder hat ja gleich 600 Euro zur Verfügung: Ein Schlagloch im Straßenbelag könnte man für 30 Euro anbieten, ein Urinal mit Messingplakette für 200, und für 1000 Euro ist der Oberbürgermeister bereit, eine Woche lang ein Namensschild mit dem Namen des Spenders zu tragen – so günstig hat man noch nie einen Politiker gekauft.
Und wenn für jede abstruse Idee, die im Rathaus gedacht wird, nur 1 Euro eingezogen wird von dem Rats- oder Verwaltungsmitglied, das sie gedacht hat, ist Köln bald schuldenfrei.