1000 Bäume

Köln hat nichts als Schulden: Die Kindergärten, die maroden Schulen, die defizitären Schwimmbäder, die Subventionen für Industrie und Handel, das ständige Aufreißen und wieder Zuschütten der Straßen, die vorhersehbare aber offenbar unvermeidliche Verdreifachung der Kosten beim Bau öffentlicher Gebäude, der Schampus, der dann bei den feierlichen Eröffnungen getrunken wird – das kostet alles, wer soll das alles zahlen? Doch nicht die großen Firmen mit ihren Riesengewinnen, die könnten zwar, aber die wandern eher ab, wenn man sie zwingen will. Also müssen neue Ideen her: Der Bürger kann sich z.B. an der Aufstellung von Bäumen beteiligen: Er bezahlt 600 Euro, dafür darf er sich aussuchen, an welcher Baumstütze eine Plakette mit seinem Namen angebracht wird. Der Spender darf diesen Baum dann als „seinen“ betrachten – jedenfalls für drei Jahre, dann verschwinden die Baumstützen wieder, und mit ihnen auch die Plaketten. Daß die Bürger die Bäume mit ihren Steuern sowieso schon bezahlt haben – jaha, schön und gut, aber dafür trägt keine Baumstütze ihre Namen!
Falls das Modell erfolgreich ist, überlegt die Stadt schon mal, wie man den Bürger noch mehr ausnehmen beteiligen kann, nicht jeder hat ja gleich 600 Euro zur Verfügung: Ein Schlagloch im Straßenbelag könnte man für 30 Euro anbieten, ein Urinal mit Messingplakette für 200, und für 1000 Euro ist der Oberbürgermeister bereit, eine Woche lang ein Namensschild mit dem Namen des Spenders zu tragen – so günstig hat man noch nie einen Politiker gekauft.
Und wenn für jede abstruse Idee, die im Rathaus gedacht wird, nur 1 Euro eingezogen wird von dem Rats- oder Verwaltungsmitglied, das sie gedacht hat, ist Köln bald schuldenfrei.

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0 Antworten zu “1000 Bäume

  1. Das ist doch wirklich nicht zu fassen!
    Ist das genial böse oder einfach nur dumm dreist? Ich bin sprachlos.

    Fehlen nur noch Fred und Annemie, die als erste damit anfangen. („Is doch für nen jute Sach, nisch Fred?“-„ja schon, äwwer musse disch dafür so anmalen?“)
    Und Kevin, der die Gelegenheit hat, Veedel falsch zu schreiben. („Nit Fädel, du Tünnes, wir sind doch hier nisch am Nähen!“)

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  2. Fred: „Bäume? Bruche mer nit, dat dreckelije Zeuch verschandelt im Herbst de janze Stadt. Wer soll dat bezahle!?“ – Annemie: „Na, dä neuen Eijentümer.“ – „Wat? Minsch, ahl Möhn, da hasse sojar mal recht!“ – Annemie: „Ahl wat?“

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  3. Wer weiß, ob man als „Eigentümer“ eines Baumes nicht auch Folgekosten zu tragen hat(Beschnitt, Bewässerung usw.).

    Wie wäre es denn, wenn wir Berliner Euch Kölnern unseren Regierenden spenden? Der überzeugt Euch dann wenigstens davon, dass Köln „arm aber sexy“ ist.
    Oder hatte ich dieses Angebot schon mal gemacht?
    Ich wiederhole es aber gern.

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  4. Genau, habe ich auch schon gedacht, was einem gehört, dafür ist man auch verantwortlich. Sollte mal während eines Sturms ein Ast herunterfallen und ein Auto beschädigen, weiß die Versicherung gleich, an wen sie sich zu halten hat – der Name steht ja auf der Plakette.

    Euren Bürgermeister hast Du noch nicht angeboten, leider muß ich dankend ablehnen. Wir haben selbst so einen Charmebolzen hier, keine Ahnung, wo die SPD die herkriegen, ob es da eine spezielle Parteischulung gibt? Hier habe ich mal von ihm erzählt:
    http://koelnbilder.blog.de/2011/12/07/herr-roters-12266277/

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  5. Ach so ja klar, alte Möhne, bei uns gab es im Haus eine alte Frau mit Namen Graupe, die war wirklich gruselig. Mein Vater nannte sie immer „Möhne Graupe“. Das wurde so ein feststehender Begriff. „Hier sieht’s aus wie bei Möhne Graupe unter’m Bett!“ oder „Riecht wie Möhne Graupe janz unten!“
    Es gab da so den Klassiker, die Frau stieg zu meiner Mutter und mir in den Fahrstuhl und ich (ca. 4): „Mami, warum stinkt es hier so?“
    Die Graupe: „Du hast wohl in die Höschen gemacht, was?“
    Und meine Mutter wurde zur Furie und schrie: „Na det is die Höhe, Sie waschen sich nicht und stinken wie ein Schwein und schieben es auf det Kind!“ Ich war fasziniert, weil meine Mutter sich richtig aufregte. Die Möhne sagte nichts.

    (Sah gestern noch eine Doku über Wildtiere der Stadt Köln, wie Füchse, Marder, Eichhörnchen etc., die könnte man doch adoptieren, sagen wir 200 Ocken für nen Friedhofsfuchs. Mit Urkunde. Is doch für ne gute Sache, unser Fedel, unser Fux, nich Kevin?“)

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  6. Auch bei uns wird die Aufforstung von Ersatzflächen dem Bürger buchstäblich ans Herz gelegt, aber ohne Plaketten. Er, der Bürger, oder sie, die Bürgerin, oder besser es, das bürgerliche Paar, darf einen Baum pflanzen zur Hochzeit, sei es die grüne, die silberne oder die diamantene, und wenn er, sie, es nicht von selbst auf die gute Idee kommen, wird er, sie ,es von der Stadt schriftlich aus gegebenem Anlass angeschrieben. Ich erinnere mich, dass wir zur Silberhochzeit eine entsprechende Einladung bekamen, aber da ich schon damals ein wenig störrisch reagierte, kann ich mich nicht mehr erinnern, in welchem Rahmen sich die Kosten bewegten. Aber immerhin, im Laufe der Jahre ist schon ein stattliches Wäldchen herangewachsen.
    Was soll’s, diese dämlichen „Liebesschlösser“, die Brücken und -Geländer verschandeln, sind, finde ich, dagegen ziemlich dümmlich, gut, man kann sie ja gegenenfalls wieder abschweißen, während, wenn man versuchen wollte, einen Baum wieder zu elemenieren, dann wird man straffällig. Also Vorsicht beim Pflanzen eines Liebesbaumes.
    🙂

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  7. Wird mir immer unbegreiflich sein, wie stinkende Leute es mit sich selbst aushalten.

    Die Doku kenn ich, gute Idee, eine Patenschaft für jede Ratte oder Maus, das spült richtig Geld in die Kassen. Und für die Tauben – dann haben wir endlich Verantwortliche für den Vogeldreck.

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  8. Ah, endlich mal jemand, der diese Liebesschlösser auch nicht leiden kann!
    Ich kann mir nichts Unromantischeres vorstellen als das! Sowohl vom Material als auch von der symbolischen Bedeutung.
    Nun ja, irgendwann verschwinden die auch wieder. Tamagochis sind ja auch verschwunden.

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  9. Ist Mann nach der Bibel nicht nur dann ein großer, ein ganzer Mann, wenn man einen Baum gepflanzt, ein Haus gebaut und einen Sohn gezeugt hat? Frauen haben es gut, die brauchen sich nicht erst durch ‚große‘ Dinge zu beweisen – und können weiter abwaschen und den Boden schrubben. Tja.
    Zur Weihnachtszeit kann man ja immer wieder lesen, daß Baumräuber im Wald unterwegs sind, weil sie das Geld für die Tanne auf dem Weihnachtsmarkt sparen wollen. Aber was passiert eigentlich, wenn man unter Umgehung der städtischen Schnorrer und ihrer Gebühren irgendwo einen Baum hinpflanzt? Fingerabdrücke, Anzeige, Knast? Oder wird der junge Baum von der Baumpolizei einfach abgetrieben?

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  10. Das habe ich mir doch alles ausgedacht :)) Und zu dem zweiten Kerl: Lange dachte ich, er hieße „von Hirsch“, weil ich immer schon umgeschaltet habe, bevor jemand „-hausen“ sagen konnte. „Hochdeutsch mit Knubbeln“ ist ein geläufiger Begriff unter den ripuarischen Dialektsprechern. Meine Mutter sagte sogar „Hochdeutsch mit Knaubeln“, was feiner klingt.

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  11. Mich erinnern diese Liebesschlösser mehr an Mittelalter und Keuschheitsgürtel.
    Wie singt doch noch der Walhter von der Vogelweide? „… verlorn ist daz slüzzelîn dû muost immer drinne sîn. …“
    🙂

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  12. hm

    auf „meiner Insel“ gabs mal so eine Aktion,
    keine Ahnung wie teuer es war
    man konnte den Baum widmen

    mir hat es gefallen, dort durchzuschlendern und die kleinen GEschichtchen zu lesen…

    sie haben meine Gedanken völlig abgelenkt von den finanziellen Erwägungen der Gemeinde…

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